Die Walküre

Kimbo Ishii
Magdeburgische Philharmonie
Date/Location
8 September 2018
Theater Magdeburg
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegmundRichard Furman
HundingJohannes Stermann
WotanLucia Lucas
SieglindeNoa Danon
BrünnhildeJulia Borchert
FrickaUndine Dreißig
HelmwigeJeanett Neumeister
GerhildeRaffaela Lintl
OrtlindeUta Zierenberg
WaltrauteMonica Mascus
SiegruneIsabel Stüber Malagamba
GrimgerdeLucia Cervoni
SchwertleiteHenriette Gödde
RoßweißeEmilie Renard
Gallery
nmz.de

Oper Magdeburg eröffnet Spielzeit mit Wagners „Walküre“

Nur einen Teil aus Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ auf den Spielplan zu setzten, hat etwas von „ein bisschen schwanger“. Aber wenn man es dann schon mal macht, so wie jetzt die Oper in Magdeburg zum Spielzeitauftakt, dann bietet sich dafür die „Walküre“ noch am ehesten an. Das „Was-bisher-geschah“ (und zwar im „Rheingold“ und in der Zeit zwischen Einzug der Götter und „Walküre“) wird hier nämlich ohnehin ausführlich erzählt.

Bei dem, was folgt, also wie es mit und im „Siegfried“ weiter geht, da haben die Neugierigen halt Pech. Oder sie müssen einen Ausflug nach Chemnitz einplanen, wo man gerade an einem „Ring“ mit vier Regisseurinnen bastelt und noch in diesem Monat „Siegfried“ auf dem Plan steht. (Oder nach Leipzig.)

Die „Walküre“ freilich hat ihr eigenes Verführungspotenzial. Die Winterstürme, die dem Wonnemond wichen – das ist so einschmeichelnd wie selten bei Wagner, gehört zum Populärsten aus dem ganzen Ring. So wie der Walkürenritt; das ist die Wagnerische Überwältigungs-Attacke schlechthin, bei der man noch jedes Mal innerlich in Deckung geht. Um dann Wagners Scharfblick für die Lust an der Zerstörung zu bestaunen. Die Angriffsformation der Kampf-Hubschrauber in Francis Ford Coppolas „Apokalypse now“ (1979) ist das Bild zu der Musik, mit der sich seitdem auch jede Bühnenversion insgeheim misst.

Regisseur Jakob Peters-Messer hat auf die Trockenbauwände von Guido Petzolds Bühne (Situation: Innenausbau – eine Tapeziertafel steht noch rum) exemplarische bürgerkriegsähnliche Randaleszenen projiziert. Aus dem Hamburger Schanzenviertel beim G20 Gipfel. Im dritten Aufzug dann ist aus den Bruchstücken der Wände eine Skulptur geworden, die als stilisierter Walkürenfelsen ohne Weiteres durchgeht.

Siegmund ist in diesem Rahmen den randalierenden Autonomen zuzuordnen. Sieglinde, bei der er auf der Flucht, direkt von der Demo, vor seinen Verfolgern Schutz sucht, die Ehefrau eines ziemlich martialisch ausgerüsteten Ordnungshüters. Randalierer gegen die Mächte der Ordnung und Wotan mittendrin. Er ist eigentlich der Chef und Repräsentant der Ordnung, dabei aber selbst ein verkappter Revoluzzer. Dass man für diesen Widerspruch doch den ganzen Ring bräuchte – das ist ein Fazit dieser Produktion. Es beschreibt zugleich ihr Defizit. Überhaupt ist Wotan besonders im letzten Akt mehr ein überfordertes Opfer seiner allzu dominanten Ehefrau im grauen Hosenanzug und weniger ein Gott mit weitreichenden Umsturzplänen in Sachen Welt. Es passt zu diesem trotzig wirkenden Alt-Jugendlichen, wenn die zu Boden gegangenen Scheinwerfer mit ihrem etwas mickrig wirkenden Rotlicht den Feuerzauber schon imaginieren, noch bevor Wotan mit dem Aufstampfen seines Speeres das Kommando dazu gibt. Auch, dass sich die Walküren in den weißen Monturen der Spurensicherung um die gesammelte Beute an Toten kümmern, und unter diesen Schutzanzügen dann das gängige Protestler-Outfit von Jugendlichen zum Vorschein kommt, lässt Fragen offen.

Unterm Strich ein Gewinn

Man hat Jakob Peters-Messer schon einfallsreicher und auch in der Personenzeichnung packender erlebt. Und doch ist der Abend unterm Strich ein Gewinn – für jeden Opernfreund, aber auch für die besondere Spezies der Wagnerianer.

Sein großer Vorzug: er erzählt die tabubrechende Liebesgeschichte der Zwillinge Siegmund und Sieglinde geradeaus, mitreißend körperlich und hinreißend gesungen. Der durchweg imponierend strahlende und darstellerisch glaubwürdige Siegmund von Richard Furman ist eine Entdeckung, die auch jeder größeren Bühne zur Ehre gereichen würde. (Den sollte man in Bayreuth auf die Reserveliste setzten.) An seiner Seite ist Ensemble-Mitglied Noa Danon eine leidenschaftliche, dunkel eingefärbte Sieglinde.

Johannes Stermann ist ein eher optisch, als stimmlich furchterregender Hunding-Hühne in der Kampfmontur der Polizei von heute. Neben ihm verkörpert vor allem die in Magdeburg bewährte Undine Dreißig als Fricka mit jedem Ton und jedem Blick die bestehende Ordnung. Die Kostüme von Sven Bindseil lassen daran keinen Zweifel. Julia Borchert gelingt es als Brünnhilde, sehr schlanke Anläufe glaubhaft in ihre Hojotoho-Ausbrüche zu integrieren. Berührend die Todesverkündigung, wenn sie Siegmund wie eine antike Priesterin im weißen Gewand vor der Projektion eines betörend grünenden Waldes erscheint. Bariton-Sängerin (ist sie tatsächlich) Lucia Lucas ist ein zwar etwas zu jugendlicher und auch weichgezeichneter vokal sattelfester, aber Wotan! Dazu findet der scheidende Magdeburger GMD Kimbo Ishii mit seiner Philharmonie schnell in einen durchweg mitreißend packenden Walkürensound. Er gibt dem ersten Akt, die innere Spannung und das Tempo, die mitreißen. Dass bei ihm selbst der Walkürenritt zu einem musikalischen Schmuckstück wird, liegt auch an den handverlesenen, durchweg als Einzelleistung wahrnehmbaren Walküren Raffaela Lintl, Uta Zierenberg, Monica Mascus, Isabel Stüber Malagamba, Emilie Renard, Lucia Cervoni und Henriette Gödde. Er lässt den Sängern durchweg den Raum, sich zu entfalten. Er verbreitet aus dem Graben Glanz und Leidenschaft. Und die Ahnung der drohenden Katastrophe.

Joachim Lange | 12.09.2018

concerti.de

Zerrieben von Ordnung und Rebellentum

Der leider scheidende GMD Kimbo Ishii setzt auf innere Energie statt auf Wagner-Phonstärke, die Regie von Jakob Peters-Messer bleibt blass.

„Odin statt Jesus“ steht in Frakturbuchstaben auf der Rückscheibe eines alten Ford, der in Nähe des Opernhauses Magdeburg parkt. Die Neuinszenierung von „Die Walküre“, die das intensive Drama aus dem „Ring“-Zyklus herauslöst und jetzt in die Reihe der jede zweite Spielzeit angesetzten Produktion eines Wagner-Werks stellt, zeigt: Das ist keine Lösung im Dilemma der Werte und Konflikte. Odin heißt bei Wagner Wotan und ist hier am Ende seiner göttlichen Macht.

Mit einer souveränen musikalischen Gesamtleistung und schlagkräftigen Bildwirkungen thematisiert die Magdeburger „Walküre“ Grenzen und Gefährdungen, obwohl die Regie von Jakob Peters-Messer blass bleibt. Mit der Darstellung dieser Zertrümmerung von Orientierungsgewissheit zwischen stabilisierender Ordnung und wenig befreiendem Rebellentum gelingt trotzdem ein starker Wurf.

Rausch und Ehrlichkeit

Ohne einen derart glanzvollen, durchdachten, pulsierend fließenden Zugriff der Magdeburgischen Philharmonie und ihres (warum nur?) in der nächsten Spielzeit Richtung Schleswig-Holsteinisches Landestheater scheidenden GMDs Kimbo Ishii wäre der Abend nur halb so eindringlich. Bis zum letzten Takt, mit dem der psychisch kollabierende Göttervater Wotan im Feuerzauber der Bodenscheinwerfer entschwindet, trägt die gekonnt enervierende Spannung. Im dichten Klangraum, der weder Solostimmen überflutet noch instrumentale Nebenstimmen verdeckt, wird der heikel lange Mittelakt zum Höhepunkt. Selten hört man danach den brachialen Lärm des Walkürenritts mit dem so schneidend darüber fegenden Walküren-Ensemble derart überlegt brutal.

Kimbo Ishii hält an den entscheidenden Stellen – wie vor dem Liebesgeständnis des inzestuösen Geschwisterpaars oder vor dem Zweikampf – korrekt das Tempo. Das ist viel spannender als die oft zu hörenden Beschleunigungen. Kaum merkbar verhilft Kimbo Ishii seinen Sängern zu Höchstleistungen. Er fordert innere Energie statt outrierter Phonzahlen. Genau deshalb zeigt die zutiefst beeindruckende Noa Danon als Sieglinde neben Höhen-Reserven eine starke runde Mittellage, beweist der Siegmund-Debütant Richard Furman sein schönes Material erst recht in den kraft- und resonanzstarken „Wälse!“-Rufen.

Böse neue Welt

Zum Streicherbrodeln des Vorspiels: Video! Dieser Unruhestifter Siegmund kommt direkt von den Hamburger G20-Krawallen in die Bleibe des zum tätlichen Großeinsatz ausgerüsteten Ordnungshüters Hunding. Guido Petzolds Raum mit leeren, fensterlosen weißen Wänden und neutralem Teppichboden ist trostlos. Die alkoholischen Getränke stehen zum Feierabendverzehr im Putzeimer, das Essen kommt aus der Alutrommel. Auch ohne viel Leidenschaft, ohne Wonnemond lassen sich diese Sperrholzwände mit Hohlräumen unter dem tristen Licht leicht zum Einsturz bringen. Sinnlosigkeit im billigen Funktionsdesign.

Johannes Stermann hat eindeutig zu schöne Farben in der Stimme für die ultramännliche Polizeidrohne Hunding. Wenn Siegmund seine Schwester Sieglinde auf dem Tapetentisch im schnellen Quickie nimmt, weiß man nicht ganz genau, ob das programmierter Hormonsturm ist oder szenische Unbeholfenheit.

Splitternde Gemeinschaft

Der im ersten Akt noch ganze, dann immer mehr zerfallende Raum zeigt den unaufhaltsamen Verfallsprozess der von Wotan gewollten Gesellschaft mit Ordnung UND Freiheit. Seine Gattin Fricka im Hosenanzug hat für den trotzigen Göttervater, der mit langem Pferdeschwanz und Revoluzzermantel gegen das von ihm selbst aufgebaute Establishment rebelliert, sogar mütterliches Verständnis. Sven Bindseils Kostüme erzählen weitaus mehr als das Spiel der Solisten. Auch, dass Fricka und Wotan sowieso am Ende sind: Undine Dreißig legt in die moralisch korrekten Attacken etwas vokale Belegtheit und demonstriert damit mangelnde Selbstsicherheit. Wotan hat zwar den Willen zur Macht, ist aber alles andere als ein Machtmensch. Gewalttätigkeit ist für ihn ein letztes Mittel gegen die ihm entgleitende Stabilität.

Die Baritonistin Lucia Lucas charakterisiert einen weichen Walvater mit rauer Schale und, vollkommen kongruent zum szenischen Geschehen, mit ebenso weicher Diktion. Sie verzichtet auf die ihr zur Verfügung stehende vokale Markanz und segelt auf Legato-Wellen dahin. Spätestens bei den Verbal-Invektiven gegen die unfolgsame Walküre Brünnhilde weiß man, dass diesem Wotan die ganz scharfe Attacke ebenso fremd ist wie die scharfe Prosa des Machtmenschen.

Mädchenhafte Walküre im Blätterwald

Die größte und im Sinne von Wagners Anspruch an seine Sänger am meisten beeindruckende Leistung des Abends ist Julia Borcherts Brünnhilde, die mit fast nur einem Riesensprung vom lyrischen im heroischen Fach bemerkenswert zielsicher ankommt. Ein heller jugendlich-dramatischer Sopran, der von den jauchzenden „Hojotoho“-Rufen über das Erwachen von Brünnhildes Mitgefühl bis zum Sich-Fügen in den von Wotan verhängten Schlaf alle Stationen ihrer Entwicklung faszinierend durchdringt. Diese amazonenhafte Kindfrau treibt von den Barrikaden direkt in ihre erste Liebe, wenn sie Siegmund nach der Todesverkündigung gleich zweimal so kräftig küsst, dass dieser nicht weiß, wie ihm geschieht.

Die sich hinter beider Begegnung aufbauende Projektion eines lichtdurchfluteten Blättergrüns ist der einzige Moment des Abends, in dem ein trügerischer Hoffnungsfunke gegen die quälende Zerrissenheit zwischen Ordnungsdruck und manischem Rebellentum glüht: Dieser entlarvt sich schnell als Lügeneffekt auf dem Weg zu einem Walkürenteam, für das Leichensammeln nur ein Job ist.

Trotz szenischer Neutralität nehmen der visuelle Trümmerhaufen und das quälende Auftrumpfen der Magdeburgischen Philharmonie am Ende der „Walküre“ die Katastrophe der „Götterdämmerung“ vorweg, In Magdeburg weiß man beim Fallen des Schlussvorhangs, dass für diese Welt jede Hoffnung vergeblich ist. Viele Bravi als Dank für die musikalische Seite und einige Buhs.

Roland H. Dippel | 10. September 2018

klaus-billand.com

Eine Sängerin als Wotan – und nicht nur das höchst gelungen!

Wahrscheinlich war es eine Weltpremiere, und nicht nur die Premiere einer neuen „Walküre“-Produktion, mit der das Theater Magdeburg unter der Leitung von Intendantin Karen Stone an diesem Abend im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen ließ. Zumindest ich kann mich nicht erinnern, dass je zuvor eine Frau die wohl männlichste aller Wagner-Partien, den Göttervater Wotan, auf der Bühne spielt und singt. So tat es an diesem Abend Lucia Lucas, die zunächst ein Mann war und seit einiger Zeit eine Frau ist, also eine Transgender-Person. Nach einer Reihe von Partien im Bariton-Fach wie Graf Monterone, Sharpless oder Capellio, ging sie an diesem Abend den Mount Everest für alle Bassbaritone an, den „Walküre“-Wotan, an dem einst in London Covent Garden sogar Bryn Terfel gescheitert war. Und welches Risiko sie damit einging, war ihr an der großen Erleichterung, ja fast einer Rührung anzusehen, die sie beim Schlussapplaus zeigte. Es schien Lucia Lucas ein riesiger Felsbrocken vom Rücken gefallen zu sein. Diese Partie war wohl auch ihr Mount Everest.

Die andere positive Überraschung bei dieser „Walküre“ war ihr Regisseur und wie er den 1. Abend des „Ring des Nibelungen“ in Magdeburg anging, in einer Stadt, die immerhin Richard Wagners erste UA erlebte, „Das Liebesverbot“ im Jahre 1835! Jakob Peters-Messer, der schon zuvor am Theater Magdeburg inszeniert hatte, schuf in Zusammenarbeit mit seiner Dramaturgin Ulrike Schröder eine „Walküre“ von einer solchen menschlichen Intensität, wie ich sie selten, wenn überhaupt, je gesehen habe. Hier wurden ganz neue zwischenmenschliche Aspekte im Stück entdeckt und mit einem Ensemble realisiert, welches bis auf den Siegmund von Richard Furman und die Fricka von Ks. Undine Dreißig in den jeweiligen Rollen debutierte! Vielleicht war das auch ein Teil des Geheimnisses des emotional immer wieder berührenden Ergebnisses dieser Lesart. Denn alle Akteure gingen mit einem bemerkenswerten Maß an Authentizität bei offenbar bestem Werk-Verständnis an ihre Aufgaben heran. Sie kannten ja gar keine andere „Walküre“, in der sie zuvor gespielt hätten, und waren somit wohl mehr als die „versierten“ Interpreten für Orientierungen des Regisseurs, aber auch eigene Ideen empfänglich.

Peters-Messer geht zutreffender Weise davon aus, dass im „Ring“ die vom Menschen gestörte und zerstörte Natur das Grundthema ist. Wie weiland Harry Kupfer in Bayreuth sieht er dabei die Menschen von den Göttern bzw. Vätern manipuliert, wie sie sich von der – von ihnen oft gar nicht als solcher wahrgenommenen Manipulation – zu befreien versuchen und dennoch daran scheitern. Das beste Beispiel sind in der „Walküre“ natürlich Siegmund und Sieglinde. Dabei schafft der Regisseur, nicht zuletzt auch mit seinem Bühnenbildner Guido Petzold und dem Kostümbildner Sven Bindseil, der nicht so leichte Spagat zwischen Mythos und Gegenwart bzw. Jetztzeit. Denn Peters-Messer sucht auch die „Entwicklung vom Konkreten zum Abstrakten“ auszudrücken. Petzold baute ihm auf der Magdeburger Drehbühne zunächst mit Hundings Hütte einen eher noch konkreten Ort (hier handeln noch ausschließlich Menschen untereinander) mit einem aus einer Art Rigips-Platten zusammen gehauenen Wohnraum, der nach außen schon offen ist. Der Regisseur nennt es „Rohe Zivilisation im Aufbau“.

Im 2. Aufzug, in dem ja Götter mit Menschen agieren, stellt er sich bereits als eine Mischung aus Wohnraum und Felsengebirge dar, in das Wotan sich mit ein paar Decken und PET-Flaschen wie ein Aussteiger zurückgezogen hat, um im 3. Aufzug in ein Gebilde zwischen Natur und Architektur zu mutieren – ein vom Krieg zerschossenes, mehrere Zimmer umfassendes Wohngebilde mit Felsenkonturen, in dem die Walküren die Helden sammeln. Walhall liegt also optisch schon in Trümmern, bevor Wotan in diesen Bildern später sein vollständiges menschliches Versagen realisiert.

In diesen archetypischen Räumen dokumentieren die Kostüme das Heute und damit den zeitlich universellen Charakter der Tetralogie Wagners. Wotan beobachtet aus dem Hintergrund im dunklen Anorak mit Kapuze das Treiben Siegmunds und Sieglindes, bis er nach dem auf die Schwertgewinnung unmittelbar folgenden Kopulationsakt auf dem Tisch des Hauses (Von wegen „Der Vorhang fällt schnell“) zufrieden die Bühne verlässt. Sieglinde, mit der jungen Israelin Noa Danon ohnehin eine Schönheit, könnte mit ihrem sexy Outfit gerade aus einer Diskothek gekommen sein, während Siegmund etwas verwildert daher kommt, aber nicht „unmodern“.

Fricka erscheint resolut im eleganten Hosenanzug in Bleu als Geschäftsfrau mit einem geschniegelten Buchhalter samt Alu-Trolley und Assistentin. Dem im Sandler-Outfit sich erst einmal in Zufriedenheit über das Gelingen seines ersten Aktes (!) ergebenden Wotan knallt sie aus dem Alu-Trolley den Anzug und die schwarzen Schuhe vor die Füße, mit denen er nun Siegmund im Kampfe fallen lassen soll. Die Assistentin entsorgt unterdessen in stoischer Ruhe alle Utensilien des „Gottes“ in Müllsäcke, inklusive der noch vollen PET-Flaschen… Brünnhilde und die Walküren, von ihrer Natur her ja eher unkonventionell, tragen schon die Jeans mit den Tag für Tag immer größer werdenden Einrissen (wegen derer wir die Hosen früher in die Altkleidersammlung gegeben hätten), heute aber bei der Jugend so geschätzt. (Man fragt sich schon, wann die Löcher größer als der sie umgebende Stoff sein werden; lang wird’s wohl nicht mehr dauern…).

Also, aktueller geht es in dieser optischen Hinsicht nicht mehr. Aber es passte einfach mit den eben doch auch den Mythos ansprechenden Bühnenbildern, der von Norbert Robel perfekt darauf abgestimmten Beleuchtung, sowie der darin nicht nur exzellent, sondern gar filigran ausgearbeiteten Personenregie zusammen, eben der erwähnte Spagat. Wobei man annehmen muss, dass die Sänger vieles auch von allein so gestalteten, wie man es erlebte, einfach aus der besagten Unvoreingenommenheit und ihrer individuellen darstellerischen Intelligenz heraus.

Die Annäherung Sieglindes und Siegmunds verläuft unglaublich zwingend, mit viel Emotion und auch einer gewissen Erotik, die man sonst so oft vermisst. Das Ganze wird gestört von einem ausdrucksstarken und imposanten Hunding, dem man seine weit über Rachegelüste hinaus gehende Eifersucht sofort abnimmt. Noa Danon besticht mit einem charaktervollen, dunkel getönten Sopran, der mühelos alle Klippen der Sieglinde meistert. Dazu kommen eine aussagekräftige Mimik und ein gehöriges Maß an Empathie für das Schicksal Siegmunds. Diesen gibt Richard Furman kämpferisch mit einem prägnanten und durchschlagskräftigen Heldentenor, der ein für diese Rolle ungewöhnlich hohes Timbre aufweist, was sich aber nie als Nachteil heraus stellte. Sein „So blühe denn Wälsungenblut!“ konnte er damit voll auf Gesangslinie und auch lang gehalten singen. Das hört man so nicht alle Tage! Er könnte sich damit auch für den Siegfried empfohlen haben. Johannes Stermann ist ein furchterregender Hunding mit etwa 1,90m und verfügt auch über einen ebenso Respekt gebietenden klangvollen Bass. Die drei bildeten ein kongeniales Trio.

Den 2. Aufzug leitet Julia Borchert mit ihrem Rollendebut als Brünnhilde ein, und nicht nur wegen ihres mitreißenden „Hojotoho“ konnte man kaum glauben, dass sie die Titelrolle zum ersten Mal sang. Sie verfügt über einen gut geführten, ausdrucksstarken Sopran bei bester Diktion. Auch ihr engagiertes Spiel mit Wotan und ihr Verständnis sowie die damit einhergehende Empathie sind bemerkenswert. Letztere wird noch gesteigert in einer endlich einmal auch facettenreich dramatisierten Todverkündigung. Mit den Erzählungen Brünnhildes verändert sich die betongraue Wand, vor der Siegmund und Sieglinde erschöpft zu Boden gesunken sind, in einen romantisch anmutenden Wald der Ruhe und paradiesischer Assoziationen. Wenn Siegmund ihre Empfehlung, nach Walhall zu gehen, ablehnt, wird alles wieder grau. Dafür entdeckt Brünnhilde intensiv nachvollziehbar, was Liebe bedeutet. Sie küsst den Helden innigst und voller Überzeugung für die Richtigkeit ihrer Entscheidung gegen Wotan – ja kommt sogar nochmal zurück, um ihn zu umarmen!

Zuvor erleben wir die Härte und absolute Verständnislosigkeit, mit der die matronenhafte Fricka Wotan als Machtmenschen und Politiker entlarvt, wie der Regisseur es sieht – und damit hat er wohl Recht. Bei „Das kann mein Gatte nicht wollen, die Göttin entweiht er nicht so!“ hält sie seinen Speer – und damit das berühmte Heft – in der Hand! Ks. Undine Dreißig, seit vielen Jahren im Ensemble, passt gut zur Rolleninterpretation in dieser Inszenierung und singt mit ausdrucksstarkem Mezzo, bei gelegentlichen kleineren stimmlichen Unsauberkeiten. Bevor sie abgeht, sieht man ein spannungsgeladenes Dreieck zwischen Fricka, Brünnhilde und Wotan. Blicke sagen hier alles!

Beim Monolog darauf blickt ein riesiges Gesicht – jenes Wotans – mit blindem Auge wie er kontrollierend auf die Szene. Also, er ist in der Tat im Gespräch mit sich selbst und erkennt bald sein eigenes Versagen. Bei seinem „Auf geb‘ ich mein Werk; nur Eines will ich noch: das Ende – –, das Ende! –“ verfließen die Konturen – Wotan endet auch optisch. Ein interessanter Einfall des Regisseurs. Wotan scheitert hier nicht am Dialog mit Fricka, nein, er scheitert nach eigener Erkenntnis im Dialog mit Brünnhilde an sich selbst. Lucia Lucas kann hier zeigen, was ihr technisch perfekt geführter Bassbariton vermag. Er ist heller eingefärbt als bei einer männlichen Stimme, besitzt aber bei großer Wortdeutlichkeit sehr hohe Ausdruckskraft, die gerade bei Lucas auch immer mit einer beeindruckend auf die jeweilige Situation abgestimmten Mimik einhergeht. Natürlich gelingen Höhen wie „…gierig hielt ich das Gold!“ mühelos und gar glänzend. Aber auch im tieferen Register spricht die Stimme gut an. Ohne Probleme überstrahlt sie das Orchester, auch wenn GMD Kimbo Ishii gelegentlich etwas zu stark aufträgt.

Ebenso dramatisch wie erschütternd inszeniert Peters-Messer schließlich den Kampf zwischen Siegmund und Hunding. Auf offener Bühne – und nicht peinlich versteckt zwischen Baum-Stangen im Hintergrund wie in der Bechtolf-Inszenierung in Wien – findet er statt. Sowohl Brünnhilde als auch Wotan treten klar sichtbar auf. Ist Siegmund tödlich von Hunding getroffen, versucht er mit letzter Kraft und wutverzerrtem Gesicht nochmals auf ihn loszugehen, wird aber vom eigenen Vater zu Boden gedrückt – bis er stirbt. Das war schon großes Musiktheater! In Magdeburg und nicht in Wien.

Im 3. Aufzug erleben wir eine dramatisch beeindruckend gestaltete Auseinandersetzung von Lucia Lucas mit den allesamt sehr guten Walküren (Jeanett Neumeister als Helmwige; Raffaela Lintl als Gerhilde; Uta Zierenberg als Ortlinde; Monica Mascus als Waltraute, Isabel Stüber Malagamba als Siegrune; Emilie Renard als Rossweiße; Lucia Cervoni als Grimgerde und Henriette Gödde als Schwertleite). Diese – so auch noch nie gesehen – wollen Brünnhilde davon abhalten, sich mit Sieglinde abzugeben, ein Zeichen ihrer völligen Empathielosigkeit aufgrund mangelnder, ihrer Schwester unterdessen zuteil gewordener Liebes-Erfahrung.

Es folgt sodann eine Vater-Tochter-Auseinandersetzung, die einige ganz neue Facetten aufzeigte und einmal mehr den unglaublichen Interpretationsreichtum des Wagnerschen Oeuvres vor Augen führte. Lucia Lucas singt diesen Aufzug mit dem Wotan-relevanten Aplomb und großartiger, bisweilen zu Herzen gehender schauspielerischer Ausdruckskraft. Aber auch Julia Borchert zeigt hier, mit Orientierung des Regisseurs, einmal mehr ihr Talent in der Darstellung der Brünnhilde. Bei der ebenso berühmten wie berührenden Phrase „Der diese Liebe mir in’s Herz gehaucht, …“ steht sie hinter Wotan im Lotussitz wie Gurnemanz in der Karfreitagsaue hinter Parsifal. Ein beeindruckendes Bild, das unzweifelhaft die Größe der Tochter gegenüber dem Vater in diesem Moment dokumentiert. Schon recht früh in dieser Auseinandersetzung wird zudem klar, dass der Zorn Wotans so stark gar nicht ist, denn bei „… da labte süss dich selige Lust;“ gibt es schon die Umarmung, die oft erst bei dem bekannten musikalischen Höhepunkt gegen Schluss erfolgt. Schon hier liefert Lucia Lucas emotional eindrucksvoll das erste Schuldbekenntnis ab.

Nur wider Willen reißt sie sich bei „Deinen leichten Sinn lass dich denn leiten: von mir sagtest du dich los.“ nochmal von Brünnhilde los, um bei „Leb‘ wohl, du kühnes herrliches Kind!“ vor ihr auf die Knie zu gehen und nach dem finalen Bannspruch vor der schon Schlafenden endgültig in Verzweiflung zusammen zu brechen. Statt den Speer in die Höhe zu recken, lässt ihn Peters-Messer Lucia Lucas aus der Hand gleiten. Und sie spielt mit Julia Borchert diese Szenen einfach so berührend menschlich und einleuchtend, dass ganz sicher nicht alle Augen in Magdeburg trocken blieben…

Der Magdeburger GMD Kimbo Ishii dirigierte die Magdeburgische Philharmonie mit eher zügigen Tempi, was den Sängern in ihren neuen Rollen neben den guten akustischen Bedingungen durch die Bühnenaufbauten sicher entgegen kam. Ishii legte auch Wert auf hohe Dynamik und starken musikalischen Ausdruck, was hier und da zu etwas zu großer Lautstärke führte. Angesichts der vielen und zumal weichen Zwischentöne der Inszenierung, immer wieder in den guten Streichern, aber auch im Holz zu hören, wäre hier gelegentlich etwas mehr Gefühl passend gewesen.

In jedem Falle ließ die Magdeburgische Philharmonie großes Wagner-Verständnis hören, welches angesichts der Interpretation der „Walküre“ auf einen Fortgang dieses „Ring“ hoffen lässt. Zumindest derzeit noch ist Karen Stone für das Thema nicht zu haben. So klang es jedenfalls auf der Premierenfeier durch. Man hat mit der Magdeburger „Walküre“ neue Zeichen in der Interpretation des „Ring“ gesetzt, woran man mit diesem Team für die „Ring“-Rezeption bereichernd fortfahren könnte. Die standing ovations, die nicht nur Lucia Lucas für ihre Leistung bekam, zeigten auf, dass die Intendantin das Publikum auf ihrer Seite hätte…

Klaus Billand

Volksstimme

Festmahl für “Ring”-Gourmets

Wagners “Walküre” in einer Inszenierung von Jakob Peters-Messer feierte in Magdeburg Premiere. Ein grandioser Opernabend.

Einen so grandiosen Abend wie den der „Walküren“-Premiere in Magdeburg erlebt man selbst als passionierte Operngängerin nur alle Jubeljahre. Vollkommen überflüssig nur die G-20-Videos – das Werk selbst, die Inszenierung und nicht zuletzt die Kostüme von Sven Bindseil erklären alles über Welt-Situation und Herrschaftsverhältnisse. Wenig stimmig auch das Bühnenbild im ersten Aufzug. Ein zusammengestückeltes Fertigteilhaus, drei Stapelstühle und ein Tapeziertisch fügen sich nicht zur Persönlichkeit des Hausherrn dieser Bruchbude. Hunding stützt sich auf Macht und eine in Ritualen manifestierte Ordnung. Diese tragen ihn wie ein Außenskelett, wie die Schutzplatten seiner martialischen Motorradkluft. So einer lebt in keinem Provisorium. Mehr gibt es wahrlich nicht einzuwenden gegen den langen, in buchstäblich jeder Minute hoch spannenden Abend.

Der erste Aufzug, das Dreiecksstück zwischen Siegmund, Sieglinde und Hunding, ist ein Crescendo in Gesten, Blicken, Tönen. Der erschöpfte Siegmund muss sich ausruhen und will doch fort, die Hausfrau Sieglinde erfüllt das Gastrecht und hat dennoch Angst. Hunding ist das Gastrecht ebenfalls heilig, nur nutzt er es als Todesfalle für Siegmund.

Anti-Klischee-Walküre

Die aufflammende Liebe zwischen dem Zwillingspaar und der Urhass Hundings auf diese beiden Unbezähmbaren polarisieren die Atmosphäre auf das Äußerste. Im relativ kleinen Magdeburger Theater können Orchester und Solisten noch die geheimsten Gedanken in Blicken, Gesten, leisen Tönen ausdrücken. Ein Selbstgespräch kann persönlich bleiben, ein Liebeslied geht jubelnd an die Geliebte, die langsame Erkenntnis der Familiengeschichte der Geschwister darf ihr Geheimnis wahren. Nie so gehört. Hier tönten nicht So-pran und Tenor, sondern Sieglinde und Siegmund fanden singend einander.

In den zweiten Aufzug springt ein Geschöpf geradezu hinein; Brünnhilde als Anti-Klischee-Walküre an sich. Ihre berühmten „Hojotoho“-Rufe nichts als strahlend singender Übermut. Dieser fällt indes schnell zusammen, als die einflussreiche Familienministerin den Konferenzraum auf Walhall betritt. Der Ausgang ihrer Unterredung mit Chef und Gatte Wotan ist bekanntlich folgenreich.

Fricka siegt, die blutschänderisch liebenden Zwillinge werden sterben. Brünnhilde, ihrem Vater Wotan bislang in Gedanken, Wort und Tat vollkommen ergeben, wird sich von ihm abwenden und Siegmund im Kampf gegen Hunding, allerdings vergebens, beistehen. Wotan wird Brünnhilde deswegen blutenden Herzens verstoßen.

Chor mit Sektchen

Bis dahin dauert es jedoch. Zuerst wird Brünnhilde gehorsam Siegmund in sein Schicksal einweihen. Diese „Todesverkündigung“ ist einer der ergreifendsten Momente in Jakob Peters-Messers Inszenierung. Er hebt den ansonsten gegenwartsnah menschlichen Blick und Zugriff auf das Stück hinauf in Mystik und Sagenwelt. Ein weißes Gewand, eine Brille sind äußere Zeichen, vor allem Gestik und Stimmfärbung der Sänger schaffen die Verwandlung, aus der man als Zuschauer kaum erwachen möchte, für den tödlichen Kampf.

Dann Pause, nächster Aufzug, Walkürenchor. Es singt, tobt, tost äußerst schönstimmig, dynamisch, präzise, während die acht sportiven jungen Sängerinnen ihr übles Leichenbergungs-Handwerk ausüben. Anschließend ein Sektchen.

Schließlich kommt der Moment, wo selbst hartgesottene „Ring“-Gourmets mindestens einen Kloß im Hals bekamen. Wotan nimmt Abschied von Brünnhilde. Dahin seine Wut, kaum kann er sich trennen. Wotan weint vor Erleichterung über Brünnhildes geniale Idee mit dem Feuerring um ihren Felsen. Seinem „kühnen, herrlichen Kind“ bleibt tödliche Erniedrigung erspart. Loge darf seinen Qualm schicken, Flammen züngeln flötenschrill aus dem Orchestergraben hinzu.

Vieles, was von dort unten unter Kimbo Ishiis Leitung herauftönte, klang ungewohnt. Wagner als etwas ausufernder Kammermusik-Tonsetzer war zu entdecken. In gemäßigtem Tempo waren viele Klangfarben wahrnehmbar, die andere Musikertemperamente oft dynamisch überdecken. Kimbo Ishii diente mit dem Orchester fast immer sehr genau der Szene mit ihrem psychologisch äußerst genau balancierten, sehr oft von leisen und intimen Tönen dominierten Duktus. Trotzdem keine Angst: Die Hits sind opulent zu genießen.

Vokale Entdeckerlust

Welche Solistin, welcher Solist das größte Lob verdient, ist einfach nicht auszumachen. Die Rollendebütanten: Der Riese Johannes Stermann als markig bassgewaltig auftrumpfender, im Innersten so unsicherer Hunding, erfüllte Rolle und Figur perfekt. Noa Danon gab der Sieglinde ihre Schönheit und vor allem ihre dunkelgetönte, sehr lebendig durchpulste Stimme. Sie leuchtete in den kurzen Glücksmomenten, fand viele, auch wütende und temperamentvolle Farben für das Leid. Gesang und Spiel durchdringen bei Danon einander, von der passiven Leidensfigur ist sie weit entfernt.

Auch Julia Borchert sang zum ersten Mal eine Brünnhilde auf der Bühne. Schwungvoll, kraftvoll das Debüt. Sie kann mit ihrer Stimme spielen, gesanglich-gestischen Ausdruck finden, in vokalen Farben argumentieren und auch „nur“ schön klingen. Lucia Lucas – ein weiblicher Name als Besetzung des Wotan ist schon selten. Lucas ist im Körper eines Mannes geboren und ließ ihre Baritonstimme ausbilden, sang Don Giovanni, Fasolt, Escamillo. Selten hat man einen so kraftvoll klar singenden, darstellerisch so intensiven Wotan erlebt. Seine langen Erzählungen bebten vor Spannung, wirklich umwerfend aber die Innigkeit, mit der Lucia Lucas die Beziehung zu Brünnhilde sang und spielte. Bei der Schlussverbeugung applaudierte ihr das gesamte Ensemble.

Richard Furman sang den Siegmund nicht zum ersten Mal, aber in Frische und physischer wie vokaler Spiel- und Entdeckerlust unterschied er sich nicht von den Neulingen. Furman nutzte die Möglichkeit, liedhaft zu singen. Am intensivsten hingegen: „Wälse, Wälse!“ wird man wohl bis zur Garderobe gehört haben. Undine Dreißig, die wunderbare Spielerin und Sängerin war natürlich eine böse und schlau triumphierende Fricka. Jeder Ton ein biegsamer Bohrer in Wotans Gehörgang.

Jakob Peters-Messers Magdeburger „Walküren“-Inszenierung ist ein Meisterstück der Personenregie. Licht fällt in die verborgensten Stränge der Motivations- und Beziehungsnetze des ganzen „Rings“. Ob Götter oder Menschen, es sind nahe Gestalten. Man hatte schon beim Applaus Lust auf mehr.

Irene Constantin | 10.09.2018

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320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 504 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Jakob Peters-Messer (premiere)