Götterdämmerung

Karl-Heinz Steffens
Chor der Oper Halle
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Date/Location
30 November 2012
Theater Pfalzbau Ludwigshafen
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegfriedAndreas Schager
BrünnhildeLisa Livingston
GuntherGerd Vogel
GutruneAnke Berndt
AlberichGerd Vogel
HagenChristoph Stegemann
WaltrauteGundula Hintz
WoglindeInes Lex
WellgundeMelanie Hirsch
FloßhildeSandra Maxheimer
1. NornCeri Williams
2. NornGundula Hintz
3. NornRomelia Lichtenstein
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Nichts Neues hinterm Stichwortvorhang

Das kommt davon, wenn man vor der Zeit wissen will, wie es ausgeht! In Halle dauert es ja noch eine Weile, bis die Götterdämmerung den Nibelungen-Ring rundet. Denn diesmal war wieder, wie schon beim Rheingold, der Kooperationspartner Ludwigshafen mit der Premiere dran. Doch wer sich nun nach dem originellen Rheingold-Einstieg, der furios durchstartenden Walküre und dem alles in allem soliden Siegfried auf eine Götterdämmerung freute, die vielleicht noch eine deutliche Blickerweiterung ins Politische oder ein reflektierendes Resümee, jedenfalls etwas über eine bloße Variation der eingeführten Bilder, Zeichen und Figuren hinausgeht, hoffte, wurde enttäuscht.

Natürlich ist der Ring ist ein besonders schwieriges Unterfangen und kaum ein Exemplar kann in allen seinen Teilen ein gleichmäßig hohes musikalisch szenisches Niveau für sich reklamieren. Da geht es München und Frankfurt nicht anders zu als eben in Halle oder Ludwigshafen. Wobei die Wagnerianer in Ludwigshafen im drei Kilometer entfernten Mannheimer Theater eine Alternative mit Achim Freyers gerade beim Siegfried angekommenen Ring quasi vor der Haustür. Und die Hallenser müssen nur eine halbe Stunde bis nach Dessau, wo eine Art Bauhaus-Ring mit der Götterdämmerung begonnen hat. Das Jahr 2012 bietet diesen deutschen Wagner Luxus jedenfalls noch – der viel beschworene Kulturinfarkt lässt sich damit nicht belegen.

Immerhin erfüllte Andreas Schager alle Erwartungen, die er mit seinem fulminanten Siegfried im gleichnamigen Ring-Teil geweckt hatte, auch hier. Es ist an sich schon eine Ausnahmeleistung, dass ein Sänger beide Siegfried-Partien in einer Produktion stemmt. Hier ist es ein Glücksfall – auch für die Bundes-Reserve an deutschsprachigen Wagnertenören – dass Schager auch den Götterdämmerungs-Siegfried hochsouverän bewältigt. Strahlkraft und Eloquenz ohne Konditionsschwäche, Spielfreude und darstellerisches Charisma vereinen sich bei ihm aufs Beste. Schade nur, dass er bei Hansgünther Heyme etwas einseitig auf den Sonnyboy mit nackter Brust und langem Mantel festlegt und ihn damit darstellerisch notorisch unterfordert.

Doch leider macht eben ein Siegfried der Extraklasse noch keine Götterdämmerung aus. Auch wenn er eine kraftvolle und sich im Schlussgesang beeindruckend steigernde Brünnhilde wie Lisa Livingston und ein eingespieltes Ensemble anführt. Mit Gerd Vogel etwa, der natürlich als Gibichung Gunther seine ganze darstellerische Präsenz einbringt, stellenweise sogar seinen scheußlichen rotem Morgenmantel vergessen lässt und stimmlich bis an seine Grenzen geht. Wobei er auch noch den Alberich bei dessen raunender Begegnung mit seinem finsteren Sohn Hagen singt und dieses „Schläfst du, Hagen, mein Sohn?“ zu einem Kabinettstück macht. Auch Anke Berndt als Siegfrieds kurzzeitige Braut Gutrune und Christoph Stegemanns sehr wohlklingender, stimmlich allerdings etwas zu klein dimensionierter Hagen und die eloquente Gundula Hinz als Waltraude werfen sich (ebenso wie die Nornen und Rheintöchter) für diese „Götterdämmerung“ vehement ins Zeug.

Und doch ist ausgerechnet der letzte der schwächste Teil der Tetralogie. Heyme setzt wieder auf das Spiel mit dem viel (respektive auf Dauer doch nicht so viel) sagenden Stichwort-Vorhang, platziert die alles zusammenfassenden Nornen an der Rampe, greift das Liebeslager für Brünnhilde und Siegfried aus der vorigen Oper wieder auf und deutet die Gibichungenhalle mit ein paar Sitz-Tribünen und einer Reihe von Reklamebannern an, auf denen die Götter überlebensgroß abgebildet sind und an denen immer dann gezogen wird, wenn von ihnen die Rede ist. Das spektakulärste am großen Weltuntergang ist dann ein ins Hintergrundfeuerchen entsorgtes Riesenfoto der Göttertruppe. Was erstaunlicherweise völlig danebengeht, sind die Massenszenen. Hagens Mannen marschieren (obendrein ziemlich unbeholfen geführt) als in Bonbon-Farben uniformierte Garde auf, die sich dann auch noch ihrer Hosen entledigt und mit den auf blond und germanisch getrimmten Chordamen eine unfreiwillig albern wirkende Orgie andeuten. Auch den Trauermarsch um den ermordeten Siegfried wird geradezu leichtfertig verschenkt. Erst reißen die beiden (hier völlig überflüssig wirkenden) Punk Kids ein Stück des Vorhangs herunter und bedecken damit umständlich den erschlagenen Siegfried. Dann marschiert der Chor eng gedrängt um die Heldenleiche herum. Die Spannung dieser grandiosen Trauermusik würde auch für sich stehen oder viel bescheidenere Gesten vertragen. Dass es selbst hier Wackler im Graben gab, war da noch das harmloseste. Auch das Schlussbild, mit dem sich dieses Ringprojekt verabschiedet, wirkt eher kraftlos. Die Kulissen zu drehen und das Ganze als Theater zu demaskieren, im Zuschauerraum das Licht angehen und dann den Chor stumm in slow-motion applaudieren zu lassen, ist eher ein Herausreden als eine Vision oder auch das Offenhalten der Fragen beim Schließen des Vorhangs.

Karl-Heinz Steffens hatte im Vorfeld davon berichtet, wie sehr sein Ludwigshafener Orchester an der Ring-Herausforderung gewachsen ist. Das mag sein, die Sänger jedenfalls überdeckte es nicht, was einen über weite Strecken wortverständlichen Gesang ermöglichte. Manchmal (wie bei Hagens Mannen-Chören) hätte man sich sogar noch etwas mehr martialische Kraft gewünscht. Das dürfte in Halle, schon durch das Haus, anders wirken. Nach der Ludwigshafener Götterdämmerung erweist es sich fürs Ganze doch als ein Vorzug (zumindest für die Zuschauer in Halle), dass ihr scheidender GMD diesen Ring mit beiden Orchestern einstudiert hat. Da müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn die Staatskapelle mit ihrem bewährten Opernstandard und der in den bisherigen drei Ringteilen erworbenen Wagnerkompetenz nicht noch einen Qualitätssprung an Sicherheit im Einzelnen und theatralischer Spannung und Geschlossenheit im Ganzen beizusteuern hätte, was dann auch über manche szenische Schwachstelle hinweghelfen dürfte. Also: zur Halleschen Premiere am 23. Februar trotzdem hingehen und sich selbst eine Meinung bilden!

FAZIT

Ein besonderer Ring ist so gut wie vollendet. Mit der Übernahme nach Halle bleibt die Chance, die musikalischen Qualitäten auch der Götterdämmerung noch besser herauszustellen. Wie schon im Siegfried ist Andreas Schagers Siegfried eine Entdeckung, die allein schon den Besuch lohnt.

Joachim Lange | Premiere am 30. November 2012

operapoint.com

Auch in der Götterdämmerung gibt es ein Wiedersehen mit dem Einheitsbühnenbild der übrigen Ringteile. Die drei Rheintöchter sind gealtert, haben sich überlebt wie die Nornen, die Ihre Seile zwischen den Götterfiguren spinnen bis es hörbar reißt. Der Zwischenvorhang Vorhang der Hoffnung (nach Ernst Bloch) hat einzelne Wörter verloren, der Untergang zeichnet sich ab. Dieser Zwischenvorhang trennt Brünnhildes Höhle ab (Brecht-Gardine für Vorder- und Hintergrund). Die Gibichungenhalle besteht aus zwei großen Podien für den Chor, auf der linken Seite hängen die Fahnen der verehrten Götter. Die Gibichungen sind eine farbenfrohe Soldateska mit Mao-Mütze, die Damen tragen schwarze Umhänge über brauner Uniform. Die Kostüme der Hauptdarsteller entstammen einem Wettbewerb und sollen ihren Charakter widerspiegeln. Nach dem etwas spartanischen Weltuntergang, dreht sich das Bühnenbild um 180° (man sieht den Aufbau des Bühnenbildes) und die überlebenden Gibichungen applaudieren ins Publikum.

Sänger und Orchester

Andreas Schager dominiert das Sängerensemble mit seinem Rollendebüt als Siegfried. Er hat sich vom Operettentenor zum Heldentenor weiterentwickelt. Die Heil-Brünnhild-Rufe kann er mit baritonalem Klang voll aussingen. Die Waldvogel-Erzählung des sterbenden Siegfrieds gelingt ihm mit tenoralem Schmelz in jedem einzelnen hohen Ton. Damit verfügt er über deutlich mehr stimmliche Mittel als Lisa Livingston. Zwar ist sie mit ihrem hochdramatischen Sopran eine überzeugende Brünnhilde, jedoch detoniert ihr heftiges Tremolo bei den Heil-Rufen im Prolog, was nicht ohne heftiges Forcieren abgeht. Gundula Hintz gelingt hingegen eine herzzerreißende Waltraute: Mit ihrem großen Ton-Umfang folgt sie exakt der Gesangslinie und ermöglicht so die Verzweiflung fühlbar zu machen. Auch Anke Berndt gelingt ähnliches: Sie wertet mit ihrer hellen klaren Stimme die Gutrune von der jugendlichen Naiven zum Charakter auf, Gutrune wird zur echten Gegenspielerin der Brünnhilde. Gerd Vogel in der Doppelrolle des Alberich und des Gunther ist leider indisponiert, kann jedoch am Anfang mit schönen wohlklingenden baritonalem Timbre faszinieren, ehe ihm die Kraft für die höheren Töne ausgeht. Christoph Stegemann verleiht dem Hagen mit seiner solidem Baß entsprechendes Auftreten, wenn ihm auch ein wenig die Durchschlagskraft fehlt und er über weite Passagen zu leise ist. Der Chor aus Halle besticht durch transparentes Klangbild, auch wenn im Premierenfieber das Zusammenspiel mit dem Orchester manchmal hakte. Karl-Heinz Steffens führt die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ohne Probleme durch die Untiefen der Götterdämmerung. Die symphonischen Zwischenstücke wie Siegfrieds Rheinfahrt werden monumental breit mit viel Leidenschaft zelebriert. Manchmal ist das gewählte Tempo aber doch sehr breit, so daß die Spannung irgendwie versandet und das Finale weder Botschaft noch Hoffnung birgt.

Fazit

Der Ring in Ludwigshafen/Halle hat sich geschlossen, reiht sich mit der bühnenwirksamen Wucht seiner allgemeinverständlichen Schlichtheit in das Ring-Gesamtkonzept von Hansgünther Heyme ein. Mit geringen Mitteln und einer pointierten Personenführung stellt er am Schluß direkt dem Zuschauer die Frage, ob dieser Untergang wirklich ein Untergang war und ob somit überhaupt Hoffnung auf einen Neuanfang nötig bzw. möglich ist. Das Publikum reagiert zunächst spartanisch (fast 5 Stunden Oper sind in Ludwigshafen etwas ungewohnt), feiert dann aber alle Protagonisten fast euphorisch – und den ersten Ring in Ludwigshafen.

Oliver Hohlbach | Premiere am 30. November 2012

nmz.de

Ein Ring verbindet Ost und West: Mit der Götterdämmerung wird der Ring-Zyklus in Ludwigshafen vollendet

Landauf landab kündigen sich die musikalischen Jubiläumsfeierlichkeiten des nächsten Jahres an. Verdi und Wagner feiern als kompositorisches Dioskurenpaar zweihundersten Geburtstag und Deutschlands Opernhäuser feiern mit. Wer sich allerdings an die Realisierung der wagnerschen Tetralogie wagt, muss in größeren Zeiträumen denken. Und so nimmt es nicht Wunder, dass die Planungen für den Ring Halle Ludwigshafen vor über vier Jahren begannen.

Vor zwei Jahren mit Rheingold in Ludwigshafen gestartet, fand der Ring nunmehr mit der Götterdämmerung seinen beachtlichen Abschluss, der geprägt war durch eine sich kontinuierlich steigernde Bühnenleistung von Regie und Musik. Noch beachtlicher als die Ergebnisse dieses beinahe sechstündigen Musikmarathons sind jedoch die kulturpolitischen Leistungen der Organisatoren dieses ersten west-östlichen Opern-Großprojekts.

Der rauschende Applaus des Ludwigshafener Publikums machte vergessen, wie viele Querelen – künstlerischer, aber vor allem politischer Natur – es im Vorfeld des Rings gegeben hatte. Die immer wieder gestellte Frage, warum Städte wie Halle und Ludwigshafen diesen Wagner brauchen, ob diese Musik nicht doch zu elitär ist, versuchte man mit parallel stattfindenden Publikumsveranstaltungen und einem beeindruckenden Jugendprojekt positiv zu beantworten. Den Verantwortlichen hat der Erfolg des Projekt recht gegeben, wenn sie Kulturpolitik konsequent auch als Standortpolitik verstanden wollen wissen: wer Wagners Ring stemmt, bewältigt auch in anderen Bereichen die Herausforderungen der Gegenwart. Es gilt also ein Lob auf die Provinz zu singen, die sich auch bei diesem Fall als Sprungbrett des Erfolgs erwiesen hat.

Eine Götterdämmerung steht und fällt mit der Rolle des Siegfrieds. Und so war man gespannt, ob Andreas Schager an den Erfolg seiner Siegfried Partie anknüpfen konnte, ob er auch die unendlich langen und Kräfte verzehrenden Herausforderungen dieser Riesenrolle genügen würde. Vom ersten Ton in Brünnhildes Gemach bis hin zu seinem Todesseufzer vier Stunden später, beeindruckte, überwältigte und betörte ein juveniler, papagenohafter Siegfried, siegte Andreas Schagers sängerische Siegfriedleistung. Neben ihm ein beachtliches Sängerensemble mit Lisa Livingstone (Brünnhilde), Christoph Stegemann (Hagen), Ines Lex (Woglinde), Melanie Hirsch (Wellgunde) und Sandra Maxheimer (Floßhilde).

Der Chor der Oper Halle (Einstudierung Jens Petereit) und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz wurden von Karl-Heinz Steffens kundig durch den Abend geführt. Die Regie Hansgünther Heymes verließ sich auf Bewährtes und stellte so die inhaltlichen Bezüge zum gegenwärtigen Politikbetrieb in den Vordergrund. Ein Alles in Allem gelungener Abend, der am nächsten Tag in Mannheim mit Achim Freyers Siegfried Premiere fortgesetzt werden könnte.

Christian Kröber | 01.12.2012

Thüringische Landeszeitung

Schlussbild bleibt ohne Visionen

Es zieht eine Götterdämmerung für den Zwei-Städte-“Ring” Halle-Ludwigshafen herauf. Einmalig wird dieser “Ring” vor allem durch seine Kons­truktion.

Ein Regisseur und Ausstatter (der Ludwigshafener Intendant Hansgünther Heyme), ein Dirigent (Karl-Heinz Steffens als Chef der Orchester in Ludwigshafen und Halle), und die Oper Halle stellt die Sängercrew und alles, was sonst noch dazugehört. An den Standorten spielt das jeweilige Hausorchester. Zweimal (am Anfang und Ende) beginnt Ludwigshafen, zweimal Halle. Die gute Nachricht ist: Das Projekt ist fertig geworden. Die weniger gute: Der Schlussteil ist der schwächste.

Kaum bietet er eine signifikante Blickerweiterung, wenig an reflektierendem Resümee, sondern eher eine Variation eingeführter Bilder, Zeichen und Figuren. Da geht es in Halle/Ludwigshafen nicht anders zu, als in München oder Frankfurt.

Immerhin erfüllte Andreas Schager alle Erwartungen, die er mit seinem fulminanten Siegfried im gleichnamigen “Ring”- Teil geweckt hatte, auch mit seinem zweiten Siegfried. Er ist der Glücksfall für diesen “Ring” und die Bundes-Reserve an deutschsprachigen Wagnertenören! Strahlkraft und Eloquenz ohne Konditionsschwäche, Spielfreude und darstellerisches Charisma vereinen sich da aufs Beste.

Schade nur, dass er bei Hansgünther Heyme auf den Sonnyboy mit nackter Brust und langem Mantel festgelegt und darstellerisch notorisch unterfordert ist. Auch die Brünnhilde Lisa Livingston steigert sich im Schlussgesang. Das Ensemble ist eingespielt. Gerd Vogel etwa geht als präsenter Gunther stimmlich bis an seine Grenzen und glänzt obendrein als Alberich. Auch alle anderen legen sich vehement ins Zeug.

Heyme setzt wieder auf das Spiel mit dem viel (respektive auf Dauer doch nicht so viel) sagenden Stichwort-Vorhang, platziert die alles zusammenfassenden Nornen an der Rampe, greift das Liebeslager für Brünnhilde und Siegfried aus der vorigen Oper wieder auf und deutet die Gibichungenhalle mit ein paar Sitz-Tribünen und einer Reihe von Reklamebannern an, auf denen die Götter überlebensgroß abgebildet sind. Beim großen Untergang wandert dann ein Riesenfoto der Göttertruppe ins Hintergrundfeuerchen.

Hagens Mannen marschieren als bonbonfarbig uniformierte Garde auf, die sich dann auch noch ihrer Hosen entledigt und mit den auf blond und germanisch getrimmten Chordamen eine unfreiwillig albern wirkende Orgie andeuten. Auch der Trauermarsch geht daneben, wenn der Chor eng gedrängt um die Heldenleiche herum marschiert. Da wäre weniger mehr. Wenn sich zum Schlussbild die Kulissen drehen, das Ganze als Theater demaskiert wird, im Zuschauerraum das Licht angeht und der Chor stumm in slow-motion applaudiert, dann ist das eher ein Rausreden, als eine Vision oder auch nur das Offenhalten der Fragen beim Schließen des Vorhangs.

Karl-Heinz Steffens hatte im Vorfeld davon berichtet, wie sehr sein Ludwigshafener Orchester an der “Ring”-Herausforderung gewachsen ist. Das mag sein, die Sänger jedenfalls überdeckte es nicht, was einen über weite Strecken wortverständlichen Gesang ermöglichte. Manchmal (wie bei Hagens Mannenchören) hätte man sich sogar noch etwas mehr martialische Kraft gewünscht. Das dürfte in Halle, schon durch das Haus anders wirken. Da müsste es auch mit dem Teufel zugehen, wenn die dortige Staatskapelle im Februar mit ihrem bewährten Opernstandard und der bislang bewiesenen “Ring”-Kompetenz, nicht noch einen Qualitätssprung an Sicherheit im Einzelnen und theatralischer Spannung und Geschlossenheit im Ganzen bei dieser “Götterdämmerung” beizusteuern hätte.

Joachim Lange | 05.12.12

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 605 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast (SWR 2)
A production by Hansgünther Heyme (premiere)
This recording is part of a complete Ring.