Die Walküre

Sebastian Weigle
Frankfurter Opern-und Museumsorchester
Date/Location
10 July 2016
Oper Frankfurt
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegmundFrank van Aken
HundingAin Anger
WotanJames Rutherford
SieglindeAmber Wagner
BrünnhildeRebecca Teem
FrickaTanja Ariane Baumgartner
HelmwigeHanna Herfurtner
GerhildeKaren Vuong
OrtlindeBritta Stallmeister
WaltrauteJenny Carlstedt
SiegruneJessica Strong
GrimgerdeMaria Pantiukhova
SchwertleiteBernadett Fodor
RoßweißeJudita Nagyová
Gallery
bachtrack.com

Wotan and his women: Family drama of Die Walküre in Frankfurt

The rotating turntable set remains an impressive aspect of the revived Oper Frankfurt Ring. In the first act of Die Walküre, as Siegmund flees from his enemies, the set is covered with fine white snow steadily falling from the sky. Later in the act, the rings of the set are illuminated in brown hues, and together with thin black lines on them, the set transforms itself into a giant tree rim from which Siegmund retrieves the sacred sword. In between, the dark basement under the elevated set that was the Niebelheim in Das Rheingold serves as Hunding’s hut. Olaf Winter’s lighting work is excellent throughout in evoking various moods of the music.

Wotan’s Act II monologue separates “the men from the boys”. A devoted Wagnerian relishes every moment of it while others find his retelling of the story long and tedious. The current production ingeniously solves the problem by making the scene a lesson in family genealogy. The set rotates to reveal a black wall with names of characters written in chalk. Wotan, Fricka and Brünnhilde each makes additions and alterations as suited to his/her version. The battle between Siegmund and Hunding takes place on top of the set as it is tilted so its tallest part faces the audience as Sieglinde watches helplessly from the ground. The same high point serves as a platform for the eight Valkyries’ battle cry at the beginning of Act III.

The last scene of the opera, as Wotan surrounds the sleeping Brünnhilde with fire, is stunningly staged, with a ring of flames slowly descending upon the seeing figure on the rising center of the ring. This is probably one of the simplest and yet most visually effective fire scenes ever staged.

The quality of singing this evening was somewhat mixed. James Rutherford’s Wotan was in his element, with his rich and booming voice and nuanced acting impressively encompassing the range of the character’s dilemma to create a complete character. Equally excellent was Tanja Ariane Baumgartner as Fricka who made her scene with Wotan a masterclass in inhabiting the role with her penetrating brilliant voice. This Fricka makes a final appearance at the end of Act II, proudly claiming victory over Wotan over the body of Siegmund, a nice directorial touch.

The Wälsung twins, Amber Wagner as Sieglinde and Frank van Aken as Siegmund, were both good actors, and their scenes were realistic and touching. Wagner’s voice has a somewhat dark timbre for a soprano and yet it opened passionately into thrilling high notes at climactic moments. All of Sieglinde’s emotions, love, distress and joy were expressed in her heartfelt performance. Her Siegmund, while he presented a sympathetic portrait of the tragic character and had some good notes, unfortunately lacked the heroic brilliance in voice that one would wish for his big moments. Ain Anger, an experienced Hunding, has grown immensely in the role, and his voice was now both loudly growling as well as subtly menacing.

The eight Valkyrie women all sang with beauty and power, individually and collectively. The standout was Karen Vuong as Gerhilde. It was unfortunate that Rebecca Teem, while singing and acting with good emotional energy, did not exhibit the vocal qualities that make for a successful Brünnhilde: beauty in top, clarity in diction, and vocal authority and subtlety in interacting with various characters, especially in her extended scene with Wotan in Act III.

Sebastian Weigle adopted a rather luxurious tempo in Act I, which worked well in showcasing some good orchestral playing from the winds and cello, and in developing the love of the Wälsungs. He then stepped on the accelerator in Acts II and III, to deliver an appropriately urgent and suspenseful drama. His support for his singers was exemplary, as he gave them plenty of breathing room and controlled orchestral volume as necessary.

The impressive production, smart stage craft and strong orchestral work were unfortunately not enough to overcome the mixed vocal performance of the evening. Nevertheless, the final moments of the opera, with images and sounds of flames flickering on stage and in the pit, did not fail to stir deep emotion, and I eagerly anticipate the next two operas of the Ring, to be performed next weekend.

Ako Imamura | 12 Juli 2016

Frankfurter Neue Presse

Gott hat sich heillos in Affären verstrickt

Große Emotionen, urgewaltige Stimmen, packende Lichtregie und viele Bravos: An der Oper Frankfurt wurde Wagners “Walküre” wiederaufgenommen.

Vielleicht war es im „Rheingold“ noch die Anspannung des Rollendebüts, vielleicht eine Indisposition, wer weiß: James Rutherford, der neue Wotan im Frankfurter „Ring“, hat jetzt im zweiten Teil der Tetralogie, der „Walküre“, eindrucksvoll bewiesen, dass er mehr zu bieten hat als ein imponierendes Baritontimbre.

Dieser Wotan, anfänglich noch heiter beschwipst in Sektlaune, weil seine beiden Wälsungenkinder sich gefunden haben, verwandelt sich im Laufe der Auseinandersetzung mit Fricka (Claudia Mahnke) glaubhaft in einen gebrochenen Mann, der sich sowohl im Wirrwar seiner komplizierten Verträge wie im unübersichtlichen Dickicht seiner Frauengeschichten heillos verirrt hat. Da hilft es auch nicht, dass er die Außenwand Walhalls auf der Suche nach Orientierung mit dem gesamtem Familienstammbaum vollkritzelt: Egal, wie viele Zuordnungspfeile, Namensstreichungen und Bündniverbindungen er anbringt, er verstrickt sich nur immer tiefer im komplexen System. Spannungsreich, mit der Dichte eines intensiven Kammerspiels, sind auch die beiden Szenen Wotans mit seiner Lieblingstochter Brünnhilde, die Rebecca Teem changierend zwischen brennendem Tatendrang und kindlicher Vaterverehrung auslotet.

Für ihre durchschlagende Wucht werden an diesem ersten Abend auch zwei Stimmen gefeiert, die mit der Macht von Naturgewalten wirken: Amber Wagners Sieglinde war bereits 2013 eine der Entdeckungen dieses „Rings“. Unglaublich, wie ihr glutvoller Sopran mit dem reizvollen Mezzoeinschlag zu raumflutenden Dimensionen anwachsen kann. Auch der eindrucksvolle Bass von Ain Anger in der Rolle des brutalen Hunding steht dieser Wirkmacht in nichts nach. Er ist mit dieser Produktion bereits vertraut, ebenso wie Frank von Aken als überzeugender Siegmund, der besonders in den Höhen melodiösen Tenorglanz versprüht.

Sechs Neubesetzungen gibt es bei den Walküren, allesamt Novizinnen ihres Fachs: Mitreißend gelingen Karen Vuong, Jenny Carlstedt, Hanna Herfurtner, Jessica Strong, Maria Pantiukhova und Judita Nagyová nicht nur die gewaltigen „Hojotohos“, sondern auch das von der Regisseurin hochdramatisch inszenierte Schwanken der Walküren zwischen Mitleid für Brünnhilde und der Furcht vor Göttervater Wotan. Hans Walter Richter leitet die szenische Wiederaufnahme mit viel Sinn für die psychologischen Verstrickungen, während Sebastian Weigle aus dem Orchestergraben einen aristokratisch zurückhaltenden Walkürenritt und immer wieder mitreißende Zuspitzungen dirigiert.

BETTINA BOYENS | 10.05.2016

der-neue-merker.eu

Gott hat sich heillos in Affären verstrickt

Nach mehreren Jahren Abstinenz hat die Oper Frankfurt den Ring vor restlos ausverkauftem Haus wieder in den Spielplan aufgenommen. Die Oper Frankfurt verfolgt bei Wiederaufnahmen ein eigenes Konzept, in dem sie nur Gastsolisten engagiert, die für die gesamte Probenarbeit zur Verfügung stehen. Somit sind solche Wiederaufnahmen fast einer Premiere gleichzusetzen. Der GMD Sebastian Weigle benutzt in seiner musikalischen Ausrichtung eine eigene Sprache, die sich von den Dirigenten der Häuser, wie Berlin, München oder Wien unterscheiden. Bekanntlich umfasst eine Partitur zahllose Interpretationsmöglichkeiten. Herr Weigle verbindet in jedem Akt einen Spannungsbogen, der nie abfällt. Wo mancherorts beim Vorspiel ein Sturm in Orkanstärke die Besucher erschreckt, ist es hier ein Sturm mit Windstärke 5. Beim Walkürenritt findet in der Regel ein lautes. durcheinander schreiendes, Gekreische statt, in Frankfurt ist es ein transparentes Musizieren. Das Wälsungenpaar ist hervorragend besetzt, mit der kraftvollen Stimme von Amber Wagner Die Rolle des Siegmund interpretierte mit einer kraftvollen Heldentenorstimme, Frank van Aken. Er besitzt eine tiefere Mittellage, was genau den Vorstellungen des Komponisten entspricht, da Siegmund der Vater des späteren Helden ist. Die berühmten “Wälserufe” fanden fast kein Ende. Für den Hunding, der Sieglinde augenscheinlich nur als Lustobjekt betrachtet, war der mächtige Bass Ain Anger zuständig. Die Fricka sang Claudia Mahnke, diese Rolle hat sie schon in Bayreuth dargestellt.

Leider war die Brünnhilde, Rebecca Teem, mit ihrer etwas kleineren Stimme dann auf verlorenem Posten, wenn sie im Hintergrund singen musste.

Hier taucht das leidige Problem auf, dass die Regie bei akustischen Problemen sich meistens durchsetzt, anstatt die Entscheidung dem verantwortlichen musikalischen Leiter zu überlassen.

Der Wotan bzw. Wanderer gehört mit Hans Sachs zu den schwierigsten Wagnerpartien . Beide Rollen sind im Repertoire von James Rutherford, der mit seinem tiefen Bariton ohne jegliche Verschleißerscheinung diesen Wotan charakterisierte, eine grandiose Leistung. Er zeigt stimmlich und darstellerisch seine Wandlungsfähigkeit. Angefangen im Rheingold bis zur Begegnung mit Fricka ist er kampfbereiter und euphorische Wotan, was sich allerdings abrupt ändert, wenn durch die Argumente der Fricka alle seine Vorstellungen einer Weltordnung wie ein Kartenhaus zusammen fallen. Jetzt fällt er in eine tiefe Depression “Was verlangst du“, die erst wieder verfliegt, wenn er seine Demission als Göttervater in Wallhall selbst einleitet, ohne zuvor einen unbedarften kommenden Nachfolger zu präsentieren. Das stellt sich aber am Ende als Utopie heraus.

Das Team für die Regie bestand aus Vera Nemirova mit ihrem Bühnenbildner, Jens Kilian und für die Kostüme, Ingeborg Bernerth. Die Arbeit für die Wiederaufnahme übernahm Hans-Walter Richter. Über die runde Scheibe mit den vielen Variationsmöglichkeiten ist schon mehrfach berichtet worden. Der Vorteil ist eine große Spielfläche für die Personenführung und wenn sich diese Ringscheibe lautlos hydraulisch nach oben bewegt, ist gleichzeitig am Boden eine zweite Spielfläche entstanden. Die Inszenierung ist schnörkellos und entspricht der von Richard Wagner vorgegebenen Handlung.

Fazit: Die Oper Frankfurt ist schon mehrfach mit Auszeichnungen bedacht worden und gehört unbestritten seit Jahren zu den bedeutenden Opernhäusern in Deutschland.

Verantwortlich, stellvertretend für die übrigen Beteiligten, sind der mächtige und von vielen Opernstätten umworbene Intendant Bernd Loebe und natürlich der GMD, Sebastian Weigle, auch schon mehrfach ausgezeichnet. Da können auch die obligatorischen Subventionskürzungen nichts ändern.

Franz Roos | DIE WALKÜRE am 8.5.2016

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 522 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Vera Nemirova (2011)
This recording is part of a complete Ring.