Tristan und Isolde

Esa-Pekka Salonen
Chœur et Orchestre de l’Opéra National de Paris
Date/Location
4 May 2005
Opéra Bastille Paris
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
TristanBen Heppner
IsoldeWaltraud Meier
BrangäneYvonne Naef
KurwenalJukka Rasilainen
König MarkeFranz-Josef Selig
MelotAlexander Marco-Buhrmester
Ein junger SeemannToby Spence
Ein HirtToby Spence
SteuermannDavid Bizic
Gallery
Reviews
Berliner Zeitung

Nacht der Liebe und des Denkens

Was John Cage für die Komposition bedeutete, das ist in gewisser Weise Peter Sellars für die Regie. Wie Cage, so hat auch der Amerikaner Sellars europäische Kultur und europäisches Denken in Europa selbst studiert, wie Cage, hat er den Fernen Osten bereist und sich von ihm anregen lassen. Und auch Sellars hat den Titel eines Modernen durch die Auflösung von Grenzen der Technik und der Darstellung erworben. Als einer der ersten verwendete Sellars seit Beginn der 80er-Jahre Elemente der Lebenswelt in seinen Klassikerinszenierungen: Für “King Lear” engagierte er einen leibhaftigen Stadtstreicher, Händels “Orlando” trat in Gestalt eines Astronauten auf, in einer über das Fernsehen weltweit bekannt gewordenen Inszenierung stellte Don Giovanni einen Fixer dar.Während Sellars aber noch in Europa in das Projekt einer gesellschaftlichen Etablierung der Opern-Moderne eingebunden wurde – über Glyndebourne und Brüssel, während der 90er-Jahre dann vor allem in Salzburg – hat er selbst eine Wende vollzogen, die ihn aus der europäischen, diskursiv-argumentativen Moderne wieder hinausführte. An die Stelle der Interpretation begann Sellars ein synthetisch Mythologisches zu setzen. Wo einmal Darstellung auf der Bühne stattfand, da erstarrten die Figuren nun in ahnungsvoller Andeutung. Mit “Tristan und Isolde”, am Dienstag mit den Kaliforniern Bill Viola und Esa-Pekka Salonen an der Opéra de la Bastille in Paris herausgebracht, findet dieser Prozess seinen einstweiligen Höhepunkt.Man kann nun Peter Sellars’ “Tristan” nicht beschreiben, ohne mit den Videos von Bill Viola zu beginnen. Denn inszeniert ist auf der Bühne nicht viel, die Figuren stehen, liegen, knien oder kauern im Vordergrund; rechts auf einem kleinen Podest, links auf einer Art Gymnastikmatte. Eigentlich zu sehen gibt es erst jenseits der Figuren etwas, auf einer Leinwand, die den Raum an Stelle des traditionellen Bühnenprospekts abschließt und deren Projektionen die illustrierende und die interpretierende Rolle eines Bühnenbildes übernehmen.Wie damals die gerade neu gegründete Hauptstadt Berlin für ihre dann gescheiterte Olympia-Bewerbung, so hat Bill Viola jetzt für seinen “Tristan” die Leit-Bilder Wasser, Feuer, Luft und Erde verwendet. Die Darstellung des Wassers dominiert den ersten Akt, passend zur Überfahrt Isoldes und Tristans von Irland nach Cornwall. Im zweiten Akt lodern die Flammen analog zur Liebe des illegitimen Paars. Im dritten, dem Sterbens-Akt, vermischen sich die Elemente. Aber so präsent das ständige Fließen, Wogen, Plätschern, Lodern und Wehen für die Sinne auch wirkt, es ist nur Grund und Hintergrund für das eigentliche Anliegen dieser Inszenierung. Sellars und Viola geht es um die Heiligung von Mann und Frau. Deshalb erscheint zusätzlich zu den Bühnen-Figuren ein Paar auf der Leinwand, das parallel zu Wagners Handlung die Mysterien der Elemente erlebt, Reinigung, Verzehrung, Verwandlung, das Ganze in einer Art fließender Metamorphose, die an die Gestaltwechsel des Klangs gleichermaßen erinnert wie an das Schwimmen eines Fötus im Fruchtwasser der Mutter.So verdrängt die Darstellung der Elemente die Darstellung der Welt, und im dreidimensionalen Raum des Theaters hat Peter Sellars das konsequent weitergeführt: Alles was aus dem auratischen Bereich der Protagonisten ins Lebensweltliche führen könnte, ist von der Bühne verbannt. Der Steuermann, der Chor der Seeleute, die Fanfaren die zur Landung, die Hörner, die zur Jagd blasen, Brangäne, die Tristan und Isolde vor ihrer Entdeckung warnt, der Hirt und seine Schalmeienmelodie, der Hofstaat König Markes – sie treten allenfalls in den Logen auf Seiten des Zuschauerraums auf, meist sind sie nur aus den dahinterliegenden Räumen zu hören.Nichts wünschen sich indessen Wagners Tristan und Isolde sehnlicher, als aus der Welt zu verschwinden – die ganze Oper handelt davon. Ob ihnen die Weltfremdheit der Pariser Produktion weiterhilft? Im Orchesterspiel unter der Leitung Esa-Pekka Salonens kann man hören, wohin die Tilgung der Auseinandersetzung zwischen Subjektivität und Welt führt: Schon im Vorspiel, dann bis weit in den zweiten Akt hinein dirigiert Salonen nur eine Hüllkurve des Orchestersatzes. Die Oberfläche des Klangs wirkt wie über die Stimmen gelegt, wo der Klang doch eigentlich aus dem Triebleben der Stimmen hervorgehen müsste. Wagners revolutionärer Partitur hat Salonen Honig um den Mund gestrichen, über die Augen, in die Ohren. In den Dialogpartien mit König Marke Ende des zweiten Akts und im Dritten, wo das Gedränge der Stimmen aufreißt und den Blick auf das Blau des Himmels und das Nichts der Verzweiflung freigibt, da hat das gesanglich fließende Dirigat Salonens seine großen Momente. Aber insgesamt erscheint das Werk grotesk verfremdet: “Tristan und Isolde”, in “Parsifal” verwandelt! Nachdem die Titelhelden im zweiten Akt die Momente vereinigter Ekstase nebeneinander gesungen haben wie Schulkinder vor der Fußgängerampel, fallen sie zu “Sink hernieder, Nacht der Liebe” auf die Knie und öffnen die Hände zur Meditation.Das Darstellungskonzept dieses “Tristan” war ursprünglich anders gedacht; Ende letzten Jahres wurden die drei Akte in Los Angeles einzeln an drei Abenden gegeben, mit Musik jüngeren Datums kombiniert. Grundsätzlich kann aus solcher Konfrontation neuer Sinn entstehen. Für die Pariser Fassung indessen gilt, was Richard Wagner seinerzeit zur Grand Opéra mit ihren Theatereffekten bemerkte, sie sei Wirkung ohne Ursache: Sellars, Viola, Salonen bieten Erlösung an ohne Konflikt, Spiritualität ohne Leben.Regietechnisch führt diese Entlebendigung der Figuren geradewegs in den alten Rampengesang zurück. Die Sänger wringen die Arme und produzieren ihre Stimmen. Über Ben Heppner als Tristan wäre daher lediglich zu sagen, dass er die Rolle durchstand; dafür ist man bei einen Tristan-Sänger froh. Ein Beispiel reich nuancierten Gesangs gab dagegen der lyrische Tenor Toby Spence als Steuermann und als Hirt. Yvonne Naef ist für Isoldes Hofdame Brangäne brillant besetzt; das Höfische der Rolle kommt vollkommen zur Geltung, für den Aspekt des Sorgens aus der Welt heraus fehlt dagegen ein wenig Wärme.Richtiggehend profitiert von Sellars Konzept hat Waltraud Meier in der Rolle der Isolde. Ihre Stimme enthält die titanisch komponierte Rolle eigentlich nicht mehr, die dramatischen Spitzentöne fehlen, insgesamt ist die Stimme von fahler Eindringlichkeit, ohne die reicheren Resonanzen des Körpers. Meier behilft sich mit ihrer tragödinnenhaften Ausstrahlung, mischt, wo es an Körper fehlt, viel Kopfklang in ihre Stimme, singt aus leiseren Tonlagen heraus, phrasiert ungeheuer konzentriert, zwingt den Dirigenten zum Nachgeben, da und dort wird man die Partitur erleichtert haben. So entfaltet Meier doch ihre außergewöhnlich intensive Wirkung, in ihren Dimensionen reduziert nur da, wo ein Sänger in der Fülle seiner Mittel neben ihr auftritt, wie Franz-Josef Selig als König Marke, der, mit der seiner Rolle eigenen tänzerischen Gravität, weniger zu singen als mit dem Klang zu fluten scheint.

Klaus Georg Koch | 14.04.05

Die Zeit

Zen und die Kunst, Wagner zu lieben

“Tristan und Isolde” als prominent besetzte Peinlichkeit an der Pariser Opéra Bastille

Mitten im eher proletarischen 12. Arrondissement geht es diesmal zu wie in Bayreuth. Im Verkehrslärm vor der Opéra Bastille stehen Wagnerianer und halten ihre Schilder hoch: “Cherche 1 place” . Anders als auf dem Grünen Hügel tragen die Kartensucher hier aber auch Jeans, Paris ist demokratischer. Und etwas preiswerter. Selbst an der Kasse warten vor der zweiten Vorstellung von Tristan und Isolde noch gut hundert Menschen auf ein Wunder. Die Produktion ist ausverkauft bis zum letzten Abend, und schon vorm ersten wurde sie als Gipfeltreffen beraunt – inszeniert von Regiegenie Peter Sellars und bebildert von Videopapst Bill Viola, dirigiert von Esa-Pekka Salonen, gesungen von Waltraud Meier und Ben Heppner – eine schöne Mischung aus Glamour und Unberechenbarkeit, überwölbt von der Verheißung, man werde hier die Spiritualität neu entdecken. Durch Liebe zum Leiden, zum Tod, zur Erlösung …

So etwas möchte man sich gern zeigen lassen von einem Regisseur, der Don Giovanni zum Fixer machte, Così fan tutte ins Café verlegte, in Opern stets das “wirkliche Leben” suchte und dabei eher durch Präzision als durch Bekennertum auffiel. Und dass der 47-Jährige in letzter Zeit zum Buddhismus neigt, muss bei Richard Wagner ja nicht schaden. Auch einem Künstler wie Bill Viola, der das riesige Gasometer von Oberhausen zur Videokathedrale projizierter Wasserkünste machte, traut man belebende Impulse für die(se) Oper zu. Die liefern dann Salonen und das Orchestre de l’Opéra National de Paris mit einem Vorspiel, wie man es so weit gespannt und spannend selten hörte. Die ersten Takte heben sich wie eine Insel aus dem Schweigen, von einer ungeheuren Pause gefolgt und dann von Stürmen, die nicht aus der Seele, sondern gleichsam objektiv aus der Natur zu kommen scheinen. Unheimlich.

Da ahnt man, wohin es gehen könnte. Manchmal sind Ahnungen das Schönste. Hier weichen sie bald der Eindeutigkeit. Vorhang auf für ein gewaltiges Projektionsrechteck. Darauf wogt das Meer, Brandung umschäumt Fels. Nicht nur, weil Tristan und Isolde ja auf einem Schiff unterwegs sind, sondern weil das Wasser von Bill Viola als Element der rituellen Reinigung gezeigt wird. Das steht im Programmheft, man versteht es aber auch, weil in dem Video nach den Wellenspielen ein Mann und eine Frau, mittelalterlich gewandet, sich langsam und feierlich entkleiden, jeweils von einer Aura umstrahlt und von priesterähnlichen Senioren assistiert, welche dann die Nackten aus großen Amphoren mit Wasser begießen. Dass die Musik derweil vom Erwachen ungeheuerlicher Liebesglut erzählt, wäre mit der Bilderbotschaft vielleicht vereinbar, käme die nicht als so schauerlich klammer Sakralkitsch daher.

Violas Video macht nicht nur inhaltlich alles platt, sondern auch durch die pure Dominanz der großformatigen Filmsequenzen. Im Halbdunkel unterhalb der Leinwand können Tristan, Isolde und ihre beiden Diener nicht viel Theater oder gar Liebe machen. Statisch geht es da zu rund um einen schwarzen Quader, mit einem stereotypen Gestenvokabular, das weder ins Rituelle stilisiert noch ins Persönliche differenziert wird, die Mimik ist im Dämmerlicht nur mühsam zu erkennen. Als “Zen-Haltung” bezeichnet Peter Sellars die Ratlosigkeit, mit der er unter Bill Violas flacher Bilderflut seinen Job aufgibt. Weil er keinem in eine Identität hineinhilft, wirken die großen Liebenden mitunter unfreiwillig wie ein genervtes Ehepaar, das gerade noch den Streit vermeidet. Waltraud Meier wie Ben Heppner brauchen ungewöhnlich lange, um wenigstens als Sängerpersönlichkeiten frei zu werden und ihre Hörer zu fesseln.

Das gelingt im zweiten Akt vor allem Brangäne und König Marke – Ivonne Naef mit traumschönem, fokussiertem, warmem Mezzo, Franz-Josef Selig mit reichem, beweglichem Bass, so getroffen und so anrührend, dass Tristan sich zu Recht schämt, ihm die Braut genommen zu haben. Auf der Projektionsfläche sieht man derweil weniger Wasser und mehr Feuer und gelegentlich ein knutschendes junges Paar wie aus einem Siebziger-Jahre-Aufklärungsfilm. Dass “das einzige Heil im Schmerz der Trennung liegt” (Viola), erschließt sich dabei nicht. Umso schmerzlicher ist die Trennung, die zwischen Bühne und Musik stattfindet. Denn Letztere ist an Differenzierungskraft der Videokunst weit voraus. Die bleibt hier verklemmt im Rahmen, anstatt ihn zu sprengen. Vielleicht ist Bill Viola ja aus lauter Respekt vor Richard Wagner in eine Schreckstarre verfallen, die von seinen Ideen nur bewegte Plakate übrig lässt.

Man mag wirklich nicht mehr hinsehen, wenn im dritten Akt über dem toten Tristan sein Videodouble sich als Astralleib durch blubbernde blaue Wasser erhebt, dem Licht entgegen. Zu dieser Mischung aus Duschgelwerbung und Missionsarbeit würden Weichspülklänge aus dem Synthi besser passen. Aber Waltraud Meier, die da sowieso nicht hingucken muss, ist inzwischen ganz bei sich und singt den Liebestod zum Weinen schön. Und Salonen, souverän und konzentriert, entdeckt in der Partitur Berliozsche Farben und Janá‡eksche Realitäten und eine Musik, die sich von ihrem Komponisten emanzipiert hat, die nicht mehr überwältigen und narkotisieren muss, sondern einfach da ist, Weite erzeugend in all ihrer Vielfalt und Notwendigkeit. Auf ein gelungenes Gipfeltreffen von Musik und Szene indessen wartet man so vergeblich wie zuvor die Kartensucher auf ein Wunder. Nur länger. Gut fünf Stunden währt der Abend. Und nach der zweiten Pause bleiben viele Plätze frei.

V. Hagedorn | 21. April 2005

MusicWeb-International.com

Heppner and Meier triumph in video Tristan

If there was a highlight to Gerard Mortier’s first season in charge of the Paris opera, this was it. The scrum of billet-seekers jostling for a place around the vast glass façade of the Opera Bastille was further proof. Tristan und Isolde is the hottest ticket in town.

Mortier has championed the work of Californian video artist Bill Viola and stage director on Peter Sellars often enough before. But this was the first time he brought the two men together.

Although Viola’s vast video images dominated both the stage and the publicity, the real sensation of the evening was the cast. It was full of potential risks, not least Waltrad Meier’s Isolde. Yet every risk paid off. A cast like this could sing Tristan immobile in their pyjamas and it would still be riveting.

Meier and Heppner are an ideally-matched pair. It is rare enough for any Tristan to equal his Isolde in the second act, but Heppner gave as good as he got, with a sound as powerful as it was unforced and musical. He is the ultimate Heldentenor, untiring and coherent, courageous and moving. Meier is a born stage creature, irresistible to watch and commanding when she sings. Hers was an authoritative yet feminine Isolde, technically formidable, passionate and unflagging.

The smaller roles were also impressively cast, especially Yvonne Naef’s warmly attentive Brangäne. Toby Spence made the double role of young seaman and shepherd into precisely-phrased miniature art-works. Franz-Josef Selig’s King Marke was resonant and profound, Jukka Rasilainen’s Kurwenal deeply-felt and weighty. Conductor Esa-Pekka Salonen chose surprisingly broad tempi and showed commendable respect for tradition. The pacing was careful, the mood intense, the colours bold and the playing almost flawless.

Viola’s videos, three acts of slow-motion stories and images, ran parallel to the performance but seldom seemed to have a great deal to do with the opera. The vast screen took up four-fifths of the stage, leaving the black-clad singers a narrow strip below in which to try to wrest audience attention away from the movie above. They fought a losing battle. It was impossible to ignore Viola’s art-works, which will be better suited to the art galleries where they are eventually to be displayed.

Viola’s version of Tristan und Isolde involved several of the same characters as the opera, played by actors and stunt doubles, along with plenty of fire and water, the rising and setting sun, the moon and various shots of nature. Throughout the first act, the screen was split vertically, showing a separate Tristan and Isolde going through identical purification rituals involving stripping and washing. Oddly, they stripped completely naked, only to complete their ablutions in loin-cloths. Their early and patently unsuccessful attempts to drown themselves in shallow bowls of water worked out better in the last act, where they fell into a swimming-pool and dissolved like soluble vitamin tablets.

In fact much of Viola’s imagery was beautifully made and strikingly strong, but at all times it distracted from the music, rather than adding to it. No attempt was made to bring the singers into any kind of relationship with the projections. Inevitably, it felt like listening to a recording of the opera while watching the television with the sound off.

It is hard to imagine what director Peter Sellars could have done to improve the situation. In the end he did very little at all, leaving the singers to wave their arms, stand, sit, or lie in a series of stock gestures that deserved, at best, the title of “semi-staging”.

In an interview with the Financial Times just before the premiere, Bill Viola said that he would not mind if audience members simply shut their eyes throughout the performance. This is an excellent idea. But it isn’t necessarily why we go to the opera.

Stefan Lühle | 16 April 2005

Los Angeles Times

‘Tristan’ graduates from a project to a triumph

The Paris staging of what started as concerts in L.A. succeeds on a grand scale.

PARIS — The Place de la Bastille is a historical setting for revolution, a favorite spot for skateboarders who take their cue from Venice Beach, and home of this city’s modern opera house. Mix all of the above — revolution, L.A. and opera — and what do you get? The “Tristan and Isolde” from the Los Angeles team of conductor Esa-Pekka Salonen, director Peter Sellars and video artist Bill Viola that opened this week at the Opera Bastille. Gerard Mortier, the controversial and feisty former head of the Salzburg Festival in the midst of his first season running Paris Opera (which occupies both the Bastille and the venerable Palais Garnier), has made this “Tristan” the symbol of his regime. It is the most expensive production the company has ever mounted. It is the hottest opera ticket in Europe.

And for the angry traditionalists who hate Mortier and hope to see him fail, the opening Tuesday was a very bad night. They might as well go out and shoot themselves right now, although instead they will most likely continue hiring claques to boo the first nights of all his new productions.

Forget them. Tuesday may well go down as the date a triumphant “Tristan” brought Wagner meaningfully into the 21st century.

This new production of one of the most important, most revolutionary and most probed operas ever written is the full staging of the Los Angeles Philharmonic’s thrilling “Tristan Project” at Walt Disney Concert Hall in December. But even those extraordinary semi-staged concert performances, given an act at a time over three days, could not prepare one for the profound depth of expression produced on the Bastille stage.

Unlike in L.A., where the singers were (like Salonen, Sellars and Viola) Wagnerian raw material, Paris engaged a famous Tristan and Isolde, and the worry was that Ben Heppner and Waltraud Meier would be set in their ways at this point in their careers. And mightn’t one grow weary of the video over a very long evening?

In fact, under Sellars’ direction, Meier and Heppner found so much dramatic intensity and sheer depth of characterization that it was as though something inside them had opened up, as though they had learned, after all these years, who they really are as singers and human beings and what they can do.

Sellars’ staging focuses entirely on the singers. Other than the large video screen (horizontal in the first two acts, vertical in the third), the set is black and bare but for a small platform in the center. The characters are dressed in unshowy but elegant costumes (designed by Martin Pakledinaz), black in the first two acts and with a bit of muted color in the third.

Viola’s video, meanwhile, looks brilliant, far more so than was possible in Disney, where light bled from the orchestra’s music stands. Yet it is astonishing just how much attention the singers compel, how well they interact with the slowly unfolding ceremony of death and transfiguration taking place in Viola’s vision.

In the first act, as the couple onscreen slowly disrobe and undergo a ceremonial bathing, a purifying ritual in preparation for death, the opera’s Tristan and Isolde have their first encounter. As their mutual hatred erupted into frightening, unexpected love, Meier’s sarcastic, destructively angry Isolde forced Tristan to see her, fear her, need her, love her, trust her, and all those feelings were conveyed with elemental force. Looming large above them were another Tristan and Isolde, past it all, ready to enter another realm, calling the lovers to a higher purpose.

How this plays out, with Viola’s searing images serving to remind us of the inner, spiritual life of two unexpectedly real people onstage, is ultimately what makes for a completely new kind of operatic experience.

Not everything, perhaps, is fresh. Meier’s voice can turn cold and steely; Heppner took a while to warm up Tuesday. But such concerns are irrelevant when Tristan’s dying becomes the wrenching of the life force out of the body made visceral, when Isolde’s “Liebestod,” sung with a rapt stillness and focus — as the body of the video Tristan slowly rose through water — made this the most transfixing Wagner in my experience.

Salonen, for his part, drastically slowed his tempos, giving the singers room for nuance, encouraging them to dig ever deeper. He too has dug deeper into the opera since conducting it for the first time four months ago.

Sellars has retained a few elements from the Disney presentation — including turning the house lights on at the end of the first act as the ship lands and reality suddenly hits the confused lovers lost in themselves. He also uses the hall as he did Disney, placing the chorus and some singers and offstage musicians in the upper balconies.

With the exception of the orchestra, which could be quite rough around the edges but compensated with a tart French sound, this was a performance and production in which absolutely everything mattered. For instance, James F. Ingalls’ lighting, which illuminates the singers without interfering with the video, makes the whole thing possible.

The supporting cast was strong. Yvonne Naef was a nurturing Brangane, Jukka Rasilainen a vigorous Kurwenal, Franz-Josef Selig a tortured King Marke.

Mainly, this is a “Tristan” that dares look at the toughest issues facing everyone: how to live, how to love, how to die. These are not, for Sellars and Viola, separable. Each is a miracle, with death in this “Tristan” the final miracle of life.

It will be two years before the L.A. Philharmonic reprises “Tristan” (the third stage in this ongoing “project”). If that seems like a long wait for an incomparable theatrical experience, you could try getting to Paris, where the production is scheduled to return in November with a different cast and Valery Gergiev as conductor. But take heart. It could well be a very long time before something this great comes our way again on the lyric stage.

Mark Swed | April 15, 2005

forumopera.com

Un Tristan effervescent

Avec cette nouvelle production de Tristan und Isolde, Gérard Mortier joue son joker et le fait savoir. Deux ou trois mots bien envoyés font mouche. On parle d’évènement, on le qualifie d’historique. La pression monte. La distribution réunie pour l’occasion achève d’enflammer les esprits. Les places s’arrachent. Ce mardi soir, sur le quai même du métro, quelques malheureux privés de ticket d’entrée agitaient fébrilement des billets de 20 euros dans l’espoir d’atteindre coûte que coûte le Walhalla qui leur avait été prédit.

Mais à trop promettre, on prend le risque de décevoir et la première s’achève sous les huées du public, certes un brin réactionnaire, de l’AROP. Peter Sellars seul en fait les frais. Sa mise en scène, hiératique, peine à s’imposer entre la fosse d’orchestre, l’écran sur lequel sont projetées tout au long de la représentation les images de Bill Viola et, au-dessus, le bandeau des surtitres. Le décor se limite à une grande banquette rectangulaire qui fait office de lit ou d’estrade. Des costumes sombres lorsqu’ils ne sont pas noirs, des mouvements lents. On pense à Bob Wilson, les gestes saccadés en moins. Les personnages ne se touchent pas ou peu. Au moment le plus fort du duo d’amour, les deux amants osent à peine se donner la main. Isolde chante sa liebestod très loin de Tristan, face au public, droite, figée dans la douleur sans doute. “Déjà morte” expliquent les partisans de Peter Sellars. On relève quelques contresens ; le plus remarquable est Tristan poignardé dans le dos par Melot. On le savait traître mais à ce point… D’autres moments séduisent comme le baiser de Marke à Tristan, à l’issue de son monologue ou ces simples carrés de lumière dans lesquels sont enfermés les personnages au premier acte et qui paraissent pourtant plus infranchissables que des murailles. L’utilisation de la salle est aussi une grande réussite : les choeurs qui surgissent du deuxième balcon, le matelot ou Brangäne perchés au-dessus des spectateurs, la fin sensationnelle du premier acte avec ces lumières qui s’allument violemment lorsque le vaisseau touche terre.

Mais la nouveauté réside avant tout dans l’utilisation permanente de la vidéo. Il faut attendre le deuxième et surtout le troisième acte pour en apprécier la symbolique. Le premier acte utilise abusivement deux acteurs, un homme et une femme, qui se livrent à un striptease censé symboliser la purification. Je soupçonne d’ailleurs leur nudité affichée crûment sur l’écran de porter une part de responsabilité dans la bronca finale. Tout cela ne marquerait pas durablement la mémoire, ni dans un sens, ni dans l’autre si l’interprétation musicale ne venait radicalement modifier la donne.

Dès les premières notes du prélude, la sonorité de l’orchestre surprend. Un tel volume est inhabituel dans le grand hangar de La Bastille qui, d’ordinaire, absorbe goulûment les sons. Le moelleux des cordes émeut, les bois soufflent un peu en retrait. Esa-Pekka Salonen prend le parti de la langueur et distille lentement les accords sublimes. A cette allure, le spectacle dure quarante-cinq minutes de plus que les cinq heures initialement annoncées, entractes compris. Cette position, volontairement analytique, nuit à tout épanchement lyrique mais peut se défendre. En revanche, ce qui dérange plus, c’est l’absence de contrôle du volume sonore. Les chanteurs, déjà désavantagés par l’acoustique de la salle, sont régulièrement couverts et, dans les passages les plus intenses (le duo d’amour, l’agonie de Tristan), carrément submergés. Dans ces conditions, il est malheureusement difficile d’apprécier toutes les nuances qu’ils sont à même de déployer. Et pourtant…

D’une affiche que ne renierait pas le festival de Bayreuth se détache, incandescente, l’Isolde de Waltraud Meier. La soprano allemande réussit à composer avec une justesse remarquable les différents visages de la reine d’Irlande, des imprécations du premier acte à l’extase du dernier en passant par le délire du second. Vocalement, sa tessiture de mezzo compense en maturité et en sensualité ce qu’elle perd en limpidité. La difficulté et la longueur du rôle ne parviennent pas à entamer l’ardeur, l’homogénéité du timbre jusqu’à la liebestod superbement concentrée.

A sa droite, siège la magnifique Brangäne d’Yvonne Naef dont la voix plus claire confère une jeunesse inhabituelle au personnage. Ses appels à la prudence, lancés de la galerie côté jardin, frappent par leur intensité poétique. L’aigu sûr et précis rayonne généreusement. Franz-Joseph Selig forme le troisième élément de ce trio gagnant. Déjà, en février 2004 à Rouen son roi Marke bouleversait ; il est encore plus émouvant aujourd’hui. Par sa silhouette, par son chant, profond, noble, sensible, il devient frère de Tristan, une espèce de double malchanceux et trahi que cette inhabituelle fraternité rend encore plus touchant.

Si le tiercé exceptionnel devait être transformé en quarté, alors on ajouterait le pilote et le jeune matelot de Toby Spence, d’une étonnante fraîcheur, élégant et naturel, dont chaque intervention se transforme en jouissance sonore.

Ben Heppner, flanqué du fruste Jukka Rasilainen en Kurwenal, n’atteint pas à mon avis ce même niveau d’excellence. L’acteur est gauche, voire placide. Le chanteur est ensuite souvent débordé par l’orchestre ; on ne l’entend pas. Toutes les notes sont présentes, ce qui constitue déjà un bel exploit, mais la couleur paraît uniforme et le pathos, indispensable dans la désolation du troisième acte, manque terriblement.

Si la mise en scène est conspuée, la distribution est unanimement ovationnée. Mieux encore, chose inhabituelle à Paris, après chaque fin d’acte, une fois le rideau tombé, les chanteurs reviennent saluer en se tenant par la main. A la sortie, l’un de mes voisins, monsieur respectable d’une cinquantaine d’année, évoque les dernières images de Bill Viola, celles qui pour accompagner la liebestod, montrent un homme couché au fond de l’eau dont le corps s’élève doucement sur un coussin d’air, et, n’y tenant plus, s’exclame “Tu parles d’une idée ! Transformer Tristan en cachet d’aspirine !”. Une manière comme une autre de faire des bulles, tout simplement.

Christophe RIZOUD | Opéra de Paris Bastille 12 avril 2005, 18h

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Technical Specifications
256 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 438 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast
A semi-staged production by Peter Sellars