Parsifal

Asher Fisch
Coro, Coro di voci bianche e Orchestra del Teatro San Carlo di Napoli
Date/Location
2 December 2007
Teatro San Carlo Napoli
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
AmfortasAlbert Dohmen
TiturelMarkus Hollop
GurnemanzKristinn Sigmundsson
ParsifalKlaus Florian Vogt
KlingsorPavlo Hunka
KundryLioba Braun
GralsritterAlexander Kaimbacher
István Kovács
Gallery
Reviews
der-neue-merker.eu

Richard Wagners Abschiedswerk „Parsifal“ wurde zum letzten Mal am ehrwürdigen TEATRO DI SAN CARLO im Winter 1988 gegeben. Damals war Gustav Kuhn für die Regie und musikalische Leitung verantwortlich, und Wolfgang Fassler sang die Titelrolle. Nachdem der mit seinen szenischen Arbeiten zu den Exponenten der italienischen Neo-Avantgarde zählende Ubu-Preisträger FEDERICO TIEZZI mit dem Maler und Konzeptkünstler GIULIO PAOLINI, der dreimal auf der Documenta in Kassel und bereits fünfmal auf der Biennale in Venedig ausgestellt hat, im Jahre 2005 eine sehenswerte „Walküre“ am San Carlo inszeniert hatte, vertraute man diesem italienischen Team mit dem auch damals bewährten Lichtdesigner LUIGI SACCOMANDI und der stilsicheren Kostümbildnerin GIOVANNA BUZZI nun auch den „Parsifal“ an. Der Erste Gastdirigent des San Carlo, Jeffrey Tate, musste diese Serie leider absagen, so dass ASHER FISCH daraufhin die musikalische Leitung übernahm.

Für Tiezzi ist es die erste Beschäftigung mit dem „Parsifal“, und er geht das Werk ganz aus der Musik heraus an, zu der er große Räume mit starkem assoziativem Gehalt schafft. Seiner Meinung nach erzählt die „Parsifal“-Musik den schwierigen und schmerzhaften Weg der Menschheit hin zur Perfektion. Wagner habe mit diesem Werk „das Universum der Töne geschaffen und zusammen gehalten“, „die in Töne getränkte Welt“. Mehr noch als im „Ring“ sieht Tiezzi hier die Musik sich wie Mathematik, Geometrie entwickeln, und schließlich als Poesie. Dazu schafft Paolini mit der tief Raum greifenden Ausstattung korrespondierende Bilder in metaphysischer Ästhetik. Tiezzi greift zu keinem Zeitpunkt auf Dimensionen des sog. Wagnerschen Regietheaters zurück, dem er sehr reserviert gegenüber steht. Das Bemühen um eine werkimmanente Interpretation, die vorwiegend mit Symbolik und Farben arbeitet und nie gegenständlicher Deskriptivität verfällt, ist durchgängig erkennbar und gibt dem Betrachter manchmal den Eindruck, man stehe vor einem großen Gemälde, welches eigene Assoziationen geradezu heraus fordert. Der erlegte Schwan wird sogar als tatsächliches Gemälde gezeigt. Dazu kommt eine äußerst sparsame Gestik der Akteure, die an den Neu-Bayreuther Stil Wieland Wagners erinnert, hier und da aber auch zu einer gewissen Langatmigkeit führt. Die stets Stimmungen sinnvoll untermalende und fantasievolle Lichtregie spielt eine wesentliche Rolle in der theatralischen Wirkung dieses Konzepts. Sie erinnert immer wieder an die Lichtästhetik Robert Wilsons.

Bereits im Vorspiel deutet der Regisseur an, dass er das Werk dramaturgisch aus der Sicht Parsifals erzählen will. Wir sehen auf einem zeitweise transparenten Paravant einen in tiefes Grübeln versunkenen Mann à la Auguste Rodins „Denker“, vor einem Geflecht geometrischer Linien, die dreidimensional in alle Richtungen verlaufen, sich aber fast alle in einem Zentrum treffen – eine Lösung muss und wird es also geben…

Im etwas zu statischen 1. Aufzug zeigen Tiezzi und Paolini einen tiefschwarzen Raum der Erkenntnisleere. Die wenigen Artefakte, zwei weiße Statuen des Hermes von Praxiteles, der Sockel eines Denkmals und neutral gefärbte Bücher symbolisieren Geschichtlichkeit sowie eine gewisse Erhabenheit und Spiritualität, welche auf die metaphysische Dimension des Gralsproblems hinweisen. Gurnemanz erscheint als buddhistischer Mönch in starkem farblichem Kontrast mit tiefrot-goldenem Gewand, Hüter des akkumulierten Wissens um die Voraussetzungen für eine Lösung. KRISTINN SIGMUNDSSSON singt ihn souverän mit klangvollem, aber nicht allzu großem Bass. Sehr gut bei Stimme sind die beiden Gralsritter ALEXANDER KAIMBACHER und ISTVÀN KOVÁCS.

Dass Tiezzi bewusst die diversen religiösen Dimensionen des „Parsifal“ ansprechen will, erkennt man auch in der folgenden Gralsszene. Zunächst formieren sich im Hintergrund fast unmerklich die Komponenten einer imposanten Gralsburg beim Klang wirkungsvoller realistischer Gralsglocken. Dass die Zahl der aus der Höhe herab schwebenden klassizistischen Säulen genau sieben ist, dürfte kein Zufall sein. Die Ritter sitzen in der Formation des letzten Abendmahls sodann um Amfortas an einer langen Tafel. Parsifal nimmt dabei figürlich die Position des Grüblers vom Vorspiel ein. MARKUS GLOSSOP singt einen tadellosen Titurel aus dem Off. Die von MARCO OZBIC und STEFANIA RINALDI geleiteten Chöre singen kräftig und klangvoll sowie mit beeindruckender Raumtiefe durch teilweise Positionierung im Gang des 1. Ranges und tief im Bühnenhintergund. Ein wunderschönes Altsolo von ANNELY PEEBO beschließt den 1. Aufzug.

Klingsor erscheint sodann als Magier mit schwarzem Krokodilskopf vor einem von ihm offenbar beherrschten kosmischen Gebilde aus Sternen und Planeten. PAVLO HUNKAS zu biedere darstellerische Leistung wird diesem Anspruch allerdings kaum gerecht, stimmlich macht er seine Sache gut, nicht mehr. Kundry, nachdem sie sich von ihrer Verzauberung als Krokodil entledigt hat, erscheint schon hier als betörend schöne Frau. Nachdem die Einöde des Zaubergartens die ganze inhaltliche Leere der Zaubermädchenszene dokumentiert hat, erscheint sie Parsifal in einer tiefenperspektivisch beeindruckenden malerischen Geometrie. LIOBA BRAUN gibt die Kundry mit viel Emphase und einem abgedunkelten, aber charaktervollen klangschönen Mezzo, der allerdings bei einigen Höhen etwas angestrengt wirkt.

KLAUS FLORIAN VOGT singt die Rolle des Parsifal auf die Dauer zu taminohaft, um die große Emotion, die diese Figur gerade im 2. Aufzug darstellen sollte, über die Rampe bringen zu können. Ein idealer Parsifal ist er zumindest vom Timbre her nicht. Für sein zu verhaltenes Spiel dürfte jedoch in erster Linie die Regie zuständig gewesen sein. Klingsors Zaubermädchen, darunter auch Annely Peebo, singen bis auf eine Ausnahme sehr gut. Schade, dass Tiezzi die Speergewinnung misslingt – es fiel bei seiner eher sublimen Dramaturgie umso stärker ins Gewicht.

Grosse Meteoriten künden zu Beginn des 3. Aufzugs von der Last der Leiden, denen sich die drei Protagonisten unterzogen haben bzw. ausgesetzt sahen. Wieder entfaltet das Spiel mit den Farben hier große Wirkung. Erst im Karfreitagszauber, dann kontrastiert das warme Licht Parsifals mit dem gipsbleichen Licht der Gralsritter, die wie Tote aus Syberbergs „Parsifal“-Film erscheinen – eine Beckettsche Endzeitgesellschaft, hilflos um Amfortas geschart. ALBERT DOHMEN singt ihn sehr leidensbetont und klangschön, lässt aber die letzte Durchschlagskraft vermissen. Nach dem Erleuchten des Grals und einer sehr menschlichen Aussöhnung zwischen Amfortas und Kundry sehen die Ritter dem scheidenden und weiterhin sehr nachdenklichen Parsifal mit erhobenen Armen nach – ein zweideutiges Ende. So wie bisher kann es jedenfalls nicht weiter gehen… Jeder kann zu seinem eigenen Schluss kommen.

ASHER FISCH leitet das ORCHESTER DES TEATRO DI SAN CARLO mit Umsicht und eher mäßigen Tempi. Er kann auf Wagnererfahrene Musiker vertrauen, weiß aber nicht immer die wünschenswerte Intensität im Klangbild aus ihnen herauszuholen.

Das mag teilweise der Statik auf der Bühne geschuldet sein. Stärkere Akzente an der einen oder anderen Stelle hätten aber dem Fluss der Aufführung gut getan. So trat bisweilen doch eine gewisse Spannungslosigkeit ein, und die Optik dominierte über das musikalische Geschehen.

Es ist bedauerlich, dass dieser sehenswerte Stagione-„Parsifal“ nun in den Archiven des San Carlo verschwindet und nicht einem größeren Publikum nördlich der Alpen gezeigt werden kann.

Klaus Billand | 15 Dezember 2007

La Repubblica

Un “Parsifal” perfetto dove comanda la musica

Come in una litografia di Escher, la creazione artistica segue a volte strade in cui la precisione geometrica, a guardarla più da vicino, si trasforma nel suo contrario: come quelle minuziose scale del pittore olandese che si avvitano su loro stesse, e ti portano in alto se credi di scenderle. Lungo uno di questi percorsi s´è smarrito Federico Tiezzi, regista del “Parsifal” di Wagner che ha aperto la stagione del San Carlo; e mai smarrimento fu più benvenuto.

Aveva immaginato e promesso un allestimento in cui la vicenda del “puro folle”, predestinato a salvare il Graal, seguisse la via dal buio alla luce, dal peccato alla santità, o (più modernamente) dalla confusione alla coscienza di sé, se non (psicoanaliticamente) dall´Es all´Io. Una narrazione ascensionale, per così dire. Ma Tiezzi, pur dicendosene consapevole e messaggero, non aveva fatto i conti con il potere della musica: che gli ha scardinato dall´interno il rigore intellettuale, lasciandolo sopraffare dall´istinto dell´artista. La messa in scena, così, si è sviluppata secondo cerchi concentrici e non lungo tappe di progressione; dilatando come in un sogno i significati manifesti e latenti della partitura, perdendosi gioiosamente nell´incanto e nella suggestione, dando evidenza teatrale al cruciale scambio di battute tra Parsifal e Gurnemanz: “Cammino appena, eppur mi sembra già d´esser lontano”, “Vedi, figlio mio, lo spazio qui diventa tempo”.

Il risultato, d´una risonanza interiore soggiogante, viene raggiunto in piena sintonia con Giulio Paolini, l´artista che ha realizzato le scene. Uno spazio ideale, “un Museo di scienze spirituali”, secondo le sue parole, in cui si affollano libri dalle pagine bianche, simboli geometrici, e anche il cigno sacro ucciso da Parsifal ci appare come un quadro.

Ma il colpo di genio – che fa di questo spettacolo un autentico miracolo di espressività – sta nel non aver sostituito l´allusione al racconto, la citazione al brivido, il personaggio all´uomo: abbiamo così tutta la sacralità dello strepitoso finale del primo atto, le tentazioni sensuali del duetto Parsifal-Kundry, la semplice tenerezza del riscaldare il viso a chi giace nel freddo, una stretta di mano al vecchio maestro ritrovato. E ritorniamo a quel che dicevamo all´inizio: un tale equilibrio di mito e carne, di estasi mistica e gesto quotidiano, può realizzarsi solo se si lascia che la musica sconvolga i tuoi piani, e ti guidi quando più credi di stringerne le redini. Tiezzi e Paolini non hanno opposto resistenza, ed è nato un “Parsifal” perfetto.

Ma tutto questo sarebbe svanito nel nulla se sul versante musicale si fosse viaggiato a un passo più modesto. Il direttore Asher Fisch (israeliano, alla faccia dell´anti-wagnerismo più ottuso) ha affrontato la monumentale partitura scavandone il fascino arcano con mano sicura e sensibilità d´interprete, e al suo gesto l´orchestra ha risposto con colori e respiri di partecipe pertinenza.

Splendido il cast, dal più applaudito, l´imponente Gurnemanz di Kristinn Sigmundsson, a Klaus Florian Vogt, un Parsifal volta a volta fanciullesco e ieratico; dal dolente Amfortas di Albert Dohmen all´invasata Kundry di Lioba Braun; dal tormentato Klingsor di Pavlo Hunka al coro diretto da Marco Ozbic, rapinoso nelle due grandi scene del Graal.

Alla fine, dopo cinque ore, un vivo successo che solo un po´ di stanchezza non ha trasformato in trionfo.

Sandro Compagnone | 04 dicembre 2007

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HO
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Technical Specifications
256 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 445 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast (RAI 3)
A production by Federico Tiezzi