Tristan und Isolde

Peter Schneider
Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
Date/Location
26 July 2008
Festspielhaus Bayreuth
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
TristanRobert Dean Smith
IsoldeIréne Theorin
BrangäneMichelle Breedt
KurwenalJukka Rasilainen
König MarkeRobert Holl
MelotRalf Lukas
Ein junger SeemannClemens Bieber
Ein HirtArnold Bezuyen
SteuermannMartin Snell
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Online Musik Magazin

Tristan und Isolde kehrte zurück

Statt des farbenfrohen und üppig ausgestatteten Tannhäusers, der trotz – oder gerade wegen – all seiner Belanglosigkeit und ästhetischen Opulenz sich bei einem großen Teil des Publikums ungebrochener Beliebtheit erfreute, kam nach einem Jahr Pause Tristan und Isolde in der aus dem Jahr 2005 stammenden Inszenierung von Christoph Marthaler wieder auf die Bühne des Bayreuther Festspielhauses. Diese Produktion ist weder optisch eine Augenweide, noch bietet sie spannendes Musiktheater. Besser bestellt ist es dagegen um die musikalische Ausführung, zumindest seit Peter Schneider (im zweiten Jahr) das Dirigat übernommen hat. Obwohl dieses Jahr Spielplan bedingt entscheidende Besetzungsänderungen vorgenommen wurden, gab es erneut viel Beifall und Ovationen für die Protagonisten.

Robert Dean Smith als Tristan bewältigte die Partie wieder souverän und mit perfekter Einteilung seiner stimmlichen Mittel. Nie forcierend, sang er mit seinen lyrischen, baritonalen Qualitäten bewundernswert differenziert und mit äußerst präziser Artikulation. Genau das ließ seine neue Partnerin, die schwedische Sopranistin Iréne Theorin, leider durchgehend vermissen. Ihre Stimme ist zwar kräftig, laut und klang in der entspannt gesungenen Mittellage wirklich schön, wirkte aber trotz ihrer dramatischen Intensität und Durchschlagskraft in der Höhe schnell forciert und angestrengt. Abgesehen davon, dass diese Klänge Geschmackssache sind, war ihre Darbietung über weite Strecken wenig nuanciert und völlig textunverständlich. Obwohl Iréne Theorin eine temperamentvolle Darstellerin ist – was sie in dieser Inszenierung allerdings kaum unter Beweis stellen kann – reichte sie bei weitem nicht an die stimmlich so präsente und ausdrucksstarke Nina Stemme heran, die in den vergangenen Jahren das Ereignis dieser Tristan-Produktion war. Auch Michelle Breedt als Brangäne konnte das stimmliche Niveau ihrer Vorgängerin Petra Lang nicht erreichen.

Mehr als ein würdiger Nachfolger für den jetzt im Parsifal als Gurnemanz wirkenden Kwangchul Youn war dagegen Robert Holl als Marke. Für Robert Holl ist diese nicht allzu große Partie anscheinend wie für ihn geschaffen. Großartig und sehr differenziert gestaltete er die Partie und ließ seine Stimme herrlich strömen, wobei jedes Wort deutlich zu verstehen war.

Jukka Rasilainen – ebenfalls neu – als Kurwenal strotzte nur so vor Kraft, was zwar zuweilen sehr grobschlächtig klang, zur Rollengestaltung aber durchaus passte. Mit dem geborenen Bayreuther Ralf Lukas, der an anderen Bühnen auch als Holländer und Wotan erfolgreich gastiert, war die Partie des Melot mehr als luxuriös besetzt. Auch die übrigen Rollen, Clemens Bieber (Junger Seemann), Arnold Bezuyen (Hirt) und Martin Snell (Steuermann) sowie die präsent und klangvoll schmetternden Chöre, entsprachen internationalem Festspielniveau.

Als einer der bayreutherfahrensten Dirigenten bewies Peter Schneider einmal mehr seine Fähigkeit, die Sänger aufmerksam zu begleiten und gut behütet singen zu lassen. Andererseits entlockte er dem Orchester mit seinen betörend schön klingenden Holzbläsern einen sehr differenzierten und farbigen Orchesterklang. Mit variablen Tempi und gewaltigen Klangsteigerungen machte er auch ohne spektakuläre Interpretationsversuche verständlich, warum das Stück bzw. die Musik die Menschen so erregt bzw. erregen kann, was bei dieser leidenschaftslosen Inszenierung schon wirklich ein Kunststück ist.

Bei dieser zähen und steifen szenischen Umsetzung durch Christoph Marthaler in der kühlen und hässlichen Ausstattung von Anna Viebrock erinnerten nur wenige eingestreute, meist komische wirkende Momente daran, dass es neben “Rampensingen” auch so etwas wie Personenführung gibt und nicht nur choreographisches Arrangieren von Personen, die sich wie lebende Schachfiguren verhalten. Wie eine Verweigerung der Liebesextase und die Unmöglichkeit und Hoffnungslosigkeit der Liebe in Szene gesetzt werden kann, hatte die irritierende, verstörende, aber spannungsvolle und in faszinierende Bilder von Erich Wonder gekleidete Vorgängerinszenierung von Heiner Müller eindrucksvoll gezeigt. Alleine die Übereinanderschichtung der drei Bühnenbilder und die visuell verbindenden Leuchtstofflampenarrangements schaffen keine suggestiven Bilder, die das ganze Stück über fesseln. Was optisch gemeint ist wird schnell erkannt – oder auch nicht – und dann ist der Effekt auch schon bald verpufft. Hier kann man zu Recht sagen: einmal gesehen, das reicht.

FAZIT

Musikalisch mit starken Momenten, szenisch eine Abfolge weniger Standbilder.

Gerhard Menzel | Rezensierte Aufführung: 14. August 2008

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Media Type/Label
HO
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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 571 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast from the Bayreuth festival
A production by Christoph Marthaler (2005)