Parsifal

Bertrand de Billy
Chor und Extrachor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern-und Museumsorchester
Date/Location
21 March 2015
Oper Frankfurt
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
AmfortasBrian Mulligan
TiturelMagnús Baldvinsson
GurnemanzFranz-Josef Selig
ParsifalFrank van Aken
KlingsorSimon Bailey
KundryClaudia Mahnke
GralsritterHans-Jürgen Lazar
Iurii Samoilov
Gallery
Reviews
der-neue-merker.eu

Die letzte WA des „Parsifal“ (Richard Wagner) der Oper Frankfurt bot so manche, nachdrückliche, musikalische Überraschung. Christof Nel hatte in seiner Inszenierung (2006) das Bühnenweihfestspiel kräftig entglorifiziert, die Konflikte der Ritterschaft zwar mehr beleuchtet, dafür der Personenregie teils eine unfreiwillige Komik beigemischt. Glaubwürdiger und optisch akzeptabel punktet jedoch das Bühnenbild (Jens Kilian): im Halbrund parallele Lamellen, auf der Drehbühne bewegt oder zur Bühnentiefe gegenüber zugeordnet dazu bestens ausgeleuchtet, ergaben sinnvolle Perspektiven zur Gralsburg.

Die Kostüme (Ilse Welter) wirkten dagegen in ihrer seltsamen Mischung aus Rüstungen, neuzeitlicher Kleidung, Rüschenkleidchen für die Blumenmädchen leicht befremdlich und gipfelten sich im „hocherotischen“ Outfit der Kundry, einem kupferfarbenen Hausmütterchen-Kleid mit Handtasche. Ach ja – was wäre doch das zeitgenössische Regietheater ohne seine geistreichen Accessoires: Stühle, Koffer etc.? Doch lassen wir das leidliche Thema und wenden uns den positiven Aspekten des Abends zu.

Am Pult des hervorragend disponierten und prächtig musizierenden Frankfurter Opern- und Museumsorchester pflegte Bertrand de Billy zunächst langsame Tempi, welche er aber dennoch mit Spannung zu erfüllen wusste. Intensiv zog der Gastdirigent eine durchgehende, musikalische Transparenz der Partitur, allen vordergründigen, knalligen Effekten vor.

Von Anfang an setzte de Billy auf ein integriertes Ineinanderfließen der Grundstoffe des Werkes. Etwa schon beim Abendmahlmotiv, wenn langsamere Themen, sich wie eine Ursubtanz bilden, ambivalent außerhalb fühlbarer Zeiterfahrung, in Wellen durch die Streicher ziehen und sich in regelmäßigen Triolen die Bläser zum Pathos des Gesamtklangs formieren. Autoritär im Überblick strukturiert der erfahrende Wagner-Dirigent das Bühnenweihfestspiel (lässt es zumindest als solches im Graben erkennen) in gemessener Klarheit und Ruhe. Zelebriert zudem besonders im „Karfreitagszauber“ eine Stimmung die Hoffnung schafft, welche die in Nuancen ausmusizierenden Streicher im orchestralen Erlösungsmotiv des Nachspiels, mit einer goldenen Krone versehen.

In einer derart solitären, musikalischen Einfassung fühlten sich auch die Sänger sichtlich wohl und teils zu Höchstleistungen animiert. Franz-Josef Selig, der inzwischen die Spitzengruppe der Gurnemanz-Interpreten anführt, glänzte in erlesener Vokalkultur allen Solisten voran.

Es ist schon lange her, dass ich so viel Ausdruck, erzählerisches Talent und gut verständlich, dahin strömenden Gesang, in dieser Qualität erleben durfte. Die Schönheit, das herrliche Timbre dieser in allen Lagen höchst präsenten Bassstimme, faszinierten und betörten die Zuhörer zu gleich und feierten den Künstler mit Ovationen. Bewundernswert zudem die optische Aura (trotz unmöglicher Perücke) des exzellenten Sängers zur dezenten Rollengestaltung. Ebenso eindrucksvoll gestaltete Johannes Martin Kränzle die Leiden des Amfortas. In absoluter Artikulation verstand es der vortreffliche Bariton sein wohltönendes, kerniges Material dominant, mühelos in den schmerzvollen Erbarmen-Rufen gipfelnd, äußerst präsent einzusetzen.

Sensationell und zu Recht umjubelt empfand ich die besonders klangschön, nuancierte Formation des Opern- und Extrachors (Tilman Michael). Bisher sehr geschätzt und bewundert die Qualitäten dieser Vokalgemeinschaft, doch so herrlich strukturiert, nuanciert in der Klangtransparenz, das leichte Schweben der Frauenstimmen, die pastos-mächtige Entfaltung der Herren und deren gehauchte Verklärung im Finale, das Gehörte erzeugte Gänsehaut – Bravo!

Durchgängig, partiell sang Simon Bailey den Klingsor mehr hell-baritonal, denn mit dunklem Bassmaterial versehen. Keineswegs kränkelnd, im Vollbesitz sonorer Basstiefen präsentierte Magnús Baldvinsson den Gralskönig Titurel.

Die Titelpartie von Frank van Aken hatte ich aus früheren Jahren noch in bester Erinnerung. Heute jedoch bot das frühere Ensemblemitglied mehr oder weniger grundsolide, tenorale Qualitäten. Dennoch punktete van Aken mit bester Diktion, gestalterischem Potenzial im Rahmen der Inszenierung und teilte sich seine Kräfte im dritten Akt bewundernswert ein. Das Publikum schien meiner Meinung und bedachte den einstigen Liebling mit dem wenigsten Applaus.

Stimmen sind ja bekanntlich reine Geschmacksache und über Geschmack lässt sich streiten!

Die in Frankfurt sehr bewährte und beliebte Sängerin Claudia Mahnke debütierte als Kundry und ich konnte ihre Stimme nur schwerlich einem Fach zuordnen. Erlebte ich die Dame heute als 40. Höllenrose meiner unzähligen Parsifal-Aufführungen, belegt sie leider in der Liste der bisherigen Interpretinnen den letzten Platz. Entschuldigung – aber zu mehr möchte ich mich nicht äußern.

Rollendeckend besetzt die restlichen Partien: Hans-Jürgen Lazar, Iurii Samoilov (1.+2. Gralsritter), Michael Porter, Michael McCown (3.+4. Knappe), Elizabeth Reiter (1. Knappe + Blumenmädchen), Jenny Carlstedt (2. Knappe + Blumenm.), Maria Pantiukhova (Stimme aus der Höhe + Blumenm.) sowie die übrigen Blumenmädchen Louise Alder, Karen Yuong, Judita Nagyová.

Kurz und heftig wurden alle Beteiligten gefeiert, wie meist hier üblich nach drei Durchgängen fällt der Vorhang.

Gerhard Hoffmann | Frankfurt 15.03.2013

Frankfurter Neue Presse

Wohltönende Liebesbezeugungen

Rechtzeitig zur österlichen Zeit ist nun diese gelungene „Parsifal“-Inszenierung Christof Nels von 2006 auf den Spielplan der Frankfurter Oper zurückgekehrt. Die Regie überzeugte schon damals mit einer geradlinigen, wachen Deutung der Gralserzählung. Viele Säulen drehen sich auf der Bühne im Kreise, sie verkörpern die Bäume des Waldes, aber auch die Grenzen zum Zauberreich jenseits des Grals, in dem Klingsor seine trostlose Herrschaft führt.

Einschließlich der beiden Pausen dauert der „Parsifal“ mehr als fünf Stunden – ein gewaltiges musikalisches Kunstwerk, das jeden Regisseur vor außergewöhnliche Herausforderungen stellt, schon allein um über die lange Zeit hinweg den Spannungsbogen zu erhalten.

Für die Frankfurter Inszenierung standen 2006 und stehen heute herausragende Solisten zur Verfügung. Frank van Aken hatte die Titelrolle schon bei der Premiere übernommen und zeigt mittlerweile eine noch reifere und abgeklärtere stimmliche Präsenz. Erstmals hatte er Claudia Mahnke als Kundry zur Seite. Diese Sängerin sorgte dafür, dass alle Herzens- und Liebesbezeugungen im zweiten Aufzug zu einem musikalisch triumphalen Höhepunkt wurden. Ihre Stimme vereinigte Kraft und Hingebung, Melancholie und Entschiedenheit. Der Rückgriff auf den kernigen Franz Josef Selig in der Rolle des Gralshüters Gurnemanz zahlte sich aus. Gerade seine Stimme eignet sich besonders für diesen eher rezitativischen Part. Johannes Martin Kränzle brachte als Amfortas besondere Würze ins Solistenensemble. Die erfahrenen Simon Bailey als Klingsor und Magnus Baldvinsson (Titurel) wirkten bereits bei der Premiere mit. Tadellos war bei dieser Wiederaufnahme das Orchester aufgestellt. Dirigent Bertrand de Billy achtete mit besonderer Akribie auf die reinen, satten Bläser, ohne die kein gelungener „Parsifal“ denkbar ist.

Matthias Gerhart | 17.03.2015

ConcertoNet.com

Hypnotique

Que ce soit la nouvelle production réussie de La Passagère de Weinberg de Weinberg ou encore la reprise attendue de Parsifal, l’Opéra de Francfort frappe fort en ce début de printemps en affichant complet deux soirs de suite. Le dernier opéra de Wagner bénéficie depuis 2006 de la sobre mais captivante mise en scène de Christof Nel, déjà reprise en 2010, et visible à nouveau cette année. On se souvient ainsi de sa Femme sans ombre, donnée en octobre dernier en ces mêmes lieux dans la plus pure tradition du Regietheater à l’allemande. Un spectacle foisonnant, nimbé de mystères et de questionnements. Cette fois encore, le metteur en scène allemand ne faillit pas à sa réputation et poursuit dans la veine d’une relecture radicale de l’œuvre.

Autour d’un décor unique pendant toute la représentation, Nel abolit toute notion de réalisme en s’appuyant sur d’immenses panneaux de bois tous alignés pour former une immense palissade mouvante – en utilisant cette fois-ci un double plateau tournant. Entre les interstices, l’œil perçoit un monde d’abord clos, où l’on devine un néon blanc (symbolisant la Sainte Lance?) puis des initiés qui s’entraînent au combat. Ces visions fugitives, sans cesse revisitées, participent d’une étrangeté, d’un monde inaccessible et irréel particulièrement fascinant. Dès le Prélude, des hommes et femmes en habits de tous les jours font irruption dans la salle, tels des retardataires. Il n’en est rien. Aussitôt, deux groupes se forment pour permettre aux hommes d’offrir une brève accolade aux femmes, avant de pénétrer seuls sur le plateau. Cette séparation sera encore appuyée par les différentes interventions du chœur des femmes, non pas en coulisses mais sonorisées au plafond telles une présence céleste.

Des sobres costumes aux sombres décors, le noir et le blanc dominent le plateau – seule la scène du jardin des filles faisant exception avec ses rouges flamboyants. Si Christof Nel expédie les rares moments d’action de l’opéra, comme la mort du cygne ou le combat de la garde de Klingsor, c’est pour mieux se concentrer sur les aspects symboliques liés au parcours initiatique de Parsifal. Dans cette optique, aucune temporalité ne vient matérialiser le troisième acte, où les personnages n’ont pas vieilli. Mais l’on retient surtout les superbes scènes de rites, où Nel démontre une parfaite maîtrise quasi chorégraphique, d’une lenteur captivante, imposant un rythme hypnotique particulièrement en phase avec la direction tout en legato de Bertrand de Billy. Idéal de souplesse dans les phrasés, son geste embrasse délicatement chaque infime variation sans jamais sacrifier à l’élan wagnérien. Assurément une des grandes satisfactions de la soirée.

Immensément applaudis à l’issue du deuxième acte comme à la fin de l’opéra, les chanteurs démontrent un niveau de qualité global impressionnant, jusque dans les rôles secondaires et les chœurs. Si l’on peut reprocher à Frank van Aken (Parsifal) et Franz-Josef Selig (Gurnemanz) un timbre manquant de couleurs, la performance physique autant que l’impact dramatique des deux hommes emportent les réserves. Plus puissant, Selig a aussi une éloquence dans la diction toujours très marquante, sans doute plus encore pour l’auditeur germanophone. Très belle prise de rôle pour Claudia Mahnke (Kundry), à la ligne de chant particulièrement bien tenue, également idéale dans la diction. Brian Mulligan (Amfortas) et Simon Bailey (Klingsor) affichent tous deux un timbre de voix très séduisant, parfaitement projeté, même s’il manque encore au premier quelques prises de risque pour nous faire vibrer, tandis que le second gagnerait – à l’inverse – à davantage de noblesse dans le style. De bien infimes réserves pour une soirée logiquement applaudie par un public enthousiaste.

Florent Coudeyrat | Frankfurt 29 mars 2015

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 542 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Christof Nel (2006)