Lohengrin

Marc Albrecht
Koor van De Nationale Opera
Nederlands Philharmonisch Orkest
Date/Location
13 November 2014
Het Muziektheater Amsterdam
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
Heinrich der VoglerGünther Groissböck
LohengrinNikolai Schukoff
Elsa von BrabantJuliane Banse
Friedrich von TelramudJewgeni Nikitin
OrtrudMichaela Schuster
Der Heerrufer des KönigsBastiaan Everink
Vier brabantische EdlePascal Pittie
Morschi Franz
Harry Teeuwen
Peter Arink
Gallery
Reviews
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Pierre Audi’s abstract Lohengrin at Dutch National Opera

Nothing probably illustrates better the abstraction in Pierre Audi’s vision of Lohengrin than the arrival of the Knight of the Swan: not a swan in sight here but instead, a bundle of oars on a wagon. Are these meant to symbolise a vessel, and by analogy the Holy Grail? I will never know. Not that this really matters: with its minimalist but grandiose sets, the imposing sound of the choir and the excellent conducting of Marc Albrecht, there is much to be enjoyed in this revival of the Dutch National Opera 2002 production.

Elements are a recurring theme in Mr Audi’s productions, and in the sets conceived by Greek artist Jannis Kounelis, the use of metal takes monumental proportions. The curtain opens in Act I onto an imposing wall of steel on which members of the chorus, more than a hundred of them, are suspended in columns, four-persons high.

Clean lines and use of materials like metal and wood slightly recall Japanese sense of aesthetic. Light plays on an iron wall to make it glow as if it was covered with gold leaf. A giant screen in the bridal room, adorned with a motive of swan feathers, gets a lacquerware shine. The costumes by Angelo Figus reinforce this impression: they are all intricate and stiffly starched folds, reminiscent of Noh theatre kimonos. The static actors’ direction almost recalls Noh theatre’ stiff movements too, unfortunately not on purpose: the monumental sets often take up so much space that there is little left for the actors to move on stage. Only in Act II does the stage open up to let the choir parade in the impressive and flowing wedding procession.

The newly appointed artistic director to the choir, Ching-Lien Wu, could not have wished for a better start in her function: Lohengrin has wonderful chorus music and the choir plays an important role in the action. The Dutch National Opera Choir certainly did her proud, singing magnificently throughout the performance.

The soloists’ singing made a mixed impression. The Austrian tenor Nikolai Schukoff, a seasoned interpreter of Parsifal, debuted in the title role last Monday. His voice suited the lyrical passages (Lohengrin’s entrance “Nun sei bedankt, mein lieber schwan !”, that he unfortunately has to sing off stage, and the duet in the bridal room) but it lacked the power one would expect in the wedding procession scene or in his narration of the Graal “In fernem Land”.

Juliane Banse’s Elsa was disappointing, especially since Mr Audi’s staging focuses more than others on the heroine. Elsa occupies the centre of the stage at all times. She is, as a serpent winding down the drapes of her wedding dress seems to suggest, like a primal Eve: her quest for knowledge will eventually bring destruction. Alas, her voice sounded uncomfortably pushed, she had problems with pitch and the upper range was unpleasantly shrill. Elsa’s dream (“Einsam in trüben Tagen”) in Act I lost its impact and, although she seemed to warm up in Act II, her vocal frailty never allowed emotion to develop.

The couple of villains gave a much stronger performance altogether, and the scene between Telramund and Ortrud at the beginning of Act II became the only truly dramatic highlight of the performance. Michaela Schuster was a proud and menacing Ortrud. She tackled the sorceress’ difficult tessitura with assurance, her voice only showing a slightly too intrusive vibrato under pressure at the very top. As her manipulated husband, the defeated and vengeful Telramund, Russian bass-baritone Evgeny Nikitin was both vocally and visually (with his trademark tattoos on display) ideal. Günther Groissböck’s warm bass made a suitably regal King Heinrich der Vogler.

Marc Albrecht’s conducting was exemplary in the way the maestro managed to balance between supporting the singing of soloists on stage while drawing intense and colourful sound from his Netherlands Philarmonic Orchestra in the pit.

Nicolas Nguyen | 12 November 2014

Online Musik Magazin

Zeitloser Lohengrin

Einer unter vielen Vorzügen der Inszenierungen von Pierre Audi ist es, dass sie im besten Sinne des Wortes zeitlos sind und sich problemlos wiederaufnehmen lassen – auch beim Lohengrin handelt es sich um die Reprise einer Produktion aus dem Jahre 2002. Meiner Meinung nach liegt es daran, dass Audi nicht im eigentlichen Sinne interpretiert, er legt sich nicht fest auf eine (allzu) konkrete Lesart, sondern er versucht den Kern des Stückes freizulegen, das Überzeitliche, er zwingt zur Konzentration auf das Werk an sich, nicht auf die Sicht seines Regisseurs, er entmythologisiert einerseits und schafft dennoch etwas unerhört Poetisches, Archaisches – und erreicht das Publikum vielleicht gerade deshalb mehr als manch anderer, gerade auch weil nicht wirklich viel an äußerer Handlung passiert und so Raum für die Musik bleibt, für eigene Assoziationen auch und Deutungen. Monumentale, höchst theatralische Bilder bleiben Erinnerung, immer wieder schießt einem der Begriff Bühnenweihfestspiel durch den Kopf, den Wagner selber für spätere Werke verwendet hat. Natürlich gibt es keinen Schwan, sondern ein riesiges Paket aus Latten, die an Ruder erinnern und so den Bezug zum Wasser herstellen, auf dem der Ritter gekommen ist. Am Ende aber gibt es einen noch sehr jungen Erben von Brabant, der Lohengrin sehr ähnlich sieht und – man ahnt es – einsam wie dieser sein wird – die verzweifelte, geradezu erstarrte Elsa und Ortrud, die zu Boden gegangen ist bei seinem Erscheinen, sind mit sich beschäftigt.

Dabei lässt der Hausherr der Nationalen Oper viel Raum für die Wirkung von Wagners Musik und auch für die unterschiedlichen darstellerischen Temperamente seiner Solisten, die dennoch nicht sich selber überlassen wirken, dazu gibt es zu viele Momente der intensiven, wenn auch diskreten Interaktion, etwa wenn Ortrud in Elsas Schatten schleicht – hier hören sich erfahrene Künstler wirklich zu, reagieren aufeinander, spielen miteinander. Und Audi ist ein Meister der Chorregie, da reißt niemand aus, da bewegen sich alle wie auf Knopfdruck und trotzdem sehr natürlich. Nicht zuletzt leben Audi-Produktionen (das war bei seinem Ring nicht anders) von ihrer bemerkenswerten Optik: Eindrucksvoll sind die breiten Stahlwände von Jannis Kounellis, die die Abgeschlossenheit dieser Gesellschaft veranschaulichen, auch der Paravent mit den Federn im Brautgemach, eindrucksvoll sind die ausladenden, prächtigen und doch schlichten, sehr eigenwilligen und einen Hauch Asien atmenden Kostüme von Angelo Figus aus einem besonders schwer wirkenden Material. Und da ist wie schon bei den Gurreliedern das exzellente Licht von Jean Kalman, besonders stimmungsvoll vielleicht das die Bühne durchflutende Gold am Ende des zweiten Aktes vor dem Münster.

Nikolai Schukoff hat bereits Siegmund, Parsifal und Erik gesungen, bevor er sich an den Lohengrin heranwagte, für den er eine angenehm timbrierte, zwar dunkle, aber nicht zu schwere und immer tenoral klingende Stimme mitbringt, der Österreicher verfügt über ein müheloses Legato, ist vor allem in der Höhe sehr sicher, lässt aber bereits am Ende des zweiten Aufzugs zeitweise erahnen, dass die Partie ihn (noch) an die Grenzen seiner Kraftreserven führt, gerade auch in Momenten, in denen er nicht allein zu singen hat, die Stimme an sich ist eben nicht riesig. Dafür gab es schlicht berückende Phrasen im Brautgemach, in der Gralserzählung auch, die ihm kaum jemand aus der ersten Liga der Lohengrin-Interpreten so nachsingen wird (daran ändert der kleine Kiekser auf “Ritter” nichts), in der er einen beinahe liedhaften Ton anschlug, ohne allzu hauchig zu klingen, zarteste Piani kreierte und sich unerhört intensiv auf Text und Situation einließ.

Man kann sich kaum vorstellen, dass Juliane Banse noch in der letzten Saison Zdenka an der Met gesungen hat, ihr Sopran hat zwar noch einen lyrischen Kern, aber er ist doch deutlich nachgedunkelt und klingt nicht mehr mädchenhaft, sondern durchaus fraulich, reif gar in manchem Moment und eher apart als schön, auch der Hauch von Schärfe im Forte passt zur Figur der Elsa, die ja nicht nur lieblich-schwärmerisch ist. Im wunderbar phrasierten, tief empundenen “Euch Lüften” kam mir auch der Gedanke, dass die Stimme nicht noch weiter ausschwingen sollte, und einige der letzten hohen Töne des dritten Aufzugs ließen auch hörbar die harte Arbeit erkennen. Hervorzuheben ist in jedem Fall die exemplarische Diktion der erfahrenen Liedinterpretin, wobei das Beispiel von Evgeny Nikitin, dem das Deutsche ja nicht von Hause aus gegeben ist, der aber sehr deutlich und überlegt mit seinem intakten, füllig-mächtigen, aber klar fokussierten, gesunden Heldenbariton den Telramund sang, zeigte, wie weit man mit Sorgfalt in diesem Bereich kommen kann.

Michaela Schuster hatte bereits nach dem ersten Aufzug dafür gesorgt, dass jeder Zuschauer und jede Zuschauerin wusste, wer die eigentliche Hauptfigur in diesem Stück ist, sie legt im wahrsten Sinne des Wortes Hand an Telramund, aalt sich später in dem Loch im Boden, aus dem beide auftauchen, um das junge Glück zu stören, eher Böses wollende Salonschlage als die politische Frau, die die Interpretin in ihr sieht, die eine Meisterin der intensiven Deklamation ist und als Muttersprachlerin Funken aus beinahe jedem Wort schlägt. Das eine oder andere Mal fragt man sich, ob sie nicht etwas zu viel gibt und damit übers Ziel hinausschießt, aber immerhin wurde klar, dass sie sich nicht wegen musikalischer Schwächen so ins Zeug legte, denn sie sang größte Teile der Partie mit ebensolchem Feuer, Expressivität und Sicherheit. Am Ende wurde es dann intonationstechnisch doch ein wenig wüst, aber auch dies stand Radbods letztem Spross in Ausnahmegefühlslage nicht schlecht an.

Bastiaan Everink war ein hoch gewachsener, stattlicher, auch stimmlich einige Autorität verströmender Heerrufer, die brabantischen Edlen und die Edelknaben sind offenkundig sorgfältig ausgewählt worden und musizierten ebenso, und auch der personenstarke Chor in der Einstudierung von Ching-Lien Wu hatte großen Anteil am Erfolg. Bereits im Vorspiel erreichte Marc Albrecht eine bemerkenswerte Intensität und interpretatorische Dichte, man bewunderte im weiteren Verlauf auch die Souveränität beim Entwickeln der Massenszenen, die durch Präzision wie durch bemerkenswerte klangliche Balance bestachen, die Aufmerksamkeit den Sängerinnen und Sängern gegenüber, aber auch die pure Lust am Musizieren etwa zu Beginn des dritten Aufzugs (nach stürmischem Begrüßungsapplaus und vielen Bravos bei seinem Erscheinen im Graben) – eine große Leistung, die Lust macht auf mehr Wagner und Strauss unter seiner Leitung.

FAZIT

Seinen Rang als eines der ersten Häuser Europas hat die Amsterdamer Oper auch mit dieser Lohengrin-Reprise unter Beweis gestellt.

Thomas Tillmann | rez. Aufführung vom 10. November 2014

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(2/5)
Media Type/Label
Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 464 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Pierre Audi