Der fliegende Holländer

Kamal Khan
The Wagner Festival Chorus
Cape Philharmonic Orchestra
Date/Location
27 January 2011
Artscape Opera House Cape Town
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
DalandRouel Beukes
SentaNkosazana Dimande
ErikMatthew Overmeyer
MaryKaren van der Walt
Der Steuermann DalandsSunnyboy Dladla
Der HolländerGary Simpson
Stage directorLara Bye
Set designerCraig Leo
TV director
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Reviews
kapexpress.com

UND WIEDER FLIEGT DER HOLLÄNDER….

Nach über 20 Jahren ist er zurückgekehrt ans Kap der Guten Hoffnung
und – um es gleich vorwegzunehmen – er gibt vielen Opern-Liebhabern die Gute Hoffnung zurück auf mehr Wagner-Veranstaltungen dieser Klasse. Als Teil der Deutschen Kulturwochen, des Suidooster Festival und des CPO International Classical Music Festival, präsentierte die Südafrikanische Richard Wagner Gesellschaft an zwei Abenden den “Fliegenden Holländer” im Kapstädter Artscape Opera House mit einigen vielversprechenden, lokalen Nachwuchssängern und einem hervorragenden Chor, unter der musikalischen Leitung des erfahrenen Operndirigenten Kamal Khan. Die Geschichte des zur ewigen Weltumseglung verdammten Kapitäns, der nur durch die Liebe und Treue einer Frau erlöst werden kann, passt optimal an den Originalschauplatz und speziell der Seemanns-Chor wirkt überaus identisch. Stimmlich herausragend Nkosazana Dimande als Senta, die im Stile althergebrachter Wagner-Heroinen sowohl durch stimmliches, wie auch körperliches Volumen beeindruckt. Als eine der begabtesten südafrikanischen Operntalente erhielt sie nach Abschluss der UCT Opera School 2006 neuerdings auch Förderung durch die Schwedische Königsfamilie in Stockholm. Sie wird hoffentlich die alte Tradition skandinavischer Wagner-Sängerinnen fortsetzen und sie für die Zukunft auch auf den afrikanischen Kontinent verpflanzen. Matthew Overmeyer gibt der an sich etwas farblosen Rolle des Erik durch sein temperamentvolles Spiel und seinen Belcanto-Gesang eine beinahe italienische Note. Auch Sunnyboy Dladla als Steuermann ist erwähnenswert, bereits mit Deutschland-Erfahrung wird er demnächst bei einer Turandot in Verona mitwirken, ebenso bemerkenswert der wunderschöne Mezzosopran von Karen van der Walt als Mary. Rouel Beukes, als altroutinierter Schauspieler-Sänger, gibt dem Daland einen schlitzohrig-gierigen Charakter und überzeugt noch immer durch stimmliche und physische Präsenz. Der Holländer selber, Metropolitan-Sänger Gary Simpson, ein klangschöner, modulationsfähiger Bariton, wirkte etwas verhalten und lässt sowohl stimmlich wie auch darstellerisch ein wenig von den Leiden und der Dämonie dieser tragischen Figur vermissen, was alte Wagnerianer bei dieser Oper sonst so fasziniert und was in einigen Szenen zumindest einen Hauch von Gänsehaut hinterlassen sollte. Auch die Inszenierung von Lara Bye ist an manchen Stellen gewöhnungsbedürftig. Sichtlich unter dem Einfluss europäischen Regie-Theaters auf der Suche nach neuen Ideen, entgleitet vor allem die Logik der Bewegungsabläufe des 2. Aktes. Die Foto- Einblendung einer sich drehenden Nähmaschine, schulmädchenartige Spinnerinnen und Mary als gestrenge Gouvernante im Jahrhundertwende-Stil riefen beim Publikum eine gewisse Heiterkeit hervor, die aber sicherlich nicht im Sinne Wagners war und leider von der stimmlichen Schönheit des Chores ablenkte. Im Resume sicherlich eine Aufführung, die für Kapstadts Artscape Opera eine grossartige Leistung darstellt, die selbst Skeptikern zeigt, dass auch lokale Nachwuchskräfte durchaus in der Lage sind, derart anspruchsvolle Musik – selbst für erfahrene Opernliebhaber zufriedenstellend – zu interpretieren. Bedauerlich nur, dass das Publikum nicht wie in anderen Opernhäusern üblich, seine Anerkennung für die Sänger durch mehrere “Vorhänge” zum Ausdruck brachte.

Eva Dölitzsch-Tatzreither

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Technical Specifications
854×472, 906 kbit/s, 889 MByte (MPEG-4)
Remarks
In-house recording
Possible dates: 27, 29 january 2011