Siegfried

Kirill Petrenko
Orchester der Bayreuther Festspiele
Date/Location
30 July 2015
Festspielhaus Bayreuth
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegfriedStefan Vinke
MimeAndreas Conrad
WotanWolfgang Koch
AlberichAlbert Dohmen
FafnerAndreas Hörl
ErdaNadine Weissmann
BrünnhildeCatherine Foster
WaldvogelMirella Hagen
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Reviews
bachtrack.com

Modisches Kroko? Postmoderne Spiele in Castorfs Siegfried

Notizzettel vor dem zweiten Aufzug von Siegfried warnten vor sehr lautem Geräusch, doch nach diesem Akt, und stärker noch am Ende der Oper hatte man das Gefühl, dass diese Warnung am falschen Ort kam. Die Schüsse, als Siegfried Fafner ins Jenseits befördert, waren in der Tat ohrenbetäubend, doch das war nichts im Vergleich zu den seelischen Schocks einer Produktion, die wild entschlossen schien, gegen die bloße Idee narrativer Vollständigkeit zu arbeiten. Castorfs postmoderne Dramaturgie (er ist ein bekannter Vertreter des postdramatischen Theaters) verwandelte Wagners Handlung zu einer Collage zufälliger Gegensätze und Paradoxa, und während es zahlreiche visuell beeindruckende Augenblicke gab, so schien der Punkt des Ganzen doch zu sein, dass es kein größeres Ganzes gab, und dass es eigentlich nicht viel Sinn gab. Als solches ging der dritte Teil dieser Ring-Produktion beträchtlich weiter als das Rheingold, das lediglich eine Fehlinterpretation des Tons von Wagners Drama darstellte. Willkommen zu musikalischem [Post-]Drama.

Einige gemeinsame Motive im Zyklus waren bisher die folgenden: Macht wird oft durch die Ausbeutung von Frauen dargestellt (sowohl Wotan im Rheingold als auch Fafner hier haben ihre eine Horde Prostituierter); den Requisiten wird irgendwann im Laufe des Abends Gewalt angetan, und Dramaturg Patric Seibert mag am Ende die prominenteste Person der ganzen Produktion sein. Seine (gesanglosen) Rollen beinhalten bisher einen Barmann im Rheingold, einen Soldaten, der sich in der Walküre in einem Hühnerkorb versteckt, und in Siegfried sowohl den Bären im ersten Aufzug sowie den Kellner im dritten. Und es sind auch nicht nur Kurzauftritte im Stile Hitchcocks – er zog oft alle Augen auf sich, beispielsweise, als er zu Siegfrieds Schmiedelied headbangte.

Wie in den vorherigen beiden Teilen war das Bühnenbild von Alexander Denić wieder wunderschön anzusehen, doch enigmatischer als zuvor. Der erste Aufzug fand vor dem Hintergrund eines Steinbruches statt, dominiert von einem kommunistischen Mount Rushmore, mit gigantischen Köpfen von Marx, Lenin, Stalin und Mao anstelle der US-Präsidenten. Doch wo in früheren Teilen die Drehbühne nur einen anderen Blickwinkel auf denselben Aufbau gab, war die enthüllte Rückansicht im zweiten Aufzug eine gänzlich andere: ein Bereich vor der U-Bahn-Station am Berliner Alexanderplatz. Diese beiden Handlungsorte wechselten sich ab, und zahlreiche Szenen kreuzten von einem zum anderen: Die „Waldstimmungsszene“ begann im urbanen Umfeld, doch die letztliche Tötung Fafners ereignete sich im anderen. Die Videoprojektionen waren diesmal gnädigerweise weniger aufdringlich als vorher – ein genialer Moment während der Konfrontation Wotan-Siegfried im dritten Aufzug zeigte ihre Gesichter über zwei der Rushmore-Köpfe gelegt.

Es war eine Inszenierung, die sich keinerlei Mühe machte, Siegfried liebenswürdig erscheinen zu lassen. Im ersten Aufzug zerriss er Bücher und verbrannte sie, ein Akt schwer von symbolischem Nachklang (besonders von einem Berliner Regisseur), und nachdem er den angehenden Mörder Mime um die Ecke gebracht hatte, schütte er unnötigerweise einen Sack Müll über ihm aus. Abgesehen davon, dass er am Ende des ersten Aufzugs leichte Ermüdungserscheinungen zeigte, war Stefan Vinke durchweg bei guter Stimme. Als Mime war Andreas Conrad besonders gut darin, böswillige Freude auszudrücken, und man muss nicht erwähnen, das die unemphatische Inszenierung uns daran hinderte, jegliches Mitgefühl für ihn zu empfinden. Albert Dohmen zeigte sich stimmstark in der Rolle des Alberich, wenngleich sich die Produktion gegen unser Verständnis seiner Figur als Ur-Antagonist stellte.

Fafner war in dieser Inszenierung kein Drache, doch ein animatronisches Krokodil auf der Bühne deutete in der ersten Szene den Gedanken zur originalen Bühnenanweisung an (und wies im Nachhinein auch auf das hinaus, was noch kommen sollte). Andreas Hörl wurde dem Sprechrohr beraubt, durch das der Sänger dem Drachen üblicherweise seine Grabesstimme verleiht, doch er konnte einiges dieser Tiefe auch ohne Hilfsmittel einfangen. Wolfgang Koch überzeugte als unpersönlicher Wanderer eher als in der Rolle des ersten, aber liebenden Vaters am Ende der Walküre, und die Konfrontationsszene mit Siegfried war einer der Höhepunkte des Abends. Nadine Weissmann beeindruckte erneut als Erda (hier unvermeidlich als Prostituierte dargestellt). Als ihr Auftritt zu Ende war, verließ sie die Bühne, nur, um mit blonder Perücke zurückzukehren und eine andere Art der mündlichen Freuden zu bieten, diesmal für Wotan allein. Es war besonders unschön von ihm, sie zu verlassen, indem er ihr die Essensrechnung in den Ausschnitt stopfte.

Das Nonplusultra der Merkwürdigkeiten kam in der abschließenden Liebesszene zwischen Brünnhilde und Siegfried, während der Catherine Foster ihre wunderbare, fließende Stimme sehr zum Vorteil gereichte. Am Ende allerdings waren die beiden Sänger zur Nebenhandlung der Possen einer Reihe Krokodile geworden, die sich ihnen schnappend und kopulierend näherten. Ich habe das Siegfried-Brünnhilde-Duett immer als nicht wirklich packend empfunden und konnte nachfühlen, dass Siegfried mehr Interesse für das Füttern der Reptilien zeigte als für seine Partnerin. Dann wieder hatte dieser freie Held bereits in seinem Stelldichein mit dem Waldvogel (die ausgezeichnete Mirella Hagen, gekleidet als Brasilianische Karnevalstänzerin) am Ende des zweiten Aufzugs die Wirkung genommen. Wenn Castorf épater le bourgeois im Sinne hatte, als er diese Produktion schuf, dann ließ die Lautstärke der Buh-Rufe beim Vorhang vermuten, dass er bei der Bourgeoisie in der Tat erfolgreich angeeckt ist.

David Larkin | 02 August 2015

forumopera.com

Avant-dernier épisode de saga wagnérienne, Siegfried pose problème à tous les metteurs en scène qui s’attaquent au Ring. Chereau déjà s’en faisait l’écho dans le programme de Bayreuth en 1976* : que veut dire cette liberté totale dont jouit le héros ? Fait-elle de lui un être candide et attachant ? Picaresque et désireux d’apprendre ? Ou enfin est-ce un idiot gentil qui avance de bourde en bourde ? Frank Castorf dynamite Siegfried en traitant tout par la noirceur et l’ironie. La liberté absolue de Siegfried, c’est l’incarnation du chaos. Chaos que l’on retrouve lorsque les crocodiles échappés du zoo de Berlin envahissent la scène (référence à un épisode de la Seconde guerre mondiale) et que Siegfried, serein, leur donne des friandises**. Non programmé par les dieux, le héros déraille : jamais le personnage n’aura été aussi violent (la décharge de kalachnikov pour tuer Fafner), et licencieux. Il partage une brève étreinte avec l’oiseau et passe le duo du 3e acte à s’occuper d’autre chose que de la Walkyrie devenue humaine par amour. N’en déplaise au cœur de midinette de Roselyne, ce duo est déjà dans l’après – le temps marqué par l’horloge du décor défile à toute allure à ce moment là. D’ailleurs Siegfried ne mettra-t-il pas les voiles dès le prologue de la journée suivante ? Cette incarnation du chaos est d’autant plus forte qu’au bois profond et aux murmures de la forêt, Aleksandar Denić, le génial décorateur de l’équipe technique, a substitué la laideur est-allemande d’Alexanderplatz et l’ambiance totalitaire de caméras de surveillance qui épient tout le monde… Cadre idyllique quand la débauche et la dernière turlutte d’une pute (scène Erda/Wotan) se substituent à l’amour. Mais, une fois la Lance des Traités brisée, c’est l’image live de Siegfried triomphant qui est projetée sur les figures tutélaires du marxisme, façon Mont Rushmore : le chaos est venu à bout de tout.

L’équipe de ce Ring continue donc de mélanger les époques, les références, les temporalités, les lieux géographiques et les techniques théâtrales pour constamment interroger la réception de l’œuvre et le projet artistique de Wagner à notre époque. Surtout ne pas faire une production hollywoodienne du Ring (malgré les décors que ne renieraient pas les techniciens du cinéma américain), sorte d’image d’Epinal qu’appelait de ses vœux un de nos lecteurs dans un commentaire récent***. Mais paradoxalement comme Wagner l’avait souhaité : renouveler l’art en et par lui-même. A ce titre et au risque de contredire Maurice Salles, Siegfried apparaît comme l’épisode le plus convaincant jusqu’à présent.

Bien entendu les chanteurs n’y sont pas pour rien : Lance Ryan qui posait problème à Roselyne Bachelot et à Christophe Rizoud n’a pas été reconduit. Stefan Vinke prête un timbre plus soyeux et une grande endurance au personnage. Il se plie à la conception du rôle et est crédible de bout en bout en petit tyran. La ligne est belle, même si parfois moins assuré dans le medium. Catherine Foster finit de convaincre qu’elle est arrivée à maturité : lyrisme oui, endurance aussi et aisance sur toute la tessiture. Riante et glorieuse, elle emplit le Festspielhaus d’un splendide « lachender Tod ! » final. Si l’Alberich d’Albert Dohmen semble fatigué et moins présent que lors du Prologue, le Mime d’Andreas Conrad confirme les espoirs qu’il avait fait naitre au Nibelheim. Pour assoir son personnage, le ténor joue de son timbre piquant ainsi que d’un très fort contraste entre legato et un Sprechgesang qui s’aventure parfois à la limite du chant. Dommage que Wolfgang Koch soit plus souvent les mains dans les poches à déclamer ses monologues, car force et vigueur retrouvées après le repos d’une journée, il continue de détailler toutes les facettes de son personnage, du dieu qui tente son va-tout à l’artiste déchu attablé au restaurant. Il part en laissant la note à Nadine Weissmann qui a peut-être rejoint le trottoir pour sa dernière apparition, mais dont la voix a, elle, gardé les splendeurs et l’autorité entendues il y a trois jours. Légère déception pour l’oiseau de Mirella Hagen dont le timbre, acide, peine à charmer malgré une présence scénique magnifiée par son costume ; mais satisfaction pour Andreas Hörl (Fafner), bien plus en place que dans Das Rheingold, même s’il manque encore de projection dans le bas de la tessiture.

Noirceurs et ironies, ce sont deux qualités que Kirill Petrenko met en exergue pendant tout le premier acte de ce Siegfried. C’est un cas d’école d’orchestre, personnage à part entière du drame, comme si la fosse – notamment la petite harmonie – passait son temps à se gausser de la scène. Les deux actes suivants sont conduits de baguette de maitre entre chaleur et lyrisme pour le duo final, poésie et tendresse dans la forêt, quand le volume est toujours dosé avec parcimonie, au service de la scène, au service des chanteurs, au service de Wagner.

Yannick Boussaert | 12 Août 2015

abc.es

Descomunal bronca a Frank Castorf por su «Siegfried» en el Festival de Bayreuth

El Festival wagneriano y la Filarmónica berlinesa son polos paradigmáticos de la cultura musical alemana. Ambos han solventado este año el problema sucesorio. En Bayreuth, si los indicios no engañan, finaliza también la fase convulsa de cambios, que se remonta a los últimos años del nieto del compositor y director vitalicio, Wolfgang Wagner, y la incursión de su hija Katharina, durante la cual actuaron algunos de los más polémicos registas dramáticos, por ejemplo, Christoph Schlingensief (Parsifal), Lars von Trier (Anillo, que abrumado declinó), Hans Neuenfels (Lohengrin), S.Baumgarten (Tannhäuser), Frank Castorf (el Anillo en curso), Jonathan Meese (Parsifal) o la propia Katharina Wagner (Maestros cantores).

Entretanto, Meese fue descabalgado y reaccionó con un violento «manifiesto» de protesta, y Katharina, cuyo montaje debutante de «Meistersinger» perpetraba un «sacrilegio cultural» con ribetes freudianos, ha sorprendido ahora con una escenificación bastante comedida y minimalista de «Tristan und Isolde». La planificación hasta el año 2020 (con Laufenberg, Barrie Kosky, Alvis Hermanis y Tobias Kratzer) tampoco augura a priori grandes sobresaltos. En 2016 habrá incluso una paradójica «coincidentia oppositorum». En lugar del vitoreado Kirill Petrenko dirigirá la tetralogía del «Anillo» precisamente Marek Janowski, un veterano prohombre de la interpretación wagneriana que tiene grabadas discográficamente todas las composiciones musicales de Wagner, pero que durante años rehusó dirigir ópera, opuesto radicalmente como es a los montajes modernos.

Guerra de sucesión
¿Presagia todo esto una reorientación hacia aguas menos procelosas? Administrativamente, después de largas luchas internas de la familia Wagner en la llamada «guerra de sucesión» y del interregno de las dos hermanastras biznietas, la situación está clara. A partir de septiembre, clausurado este 104 Festival, Katharina Wagner será la intendente-directora general, con un contrato de cinco años, asistida por un jefe administrativo (H.-D.Sense) y, por primera vez en su historia, un director musical (Christian Thielemann). Con ello, lo que comenzó siendo una empresa familiar y después una fundación estatal con un regente vitalicio, funcionará en la práctica como uno más de los teatros alemanes de gestión pública.

Aparte del innegable rejuvenecimiento del público, hay otros indicios indicativos de estabilidad: tras largos años de espera y con grandes partes del edificio cubiertas con lonas protectoras se acometerá en septiembre el saneamiento general del Festspielhaus. Y hace días fue reabierta también la costosamente saneada Wahnfried, la casa de los Wagner convertida en museo en 1976.

Cuatro cocodrilos
Por lo demás, la segunda parte del ciclo de premières discurrió según los cauces previstos. La primera gran bronca la recibió el disparatado montaje de «Siegfried», pieza en la cual Castorf destapó su peculiar tarro de las esencias, que repele al wagneriano de pro, completado a la postre con cuatro cocodrilos, pues la pareja copulante tiene ahora prole. La magnífica ejecución musical (y también los grandiosos decorados de Aleksander Denić, como el espectacular Mount Rushmore comunista con las testas descomunales de Marx, Lenin, Stalin y Mao, polvorientos y maltratados por Mime con una maza), salvan la producción.

Siguió la reposición de un «Holandés» gris, sin más cambios que la batuta segura algo pacata de Axel Kober, con dos destacables cantantes secundarios: B.Burns (piloto) y T.Mužek (Erik), y como siempre los coros. El «Ocaso», finalmente, tuvo un nivel canoro general muy notable, descollando especialmente los debutantes Stefan Vinke (Siegfried) y Stephen Milling (Hagen), contundentes ambos con segura entonación y presencia escénica. Petrenko, la orquesta y el coro masculino, sobresalientes, antológicos. Este «Ocaso», «Walkyria» y «Tristan» constituyeron los puntos álgidos del programa.

Por el lado opuesto, la traca final que cerró el ciclo: una bronca descomunal a Castorf. Con la perspectiva de tres años cabe concluir que su montaje ya no provoca ni escandaliza. Es simplemente un dejà vutedioso y enervante, sistemáticamente a contrapelo y al margen de la obra, que interfiere la vivencia estética dramático-musical. Castorf olvida que la ópera no es cine y abusa del vídeo y la filmación escénica en tiempo real creando un overkill videográfico. Muchos asistentes, tras sufrir estoicamente cuatro días las secuelas de banales efluvios deconstructivistas, se desahogaron con un ruidoso y persistente abucheo.

OVIDIO GARCÍA PRADA | 03/08/2015

Rating
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User Rating
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Media Type/Label
Premiere, PO
Technical Specifications
224 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 372 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast from the Bayreuth festival
A production by Frank Castorf (2013)
This recording is part of a complete Ring cycle.