Der fliegende Holländer

Hartmut Haenchen
Netherlands Opera Chorus
Netherlands Philharmonic Orchestra
Date/Location
25 February 2010
De Nederlandse Opera Amsterdam
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
DalandRobert Lloyd
SentaCatherine Naglestad
ErikMarco Jentzsch
MaryMarina Prudenskaja
Der Steuermann DalandsOliver Ringelhahn
Der HolländerJuha Uusitalo
Gallery
Reviews
Der Spiegel

Richard-Wagner-DVD: Ein Traumschiff für den Holländer

Von Werner Theurich

Operninszenierungen im DVD-Format können leicht auf langweilige Bilderfolgen zusammenschnurren. Wie man es besser macht, zeigt eine Aufnahme von Richard Wagners “Fliegendem Holländer” aus Amsterdam. Allerdings schippern die Seemänner hier in ungewohnten Regie-Wassern.

Das Meer! Gleich rauschen uns die Wellen entgegen, wenn die DVD von Richard Wagners “Der fliegende Holländer” startet. Bei der Menüwahl und der Ouvertüre tost und braust es, allerdings schwarz-weiß verfremdet, es regnet und stürmt, und das Orchester erscheint erst einmal nur fragmentarisch in den schnell geschnittenen Bildern. Das wird kein “Holländer” von der DVD-Stange, so viel ist schnell sicher.
Kein Wunder, denn die Oper inszenierte Martin Kušej 2010 in Amsterdam, und der bürstet Opernstoffe gerne gegen den Strich. Da mussten sich auch die Produzenten dieser Fassung (Joost Honselaar, Coby Van Dijck) Kušej anpassen. Kušej wäre ja vor Jahren fast einmal in Bayreuth gelandet, doch seine technisch ausgefallenen Regie-Ideen verschreckten den damaligen Chef Wolfgang Wagner derart, dass man lieber auf seine Dienste verzichtete. Keinen Kušej-“Parsifal” gab es 2004, dafür holte man Schlingensief.
Im Amsterdam stellte Martin Kušej einen “Holländer” auf die Bühne, der wenig mit Seefahrer-Romantik und den märchenhaften Zügen des Stoffes zu tun hatte, sondern eher nach tieferen Seelen-Schichten und aktuellen Bezügen buddelte. Das geht bunt los: Erst einmal kein Schiff, kein Riff, kein Segel, dafür so etwas wie eine gestrandete Kreuzfahrt-Besatzung, grelle Klamotten und Reisetaschen, alle nass, frisch und forsch. Ein Matrosen-Chor wie eine Reisegesellschaft unter Stress. Dazu ein Kapitän Daland, der mit Sonnenbrille und weißem Anzug ganz auf eine Mixtur aus Traumschiff-Kapitän und Yacht-Millionär gestylt ist. Das Ganze wirbelt auf einer in ihrer Tiefe zweigeteilten Bühne herum, deren Mitte der Eingang eines Bürohauses teilt. Glastüren als Weltentrenner von Daland und Holländer. Wasser taucht später nur als Pool-Befüllung auf, mehr Meer gibt es nicht – erst ganz am Schluss, als monochromes Panoramabild.

Meer ist nicht drin

Die Bühne baute wieder Martin Zehetgruber, ein langjähriger Mitstreiter von Kušej, der sich bestens auf die Ideen seines Kompagnons versteht. (Beide verbindet auch die 1989 von ihnen gegründete Produktionsgemeinschaft “My Friend Martin.”)
Auch Kostümbildnerin Heide Kastler gehört zu diesem festen Team, und ihre Entwürfe prägen die Amsterdamer Inszenierung ebenso wie Regie und Musik. Die schwarze Crew des Holländers streift wie eine Ghetto-Gang in Hoodies über die Bühne, der düstere Chef auf der Suche nach seiner Erlösung trägt ebenso Schwarz, was den statuesken, riesigen und für diese Rolle idealen Juha Uusitalo noch bedrohlicher erscheinen lässt: ein trauriger, böser Riese mit mächtiger Stimme. Der finnische Bassist erfüllt die Rolle buchstäblich nach Maß, ein Wagner-Sänger aus dem Bilderbuch, auch seine Wotan-Interpretation gilt als Weltklasse.
Für die vom Vater als Holländer-Erlöserin eingeplante Senta ließ sich Kastler eine gleichfalls schwarze, lange Robe einfallen, deren edle Schlichtheit sogleich die Beziehung zum Holländer unterstreicht, die ja eben nur oberflächlich von ähnlichen Motiven getragen wird. Auch Senta ist ein Fremdkörper in ihrer Welt, sie kontrastiert optisch und gestisch heftig zur biederen Bürgerlichkeit ihrer Gesellschaft, die Kušej als Wellness-Spa darstellt. Da wird gebadet, massiert, gecremt und gestylt. Spinnstube ade – man vermisst sie nicht wirklich.
Allein wie die US-Amerikanerin Catherine Naglestad diese herbe, melancholische Senta singt, das hat fast Ibsen-Zuschnitt. Sie macht mit glänzendem Sopran und einfühlsamer Gestaltung aus ihrer Rolle eine bewegende, manchmal abgründige Studie.

Liebes- und Lebensqualen

Zu jeder Minute der DVD besticht hierbei die Kameraführung, die nicht allein der Dramaturgie, sondern dem Geist und Stil der Inszenierung folgt und die Leistungen der Akteure besser sichtbar macht, als es jede Theatervorstellung kann. Robert Lloyd bleibt mit seinem sauber gesungenen Daland darstellerisch etwas zurück, aber dafür windet sich der abgewiesene Senta-Verehrer Erik, Marco Jentzsch, unterkühlt und überzeugend in allen Liebes- und Lebensqualen, ganz wie in einer Kušej-Theaterinszenierung.
Mit dem in Dresden geborenen Hartmut Haenchen steht nicht nur ein Amsterdam-erfahrener Dirigent am Pult (er leitete das dortige Opernorchester von 1986 bis 1999), sondern auch ein Kenner des deutschen Bühnenrepertoires. Er studierte in seinen Jugendjahren Wagner-Interpretationen in Bayreuth und begann seine Karriere in Halle und Dresden. Sein “Holländer” strotzt vor Kraft, doch bei allen Druckwellen des Orchesterklanges schafft Haenchen stets klare Konturen und differenzierte Dynamik. Ein solcher, Kušej-geprägter “Holländer” ist sicher nicht jedermanns Sache, aber allein als Dokument einer gelungenen Zusammenarbeit lohnt sich diese DVD schon – und als Beispiel für vorbildlichen Umgang mit dem Medium.

wagneropera.net

Strong singing and acting by most of its principals and a taut dramatic arc make this Netherlands Opera performance of Die fliegende Holländer one of the best releases in Opus Arte’s expanding Blu-ray/DVD catalogue of Wagner’s works.

Director Martin Kušej and set designer Martin Zehetgruber’s sleek, contemporary interpretation transcends a lot of pitfalls that mar many contemporary régie stagings.
And the two leads, bass-baritone Juha Uusitalo (the Dutchman) and soprano Catherine Naglestad (Senta), deliver career-defining performances in this Dutch production, filmed during two live performances in February 2010. Uusitalo is a variable singer but he sings powerfully whilst communicating his character’s anxiety and yearning for redemption. When he mistakenly believes Senta has betrayed him, Uusitalo’s anguish is captured in camera close-ups. Certainly Uusitalo is a more compelling Dutchman than he was in Wotan in Valencia’s recently released La Fura del Bas Ring cycle. The Nederlandse Opera’s white unit set provides a much more intimate setting for Uusitalo to develop his character.

Scintillating Senta
Naglestad is an appealing, intense Senta. She conveys the character’s fierce independence and yearning to escape her nouveau-riche environment. While Naglestad does not possess the blazing upper register of her forebear, Leonie Rysanek, Nagelstad’s kinetic stage presence evokes Rysanek’s scorching assumption of Senta decades ago. Though she wears an almost funeral, floor-length black dress throughout the production, Naglestad’s character seems more a 21st-century liberated woman than a delusional, self-sacrificing romantic heroine. Mary and the women chorus in Act II are clad in garish contemporary outfits and the bar-hopping clothes the festive party goers wear during Act III contrast with the somber outfits worn by Senta, the Dutchman and the Dutchman’s crew, which in this production are a group of hooded dark-skinned immigrants (and one of the production’s few miscalculations). The townspeople enjoy themselves as the Dutchman’s crew silently look on.
Tenor Marco Jentzsch (Erik) and mezzo-soprano Marina Prudenskaja (Mary) are much more vivid secondary characters than one usually experiences in performances of this opera. Jentzsch appeared as Walter in Glyndebourne Festival and Komische Oper productions of Walter during summer 2011. Based on his performance in the video stream of the Glyndebourne production, Jentzsch does not appear to be ready to sing heavier Wagner roles. A lighter tenor, Oliver Ringelhahn, is an appealing steersman-cum-lounge singer. However, bass Robert Lloyd (Daland) sounds vocally underpowered. Too many years have passed since Lloyd’s appearance as the youthful, noble Gurnemanz in Hans-Jürgen Syberberg’s 1981 Parsifal film. Veteran Netherlands Opera Hartmut Haenchen and the Netherlands Philharmonic craft a detailed, spirited reading of the score and the choristers, led by Martin Wright, busily move about the stage in this energetic staging. At times, the rushing to and fro seems very derivative of Patrice Chereau’s blocking in the 1976 Ring cycle.

Immigrant Status
Since the Netherlands and other European countries are wrestling with immigrant issues, Kušej may be trying to make a socially conscious statement by depicting the Dutchman’s crew as displaced immigrants. If so, the concept may have backfired. Does having the immigrants careen threateningly about the stage in Act II expose phobias some have towards immigrants from emerging nations? Or does it reinforce these phobias? After one of the dead immigrants falls into the swimming pool, his blood reddens the water. A somewhat similar and equally gratuitous moment occurs when Alberich rips out a young swimmer’s heart in the the Danish Opera’s production of Das Rheingold and the aquarium water turns red. Withal, the Nederlandse DVD’s sharply focused camera work, crisp editing, and vibrant sound are plusses, as is the high-quality resolution in the Blu-ray disk I viewed. Even more importantly, the performance’s musical values and strong acting make this Holländer one of the best Wagner releases in recent years.

Jerry Floyd

opera-cake.blogspot.ch

I should structure this review upside-down and first mention the extraordinary conductor. I very much liked his Ring, but his Parsifal [in an unforgettable Paris production by K.Warlikowski] made me hooked up on his way to interpret the music by Wagner — the beauty and the capacity to bring new quality to the show through music: that Parsifal was one of those rare operatic experiences which stays with you forever. Now what I can say about his Hollaender? It is simply unbeatable. Yes, “unbeatable” is the right word! Of course the chemistry between him and this orchestra is an important factor — you don’t get this result with just several weeks of rehearsals; it takes years to build this level of mutual confidence and understanding. He and his orchestra never covered the singers, every instrument was distinctly percievable, yet the whole ensemble produced a gloriously homogenous sound. The nuances Haenchen impeccably sculpts through his choices of tempi. They do not only give a better sound to the orchestra, but they support and further emphasize the dramatic intentions by Kusej which were simultaneously occurring on the stage. It is maybe the fact that this was their third show [5 to go!] that everything clicked right… Whatever the case, this orchestra and Hartmut Haenchen were simply wonderful on that night of February 12.

Then, I should stop for a moment and praise the chorus. Martin Wright -who directs the DNO chorus– did a great job and sounded like the famous Deutsche Oper Berlin chorus. This particular opera is tricky for any chorus, but in this production it is even more difficult because Kusej decided to split them in two, place them on the opposite ends behind the stage, while the crowd of “dutchmen” occupied the stage itself (thus giving their presence the surreal element). And they never sounded out of tune or disordered. They matched the beats of maestro Haenchen with almost surgical accuracy. Great stuff & huge congrats to them! Now, how to talk about the singers in this production without going overboard? I don’t believe it’s possible but I can try. 😉

Marco Jentzsch is a young German tenor who we should keep an eye on. He’s not yet that big, but I bet he will soon be rocking the operatic stages all over Europe. Right now he sounds Klaus Florian Vogt-ish although he’s not as easy in the top register, but his lower register is more heldentenorish. His voice must be a good fit for Lohengrin, Walter/Meistersinger, and definitely he’s an awesome Erik. The fact that he was sharing the stage with Naglestad and Uusitalo didn’t seem to intimidate him the least.

Marina Prudenskaja is now in the same league with Sophie Koch. Her Octavian in the sensational Herheim’s production of Der Rosenkavalier in Stuttgart is the strongest I’ve listened to so far (live in the theater). She now seems to have turned more towards the Wagnerian repertoire. She participated in the Valencia Ring, this was her first Mary, and she will be singing in the La Scala Ring. Although her role is quite short in this opera, Marina was a necessary ingredient to keep the outstanding singing level up. Plus her physique was a perfect match for her place in the Kusej’s production.
What to say about the unforgettable Wotan in the Ring by La Fura dels Baus, who now reached the maturity to give his best in portraying the role of the Dutchman? He’s now more experienced but his timbre still possesses that youngishness, and you could tell he still has the desire to do better. Juha Uusitalo killed this role last Friday. I don’t believe anyone could sing this better. RIght now he’s on the top of his potential: an astonishing command, security and that heroic touch which makes the wagnerian voices so impressive. And yet the way he sounds makes you feel you’re listening to something truly unique – something that even he wouldn’t be able to repeat. And so now, after this sensational Dutchman, I definitely get on his bandwagon! [ He will soon be singing in the Vienna ring; I will try to go for at least one opera. ]
To be quite honest, before going to Amsterdam I thought Catherine Naglestad wouldn’t be able to do as good as Nina Stemme did in the same role, who I saw in Vienna a couple of years ago. It’s a grueling role for a soprano, especially towards the end where it gets tougher to sing and after it already took a heck out of you. But after this Friday night, I am happy to say that I was dead wrong. It is in fact wrong to compare the Senta of Nina Stemme with that of Catherine Naglestad. They are very different but both awesome in their own way. Catherine’s Senta is a fragile, overly sensitive girl who liberates her inner self in the last part of the show. Her voice precisely progresses along that line and she most amazingly manages to conduct the middle range of her voice in such a way that it acquires the volume, the width, the roundness as the show goes on, towards its culminating point which is the end. Plus she still has that ease in the higher register which used to be the trademark for Karita Mattila. It’s now Catherine Naglestad’s. If you see her name in any production you might get a chance to see, do not miss it!
Robert Loyd very good too 😉

Opera News

It is a quirk of the opera repertory that Der Fliegende Holländer is more often produced because stage directors are attracted to the dramaturgy than because singers or audiences are clamoring for it. Martin Kušej’s 2010 production from Amsterdam is the latest in a line of intelligent, sustained engagements with Wagner’s text. It is a clever, almost coy subversion of the elements Wagner would have thought to be essential. There is a painting, yes, but it is a seascape, not a portrait. There are nautical costumes, but not a hint of anything else related to a ship. Senta is granted an anachronistic spinning wheel, but only as a symbol of just how far out of touch she is with her day-spa-denizen girlfriends. Kušej is primarily interested in the Dutchman–Senta relationship, so the Act II duet is the highlight of the staging. There are no fussy details; instead, much is made of whether or when he is finally going to touch her. Contact is near but averted for a long while, since she wholeheartedly desires it but won’t initiate it. Finally, as if willed by the music, it happens. Kušej’s direction and Martin Zehetgruber’s set designs almost pull everything together, but ultimately they are just muddled enough to be distracting. Two parallel rows of glass doors upstage seem to be part office building (with a steel security gate) and part hotel lobby where the chorus members take refuge from some sort of vacation disaster. In between them, a lap pool is eventually revealed. But are those darting men in hooded sweatshirts joggers or burglars? Eventually, too late, we realize that they are escaped members of the Dutchman’s crew. (One of them dies a bloody death in the pool.) The intention behind the production, that simple things can be taken on several levels, is more fully realized by Heide Kastler’s single costume for Senta: part bathrobe, part monk’s cowl, part dark evening-dress, it ties a lot of ideas together. So does Catherine Naglestad’s electric Senta. This is an intensely musical performance, every note sung, with her ballad thrilling because she doesn’t perform it as a set piece. Strong-willed — she sings the line “I don’t know what I’m doing” with bitter irony — she carries the show.

No one else is on her level, but Juha Uusitalo’s Dutchman is a decidedly better singer when he is onstage with her. Robert Lloyd, days from his seventieth birthday, finds Daland to be a big stretch. (He’s gotten up as the millionaire yachting dilettante Thurston Howell, so why would he covet the Dutchman’s riches?) Conductor Hartmut Haenchen is equally fine in the tiny details, such as the accompaniment figures in the Daland–Dutchman duet, and the long spans. Given that two of the most important Holländer productions — Ponnelle’s 1975 San Francisco mounting, where the Steersman entered his own dream and became Erik, and Guth’s recent Bayreuth rendering, about a seven-year-old girl with the biggest Daddy fixation of all time — were never filmed and released commercially, Kušej’s version might have swept the DVD field. But Act III lets us down. Kušej hasn’t found an equivalent, on his own terms, for the overwhelming choral climax, and he paints himself into a hopeless corner for the final two minutes. There is still not a completely satisfying Holländer on DVD. Production styles move on, but the Harry Kupfer staging for Bayreuth, filmed in 1985, retains more than documentary interest.

WILLIAM R. BRAUN

Online Musik Magazin

Draußen vor der Tür

Von Joachim Lange

Vielleicht haben, weil den Holländern das Meer und Schiffe aller Arten ohnehin ständig im Sinn und vor Augen sind, Martin Kušej und sein Bühnenbildner Martin Zehetgruber ihnen beides auf der Bühne der Amsterdamer Oper erspart. Das heißt nicht so ganz. Am Ende nämlich erschießt Erik erst den Holländer und dann Senta am Strand eines ziemlich wolkenverhangenen Meerpanoramabildes. Was auf den ersten Blick wie die gewaltsame Auflösung eines simplen Eifersuchtsdramas wirken mag, ist auf den Zweiten der Höhepunkt eines Diskurses über verschiedene Arten, den Abgründen und Bedrohungen der Welt zu begegnen. Kušej erzählt weniger die Geschichte des Fliegenden Holländer klassisch nach, sondern er bietet vielmehr deren diverse Innen- und Außenkonstellationen der Assoziationsbereitschaft seiner Zuschauer an.

Der Raum, in dem das geschieht, wird von einer Front doppelter Glastüren beherrscht. Dahinter gibt es einen schmalen Swimmingpool und eine Spiegelwand. In diesem ansonsten sterilen Eingangsbereich nach Irgendwo ist es meist ziemlich hell, obwohl bei Kušej vieles in einem Deutungshalbdunkel bleibt. Was ja nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Noch während der Ouvertüre jedenfalls sieht man einen Fisch auf dem Trocknen sein Leben verzappeln. Während hinter der Glastürfront der Regen peitscht, stürmt eine bunt zusammengewürfelte Truppe von vergnügungswilligen Gegenwartsmenschen auf die Bühne. Dem scheinbar glimpflich abgegangenen Schiffbruch einer Amüsiergesellschaft stellt der Holländer, aus ihrer Mitte heraus, seine düsteren Visionen entgegen.

Dieser Gegensatz von oberflächenfixierter Buntheit des Lebens und grüblerisch warnender, ahnender Dunkelheit wiederholt sich im zweiten Aufzug. Dort verweigert sich Senta an einem echten Spinnrad als einzige und demonstrativ den Wellness- und Körperkult-Exzessen der Frauen, die in ihrer Selbstverliebtheit kaum registrieren, dass draußen vor der Glastür gesichtslose Menschen offenbar umkommen. Vielleicht von Leuten wie Erik erschossen werden.
Ein Coup ist die Perspektivumkehrung beim „Steuermann, lass die Wacht“. Diesen eskalierenden musikalischen Gewaltausbruch erleben wir aus der Sicht der Ausgeschlossenen. Die Glastürfront ist jetzt durch ein Gitter gesichert, die Leute des Holländers sitzen wie eine eingeschüchterte Straßengang, die sich verstecken will, im Dunkel und werden von der Mehrheitsgesellschaft am Ende sogar mit Baseballschlägern bedroht. Mit einer latenten Aggressionsbereitschaft, die unheimlich ist, ohne dass dieses Bild gleich allzu plakativ auf die ungelösten Überforderungen unserer migrationsverunsicherten Zivilgesellschaft zielt.

Weniger überzeugend hingegen gelingen Kušej erstaunlicherweise die individuellen Porträts. Das berühmte, im Rahmen, das vom Holländer, das gibt es gleich gar nicht. Dafür nur einen menschenlosen Meeresblick. Die Begegnung zwischen Daland (etwas brüchig: Robert Lloyd) und dem Holländer etwa bleibt so unterspielt wie die Reisetasche voller Geldscheine ein billiges Requisit. Senta und dem Holländer ist die Anziehungskraft, die sie einander in die Arme treibt, unheimlich – in der Detailzeichnung ihrer Figur überzeugt freilich nur Catherine Naglestad mit ihrer zunehmenden inneren Souveränität und Unabhängigkeit. Auch wenn sie die ersten Töne fast unterschlägt, sind es dann vor allem mutig ausgesponnene Piani, mit denen sie die leuchtenden Ausbrüche ihrer Senta immer wieder erdet. Dagegen driftet der Holländer von Juha Uusitalo, auf zum Teil eigenwilligen Wegen, in ein für einen Holländer seines Formates seltsam diffuses Dauerforte ab. Als Mary trägt Marina Prudenskaja dunkle Leuchtkraft zum hell auftakelnden Mini-Fummel zur Schau, während der junge Tenor Marco Jentzsch seinem Erik stimmlich die souveräne Normalität verpasst, die sein Handeln erst so beunruhigend macht.

Für Hartmut Haenchen am Pult des Nederlands Philharmonisch Orkest war dieser Holländer (gespielt wird die Fassung von 1860) ein Heimspiel. Er prägte mehr als ein Jahrzehnt das Orchester und die Amsterdamer Oper als Dirigent. Wenngleich er diesmal mehr auf einen eher atmosphärisch mitziehenden Sound als eine aufklarendes Ausloten setzte, bewies der in Deutschland immer etwas unter Wert behandelte Haenchen, nach dem hiesigen Ring, trotz einiger Einschränkungen, auch diesmal Wagnerkompetenz.

FAZIT

Die Oper in Amsterdam hält auch bei Wagner mit. Die Inszenierung bietet Stoff zum Nachdenken, das Orchester überzeugt und auch die „Besatzung“ ist alles in allem in guter Form.

Corliss Phillabaum

As a CD recording this performance would be very attractive. Hartmut Haenchen conducts with plenty of power and color for the climaxes but he also finds much hushed intimacy which allows a corresponding intimacy for the scenes between Catherine Naglestad’s Senta and Juha Uuisitalo’s Dutchman and even her scenes with Erik, a role which benefits greatly from being sung lyrically by a fine young tenor, Marco Jentzsch.
Unfortunately the strong musical performance is saddled with an extreme directorial concept by Martin Kušej which fights Wagner’s music and text every step of the way and destroys any possible enjoyment of the opera. Updating an opera can often be effective but not when it imposes irrelevant symbolism on the work which makes nonsense of it. As written the opera begins with Daland’s ship having taken shelter from a wild storm in a bay which Daland describes as a Abarren rocky beach, but Mario Zehetgruber’s setting presents a pristine port waiting room with glass doors at the rear enclosing a glassed-in foyer. Daland’s ship has become a wealthy man’s yacht carrying a load of garishly dressed guests. When the young steersman stands watch while the Acrew sleeps, he steals a gold lamé jacket from a passenger and sings his solo in a follow spot to lull the passengers to sleep. When the Dutchman offers gold and jewels to Daland we see only folding money (Euros). In Act Two instead of the common room where the women gather to spin we see a chic spa with a swimming pool visible through the glass doors upstage where women are pretending to swim in the foot-deep water or (mainly) getting dressed and doing their makeup while they sing their spinning song. Mary scolds Senta for not spinning, but Senta is actually the only person onstage who IS spinning. During this scene black-clad members of the Dutchman’s crew are seeing trying to enter the pool area and being shot down, spreading blood everywhere. Throughout the production this sort of contradiction between the staging and Wagner’s words and music continues, culminating in a ludicrous climax in which the Dutchman (the man who is denied the peace of death) is shot dead by the jealous Erik, who also guns down Senta. As the bodies lie there near the sea background, the transfiguration music Wagner added to stress that Senta’s sacrifice has redeemed the Dutchman is played, but apparently the director wasn’t listening. Strongly not recommended.

Tutti Magazine

Les deux grands thèmes qui parcourent tout l’opéra s’incarnent en deux motifs, véritable ciment des trois Actes, cités dès l’ouverture : le motif de La Malédiction du Hollandais, que l’on entend dès les premières mesures aux cuivres, et le motif de La Rédemption par l’amour, introduit par les bois dans un tempo contrasté d’andante dolce. On retrouvera cette dualité à tous les niveaux de la scénographie.
Relativement aux protagonistes, une nette opposition se manifeste également par les vêtements qu’ils portent : des couleurs chamarrées pour une partie des chœurs et du sombre uniforme pour les “passagers” du Hollandais. Cette même valeur sombre est présente sur les habits de Juha Uusitalo (le Hollandais) et ceux de Catherine Naglestad (Senta), associant ainsi visuellement leurs destins. Quant aux autres personnages, le capitaine et son second resteront obstinément en blanc, symbole de pureté antinomique eu égard à leur corruption.
La mise en scène de Sebastian Huber réinvente le livret traditionnel écrit par Wagner. L’opposition nette entre deux mondes socialement impénétrables de notre société actuelle et la quête obsessionnelle de passer de l’un à l’autre trouvera un écho judicieux dans l’actualité contemporaine la plus sordide intelligemment intégrée dans cette production. L’occupation spatiale du plateau, divisé en deux volumes, va dans ce sens : le premier plan, blanc et uni, s’oppose au second plan par un système de baies transparentes séparant comme un mur de verre les deux espaces. Deux mondes s’opposent, habités par deux sociétés tout aussi différentes. D’un côté les nantis, où dominent couleurs et lumière, de l’autre un univers plus inquiétant, peuplé de silhouettes sombres. À l’Acte II, une piscine occupera l’arrière-plan, d’où sortiront des femmes exclusivement préoccupées de leur bien-être et de leur apparence physique (chœur des fileuses). Pourtant, une scène violemment réaliste non prévue par le livret mais parfaitement cohérente avec la nouvelle dramaturgie proposée par Sebastian Huber se passera à l’endroit qu’elles viennent de quitter… En outre, la scène finale extrapolera également par rapport à l’original wagnérien, mais toujours en toute logique.
Le capitaine trouve en Robert Lloyd une bonne personnification : la basse britannique a l’âge du rôle, et sa voix, bien que légèrement colorée de vibrato, possède toujours de belles notes graves et une puissance confiante. Ce personnage miné par la corruption n’hésite pas à vendre sa fille, tenté par la vue des nombreuses grosses coupures d’euros que lui présente le Hollandais, dangereuse pente que suivra aussi son timonier. Face à lui, le ténor Olivier Ringelhahn a du mal à s’imposer dans ce rôle, et son timbre de voix peu wagnérien nous semble par trop léger mais toutefois correct. D’aucuns trouveront la voix en accord avec le personnage falot et peu fiable.
C’est durant l’Acte II qu’entre en scène Senta. La soprano américaine Catherine Naglestad excelle dans ce personnage sombre. Son timbre puissant et dramatique à la tenue de son parfaite est à mettre en opposition avec celui d’Erik, son fiancé. Le ténor Marco Jentzsch n’a rien d’héroïque et ne possède que partiellement l’organe et les couleurs dévolus à son personnage, davantage à l’aise dans le médium et le grave que dans des aigus atteints sans de réelles difficultés mais au détriment du coloris. Son importance sur scène lui laisse peu l’occasion de développer un personnage trompé, miné par la jalousie. Chasseur, il porte constamment un fusil, arme qui, si elle peut être perçue comme un attribut voyant de sa virilité en berne, aura une importance finale décisive. La mezzo-soprano russe Marina Prudentskaja bénéficie de peu de temps sur scène pour nous convaincre, mais sa performance est assez explicite pour que l’on regrette une si courte présence. Ses allures de vamp hollywoodienne vulgaire tranchent délibérément avec la sombre Senta. L’importance et la qualité des chœurs ne sont nullement à négliger dans Le Vaisseau fantôme, et leur chorégraphie explicite au début de chaque Acte joue un rôle actif qui s’inscrit toujours dans l’axe de cette nouvelle version.
L’opéra de Wagner repose en très grande partie sur le personnage du Hollandais. C’est lui qui cimentera la logique de l’action modernisée qui nous est proposée. Le baryton-basse finlandais Juha Uusitalo nous avait déjà totalement convaincu dans son Wotan du Ring de Valencia et son Jochanaan de Salomé au Metropolitan Opera. Il en impose tout autant dans Le Vaisseau fantôme. Les nombreux gros plans montrent un visage définitivement marqué par la punition de l’errance et de la quête mort-née d’un amour fidèle rédempteur. Une énorme puissance de souffle au service d’une écriture vocale parfois éprouvante : aucun doute, ce rôle est fait pour lui ! Sa stature physique très impressionnante représente en outre un atout supplémentaire eu égard à sa “profession” de passeur, et son expression inquiétante fait de lui un personnage ambigu dont a su tirer profit la modernisation de la dramaturgie.
Une partie des chœurs qui lui sont attachés ne symbolise pas ici son équipage comme dans le livret original. En effet, l’idée de base, nous l’avons dit, est l’opposition entre deux mondes. Usé par son statut, le Hollandais désire y mettre un terme. En effet, il doit sa richesse au droit de passage qu’il perçoit des pauvres hères dont les corps disparaissent sous les vêtements et les capuches, silhouettes que l’on voit rôder tout au long de l’opéra et dont l’unique désir est de franchir cette fameuse barrière de verre qui les sépare de l’autre monde. Cette idée prendra un tour saisissant à l’Acte III, lorsqu’on les retrouvera au premier plan, assis et prostrés au milieu de la nuit, alors que la fête bat son plein à l’arrière-plan, en pleine lumière. Le Hollandais fréquente tous les mondes et cherche sa place.
Hartmut Haenchen, très longtemps à la tête de l’Opéra et du Philharmonique de Hollande, conserve les tempi relevés dont il a l’habitude et un équilibre dont l’orchestre wagnérien ne peut que bénéficier. Les effets faciles de l’Ouverture sont ainsi évités et le respect de la puissance des chanteurs toujours préservé.
Richard Wagner reste sans doute le compositeur le plus délicat à mettre en scène. Revisiter de fond en comble une légende emprunte de propos philosophiques demande une certaine imagination pour être convaincant face à un public qui cherche maintenant bien souvent autre chose que du réalisme au premier degré. Avertissons toutefois les lecteurs de Tutti-magazine que cette actualisation ne saurait qu’être complémentaire d’une version de base traditionnelle.

Nicolas Mesnier-Nature

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 314 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast (Radio 4 NL)
A production by Martin Kušej
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