Siegfried

Christian Thielemann
Orchester der Bayreuther Festspiele
Date/Location
30 July 2010
Festspielhaus Bayreuth
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegfriedLance Ryan
MimeWolfgang Schmidt
WotanAlbert Dohmen
AlberichAndrew Shore
FafnerDiógenes Randes
ErdaChrista Mayer
BrünnhildeLinda Watson
WaldvogelChristiane Kohl
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Reviews
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“Siegfried” in einer umjubelten Aufführung bei den Bayreuther Festspielen: Nach Verwicklungen ein erhofftes Glück

Nun ist er da, der von Wotan erhoffte Superheld, der die in “Walküre” angehäuften Probleme lösen soll. Und sein Name “Siegfried” bezeichnet eben nicht nur den Gewinn des Kampfes, sondern gleichzeitig auch den ersehnten Frieden, der daraufhin am besten für immer folgen soll. Zunächst muss er, nachdem seine Mutter Sieglinde bei der Geburt gestorben ist, beim Schmied Mime aufwachsen.

Der junge Mann ist ein kräftiger Naturbursche, der schon mal alles vom Tisch fegt, wenn ihm etwas nicht passt. Als solcher ist er mit Mime unzufrieden, der ihm nur Schwerter schmiedet, die Siegfried “mit einem Griff zergreift”. Außerdem will er endlich von seinem Ziehvater wissen, wer seine Eltern sind. Die Aussage Mimes “ich bin dir Vater und Mutter zugleich” glaubt er nicht mehr. Die Stücke des Schwerts vom Vater “sollst du mir schmieden”, fordert Siegfried. Mime scheitert daran.

Dramatisches Zwiegespräch
Ein langes dramatisches Zwiegespräch hat Richard Wagner hier mit heftigen musikalischen Effekten versehen. Wie Lance Ryan (Siegfried) und Wolfgang Schmidt (Mime) diese Herausforderung bewältigten, war am Freitag bei den Bayreuther Festspielen absolut sehens- und hörenswert. Siegfried stürmt davon, Wotan kommt. Auch in dieser Handlung ist er zunächst Dreh- und Angelpunkt. Als Wanderer getarnt, erklärt er Mime, dass nur Siegfried das Schwert “Nothung” neu schmieden kann, weil er derjenige ist, “der das Fürchten nie erfuhr”. Albert Dohmen als Wotan war hier emotional besonders eindringlich. Siegfried kommt zurück und schmiedet Nothung. Das Schmiedelied wurde zum darstellerischen und gesanglichen Glanzpunkt des Aktes. Frank Philipp Schlößmanns Bühnenbild zeigte in Akt 1 die übervolle Werkstatt Mimes, im folgenden 2. Akt als Kontrast dazu einen abgestorbenen Wald, durch Baumstümpfe angedeutet, über die der Rohbau einer Autobahnbrücke führt.

Während die Handlung zwischen den Baumrümpfen läuft, verlassen zwei Arbeiter oben ein Arbeitszelt auf der Brücke. Aber: Von dort oben singt der Waldvogel später seine Warnungen an Siegfried, sich vor Mime in Acht zu nehmen. Also hat Regisseur Tankred Dorst wieder einmal Realität und Traum miteinander verknüpft. Dieses Waldstück wird für den Riesen Fafner und den Zwerg Mime zum Todesort. Siegfried holt sich den Tarnhelm, der ihn befähigt, eine andere Person als er selbst zu sein, und den Ring der Rheintöchter, den Alberich so gerne hätte. Zu guter Letzt meint der Waldvogel: “ich wüßt ihm noch das herrlichste Weib”. Dass ein solch dichter Handlungsstrang sowohl verdichtetes Agieren auf der Bühne wie auch emotionsgeladenes sängerisches Gestalten verlangt, ist selbstverständlich und wurde in aktionsreichen Regieeinfällen und dem vorwärtsstrebenden spannungsgeladenen Dirigat von Christian Thielemann stets überzeugend nahegebracht.

Gespenstischer Nebel
Deshalb entwickelt sich der 3. Aufzug zum folgerichtigen Höhe- und Schlusspunkt. Er beginnt in gespenstischem Nebel, in dem Wotan vergeblich Brünnhildes Mutter Erda (sehr beeindruckend geheimnisvoll Christa Mayer) fragt, wie sich die Zukunft gestalten werde. Siegfried erscheint und überwindet locker Wotans Widerstand auf dem Weg zum Feuerfelsen. Genauso unbekümmert durchschreitet er das Feuer rings um Brünnhilde.

Was jetzt folgt, kann langatmig werden, wenn es nur als gegenseitiges Anhimmeln dargestellt wird. So wie Linda Watson, die sich voll Emotionen bis in die höchsten Höhen traute, und der stimmlich immer mehr seine Begeisterung zeigende Lance Ryan allmählich sich in dieser Riesenszene annäherten, wurde ein spannendes Erlebnis daraus. Die Vorsicht gegenüber anderen, die sie gelernt hatten, jetzt allmählich abzulegen und einander zu vertrauen, wurde zum zwingenden Ereignis und zum überzeugenden Erlebnis für die Zuhörer.

Jedenfalls war der voll berechtigte Schlussbeifall für diese intensive Leistung riesig. Dass Brünnhilde dadurch, dass sie sich mit Siegfried einlässt, ihren Göttinnen – Status verliert, ist ihr egal: Lieber sterblich mit einem geliebten Partner als unsterblich und zwangsläufig allein.

Reinhold Tietz | 02.08.2010

Rating
(7/10)
User Rating
(4/5)
Media Type/Label
Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 48.0 kHz, 531 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast from the Bayreuth festival
A production by Tankred Dorst (2006)
This recording is part of a complete Ring cycle.