Das Rheingold

Sebastian Weigle
Frankfurter Opern-und Museumsorchester
Date/Location
8 July 2016
Oper Frankfurt
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
WotanJames Rutherford
DonnerVuyani Mlinde
FrohBeau Gibson
LogeKurt Streit
FasoltAlfred Reiter
FafnerPer Bach Nissen
AlberichJochen Schmeckenbecher
MimeHans-Jürgen Lazar
FrickaTanja Ariane Baumgartner
FreiaLise Davidsen
ErdaMeredith Arwady
WoglindeJessica Strong
WellgundeJenny Carlstedt
FloßhildeKatharina Magiera
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Reviews
bachtrack.com

„Was bisher geschah“: Das Rheingold an der Frankfurter Oper

Als „Previoulsy on…“, also als „Was bisher geschah“ bezeichnet der Germanist Stefan Börnchen Wagners Rheingold, denn der Vor-Abend liefert die Vor-Geschichte zum „eigentlichen“ Drama, den drei Ring-Tagen. Diese Vorgeschichte wäre auch komprimierter zu erzählen gewesen. Wagner hätte sie in den ersten Teil des Rings einfließen lassen können. Figuren hätten die Vorgeschichte dann nacherzählt – Wotan oder Loge zum Beispiel. Aber Wagner entschied sich dagegen. Er ZEIGT uns die Vorgeschichte. Er zeigt uns, wie Alberich der Liebe entsagt für den Erhalt des Rings. Er zeigt uns, wie die Liebesgöttin Freia mit Gold aufgewogen wird. Wir erleben mit, wir staunen in Bestürzung, wir erleiden. Was für eine kaputte Götterwelt! Was für kalte Herzen! In – nach Wagner’schen Verhältnissen immerhin schlanken – zweieinhalb Stunden werden im Rheingold eindrucksvoll all jene großen Konflikte entfacht, die durch den gesamten Ring wüten sollen. Es geht um Liebe, Kapitalismus und Natur – „Was bisher geschah“ in der nordischen Mythologie.

Die Oper Frankfurt nimmt ihren 2012 vollendeten Ring zum Abschluss der Spielzeit 2015/16 noch einmal auf. In der Inszenierung von Vera Nemirova gibt es für das Rheingold dabei vor allem viel Ring. Während zu Beginn der Oper das Kontra-Es im Orchestergraben knurrt und grummelt, fallen in einer Video-Projektion (Bibi Abel) vereinzelte Tropfen auf eine stille Wasseroberfläche. Das Blau zieht weite Kreise. Erst nach und nach kommt unter dieser Projektion in Überblendungen eine blaue Scheibe zum Vorschein. Diese Schreibe ist die Bühne. Die Scheibe ist aber auch: die Welt. Sie besteht aus konzentrischen Stahlringen, die sich zusammen, aber auch einzeln bewegen können. Die Ringe sind dem Bühnengeschehen dabei Vorder- und Hintergrund, Untergrund und Oberfläche. Jens Kilian schafft ein bewundernswert minimalistisches und dabei so effektvoll benutzbares Bühnenbild, dass es dieses Frankfurter Rheingold von Anfang an dominiert.

Unspektakulär verhält sich dazu Nemirovas Inszenierung. Wenngleich sie Plakatives vermeidet und sich dennoch einer klaren Erzählstruktur verpflichtet, setzt die Interpretation auf Altbekanntes. So rollen und springen die drei Rheintöchter (Jessica Strong, Jenny Carlstedt und Katharina Magiera) in silbernen Paillettenkleidern über die ringförmigen Wellen, tanzen im Goldflitterregen und harmonieren mit ihren sonnenhell bis bronzefarben Stimmen dabei ganz wunderbar miteinander. Ihr Räkeln und Necken reicht jedoch nicht über Albernheiten hinaus; wie so oft wirkt die Inszenierung an dieser Stelle wie ein Zitat.

Wenn die Frankfurter Wiederaufnahme nichtsdestotrotz zum lustvollen Erlebnis wird, ist dies den stimmlich wie schauspielerisch herausragenden Leistungen einiger Sänger zu verdanken. So liefern James Rutherford als Wotan mit warm getöntem Bariton und Tanja Ariane Baumgartner als Fricka mit klarem, hervorragend artikuliertem Sopran zwar ein überzeugend solides und technisch einwandfreies Götterpaar, stimmgewaltig katapultiert eine alles überragende Lise Davidsen als ungestüme Kindsfrau Fricka beide jedoch in den Schatten. In der anspruchsvollen Rolle des Alberich überzeugt Jochen Schmeckenbecher als gnadenloser Peitscher im goldenen Anzug ebenso wie als geknebeltes Häuflein Elend. Alle Herzens des Publikums aber erobert Loge: Ein turnerisch fitter und stimmlich agiler Kurt Streit gibt ihn mit der spitzbübischen Harmlosigkeit eines Berufslügners, souverän in allen Lagen, frei von metallischem Forcieren und mit stets genug Luft zum schelmischen Spiel.

Sebastian Weigle indes am Pult des Frankfurter Opernorchesters schenkt dieser unaufgeregten Rheingold-Inszenierung das Beste, was ihr hätte passieren können: einen schlanken Wagner-Klang aus klaren Konturen und sicher gesetzten Effekten. So gelingt das volltönende Stampfen beim Auftritt der Riesen Fafner und Fasolt ebenso bemerkenswert wie der präzis rhythmisierte Abstieg nach Nibelheim oder die wunderbar weich intonierenden Blechbläser für die Klangvision der Götterburg Walhall. Weigle vermag die komplexen Bauweisen der ideenreichen Musik in feinen Abstufungen ins rechte Licht zu rücken. Wohlüberlegt vermeidet er Schwelgen und Fermatenorgien, wählt stets angemessene und unsentimentale Arbeitstempi. Dass dieses Rheingold dem ein oder anderen damit ein wenig zu trocken geraten mag, nimmt Weigle in Kauf. Allenfalls ein beinahe verschenkter Monolog der Erda (Meredith Arwady) ließe sich ihm ankreiden. Hier fehlen schlichtweg sinngebender Schmelz und melodische Wärme.

Am Ende der Oper, wenn die Götter in ihre fertige Burg einziehen, geht im Saal das Licht an. In Abendgarderobe, am Champagnerglas nippend bestaunt die Wotansippe den Publikumssaal – und beendet die Aufführung damit leider mit einem weiteren abgegriffenen Bild. Denn was sollen wir daraus schließen: Wir sind alle Walhall? Die Frankfurter Oper: eine Götterburg?

Wer über die ein oder andere Unstimmigkeit hinwegsehen kann, erlebt in Frankfurt ein schlichtes, transparentes Rheingold. Es bleibt ein Stück, das jeden Zuhörer mit Sicherheit etwas Neues, etwas noch nie Gehörtes entdecken lässt – gebe er sich diese Oper nun zum ersten oder zum zwanzigsten Mal. So erfreut es, dass auch das Publikum ansatzweise durchmischt erscheint. Unter das gleichwohl dominierende Frankfurter Großbürgertum in kostbaren Roben mischen sich vereinzelt Junge mit Jeans und auffälligen Brillengestellen. „Jetzt schleppen uns unsere Söhne schon in die Oper!“, sagt ein älterer Herr im Hinausgehen zum anderen. Auch das kann eben Wagner. Selbst ein unaufgeregter. Und ist das nicht auch ziemlich wunderbar?

Miriam Zeh | 09 Juli 2016

bachtrack.com (II)

Frankfurt’s Ring Cycle off to a good start with a straightforward Das Rheingold

Das Rheingold can be a bit of a drawn-out introduction to the Ring Cycle. It clocks about 2 hours and 40 minutes and is usually performed without intermission. Consisting of four scenes marked by orchestral transitions, it can be a directorial challenge; most productions deal with scene changes by lowering curtains. Oper Frankfurt’s revival of Das Rheingold, a 2010 production by director Vera Nemirova, solves the issue with an ingenious set by Jens Kilian which can only be described as a “rotating turntable with rings”. Inspired perhaps by the planet Saturn with its ring, the set is an architectural marvel. It tilts, rotates and detaches into several narrow rings as dictated by action. The center of the ring can be lowered, as when Alberich steals the gold, when Wotan and Loge descend into the Nibelheim, and when Erda appears from the depth of the earth. The giants with their helpers lift up the top of center to demand their payment.

A large screen is at the back of the stage, curved to follow the contour of the ring. The screen is lit with various colors, mostly of blue hue, to reflect the mood of the action at hand. The Nibelheim scene takes place “underneath” the ring, as its highest portion is tilted to face the audience, creating enough underground space for the gold factory. The scene works particularly well in the claustrophobic realm of oppression, compared to a wide open space above the ring that is the world of the gods.

One puzzling aspect of the production occurred at the beginning and the end of the opera. Alberich was initially dressed in tuxedo; as he entered the space of separated rings in pursuit of the Rheinemaidens, he shed his jacket and pants to appear only in his undergarments. Conversely, the gods all disappeared off-stage as the final Valhalla music began, to reappear in tuxedo and long gowns in the front row of the orchestra; Wotan and Fricka sang their last lines among the audience, looking at the stage with actors representing their old selves (they appeared earlier as Freia was taken away by the giants and the gods began to grow old), together with the lamenting Rhinemaidens and Alberich in his undergarments. Loge alone was above it all, riding on a swing as he ascended back into the ceiling, where he came from. Does this mean the whole opera was a “play within a play?” How is it that the gods are commenting on the last scene together with the audience?

Sebastian Weigle led the orchestra in a spirited and cogent account of the opera. From the initial E flat, the music flowed naturally and seamlessly as if a new note was the most logical continuation to the one before. There was little playing with tempi or dynamics; it was an honest and smooth storytelling, no mean feat superbly handled by the skilled orchestra. Weigle and his orchestra greatly contributed to the satisfying drama that unfolded efficiently.

Singers were asked to be physically agile in this architectural set. Kurt Streit’s Loge was the fittest of them all, displaying moves that sometimes bordered on athletics. He was an experienced Loge, and sang with great nuance while executing difficult moves. Together with Jochen Schmeckenbecher, an experienced Alberich, he was a leading performer of the fine vocal ensemble. Their scene in the Nibelheim was a highlight, as they exchanged banter and insults as if they were the oldest friends/enemies.

The women all sang well. The three Rhinemaidens, clad in mermaid-like glittering gowns and blond wigs, were caricatures of flirty and cruel women. Tanja Ariane Baumgartner was elegant in both appearance and voice, and her Fricka was unusually sympathetic in her warm and incisive singing. Meredith Arwady as Erda, in an animal hair outfit and saddled with three children (the Norns?), sang with clear and light voice, not typical of Erda but was nevertheless touching. Lise Davidsen, winner of the 2015 Operalia competition, gave us a sense of what this young Norwegian soprano might one day be singing (Sieglinde? Brünnhilde?) in her brief moments as Freia. Hers is a rich and brilliant voice effortlessly produced across registers. Her high notes soared above the orchestra. She is definitely a singer to watch.

James Rutherford’s lyrical voice was well-suited for the young Wotan. He had no problem essaying the role, including the last few bars the require singing both high and loud. Alfred Reiter as Fasolt and Per Bach Nissen as Fafner both made up for lack of menace in their singing with good vocal acting. It was nice to hear well-cast From (Beau Gibson) and Donner (Vuyani Mlinde) to round out the excellent ensemble.

Ako Imamura | 09 Juli 2016

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 346 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Vera Nemirova (2010)
This recording is part of a complete Ring.