Tristan und Isolde

Antonio Pappano
Chorus and Orchestra of the Royal Opera House Covent Garden London
Date/Location
14 December 2014
Royal Opera House Covent Garden London
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
TristanStephen Gould
IsoldeNina Stemme
BrangäneSarah Connolly
KurwenalIain Paterson
König MarkeJohn Tomlinson
MelotNeal Cooper
Ein junger SeemannEd Lyon
Ein HirtGraham Clark
SteuermannYury Yurchuk
Gallery
bachtrack.com

Stemme und Gould erhellen Tristan und Isolde an der Royal Opera

Tristan und Isolde ist eine unheimlich schwer zu inszenierende Oper. Die Anforderungen an die Sänger sind immens. Die Integrität eines einzigen musikalischen Streits zu halten, der vier Stunden dauert, ist eine Herausforderung höchsten Grades für jeden Operndirigenten. Und es wird erwartet, dass man kurze Massenszenen à la Grand Opéra in mitten dessen auf die Bühne bringt, was zum größten Teil Kammeroper ist: ein Kampf der Ideen, ausgefochten in Duetten. Wenn jedoch all diese Probleme gelöst werden können, wie es gestern Abend in Covent Garden der Fall war, ist das Ergebnis ein Meisterwerk.

Wagner selbst bezweifelte, dass er jemals Sänger finden würde, die den Titelrollen gewachsen waren. Es ist das schiere Durchhaltevermögen, das beispielsweise im zweiten Akt gebraucht wird, wenn Isolde für den Großteil von 80 Minuten beinahe unablässig singt. Er wäre mit Nina Stemme und Stephen Gould sicherlich zufrieden gewesen.

Im ersten Aufzug ist Isolde wütend, mit großen W. Manche Sopranistinnen sparen hier Energie ein, um für die anstehende Prüfung bereit zu sein, Stemme nicht. Vom ersten Ton an warf sie sich in ihre Rolle und zeigte sowohl Rage als auch schwankende königliche Würde. Ihre Stimme hat Kraft, ohne je nach oben hin scharf zu werden, ihre Diktion ist ausgezeichnet (was für eine solch wortreiche Oper unabdingbar ist), und sie hat große Kontrolle über ihr Timbre, wodurch sie die dramatischen Veränderungen in Isoldes Figur im Laufe der Oper ausdrücken kann: Zunächst Wut, dann schüchterne Listigkeit mit Tristan im ersten Aufzug, Sturheit gefolgt von Süße und Verzückung im zweiten Aufzug, Verzweiflung im dritten.

Die Rolle des Tristan gebietet entsprechendes Durchhaltevermögen im dritten Aufzug, und auch Stephen Gould war dieser Aufgabe absolut gewachsen. Seine Stimme hat eine fabelhafte Weichheit in der hohen Lage, mit dem unheimlichen Trick, dass die Töne immer lockerer klingen, je näher er einem großen Spitzenton kommt – genau das Gegenteil von dem, was man erwarten würde. Wenn die Musik sich ins Entzücken wendet, trägt er wundervoll mitreißende Phrasen bei. In manchen der zartesten Pianissimi war die Kontrolle nicht ganz da, doch es war eine Stimme, der ich den ganzen Abend hätte zuhören können.

Die Nebenrollen erfuhren die an der Royal Opera übliche Behandlung einer Wiederaufnahme und wurden mit großen Namen geflutet. Als Brangäne war Sarah Connolly eher solide und verlässlich als herausragend – eher wie ihre Figur – und doch verdanken wir ihr einen der herausragenden Gesangsmomente des Abends, das „Einsam wachend“, in dem sie die Liebenden dazu anhält, ihrer zu gedenken, wenn sie über sie wacht. Iain Paterson war ein erstklassiger Kurwenal, der die bizarre Mischung aus Derbheit, Wärme und Vornehmheit, die er im dritten Aufzug verkörpert, zum Leben erweckte. John Tomlinson hält seine Phrasen nicht mehr so lange wie früher, die bleiben ungedimmt: seine Stimme ist laut, klangvoll, und weich. Und er ließ uns absolutes Mitgefühl für König Marke empfinden: ein mächtiger Mann, der mit jeder Faser seines Körpers für Güte und Versöhnung kämpft, am Ende jedoch jeder Hoffnung beraubt zurückbleibt.

Mit der Unterstützung eines langen Interviews im Programmheft ergibt Christopf Loys moderne Inszenierung viel Sinn. Er fokussiert auf die zentrale philosophische Prämisse der Oper – den Kampf zwischen „Nacht“ (dem Reich der Leidenschaft, dem sich Tristan und Isolde hingeben) und „Tag“ (den Kräften der äußerlichen Realität, in der sie noch immer funktionieren müssen). Die Bühne ist der Länge nach durch einen Vorhang geteilt. Im vorderen Teil herrscht Nacht, wo die Bühne praktisch leer ist und es nur den Diskurs der Protagonisten gibt, auf den man sich konzentrieren kann. Dahinter liegt der Tag, auf den man nur gelegentlich einen Blick erhascht, wo es Licht, Glitter und Feiern gibt. Die Inszenierung ist spartanisch, aber sie funktioniert: Wenn man einem der vielen Duetten der Oper lauscht, kann man sich vollkommen auf die Figuren und das Schauspiel konzentrieren. Und Loy entlockte all seinen Sängern glaubwürdiges Spiel.

Musikalisch ist das Problem von Tristan und Isolde einfach erklärt: Es ist eine Oper, in der die emotionale Temperatur stetig steigt, in einer musikalischen Konstruktion, die von Anfang bis Ende stark vereinheitlicht ist. Das Orchester allerdings kann unmöglich ein einziges, vierstündiges Crescendo spielen. Also muss der Dirigent ein wenig Zauber in das An- und Abschwellen der Musik einarbeiten, sodass jeder Höhepunkt intensiver scheint das der vorherige. Gestern Abend war Pappano famos. Die harmonische Integrität des Werkes war klar zu hören, das leidenschaftliche Anschwellen kam superb durch, und er schenkte jedem einzelnen Instrumentalklang ein beinahe obsessives Maß an Aufmerksamkeit: Die grollenden Kontrabässe im Vorspiel zum dritten Aufzug werden mir besonders in Erinnerung bleiben.

Diese Produktion mag ihre Makel haben (es gab den ein oder anderen gebrochenen Ton, und ich vermute zum Beispiel, dass man einiges der Handlung verpasste, wenn man ganz links im Publikum saß). Doch mit einer so herausragenden Orchesterleistung, erstklassigen Sängern die den ganzen Abend über alles gaben, und einer Inszenierung, die es dem Publikum gestattete, sich ganz auf die Psychologie einer jeden Figur im jeweiligen Moment zu konzentrieren ist diese Produktion von Tristan und Isolde eine zum Genießen.

David Karlin | 06 Dezember 2014

The Spectator

Royal Opera’s Tristan und Isolde: an absurd production – but still a magnificent night

Any adequate performance of Tristan und Isolde, and the first night of the Royal Opera’s production was at least that, leaves you wondering what to do with the rest of your life, as Wagner both feared and hoped it would. What Tristan does — one of the things — is to present an image of romantic love, in both its torments and its ecstasies, which makes everything else seem trivial; and at the same time to undercut that image by asserting the claims of ordinary life, but in the subtlest way. So, however swept away one is by the agonies of Tristan in Act III, and the raptures of the love music in Act II — and for the first time in decades the duet was given uncut, with the 12 minutes of music in which the lovers make their transition from the everyday world to their private one — there are these things to be remembered.Tristan dies in a state of delusion. So, separately, does Isolde. Earlier in Act III, when Tristan collapses after cursing the potion ‘which I myself have brewed’ his squire Kurwenal, thinking him dead, laments that he has fallen prey to ‘the world’s most beautiful illusion’. One of Wagner’s least celebrated qualities as an artist is his comprehensiveness, his matchless capacity to present the most glamorous images of what we imagine life could be, and to puncture them gently but decisively by slipping in the indocile realities that are what we have, finally, to live with.

Christof Loy’s production, here revived for the first time, is structured broadly along these lines, but severely underplays the heroism and is determinedly prosaic. Johannes Leiacker’s design is simple: a bare, slightly tilted stage, a kitchen chair, a massive deep purple curtain at the back, which is drawn at crucial points to reveal a wedding feast, or perhaps a stag night, all-male, tuxedos, lots of candles. There is no hint of the sea or of being onboard a ship. Loy argues in the programme book that that would be redundant, which is clearly absurd. So we must assume the guests are sufficiently far gone for their shouts of ‘Lower the anchor’ and so forth to be deluded, though so are Isolde and Brangäne in talking about being near to the Cornish coast. In fact, Act I is as firmly located onboard a boat as the first two acts of Siegfried are in a forest.

In Act II blowing out a candle seems a poor substitute for lowering the torch to indicate to Tristan that he can approach. And so on …this is one of those productions that will look as dated in 20 years as Wieland Wagner’s do now. But his are mainly old-fashioned because they were so beautiful, not a charge that anyone will level against this one.

The anti-heroism extends to the characters: Isolde initially wears a white wedding gown, but then changes into a black cocktail dress — and mysteriously at one stage she strips Brangäne of her outer clothes to show that she is wearing an identical dress. Tristan wears a suit once he’s shed his tux, and for Act III, which Wagner thought took place in the glare of the sun, outdoors, he sits on the kitchen chair, unbandaged despite frequent mentions of his wounds and of his ripping his bandages off in his delirium. Dressed as they are, and moving as they do — Isolde sits on Tristan’s lap for the duet, but mainly they wander independently round the stage — and at the crucial and unbearably lovely moments when Brangäne issues her warnings in Act II where she and Kurwenal are revealed to be having a straightforward non-airy-fairy screw behind the curtain, we seem to be in a domestic drama robbed of any metaphysical or heroic pretensions or connotations.

Despite all that, Nina Stemme as Isolde and Stephen Gould as Tristan give magnificent performances. Which is not to say that either of them is ideal. Stemme is rightly rated the leading Isolde of our time. She has a lovely and tireless voice, but lacks convincing low notes, is too purely a soprano, and could still make more of the text than she does. Gould is a stolid figure, a rudimentary actor, but his voice is powerful, he occasionally shows that he can sing softly, and his Act III sufferings are as vivid as they could be under the circumstances. Sarah Connolly and Iain Paterson are simply ideal as Brangäne and Kurwenal, both in the intelligence of their acting and in their meaning-charged singing. John Tomlinson, with very little voice left, makes an overwhelmingly moving Marke, the most passionate of all the characters. After a go-for-broke Prelude Antonio Pappano took Act I too slowly, every pause elongated, the ferocious exchanges strangely disjunct. In Act II he was a different conductor, from the magic of the departing horns onwards. Act III was thrilling but not profound. Yet the total impression of the performance was stunning, the audience absolutely still, the whole place humbled and exalted by the impact of transcendent genius.

Michael Tanner | 3 January 2015

The Telegraph

The first act of this revival of Christof Loy’s production was simply shattering – the most potently enthralling performance I have heard in 30 years of Wagnerolatry. After Antonio Pappano led the orchestra in an exquisitely poised and beautifully textured account of the Prelude, freighted with infinite sadness, Nina Stemme erupted on to the stage as an Isolde possessed by demons.

A princess and a bride and yet everywoman too, conflicted between love and hate, savagely ironic, ruthless yet desperate, she blazed with psychotic volatility. The febrile narration of her traumatic past was finely nuanced, curdling into a curse of terrifying toxic intensity. Vocally, Stemme was without flaw, matching a full, vibrant timbre to rock-secure intonation and subtle yet purposeful phrasing.

In Sarah Connolly’s Brangäne, she had the perfect foil – a marvellous charcteristation of a hagridden bag-carrying lady-in-waiting, sung with rich expressivity and urgency. On the same level of excellence was Iain Paterson’s bluff, kind, baffled Kurwenal – and only a notch below was Stephen Gould, cutting a burly, somewhat bland presence as Tristan, but singing the notes with meticulous care and tonal solidity.

After the first interval, the temperature perceptibly dropped. In the second act, Pappano missed the pulse of the central duet and Connolly was over-stretched by Brangäne’s warning from the tower, while John Tomlinson’s coarse-toned and approximately pitched Marke was embarrassing. The third act didn’t quite recover: despite fervent playing from the orchestra, Gould merely skimmed the surface of Tristan’s anguish, while Stemme’s Liebestod sounded tired rather than transcendentally serene.

Part of the problem lay in Loy’s dramaturgy: on an almost bare forestage, the chamber drama of two people for whom love is above all a form of self-harming is enacted with forensic clarity and much insight. Behind this, however, another parallel scenario unfolds, intermittently concealed by a curtain. Here a black-tie feast is taking place in what appears to be a gentlemen’s club; women are unwelcome here, and the chaps turn Bullingdon riotous. It’s a world of masculine brutality and corruption.

The concept initially has a certain suggestiveness, but its flouting of the libretto’s geography (the ship, the tower, the flowery bank, the castle) becomes increasingly distracting and obfuscating, while showing Brangäne in flagrante with Kurwenal is a prize bit of directorial silliness. Finally, Loy restricts rather than expands Wagner’s implications. But the incandescence of that first act is something that I shall never forget.

Rupert Christiansen | 06 Dec 2014

The Guardian

Christof Loy’s production of Wagner’s Tristan und Isolde is receiving its first revival some five years after it was first seen in 2009. Loy has reworked it a bit. It’s tauter, less reflective than I remember it. He makes more of Melot (Neal Cooper) than he did, or than he needs to, since his presence in act one is unnecessary and rather confusing. Otherwise, the over-arching idea is very much the same. A vast purple curtain separates the neutral space where the lovers (Stephen Gould and Nina Stemme) hold their colloquies from the glittery day-to-day world they ceaselessly, but unavailingly strive to escape. It’s haunting, if a bit cerebral for a work that many consider primarily erotic.

Stemme is remarkable, often thrilling. She’s never been one to rest on laurels, and Isolde is a role she continues to refine. A touch of metal has crept into the tone at full throttle, but her expressive range is greater than before, her psychological insights even more complex and startling. Gould, towering over her, took a while to get into his stride on opening night. The sound is steely and on occasion massive, though his soft singing, of which there wasn’t quite enough, can be beautiful. His delirium in act three, where many interpreters tire, is powerhouse stuff and astonishingly vivid.

There are fine things elsewhere. Iain Paterson is the striking Kurwenal, Sarah Connolly the warm-toned Brangäne. John Tomlinson – whose voice is fraying a bit, but whose artistry remains marvellous – is the anguished Marke. Ed Lyon’s Sailor and Graham Clark’s Shepherd make this a real luxury cast. Tristan remains arguably the finest of Antonio Pappano’s Wagner interpretations: he conducts it with great, at times almost visceral sensuality, yet also with admirable control. Very fine.

Tim Ashley | 7 december 2014

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Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 44.1kHz, 556 MByte (MP3)
Remarks
Broadcast (BBC Radio 3)
A production by Christof Loy (2009)