Lohengrin

Zsolt Hamar
Chor und Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden
Date/Location
29 March 2015
Staatstheater Wiesbaden
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
Heinrich der VoglerBjarni Thor Kristinsson
LohengrinMarco Jentzsch
Elsa von BrabantJohanni van Oostrum
Friedrich von TelramudOliver Zwarg
OrtrudAndrea Baker
Der Heerrufer des KönigsChristopher Bolduc
Vier brabantische EdleVladimir Emelin
Jochen Elbert
Christian Balzer
Eric Keller
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Reviews
Allgemeine Zeitung

Runderneuerter “Lohengrin” überzeugt in Wiesbaden mit neuer Besetzung

Der Einsatz tenoraler Pressluft ist ja nicht selten in Richard Wagners “Lohengrin”. Diesbezüglich hat man auch unschöne Erinnerungen an die Premiere der Inszenierung von Kirsten Harms im Frühjahr 2012. Welche Wohltat dann, wenn ein “Liedgestalter” wie Klaus Florian Vogt, der am 25. Mai wieder als Gast-Star zurück nach Wiesbaden kommen wird, die Titelpartie übernimmt.

Man muss aber nicht bis zu den Maifestspielen warten, um am Staatstheater einen wirklich bemerkenswerten Schwanenritter zu hören. In die empfindsame, dabei doch durchsetzungsfähige Richtung geht auch die Auffassung von Marco Jentzsch, der 2014 in Saarbrücken als Kaiser in Dominik Neuners düsterer Inszenierung der “Frau ohne Schatten” aufhorchen ließ und in Wiesbaden bereits als Rodolfo in “La Bohème” zu erleben war. Seine Gralserzählung wird, auf dem Opferstein am Bühnenrand sitzend, in fast kontemplativer Gestaltung einer der vokalen Höhepunkte dieser vom Generalmusikdirektor Zsolt Hamar dirigierten, vom Publikum gefeierten Wiederaufnahme. Für die szenische Einstudierung, die Modifikationen am Bühnengeschehen vornimmt, zeichnet Magdalena Weingut verantwortlich. Zum Beispiel muss die böse Ortrud ihren toten Telramund nicht mehr alleine entsorgen. Die Schlepperei übernehmen jetzt die vier Edlen, die Wagner dafür vorgesehen hat.

Allerlei unfreiwillige Komik bleibt der Inszenierung, die den Schwanenritter in eine an die Freimaurer erinnernde Herrengesellschaft fallen lässt, jedoch erhalten. Ein Hauch kollektiver Heiterkeit weht durch das Große Haus, wenn Ortrud, die auf Kriegsfuß mit weißen Wasservögeln steht, einen toten Schwan hinter sich herzieht. Später wird die Voodoo-Zauberin das metaphorisch aufgeladene Getier schlachten und sein frisches Blut zum stärkenden Trank darbieten. Der Gral lässt, zur schwarzen Magie umgedreht, auf der Geflügel-Ebene grüßen. Ziemlich komisch ist aber auch das herzzerreißende Geröchel, das der unglückliche Telramund bei seinen Konvulsionen vernehmen lässt. Aus der Premiere ist das so drastisch nicht in Erinnerung.

Telramunds Intensität

Die Intensität, mit der Oliver Zwarg, der Färber der letzten Spielzeiteröffnung, die Telramund-Partie gestaltet, lässt indes alle szenischen Lächerlichkeiten vergessen. Hochspannung herrscht in der ersten Szene des zweiten Aktes im Dialog mit Ortrud, der wieder Andrea Baker ihre Stimme leiht. Deren böser Biss kennt keine Angst vor ästhetischer Grenzüberschreitung und lässt spüren, welche enorme Energie da am Werk ist. Eine wahre Lichtgestalt dagegen die Elsa der südafrikanischen Sopranistin Johanni van Oostrum, die 2013 in Weimar mit dieser Partie debütiert hat und eine anrührend mädchenhafte Klarheit mit dramatischen Höhenflügen verbindet. Bjarni Thor Kristinsson lässt als voluminöser König Heinrich patriarchale Fülle hören, Christopher Bolduc hat dagegen als Heerrufer eher schlankes Format.

Die höchst erfreuliche Besetzung und die kraftvolle, von Albert Horne einstudierte Leistung der Chöre versöhnen mit Schwächen der Inszenierung, die im Bühnenbild von Bernd Damovsky doch schön mystisch schimmert und im Dämmerlicht an Nietzsches Diktum von der “blauen Musik” denken lässt. Für deren atmosphärische Qualitäten zeigt Zsolt Hamar nicht nur im fein ausgesponnenen Vorspiel Sinn. Zupackend gelingt oft die dramatische Zuspitzung in den Kulminationspunkten, wobei im weiteren Verlauf der Vorstellung orchestraler Blech- und Holzschaden nicht ausbleiben.

Volker Milch | 17.03.2015

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 459 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Kirsten Harms (2012)