Lohengrin

Stefan Soltesz
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Date/Location
28 November 2000
Staatsoper Wien
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
Heinrich der VoglerRené Pape
LohengrinGösta Winbergh
Elsa von BrabantMelanie Diener
Friedrich von TelramudOleg Bryjak
OrtrudWaltraud Meier
Der Heerrufer des KönigsBoaz Daniel
Vier brabantische EdleUlrich Grossrubatscher
Peter Fraiss
Walter Zeh
Josef Stangl
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Reviews
Wiener Zeitung

Und auf diese Frau will Bayreuth verzichten!

Die Inszenierung war nie ein Geniestreich, und was in der 38. Aufführung in dieser Inszenierung unter “Regie: Wolfgang Weber” firmiert, ist auch alles andere als sehenswert. Das Statische, Oratorienhafte an dieser Inszenierung ist es, das auch eingefleischte Wagnerianer auf eine harte Geduldsprobe stellt. Die Teilnahmslosigkeit der (Chor-) Massen scheint überhaupt keine Grenzen zu kennen: wenn am Ende Lohengrin in der “Grals-Erzählung” sein Geheimnis lüftet, dann ist das die Umstehenden kaum eine verblüffte Bewegung wert. Und auch die Ausstattung (Rudolf und Reinhard Heinrich) setzt der Produktion keine Glanzlichter auf.

Stefan Soltesz war am Pult mehr als ein routinierter und verlässlicher Anwalt der Partitur. In den Vorspielen zauberte er duftige Stimmungsbilder und setzte ansonsten Akzente mit Kraft – aber ohne rohe Gewalt. Und der Chor (Einstudierung: Ernst Dunshirn) – in dieser Oper bekanntlich stark gefordert – erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen.

Gösta Winbergh in der Titelpartie: tapfer, sympathisch, seriös. Aber am (helden)tenoralen Glanz dieser Lichtgestalt fehlt es ebenso wie am entsprechenden Charisma.

Zu den drei Rollendebüts an der Wiener Staatsoper. René Pape war nicht allzu gut disponiert (musste sich immer wieder “freiblasen”), lieferte aber einen sehr profunden König Heinrich ab. Melanie Diener (Elsa) wirkte anfänglich etwas steif, blass und scharf, konnte sich aber im Verlauf des Abends sehr steigern und faszinierte im dritten Akt schließlich durch extreme Strahlkraft und Intensität und fand mit Lohengrin Gösta Winbergh zu schöner Übereinstimung. Oleg Bryjak scheint Lautschrift zu singen und bleibt dem Telramund viel an Gefährlichkeit, Zwielichtigkeit und Vielschichtigkeit schuldig.

Aufhorchen ließ der Heerrufer des jungen israelischen Bariton Boaz Daniel. Die weitere Entwicklung dieses Sängers sollte man mit wachem Interesse verfolgen.

Und da ist schließlich die unvergleichliche Waltraud Meier als Ortrud. Bereits wie sie im ersten Akt stumm spielt, ist ein Erlebnis. Da spürt man Bühnenpräsenz, da kommt Spannung auf. Und wenn sie mit schonungsloser Attacke, mit berückendem Timbre und mit atemberaubender Intensität singt, dann ist man gebannt. Dieses Maß an Rollendeckung ist einfach nicht zu überbieten. Und auf diese Frau glaubt Bayreuth verzichten zu können. Waltraud Meier stand denn auch am Ende verdient im Mittelpunkt der Ovationen.

Alles in allem ein musikalisch solider bis großartiger Abend, der szenisch im Argen liegt und an Wagners Intentionen vorbeigeht. Aber wen kümmern heute noch Begriffe wie “entseelt” oder “Erlösung” . . .

H. G. Pribil | 27.11.2000

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Technical Specifications
192 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 275 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Wolfgang Weber (1990)