Parsifal

Ádám Fischer
Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
Date/Location
2 August 2007
Festspielhaus Bayreuth
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
AmfortasJukka Rasilainen
TiturelArtur Korn
GurnemanzRobert Holl
ParsifalAlfons Eberz
KlingsorKarsten Mewes
KundryEvelyn Herlitzius
GralsritterClemens Bieber
Samuel Youn
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Reviews
Online Musik Magazin

Den Skandal mit Begeisterung verabschiedet

Jeder Skandal hat mal ein Ende. 2007 gab es die letzte Aufführungsreihe von Christoph Schlingensiefs Bayreuther Parsifal. Die Aufregung um die Inszenierung ist längst abgeklungen und die Produktion weitgehend als Erfolg anerkannt. Und so erhielt sie in ihrem letzten Festival-Sommer neben einigen Buhs doch vor allem kräftigen Applaus und einen lautstarken Chor an Bravo-Rufen.

Auch der Regisseur zog Bilanz. Er habe Bayreuth mit seiner Regiearbeit verändert, so lautet sein Urteil. Es sieht ganz danach aus. Denn mit der Inszenierung, die zunächst so viel Empörung hervorrief, hat man sich tapfer angefreundet. Sie gilt nun als das, was sie von Anfang an erwarten ließ: als die längst fällige Verstörung des Gewohnten im fränkischen Festspielhaus. Und sie hatte eindrucksvolle und kluge Irritation zu bieten. Die riesengroße Projektion eines verwesenden Hasen etwa vergisst sicherlich niemand mehr, der sie am Ende dieser finsteren, überbordenden und mitunter zerfaserten Inszenierung erlebt hat. Es ist ein überwältigendes Bild zu den Klängen Wagners, das Rezeptionsgeschichte geschrieben hat, so wie die gesamte Produktion. So viel neues, beziehungsreiches wie auch flüchtiges Material, so ein großes Assoziationsangebot bei so wenig Struktur und Deutung war noch nie.

Anerkennend wurde bereits im Jahr 2006 festgestellt, dass Schlingensief den Werkstattcharakter von Bayreuth ernst genommen hat, wie sonst kaum einer. Hatte er doch von Jahr zu Jahr an der Umsetzung seines Parsifals weitergearbeitet. Die undurchschaubare Vielfalt auf der von zuckenden Projektionen überlagerten Drehbühne wurde mit der Zeit durchaus etwas entschlackt, die Szenerie zeigte sich mit jedem Sommer ein wenig heller. Aber auch Kursänderungen ließen sich verzeichnen: Nachdem der Regisseur im Vorjahr den Hinweis auf den Islam verstärkt hatte, nahm er diesen in der Saison 2007 wieder zurück. Kundry war in diesem Festivalsommer schließlich ebenso im weißen Gewand wie Parsifal und Amfortas. Zudem setzte sich der wohltuende Trend in Richtung Personenregie fort.

So boten Alfons Eberz als Parsifal und Evelyn Herlitzius als Kundry im zweiten Aufzug eine packende Darstellung. Hier lieferten zwei Sänger höchste Präsenz und stimmliche Strahlkraft und konnten damit die Inszenierung für einige Zeit auf den vorderen Rand der Drehbühne konzentrieren. Es war unmittelbar zu spüren, wie sehr sich die beiden Künstler mit dieser Produktion identifizierten und enorme Kräfte und Kreativität entwickelten, um sie mit szenischen Gehalt spannungsreich aufzuladen. Ein Glücksfall für Regisseur und Publikum. Wenngleich bei Herlitzius das Vibrato mitunter deutlich flackerte und sie an einigen Stellen feine Schattierungen vermissen ließ, vermochte sie doch die Aufführung mit ihrem eindringlichen Gesang entscheidend zu tragen.

Auch Jukka Rasilainen sorgte für Intensität, er sang den Amfortas markant und klangvoll. Karsten Mewes überzeugte als stimmlich düsterer Klingsor. Robert Holl erklang sonor als Gurnemanz, erwies sich jedoch mitunter als etwas behäbig und ließ schließlich an Kraft nach. Insgesamt trumpfte die Aufführung mit einem anspruchsvollem Ensemble und bestens einstudiertem Chor auf. Adam Fischer entwickelte ein stimmiges Dirigat. Im zweiten Jahr seiner planmäßigen Übernahme der musikalischen Leitung von Pierre Boulez hatte sich Fischer nun vollends auf die Besonderheiten der Inszenierung eingestellt und wusste sie aufmerksam und anspruchsvoll mit Musik zu füllen und durchaus zu umklammern. Eine entscheidende Leistung für die Produktion. So konnte sich diese noch einmal in Bestform zeigen und ihre ganze verstörende Kraft entfalten. Diese Parsifal-Inszenierung bedeutete einen mutigen Kraftakt für den gesamten Festspielbetrieb, für Regisseur, Musiker, Publikum und Kritiker. Eine Zumutung, die sich gelohnt hat.

FAZIT

Der Parsifal von Schlingensief hat seit seinem Start im Sommer 2004 für viel Aufregung gesorgt. Nun ist die Produktion zum Erfolg gereift und wurde in ihrem letzten Aufführungsjahr begeistert gefeiert. Entscheidend dafür war auch die hochwertige musikalische Ausführung.

Meike Nordmeyer | Rezensierte Aufführung: 2. August 2007

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Premiere
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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 554 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast from the Bayreuth festival
A production by Christoph Schlingensief (2004)