Der Ring des Nibelungen

Rudolf Kempe
Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
Date/Location
26 July 1961 (R), 27 July 1961 (W)
28 July 1961 (S), 30 July 1961 (G)
Festspielhaus Bayreuth
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast

Das Rheingold

Die Walküre

Siegfried

Götterdämmerung
Reviews
Gramophone

Rudolf Kempe (here caught in his second of four Bayreuth Ring years) is not a pusher nor a prodder nor a garish illustrator. There is no grandstanding of even the most extrovert passages – which doesn’t mean they’re understated (try the Entry of the Gods into Valhalla). He has an uncanny sense of each act’s structure – hear the tricky, separate scenes of Act 2 of Die Walküre. And of pulse – this is not a slow Ring but (beautiful) time out is taken in the Siegfried forest or the way back to Brünnhilde’s rock in Act 1 of Götterdämmerung. He is also a narrator whose attention to the final detail of every musical story told by solo instruments in Wagner’s scoring compels attention. As do the different ways in which he locates and plays recurring music – the Fire Music in particular. His many-sided dramatic account of the score paradoxically does combine the fiery with the lyrical. He is a major – yet still sometimes ignored – contributor to the range of top-drawer Wagner-conducting heard at Bayreuth in the 1950s and ’60s.

As a Brünnhilde used to Knappertsbusch in the 1950s there’s occasionally a sense that Astrid Varnay feels things a little slower in Die Walküre than Kempe (the War Cry, declarations in the Todesverkündigung). But she still carries terrific authority, top notes are given out with great confidence and her control and use of text (subtly manipulative in her final debate with Wotan) remain exceptional. Then star of the moment Birgit Nilsson was actually the same age as Varnay, although only allowed to debut as the Festival’s Brünnhilde in 1960. She is in fresh, incisive voice – although not without the odd tuning glitch (a problem of the house’s unique stage/pit relationship?). She certainly makes a grand sound when it counts but is some way from the emotional understanding of the role (or of Isolde) she was to achieve later in the decade with Karl Böhm and Wieland Wagner.

Early death took the young Canadian baritone James Milligan away from the German repertoire’s Heldenbariton roles in prospect after recording Walton and Sullivan under Malcolm Sargent. His Bayreuth debut as the third Wotan was ecstatically praised. Yet, while the high tessitura of the Wanderer holds no problems for him and he shows evident vocal energy and drive in Wagner’s long lines, he sounds actively too young and his characterisation is that of a beginner. Jerome Hines’s Wotans are likewise technically well achieved and paced but lacking in the Shakespearean detail of Hans Hotter. It’s all rather plain Jane – try in Die Walküre the continuing crises of Act 2 with Fricka and then his ‘confession’ to Brünnhilde: good solid vocalism but little colour or intent.

Hans Hopf’s timbre is an acquired taste but his Siegfried is strong, well paced and rhythmically alert. Fritz Uhl’s Siegmund, in this acoustic, sounds much more of the genuine article than he did as Decca’s first Tristan. Gerhard Stolze’s Loge is acutely acted and timed, and (as yet) devoid of the vocal mannerisms that cloud his famous records for Solti and Karajan. Herold Kraus is an affecting and unhackneyed Mime. The contribution (aka tasteful controlling hand) of conductor Kempe is most audible in these performances, as it is in his continued championing of the Czech exile Otakar Kraus as Alberich. Not in the gruff vocal tradition of Gustav Neidlinger, Zoltán Kelemen or Ekkehard Wlaschiha, Kraus may sound less black than these Nibelung rivals but he is not a whit less evil or frightening. Kempe’s hand surely can also be felt in the casting of Marga Höffgen as Erda – her more mezzo-soprano than contralto tones permitting a huge amount of text to come over clearly – and the lyrical beauty of the smaller female roles, not to mention Régine Crespin’s vulnerable Sieglinde.

Mike Ashman

onlinemerker.com

Erste offizielle Veröffentlichung der Rundfunkbänder des BR remastered

Nach den Bayreuther Ringen 1956 unter Hans Knappertsbusch und 1953 unter Clemens Krauss ist dies nun der dritte von ORFEO autorisiert publizierte und klangtechnisch aufgepäppelte Ring aus Bayreuth. Um es vorwegzunehmen, dieser Ring ist genauso unverzichtbar wie die Bayreuther Tetralogien unter Krauss, Keilberth, Karajan, Böhm, Maazel oder Boulez. Als akustisches Dokument einer Übergangsära ist der Mitschnitt historisch von besonderem Interesse. Liebhaber erstklassiger Wagner-Stimmen werden darüber hinaus durch eine Reihe an sängerischen Spitzenleistungen in Verzückung geraten. Wobei sich meine persönliche Einschätzung der künstlerischen Qualitäten ganz erheblich vom Mainstream, aber auch von der im Booklet dargestellten Wertung unterscheidet.

Rudolf Kempe hatte in Bayreuth den Ring von 1960 bis 1964 in einer antikisch inspirierten Neuinszenierung durch Wolfgang Wagner (die Szene fiel vor allem durch eine „zerborstene Scheibe“ auf) dirigiert, wobei er einschlägige Erfahrungen schon anlässlich von Ringzyklen an der Covent Garden Opera ab 1954 sammeln konnte. Einige Beobachter, die Kempe bei Wagner kammermusikalische Durchhörbarkeit und einen schlanken Ton attestieren, dürften nur seine Wagner-Studioaufnahmen (vor allem Meistersinger, Lohengrin).

Bisweilen steht Kempe, zumindest bei diesem Live-Mitschnitt aus 1961, was breite gesättigte Tempi (Siegfried 3. Akt!) und dramatisches Aufbäumen anlangt, stilistisch wesentlich näher an Knappertsbusch als etwa an Karajan oder Boulez. Kempes Grundsicht auf den Ring ist symphonisch grundiert, auf Sänger hat Kempe – wenn es um „seine Interpretation“ ging – nicht immer höchste Rücksichten genommen. Dafür wartet Kempe mit einem instrumentalen Farbenreichtum sondergleichen auf, da flirrt es beim Feuerzauber wie in Salome, die Naturbeschreibungen im Siegfried oder der erste Akt Götterdämmerung gehören zum Besten, was an Ring-Deutungen existiert. Die enorme Innenspannung und die aus dem Moment der Aufführung geschöpfte unmittelbare Dramatik, die Übersetzung des Dramas in einen bisweilen zu Kumuluswolken mächtig aufgetürmten und dennoch motivisch klug aufgefächerten Orchesterklang sind beispielhaft. Natürlich konnte Kempe in großen Momenten ebenso magisch und atemberaubend sein wie alle anderen mythischen Wagner-Dirigenten vor und nach ihm. Das schließt nicht aus, dass es das eine oder andere Mal in der Koordination und damit im Gebälk der Aufführung (Rheingold, Walküre zweiter Akt Beginn) ganz schön gekracht hat.

Kempe pflegte einen maskulin testosterongeladenen, dramatisch zuspitzenden Wagnerstil. Nicht das ebenmäßige Entwickeln der Leitmotive und der ganz große Bogen (Furtwängler) interessieren ihn, vielmehr ist Kempe ein Meister der geschichteten Spannungsbögen. Wie ein Bergwanderer, der einen Dreitausender nach dem andern durchmisst, wühlt Kempe in den Gipfelparforceritten der Partitur und bot dadurch einzigartige Ausblicke und Einsichten auf Wagners Ring. Auf keinen Fall ist Kempes Klangdramaturgie in irgendeiner Weise bieder oder pathetisch gefühlig. Das große Drama baut Kempe aus vielen kleinen Geschichten in der ganz großen, jede so spannend wie eben möglich. Besonders der erste und zweite Akt Siegfried profitieren von der überaus elektrisierenden Klangregie. Für mich vom Orchester her der beste Siegfried ever.

Die Besetzung ist in manchen Partien altbekannt, im Wesentlichen aber für Bayreuth seit 1960 neu. Was mich wirklich empört, ist der Satz im Booklet von Peter Emmerich, wonach dieser Ring im „Zeichen der faszinierenden, bewunderten einzigartigen Leistung der Birgit Nilsson als Brünnhilde stand, nahezu alle anderen Sängerinnen und Sänger sollen in ihrem ebenso grandiosen wie riesigen Schatten“ gestanden haben. Das ist genauso unsinnig wie unrichtig. Wie können die Künstler des Rheingold im Schatten der Hauptsopranrolle im Siegfried oder anders gefragt, der Walküren Wotan von der Götterdämmerungsbrünnhilde (worin eigentlich) übertroffen werden? Außerdem hatte die große Birgit Nilsson später wesentlich differenzierte und klangschönere Brünnhilden gesungen als 1961. Von der Besetzungspolitik bleibt unverständlich, warum, Astrid Varnay in diesem Stadium ihrer Karriere ausgerechnet die „junge“ Brünnhilde in der Walküre anvertraut hat und nicht die Götterdämmerung, wenn man die Partie schon unbedingt auf zwei Sängerinnen aufteilen wollte.

Der Reihe nach: Das Rheingold weist außer der völlig uninteressanten und überforderten Freia der Wilma Schmidt sängerisch nur Bestes auf. Die Amerikaner und Briten hielten ab 1960 einen bemerkenswerten Einzug in Bayreuth. Allen voran der klangschönste Wotan aller Zeiten, Jerome Hines, der nicht nur im Rheingold, sondern auch in der Walküre mit unerhört edlem Baßbariton (klingt bisweilen wie Siepi) einen echten Sängergott auf die Bühne hievte. Vielleicht nicht so herrisch-streng wie Hotter, aber muss das sein? Auch der junge Thomas Stewart, Karajans Salzburger Wotan, in den Rollen des Donner und Gunther, weniger David Thaw als Froh, führten vor, wie sich die USA im Spitzenwagnergesang habilitierten.

Der Pfälzer Herold Kraus bringt für die Partie des Mime im Rheingold und Siegfried heldentenorale Töne mit ein. So auf stimmlicher Augenhöhe mit Siegfried ward Mime noch nie vernommen. Der Nachtalbe Alberich wurde wie im Londoner Kempe Ring vom in Prag geborenen Otakar Kraus verkörpert, düster mächtig in seiner unheimlichen „Selbstkastration“ um des Goldes wegen, mit Kempe verbindet ihn ein traumwandlerischer musikalischer Gleichklang. Gerhard Stolze ist zweifelsohne der beste Loge aller Zeiten: deklamatorisch, das Wort in zynisches Weltspiel tauchenden Ausdruck agiert Stolze wie Christoph Waltz mit eitel neckisch geübter Nonchalance. Jedes Wort und jede Phrase ist ein Lehrstück fest verschweißten Stahls aus Wort und Ton.

Regina Resnik in ihrem einzigen Bayreuther Jahr als Fricka in Rheingold und Walküre (1953 war sie noch Sieglinde) ist ein unverwechselbar orgelndes Stimmwunder, autoritär, visionär, üppige Göttergattin und als rächendes Weib eine Vorwegnahme der Brünnhilde in Götterdämmerung. Marga Höffgen darf in ihren Erda-Szenen mit wunderbar timbriertem Alt im Rheingold und Siegfried zeigen, wie man ohne travestiehaft zu outrieren, mit Würde und Stil zu orakelhafter Wahrheit gelangt. Fasolt und Fafner sind mit dem Briten David Ward und Peter Roth-Ehrang äußerst solide besetzt. Woglinde, Wellgunde und Flosshilde fanden in Ingeborg Felderer, Elisabeth Steier und Elisabeth Schärtel überaus ansprechende Interpretinnen. Ingeborg Felderer alias Ina del Campo war mit ihrem leichten Sopran auch als Helmwige und Waldvogel in diesem Festspielsommer gut beschäftigt. Später versorgte sie als Chefin von MELODRAM ein treues Publikum an Melomanen mit unautorisierten Opern-Mitschnitten aller Art, nicht zuletzt aus Bayreuth in gediegener Aufmachung und meist passabler Tonqualität.

In der Besetzung der Walküre prallen die Generationen dann aufeinander. Vor allem Astrid Varnay als Brünnhilde darf noch einmal zeigen, wie man in der Todesverkündigung höchste Intensität des Ausdrucks mit einer rein stimmlich kunstvoll gemischten Farbenpalette erzielen kann. Ab der oberen Mittellage und erst recht in den Höhen waren die stimmlichen Verschleißerscheinungen aber unüberhörbar. Als Wälsungenpaar brillierten Fritz Uhl und Regine Crespin. Uhl war zu diesem Zeitpunkt ein dramatischer Tenor ohne Limit, zwar mit trocken-herbem Timbre, aber dennoch großartig. Seine Wälsungenrufe und die dramatischen Szenen im zweiten Akt lassen keinen Wunsch offen. Regine Crespin als Sieglinde ist von der Stimmpracht her als einzige Interpretin der Partie auf einem Level mit Lotte Lehmann und Leonie Rysanek zu nennen, ohne aber deren Geschmeidigkeit und Jubelton ganz erreichen zu können. In der Götterdämmerung als dritte Norn ist Regine Crespin wie schon vor ihr in den fünfziger Jahren Martha Mödl oder Astrid Varnay eine Luxusbesetzung der Sonderklasse, damals eben nur in Bayreuth möglich und tatsächlich durchsetzbar. Das wäre vom Rang der Stimmen her heute so, wie wenn Anna Netrebko dritte Norn in Bayreuth sänge. Gottlob Frick ist ein rabenschwarzer Hunding, in der Götterdämmerung darf er als Hagen seine Mannen das Drama ihrem Ende entgegentreiben lassen.

In Siegfried und Götterdämmerung gab es ab 1960 mit Hans Hopf und Birgit Nilsson als Siegfried und Brünnhilde zwei äußerst stimmgewaltige und beeindruckende Bayreuther Rollendebütsänger. Hans Hopf als Siegfried ist ein echter Heldentenor, der aber auch im italienischen Fach zu Recht große Erfolge feierte. Allzu jung klingt er nicht und auch der genaueste aller Sänger war Hopf nicht, manche Phrasen zimmert er sich wie einstens Max Lorenz eher unorthodox zurecht. Insgesamt passt sein Ungestüm und die stimmliche Kraftmeierei aber gut zur Rolle. Manche Höhen geraten unter Druck und mit manchen breiten Tempi kommt Hopf auch nur mit Mühe zurecht.

Birgit Nilsson als Brünnhilde ist unbestreitbar und unbestritten ein Stimmwunder, das schon seit den frühen fünfziger Jahren in Bayreuth präsent war. Ein Naturereignis, bei dem dem Publikum damals wahrscheinlich der Mund offenblieb. Retrospektiv betrachtet kann man aber sagen, dass sie 1961 noch meilenweit vom unglaublichen Raffinement und dynamisch kunstvoll abschattierter Gestaltung der Rolle entfernt war, die sie unter Karl Böhm einige Jahre später erreichen sollte. Manchmal gehen Nilsson gewaltig die Rösser durch mit ihren unendlichen Stimmmitteln. Diese Interpretation ist grandios faszinierend und lässt einen fassungslos zurück. Bisweilen werden aber Töne grob serviert, die metallisch trompetenhafte Höhe klingt zumindest auf CD nicht immer angenehm. Beim Siegfried Schluss verrutschen sogar zwei Töne.

Wenn man einen wirklich triftigen Grund in der Sängerbesetzung sucht, um gerade diesen Ring unbedingt haben zu müssen, dann ist es wohl James Milligan als Wanderer. Der gerade einmal 33 Jahre junge kanadische Bassbariton stand am Anfang einer mehr als vielversprechenden Karriere. Sein Wanderer Bayreuth 1961 ist das bedeutendste akustische Vermächtnis, weil Milligan im November desselben Jahres bei einer Probe in Basel unerwartet an Herzversagen starb. Mit welcher stimmlichen Reife und viril markanten Klangpracht Milligan den Wanderer sang, machte ihm wohl kaum einer seiner Nachfolger bis heute nach. Daher ist dieser Siegfried Mitschnitt zugleich eine unverzichtbare Hommage an diesen großartigen Sänger geworden.

Rein klangtechnisch ist der 61-er Mono-Ring tadellos revitalisiert worden. Die Mikros begünstigen tendenziell die Stimmen. Besonders im ersten Akt der Walküre wird dies sogar grenzwertig. Die Stimmen sind aber stets unmittelbar fühlbar und deren Timbres kommen höchst natürlich aus dem Lautsprecher. Für Stimmfetischisten ein wahrer Festschmaus mit viel Festspielhaus-Atmosphäre.

Jetzt fehlen von den ganz großen Bayreuther Interpretationen wohl nur noch der Karajan Ring 1951 und der Maazel-Ring 1969. Vielleicht werden die Sammler dank ORFEO auch hier bald gehörig Futter bekommen.

Dr. Ingobert Waltenberger | 07.12.2016

pizzicato.lu

« Den Ring muss ich haben! »

In meinem CD-Archiv stehen über 30 Gesamtaufnahmen von Wagners ‘Ring des Nibelungen’, angefangen mit den legendären Schellack-Aufnahmen von 1920 – 1924 und dem berühmten ‘Potted Ring von HMV aus den Jahren 1927 – 32 (beide natürlich stark gekürzt), über die drei legendären Einsopielungen von Böhm, Solti und Karajan, den überschätzten Boulez-Ring mit einer grauenhaften Gwyneth Jones als Brünnhilde bis hin zum Ring-Schlusslicht, nämlich der maßlos enttäuschenden Wiener Aufnahme von Christian Thielemann. Dank Orfeo werden in regelmäßigen Abständen wichtige Rundfunkübertragungen der Bayreuther Festspiele in einem neuen Mastering wieder auf den Markt gebracht. Viele dieser Dokumente waren bei italienischen oder amerikanischen Firmen schon seit vielen Jahren erhältlich, allerdings meistens in klanglich bescheidenen Fassungen.

Nach den Ring-Aufnahmen mit Krauss (1953) und Knappertsbusch (1956) veröffentlicht nun Orfeo eine dritte Live-Aufnahme, und zwar diesmal aus dem Jahre 1961. In diesem Jahr (wie auch schon 1960) dirigierte Rudolf Kempe Wagners Tetralogie auf dem Grünen Hügel. Und man muss sagen, dass dieser Ring zweifelsohne zu fünf besten Gesamtaufnahmen gezählt werden muss, die auf dem Markt erhältlich sind. Vor allem ist Kempes feuriges Dirigat hervorzuheben, das dem betulichen Pathos eines Knappertsbusch diametral gegenübersteht und durch das ein neuer Wagner-Dirigierstil, ähnlich wie bei Solti und Böhm, eingeleitet wurde.

Kempe setzt mehr auf spannendes Musizieren, auf Transparenz und Dynamik, er spornt seine Sänger permanent zu Höchstleistung an. Und im direkten Vergleich mit Böhm, Solti und Karajan hat Kempe auch die besseren Sänger, resp. die selben Sänger in besserer Verfassung zur Verfügung. An erster Stelle muss man Birgit Nilsson (Brünnhilde) und Hans Hopf (Siegfried) nennen, die ohne Durchhänger diese beiden schwierigen Partien mit viel Stilgefühl und einer atemberaubenden Leichtigkeit bewältigen. Die Walküren-Brünnhilde wird von Astrid Varnay gesungen, auch hier muss man feststellen, dass dies eine der besten Aufnahmen dieser Partie von dieser Sängerin ist. Jérôme Hines und James Milligan als Wotan und Wanderer sind würdige Erben des legendären Hans Hotter. Hines besticht mit einer enorm warmen und Ehrfurcht gebietenden Stimme, während der am Anfang einer vielversprechenden Karriere stehender Milligan einen virtuosen und gewaltigen Wanderer gibt. Leider ist Milligan vier Monate nach seinem Bayreuther Debut durch einen plötzlichen Herzstillstand gestorben. Gerhard Stolze singt eine der besten, wenn nicht die beste Loge-Darstellung der Schallplattengeschichte und übertrifft hier seine schon phänomenale Interpretation bei Karajan. Der immer noch unterschätzte Fritz Uhl ist ein beeindruckender Siegmund, während Régine Crespin ihm als Sieglinde in nichts nachsteht. Otakar Kraus beeindruckt als Belcanto- Alberich, während sein ‘Bruder’ Herold Kraus keine Mühe hat, im ‘Siegfried’ dem stimmgewaltigen Hans Hopf Paroli zu bieten. Die beiden dunkel-dämonischen Figuren Hunding und Hagen finden in Gottlob Frick einen idealen Interpreten. Der Rest der Besetzung liest sich wie ein who’s who: Regina Resnik (Fricka), Grace Hoffmann (Waltraute und 2. Norn), Marga Höffgen (Erda), Thomas Stewart (Donner und Gunther), sowie David Thaw (Froh), Wilma Schmidt (Freia und Gutrune), Peter Roth-Ehrang (Fafner) und David Ward (Fasolt). Für mich persönlich ist dieser Kempe-Ring zu einem ganz besonderen Liebling geworden, und liegt jedenfalls weit vor Karajan, Solti und Janowski.

15/04/2017

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Media Type/Label
Orfeo, OD, HO
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Technical Specifications
503 kbit/s VBR, 44.1 kHz, 3.1 GByte (flac)
Remarks
Broadcasts from the Bayreuth festival
A production by Wolfgang Wagner (1960)