Tristan und Isolde

Myron Michailidis
Chorus and Orchestra of the Greek National Opera Athens
Date/Location
21 January 2015
Greek National Opera Athens
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
TristanTorsten Kerl
IsoldeAnn Petersen
BrangäneKatarina Dalayman
KurwenalMichael Vier
König MarkeReinhard Hagen
MelotCharalambos Alexandropoulos
Ein junger SeemannAntonis Koroneos
Ein HirtNikos Stefanou
SteuermannKostis Rasidakis
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Im All verschwindend

Griechische Erstaufführung von „Tristan und Isolde“ an der Athener Nationaloper

Die Griechische Nationaloper in Athen findet gemeinhin ausserhalb des Landes wenig Aufmerksamkeit. Die aktuelle Produktion von Wagners „Tristan und Isolde“ verdient nicht nur wegen ihrer Besetzung Aufmerksamkeit, sondern auch und insbesondere aufgrund der Tatsache, dass dieses Meisterwerk der Musikgeschichte erstmals an einem griechischen Haus zur Aufführung gelangt. Zuvor brachten nur zweimal ausländische Musiker das Werk in Athen zur Aufführung: 1983 Otmar Suitner mit dem Ensemble der Deutschen Staatsoper aus (Ost-) Berlin und 1995 Marek Janowski konzertant mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France. Dementsprechend gespannt war das Athener Publikum auf diese Erstaufführung, die nicht am üblichen Spielort im Olympia Theater, sondern in der Alexandra Trianti Hall des Musikzentrums Megaron dargeboten wurde. Es sei vorweg genommen: Am Schluss wurden alle Beteiligten begeistert gefeiert und das extra aufgestockte Orchester besonders herzlich auf der Bühne empfangen.  Die Herausforderungen für das Orchester sind bekanntermassen bei Wagners Musikdrama nicht gering. Was die Musiker unter der Leitung ihres Musikdirektors Myron Michailidis leisteten, war tatsächlich angesichts der fehlenden Wagnertradition beachtlich. Die Qualität des Spiels reichte freilich nicht an die Qualität grosser europäischer Opernorchester heran. Dafür blieben die Streicher, vor allem im 1. Akt, zu ausdruckslos, war die Aufmerksamkeit des Apparats noch zu sehr auf die Bewältigung der Partitur gerichtet. Mühen in der Koordination zwischen Bühne und Graben  waren im 2. Akt immer wieder deutlich vernehmbar. Die Bläser meisterten ihre Einsätze mit Anstand, so dass man insgesamt von einer respektablen Orchesterleistung sprechen darf. Das Dirigat von Michailidis vermochte viel von den kammermusikalischen Qualitäten des Werks hörbar zu machen, fand aber nicht zu einem durchgehenden Spannungsbogen, worunter vor allem der 1. Akt litt. Die beiden folgenden Akte gelangen in dieser Hinsicht deutlich besser.

Für die Hauptrollen hatte man erfahrene Wagnersänger an die Nationaloper geholt. Torsten Kerl meisterte die Titelpartie ohne grössere Probleme, seine Stimme klang dabei aber etwas eindimensional. Ann Petersen bot eine sehr gute Leistung als Isolde. Ihre differenzierte Gestaltung der Rolle beeindruckte, so dass man über Schwächen in der Mittellage hinwegsehen mochte. Für dramatischen Furor auf der Bühne sorgten Katarina Dalayman als Brangäne und Michael Vier als Kurwenal. Die Dalayman klang zwar nicht unbedingt stimmschön und frisch, bot aber ein eindrückliches Rollenporträt. Vier bewältigte wie Reinhard Hagen als König Marke seine Partie souverän. Die kleineren Rollen waren mit griechischen Sängern besetzt, die sich ihrer Aufgaben gewachsen zeigten. Sängerisch war die Aufführung also durchwegs auf hohem Niveau.

Es bleibt, über die Inszenierung zu sprechen. Hierfür hatte man den international renommierten Szenografen Yannis Kokkos engagiert, der sich auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnet. Sein Bemühen war, um es wohlwollend zu formulieren, vor allem darauf gerichtet, die Geschichte von Tristan und Isolde zu erzählen. Dazu schuf er ansprechende Raumsettings, die gleichermassen von Bühnenaufbauten und Projektionen von Wasser und Wolken bestimmt waren. Manch schöne Stimmung  konnte so erzielt werden, wie etwa im Eingangsakt, der überhaupt szenisch am besten gelang. Dass sich nach der Entdeckung der Liebenden im 2. Akt die Bühne nach hinten öffnete und den Blick auf den technischen Apparat freigab, entbehrte nicht einer gewissen Logik. Da diese Desillusionierung jedoch in keinem weiteren, erkennbaren konzeptuellen Zusammenhang stand, trug sie wenig zu einer Interpretation des Musikdramas bei. Letztlich war das, was Kokkos auf die Bühne brachte, eine recht stilsichere Bebilderung des Werk, verbunden mit einer über weite Strecken brauchbaren Personenführung. Dass während des Liebestodes Isolde als Projektion im All verschwindet, war hingegen ein Einfall, der eher zum Schmunzeln verführte. Mit der griechischen Erstaufführung von „Tristan und Isolde“ bot die Nationaloper Athen eine Leistung, die für die Zukunft mehr erwarten lässt. Und jene bringt nicht weniger als ein neues Opernhaus, das im kommenden Jahr eröffnet werden soll. Man wird dann mit Interesse nach Athen blicken dürfen.

Ingo Starz | 21. Januar 2015

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Technical Specifications
192 kbit/s CBR, 44.1kHz, 288 MByte (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Yannis Kokkos (premiere)