Die Walküre

Axel Kober
Duisburger Philharmoniker
Date/Location
24 June 2018
Deutsche Oper am Rhein Theater Duisburg
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegmundDaniel Frank
HundingLukasz Konieczny
WotanJames Rutherford
SieglindeSarah Ferede
BrünnhildeHeike Wessels
FrickaKatarzyna Kuncio
HelmwigeAnke Krabbe
GerhildeJessica Stavros
OrtlindeKatja Levin
WaltrauteRomana Noack
SiegruneZuzana Šveda
GrimgerdeKatharina von Bülow
SchwertleiteEvelyn Krahe
RoßweißeMaria Hilmes
Gallery
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Ein Wälsungenpaar zum Verlieben

Die Deutsche Oper am Rhein inszeniert über drei Spielzeiten Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ neu. Zuerst bringt sie jede der Opern separat in Düsseldorf zur Premiere, um sie anschließend in geänderter Besetzung in Duisburg zu spielen. Die musikalische Leitung übernimmt an beiden Spielorten der Bayreuth-erfahrene Generalmusikdirektor Axel Kober. Dietrich Hilsdorf sorgte schon für so manchen Skandal in der Opernwelt. An der Rheinoper verantwortet er nun erstmalig einen vollständigen Ringzyklus.

Besonders spannend wurde es am Spielort Duisburg: Zahlreiche Rollendebüts und viele junge Sänger, die ihre große Karriere erst noch vor sich haben. Ein absoluter Höhepunkt der Spielzeit 2017/18, nur selten haben mittelgroße Opernhäuser ein derart glänzendes Ensemble. Alle sechs Solisten der „Walküre“ boten spektakuläres Musikdrama.

Daniel Frank debütierte als Siegmund! Weltweit dürfte es nur etwa eine Handvoll Tenöre geben, die diese anspruchsvolle Wagnerrolle zur höchsten Glückseligkeit des Publikums darstellen können. Nach Daniel Franks ersten, in beeindruckender Schönheit gesungenen Worten, „Wess‘ Herd dies auch sei, hier muss ich rasten“, wurde deutlich, dass dieser Siegmund zur Königsklasse zählt. Die Stimme trug im mühelosen Legato hinweg über das stark besetzte Orchester bis ins Foyer des Opernhauses.

In Duisburg verkörperte James Rutherford den Wotan. Er ist wohl der erfahrenste Wagnersänger dieses Abends, als Hans Sachs in den „Meistersingern“ feierte er sein Bayreuthdebüt. Die Rolle des Göttervaters Wotan ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Rutherford überzeugte durch eine sehr menschliche Rollengestaltung und eine vorbildliche Gesangstechnik in Kombination mit exzellenter Aussprache. Optisch wirkte der 46-jährige natürlich etwas zu jung für den Kriegsgott Wotan – dieser Makel sei ihm jedoch herzlich verziehen.

In den Rollen der Venus, Kundry oder Sieglinde begeistert Heike Wessels als Ensemblemitglied des Nationaltheaters Mannheim seit fast zehn Jahren die gesamte Rhein-Neckar Region. Ihre extrem voluminöse Stimme mit perfekter Diktion in der Mittellage ist geradezu prädestiniert für die dramatischen Wagnerrollen. In Duisburg stand sie erstmalig als Brünnhilde auf der Bühne. Sie sang nicht nur eindrucksvoll, auch im Schauspiel verkörperte sie ganz die neugierige Wotanstochter.

Sarah Ferede war der weibliche Part des Wälsungenpaars: die Sieglinde. Die junge Sängerin war die größte Überraschung des Abends. Selbst die sonst eiskalte Kriegerin Brünnhilde schwebte in höchstem Mitgefühl, als Ferede „O hehrstes Wunder! Herrlichste Maid“ rührend preisgab. Überaus lyrisch, mit vorbildlicher Gesangstechnik und klarer, deutlicher Aussprache war sie die technisch versierteste Sängerin der Aufführung.

Axel Kober dirigierte erstaunlich schnell. Der Vorhang schloss sich zwanzig Minuten eher als im Spielplan angegeben. Das Orchester konnte bei dem flotten Tempo sehr gut mithalten, die Sänger verpassten in der Hektik leider mehrmals ihre Einsätze. Die Blechbläser übertönten dazu häufig den für Wagnerverhältnisse eher kleinen Streicherapparat. Bei Wagners Musikdramen braucht es keine dröhnenden Posaunen, die Musik ließe sich durch ein präzises Mezzoforte viel angenehmer gestalten.

Den „Ring“ gilt es nicht vor dem letzten Abend zu loben, denn „Die Götterdämmerung“ wird erst in der nächsten Spielzeit aufgeführt. Der Regisseur Dietrich Hilsdorf zeigte weitestgehend solides Regiehandwerk. Er erzählte „Die Walküre“ stringent, ohne das Werk auf eine neue Deutungsebene zu verlagern. Wie in Wagners Libretto vorgeschrieben, bekam das Publikum ein Schwert, eine Esche, eine Küche und zum Schluss natürlich den Feuerzauber zu sehen. Lediglich Raum und Zeit der Handlung verlegte der Regisseur in ein Kriegsgebiet der 1960er-Jahre, von Skandal jedoch keine Spur.

Es ist ein Genuss, nach einem getanzten Ring (Leipzig), einem trashig-unterhaltsamen Ring (Nürnberg) und einem überaus abstrakten Ring (Mannheim) nun an der Rheinoper einen konservativen Ring erleben zu dürfen.

Phillip Schober | 19. Juni 2018

WAZ

Inszenierung mit logischen Fehlern

Bereits 2009 inszenierte Dietrich Hilsdorf im Rahmen eines „Nibelungen-Rings“ mit vier verschiedenen Regisseuren eine einzelne „Walküre“ am Essener Aalto Theater. Diese Arbeit war Anlass, dass Hilsdorf nun an der Deutschen Oper am Rhein den ganzen Ring herausbringen darf. Nachdem „Die Walküre“ bereits im Januar in Düsseldorf herauskam, wurde sie nun in neuer Besetzung nach Duisburg übernommen.

Bereits 2009 inszenierte Dietrich Hilsdorf im Rahmen eines „Nibelungen-Rings“ mit vier verschiedenen Regisseuren eine einzelne „Walküre“ am Essener Aalto Theater. Diese Arbeit war Anlass, dass Hilsdorf nun an der Deutschen Oper am Rhein den ganzen Ring herausbringen darf. Nachdem „Die Walküre“ bereits im Januar in Düsseldorf herauskam, wurde sie nun in neuer Besetzung nach Duisburg übernommen.

James Rutherford begeistert

War die Essener Produktion von einer Mischung aus Villa Hügel und Hitlers Reichskanzlei inspiriert gewesen, so lässt sich Bühnenbildner Dieter Richter an der Rheinoper von der Bunkeranlage der „Wolfsschanze“ anregen. Erstaunlich, dass ein wohlhabender Grundherr wie Hunding in solch einer schäbig-heruntergekommenen Anlage mit zerbombtem Dach residiert. Hundings Behausung ist nämlich der einzige Schauplatz dieser Inszenierung. Wenn die Figuren diesen Raum fluchtartig verlassen, dann aber wieder in ihm ankommen, wird Wagners Geschichte die Logik ausgetrieben.

Hilsdorfs Personenführung folgt weitgehend dem Essener Modell, ist detailliert und sorgfältig. Eigentlich könnte sie dem Publikum eine solide Inszenierung mit klar umrissenen Figuren bescheren, denn der Regisseur hält sich an die Standards der Figuren-Charakterisierung. Im ersten Akt gibt es wenig störende Ideen des Regisseurs: Lediglich der Kleidertausch des Wälsungenpaares während des Liebesduettes wirkt unfreiwillig komisch. Im zweiten Akt werden Hilsdorfs Regiefehler, die schon in Essen verärgert haben, gravierender: Siegmund, Sieglinde und Hunding haben sechs Monate in einer Dreiecksbeziehung gelebt und Sieglinde ist schon so schwanger, dass bei ihr regelmäßig die Wehen einzusetzen scheinen. Papa Wotan kommt gar mit drei Walküren zur Party vorbei. Die Szene der Todesverkündigung funktioniert aber nur, wenn Siegmund weder Brünnhilde kennt, noch weiß, dass er Wotans Sohn ist. Bei einer hochschwangeren Sieglinde ist auch Brünnhildes Offenbarung an Sieglinde, dass sie ein Kind erwartet, vollkommen sinnlos. Inszenatorisch total verschenkt ist der berühmte Walkürenritt: Hilsdorf findet zur Energie der Musik keine szenische Entsprechung.

Am Pult der Duisburger Philharmoniker dirigiert Generalmusikdirektor Axel Kober einen zackigen Wagner. Die Leitmotive arbeitet er plastisch heraus und begleitet die Sänger dabei bestens. Das Liebesduett des ersten Aktes besitzt die nötige Euphorie, den langen Monologen des zweiten Aktes gibt er die nötige Ruhe. Trotzdem lässt er zügige Tempi spielen, so dass die Vorstellung bereits nach viereinhalb Stunden ihren Schlussakkord erlebt.

In den Hauptrollen erlebt man eine Mischung aus Mitgliedern des Ensembles und Gästen: Sarah Ferede ist eine sensationelle Sieglinde. Die junge Mezzosopranistin besitzt die richtige Stimmfärbung für die Partie. Ein knorriger Hunding mit dunklem Bass ist Lukasz Konieczny. Mit klarem Mezzo steigert sich Katarzyna Kuncio deutlich gegenüber ihrem Rheingold-Auftritt und singt eine kluge Fricka.

Bei den Gästen begeistert vor allem James Rutherford. Er ist ein Wotan, bei dem man jedes Wort versteht und der über schier unerschöpfliche Kraftreserven verfügt, um nach all den Ausbrüchen und Aufschwüngen der Partie den Abend noch mit einem berührenden Abschied von Brünnhilde zu beenden. Die wird von Heike Wessels vom Mannheimer Nationaltheater gesungen.

Aufhorchen lässt der schwedische Tenor Daniel Frank, der einen lyrisch fundierten Siegmund singt. Beim Schlussbeifall werden die Sänger einhellig gefeiert. Regisseur Hilsdorf ist nicht anwesend, da er in Hannover eine Generalprobe hat. Vom Kreativteam stellen sich aber Dramaturg Loges und Bühnenbildner Richter dem Publikum und erhalten vereinzelte Buh-Rufe.

Rudolf Hermes | 02.06.2018

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 473 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Dietrich W. Hilsdorf (2018, Düsseldorf 2018)