Tristan und Isolde

Artur Bodanzky
New York Metropolitan Opera Chorus and Orchestra
Date/Location
16 April 1938
Metropolitan Opera New York
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
TristanLauritz Melchior
IsoldeKirsten Flagstad
BrangäneKarin Branzell
KurwenalJulius Huehn
König MarkeEmanuel List
MelotArnold Gábor
Ein junger SeemannKarl Laufkötter
Ein HirtKarl Laufkötter
SteuermannLouis D’Angelo
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Die Metropolitan Opera New York erlebte nach der berühmten „Golden Age“, als noch Caruso und Rose Ponselle dort auftraten, eine zweite grosse Epoche in den dreissiger, vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Und zwar wurde die Met in den Jahren ab 1933 zu einem Refugium für vertriebene und emigrierte Künstler, die es aus verschiedenen Gründen vorgezogen hatten, ihrer Heimat unter faschistischem Regimen Adieu sagen zu müssen – oft schweren Herzens. Doch die Met kam so zu einer Phalanx grosser Sängerinnen und Sänger, die sich vor allem als Wagner-Interpreten in Europa einen Namen gemacht hatten oder sich auch anliessen, einen solchen als Wagner-Sänger an der Met zu machen. Kirsten Flagstad hatte in Europa und auch in Bayreuth kein besonderes Aufsehen erregt und wollte eigentlich ihre Karriere beenden. Doch Alexander Kipnis (auf dieser Box leider nicht vertreten!), ebenfalls ein emigrierter Gurnemanz, Hagen und Hunding von Rang, hatte mir ihr in Norwegen im Tristan gesungen, war dabei auf diese Ausnahme-Sängerin aufmerksam geworden und hatte sie an die Met empfohlen. Das Vorsingen fand in der Schweiz in einem von schweren Samtvorhängen dekorierten Hotelzimmer statt. Der Eindruck war entsprechend und man wollte es doch mal mit dieser Norwegerin an der Met versuchen. Dass ihr Debüt zu einer Sensation geriet, wozu die kommentierende Geraldine Farrar die Flagstad mit als „A Star is born“ bezeichnete, war eine Überraschung für alle. Schnell wurde die Flagstad mit Lauritz Melchior, der sich ebenfalls an der Met befand, zu dem „Wagner Duo of the Century“.

Davon zeugt die – meines Wissens – bisher unveröffentlichte Aufnahme der Tristan-Aufführung vom 16. April 1938, da die Met-Matineen, d.h. Aufführungen jeweils am Sonntag-Nachmittag, von der Petrolfirma Texaco über die Radiostationen ganz Amerika verbreitet und so wesentlich zur Popularisierung der Kunstform Oper beitrugen. Dieser Tristan – es existiert eine ganze Reihe von Tristan-Aufnahmen aus der Met mit dem Duo Flagstad und Melchior – ist nun ein Zeugnis der beiden Sänger im absoluten Zenith ihrer stimmlichen Möglichkeiten. Höhenprobleme, die in den späten Aufnahmen der Flagstad auf LP mitunter festzustellen sind, gibt es hier nicht. Mit einer Leichtigkeit in der Klanggebung, die in einem silbernen Strahl auf Samt gebettet ertönt, präsentiert sich die Flagstad hier als ganz grosse Isolde. Melchior ist auch ein „Tower of strength“, wie die Amerikaner sagen würden, und die Fiebervisionen des 3. Aktes – allerdings gekürzt – bergen für ihn keinerlei Hindernisse. Artur Bodanzky war damals der musikalische Leiter des „German Wing“, also für die deutsche Oper zuständig, und dirigiert einen erstaunlich schlanken, schnellen aber nicht überhasteten Wagner. Karin Branzell als volltönende Brangäne und der Bariton Julius Huehn, der uns auch als hervorragender Wotan noch begegnen wird, und Emanuel List runden ein fabelhaftes Wagner-Ensemble ab.

John H. Mueller

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Media Type/Label
Sony, OOA
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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 419 MByte (MP3)
Remarks
Matinee broadcast
A production by Joseph Urban (1920)