Die Meistersinger von Nürnberg

Karl Böhm
Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
Date/Location
25 July 1968
Festspielhaus Bayreuth
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
Hans SachsTheo Adam
Veit PognerKarl Ridderbusch
Kunz VogelgesangSebastian Feiersinger
Konrad NachtigallDieter Slembeck
Sixtus BeckmesserThomas Hemsley
Fritz KothnerGerd Nienstedt
Balthasar ZornGünther Treptow
Ulrich EißlingerErich Klaus
Augustin MoserWilliam Johns
Hermann OrtelHeinz Feldhoff
Hans SchwartzFritz Linke
Hans FoltzHans Franzen
Walther von StolzingWaldemar Kmentt
DavidHermin Esser
EvaGwyneth Jones
MagdaleneJanis Martin
Ein NachtwächterKurt Moll
Gallery
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Eine diskographische Sensation: der 1968er Mitschnitt von Wagners “Meistersingern” aus Bayreuth bei Orfeo International

Es ist kaum zu hoch gegriffen, diese “Meistersinger von Nürnberg” als ein Ereignis zu feiern. Denn der nie auf dem grauen Markt aufgetauchte Mitschnitt des Bayerischen Rundfunks, aus dem Bayreuther Festspielhaus vom 25. Juli 1968, klingt unter Karl Böhm in bester Stereo-Qualität frisch und plastisch wie am ersten Tag, enthält keinerlei Verzerrungen und kaum Rauschen, dokumentiert darüber hinaus eine Besetzung, die in dieser Farbigkeit und Uverwechselbarkeit heute ihresgleichen sucht.

Die Münchner Plattenfirma “Orfeo” hat schon in den letzten Jahren neben zahlreichen Aufführungen aus Salzburg und Wien, pro Jahr jeweils eine Wagner-Oper aus Bayreuth, von den Originalbändern des BR, veröffentlicht. Das bedeutete stets enormen klangtechnischen Gewinn gegenüber den CDs, die der graue Markt in immer größerer Frequenz ausstößt. Keiner dieser Mitschnitte (Tristan `52, Tannhäuser `55, Ring `56, Lohengrin `59, Parsifal `64) war jedoch eine wirkliche Novität oder Rarität wie jetzt diese “Meistersinger”.

Karl Böhm macht schon mit den ersten Takten des Vorspiels zum ersten Akt deutlich, was ihm am Herzen liegt: eine pralles, direktes, auf bodenständige Weise sinnlich musikantisches Spiel, immer rhythmisch präzise und trocken akzentuiert, dabei bläserbetont, ohne dass andere Instrumentengruppen dadurch ins Hintertreffen gerieten. Fast fühlt man sich an das Brio des frühen Verdi erinnert, da bei diesem zupackend vorwärtsdrängendem Musizieren auf CD der berühmte Schalldeckel des Festspielhauses nichts dämpfen kann. Verblüffend gut gelingen die tumultösen, oft dem Dirgenten und den Sängern aus dem Ruder laufenden Szenen, wie die Finali des ersten und zweiten Akts. Bei letzterem hat Böhm weniger die schwüle Sommernachts-Traum-Fantasie im Sinn, die Christian Thieleman vor einigen Jahren in Bayreuth so irisierend leuchten ließ, sondern die erdverhaftete Komödie.

Alles Satirische – wie die Pantomime des von der Johannisnacht-Prügelei schwer mitgenommenen Beckmesser – und manche Ausbrüche leben davon, dass prägnant, ja aggressiv musiziert wird, wie auch den Einzug der Zünfte auf der Festwiese ausgelassene Fröhlichkeit dominiert. Selten klingt der wie immer prächtige Festspielchor so vital und aufgekratzt, wird soviel auf der Bühne gelacht, wie hier. Lyrisches klingt dennoch ebenso erfüllt und klar – wie Stolzings “Am stillen Herd” im ersten Akt oder seine Traum-Erzählung im dritten Akt, die Taufe der Melodie im Quintett als “Morgen-Traum-Deut-Weise” und schließlich die Krönung als “Preislied” auf der Festwiese.

Ein neue Generation Wagner-Sänger, die damals erst am Anfang ihrer Karriere standen, gibt jeder der Hauptpartien ein jugendfrisches, aber unverkennbares Profil: Die 31-jährige Gwyneth Jones als Eva etwa singt – vor Venus und Elisabeth in Bayreuth (jetzt auf DVD bei Universal) oder ihrer legendären Brünnhilde 1976 – mit ebenso charakteristisch timbrierter wie damals noch mädchenhaft-schlanker Stimme. Man höre nur, wie leise, schwebend und weich sie den Beginn des Quintetts abtönt, bevor sie es später mit großem, leicht metallischem Ton glanzvoll anführt und überstrahlt.

Ebenfalls erst zarte 28 Jahre alt ist damals Janis Martin als Magdalene. Auch sie entwickelte sich später zu einer großartigen hochdramatischen Sopranistin. Waldemar Kmentt überrascht mit beinahe jungheldischem, baritonal gefärbtem, aber höhensicherem Tenor-Schmelz und einer differenzierten Gestaltung. Theo Adam ist mit unverkennbarem Timbre und heldenbaritonaler Kraft und Ausdauer, die ihn noch seine große Schluss-Ansprache glänzend bewältigen lässt, ein Hans Sachs in den besten Jahren. Er könnte durchaus Heiratskandidat für Eva sein und besitzt neben der grüblerischen Ader (die sich im Wahn-Monolog Bahn bricht) vor allem eine verschmitzte und sehr direkte Seite.

Ihm zur Seite ist als Lehrbub David mit Hermin Esser ein späteter Heldentenor zu hören, dessen Potenzial dieser Partie, die eigentlich für einen leichteren Charaktertenor komponiert ist, durchaus zuträglich ist. Thomas Hemsley lässt Beckmesser nicht zur Karikatur verkommen, sondern gestaltet mit großer Ernsthaftigkeit, ja Schönheit, was die Partie enorm aufwertet. Karl Ridderbusch brilliert als Pogner und der damals 29-jährige Kurt Moll als Nachtwächter: in derselben Partie, mit der sich der große Bassist am 31. Juli 2006 im Münchner Nationaltheater von seinem Publikum verabschiedete.

Klaus Kalchschmid

resmusica.com

L’année 1968, ce fut aussi Bayreuth. Alors qu’une nouvelle production des Maitres Chanteurs faisait l’ouverture du festival, des membres d’un groupe d’extrême gauche local distribuèrent des tracts qui disaient : «Les notables dehors place au peuple». Si les cols mao investissaient quelque peu les travées du festival, les spectateurs firent une fête à ce spectacle d’ouverture avec une demi-heure d’applaudissements.

Relayant son frère Wieland décédé, c’est Wolfgang Wagner qui régla la scénographie, très traditionnelle à en juger par les photos reproduites dans le livret, de ce spectacle qui marquait aussi la réouverture d’un Festspielhaus modernisé en termes de «confort» (point assez relatif à Bayreuth) pour les spectateurs. Dans la fosse, le grand Karl Böhm dont on connaît les Ring et les Tristan mythiques fait des étincelles à la tête de l’orchestre du festival. Rarement la partition est apparue aussi lumineuse et fraiche sous cette direction portée par un geste impérial de subtilité et d’attention au plateau. Que tous ceux qui trouvent cette partition énorme et colossale écoutent attentivement ce coffret.

Côté chant, la distribution présentait des jeunes chanteurs avec, en tête d’affiche un Theo Adam à la voix juvénile, racée mais noble qui sied à merveille au personnage de Hans Sachs. Alors que ce rôle devient de plus en plus inchantable par nos barytons actuels, il est déconcertant d’entendre un chanteur aussi à l’aise dans une des figures les plus musicalement écrasantes du répertoire lyrique. Tous les autres chanteurs faisaient leurs débuts à Bayreuth et l’on retrouve aux sommets un Waldemar Kmentt souverain à la haute intelligence vocale et une Gwyneth Jones engagée, comme toujours, au maximum de ses moyens alors imposants. En accord avec la direction du chef, la fraîcheur de ces voix fait sonner cette partition avec l’humour et la légèreté requise.

La prise de son restitue bien l’énergie de la direction et la richesse des timbres des chanteurs. Ce coffret à la notice de présentation riche en iconographie et exhaustive par son texte est un jalon important de la discographie de l’œuvre et des archives de ce festival.

Pierre-Jean Tribot

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Technical Specifications
613 kbit/s VBR, 44.1 kHz, 1.05 GByte (flac)
Remarks
Broadcast from the Bayreuth festival
A production by Wolfgang Wagner (premiere)