Der fliegende Holländer

Graeme Jenkins
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Date/Location
12 September 2014
Staatsoper Wien
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
DalandPeter Rose
SentaRicarda Merbeth
ErikNorbert Ernst
MaryCarol Wilson
Der Steuermann DalandsThomas Ebenstein
Der HolländerBryn Terfel
Stage directorChristine Mielitz
Set designerStefan Mayer
TV director?
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Reviews
seenandheard-international.com

Der Fliegende Holländer was chosen to open this year’s opera season in Vienna. The decision was based on the fact that Bryn Terfel had never sung the part of the Dutchman in Vienna; and on the presence on the podium of Yannick Nezet-Seguin. He did not, however, conduct the last performance of the opera, which was the one that I attended.
The staging by Christine Mielitz had its premiere in 2003, and has been performed 54 times in the house. It all seems rather traditional at first glance, but it contains numerous personal touches by Ms. Mielitz, who has moved the action to the last century. Senta appears to take refuge in her dreams in order to escape the reality that surrounds her: a capitalist family avid for wealth. In her house one sees portraits of Marx and Engels, but none of the Dutchman who is just the product of Senta’s imagination. She does not escape this life by jumping into the sea, but rather by immolating herself in the fire like Brünnhilde. There are other “contributions” from Ms. Mielitz: for example, at the end of the Norwegians’ party we witness a group copulating on stage (albeit simulated). The set is one basic stage with elements added for the different scenes. The most successful is the appearance of the hulls of both ships in Act I. The costumes are attractive for the Norwegians, while the Dutch are black spectra. Light also plays its role: the Norwegians’ scenes are in daylight, while the Dutch are always in darkness. All in all, it is a successful work apart from superfluous details.
As I mentioned, Yannick Nezet-Seguin could only conduct the first three performances, and Graeme Jenskins replaced him for the final show. The reviews were unanimously positive for Nezet-Seguin, and I’m afraid we may have lost out with the change. Graeme Jenkins’ conducting seemed to me good overall though short of emotion in some key moments, especially in the wonderful duo of Senta and the Dutchman in Act II. The orchestra and chorus were excellent, a feast for the ear. Bryn Terfel as the Dutchman proved that he is a great artist and a great singer. He exhibited power and strength when needed, and spectacular vocal nuances at many other moments. His monologue in the first act was faultless and worthy of the best current interpreter of the character. For this reviewer, his Wotan and his Dutchman are today’s absolute references.
Ricarda Merbeth was the solid Senta well-known to all opera lovers. This soprano does not enjoy the popularity of some of her colleagues, but she is one of the safest choices in this repertoire. I’ve never been disappointed with her, and this performance was no exception. She offered a very fine Senta, always unreserved in the service of the role.
The character of Erik is not as important as Senta or the Dutchman, but his score is so fraught with difficulties that the big names never sing it. No wonder that this character is usually badly served on stage, but not on this occasion. Norbert Ernst was superb, and brilliantly solved the difficulties of the last act. Although his voice is not marvelous, it satisfies.
British bass Peter Rose was a real treat in the part of Daland and a luxury in the role. The secondary characters were well covered. Carol Wilson as Frau Mary and Thomas Ebenstein as Helmsman were both excellent. The Staatsoper was fully sold out. The audience gave a triumphant reception to the singers, especially to Bryn Terfel and Ricarda Merbeth.

José Mª Irurzun | rez. Aufführung 12. 9. 2014

Der Standard

Todessehnen trifft Klangwelle

“Der fliegende Holländer” an der Wiener Staatsoper

Wien – Das Herübergleiten vom Festspielsommer in den Alltag kommt für ein Haus wie die Wiener Staatsoper einer heiklen Übung gleich. Zwar sind mit den Philharmonikern (als Staatsopernorchester) wieder jene Instrumentalkräfte am Werk, die in Salzburg für hohes Niveau sorgten. Auch der Staatsopernchor ist wieder da, nachdem er als Konzertvereinigung den letzten Festspielsommer Pereiras bereichert hat. Bei bestem Willen sind jedoch die üppigen Probenbedingungen eines Festivals im Repertoiresystem nicht zu simulieren. Enttäuschungen könnten also drohen.
Zur Saisoneröffnung hat man jedoch auf personellen Glanz gesetzt: Es kommt Bryn Terfel als düsterer Holländer auf die Bühne, und mit wenigen Gesten ist die Gespaltenheit dieser Figur umrissen. Todessehnsucht und Hoffnung auf Erlösung (durch Treue) spiegeln sich beim walisischen Bassbariton auch im vokalen Ausdruck – Terfel ist ein Künstler der Nuance: In den Tiefen ist zwar ein unschönes Vibrato zugegen. Dennoch sind da Intensität und Präsenz; besonders im Finale spielt Terfel diese Qualitäten aus. Und: In den Höhen gelingt es ihm, mit feiner Pianokultur zerbrechliches Sehnen zu vermitteln.

Pauschale Dramatik

Dass sein beliebigkeitsfreier Gestaltungsansatz nicht vollends zu wirken vermochte, ist eher der zweiten Edelbesetzung anzulasten. Dirigent Yannick Nézet-Séguin, der schon vor Jahren in Salzburg bei Gounods Romeo und Julia große Opernqualität gezeigt hat, setzt letztlich zu sehr auf pauschale Dramatik, flutet die Bühne mit Klangwellen und scheint dabei bisweilen auf die Sänger zu vergessen. Das garantiert zwar dramatische Opulenz. Aber nur eine der Oberfläche.
Auch eine sensiblere Gangart des Staatsoperndebütanten Nézet-Séguin, der selbstverständlich wiederkehren möge, hätte allerdings Ricarda Merbeth (als Senta) wenig geholfen. Grandiosen dramatischen Spitzentönen stand eine flatterhafte, unsichere Linienführung im schwärmerisch-lyrischen Bereich gegenüber. In Summe also eher unausgewogen. Respektabel dagegen Peter Rose (als Daland), Norbert Ernst (als Erik) und nicht minder ansprechend Benjamin Brun (als Steuermann). In Summe galt der Applaus also einem gehobenen Alltagsniveau.

LJUBIŠA TOŠIĆ | 4. September 2014, 17:17

klassikinfo.de

Bryn Terfel sang Wagners bleichen Seemann zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper

(Wien, 9. September 2014) Was Christine Mielitz im Dezember 2003 in der Ära Holender an der Wiener Staatsoper genau auf die Bühne gebracht hat, weiß wahrscheinlich heute keiner mehr so genau. Gut ein halbes Dutzend verschiedener Solisten und Dirigenten haben Wagners Oper, wie das im Repertoiretheater Tradition hat, Stück für Stück verändert. Konstanz bewahrt haben allein das Orchester, das Licht und das Bühnenbild.
Aber auch die originale Bühnenausstattung (Stefan Mayer) hat ihre Merkwürdigkeiten. Auf den ersten Blick meint man auf eine unaufgeräumte, halbfertige Bühne zu sehen, eine Art 3D-Fernseher, dessen Begrenzungen an das scherenschnittartig zugerichtete Innere eines Schiffsrumpfes erinnern und auf dem immer wieder eigenwillige Bewegungen der Szenerie vor sich gehen, wilde rote Farben erscheinen oder das Licht weitgehend suspendiert und die Bühne in ein bedrohliches Dunkel gehüllt ist.
Elf Jahre sind eine lange Zeit. Aber kann man sich wirklich vorstellen, dass Christine Mielitz, eine Meisterin der Personenregie, den Sängern so viele hölzerne Bewegungen, auch Statik und so viele Aufenthalte an der Rampe verordnet hat?
Aber das alles war ja das Wichtigste nicht für eine Vorstellung zu Beginn einer Saison, die mit einem Paukenschlag nicht aus dem Graben, sondern aus der Intendanz – dem Rückritt des Generalmusik­direktors – begonnen hat. Da traf es sich gut, dass nicht Franz Welser-Möst als Dirigent vorgesehen war, sondern mit Yannick Nézet-Séguin, ein junger Tausendsassa auf dem Weg nach oben, der es bei Wagner (und anderswo) kräftig knallen läßt – manchmal ein wenig zu kräftig, der zuweilen auch die Tempi mächtig zügelt –, aber insgesamt für einen spannenden Abend sorgt. Bei der dritten Vorstellung haben sich Dirigent und Musiker, bis auf einen gefährlichen Wackler gegen Schluss, auch aufeinander eingestellt.
Die Koordination mit den Sängern funktionierte fehlerfrei. Und der Sänger wegen – oder genauer – wegen des Sängers wegen war man ja auch gekommen: Bryn Terfel, jahrelang nicht in Wien zu hören, hat im Januar als Scarpia reussiert und nun dem Holländer sein düsteres Profil verliehen, das im oberen Register kraftvoller zum Vorschein kam als in den Tiefen, die ein wenig fahl blieben. Aber was Terfels Bühnenpräsenz betrifft, kann man sich für den Alltag an der Staatsoper nur Säger wünschen, die 20 Prozent davon auf die Bühne stellen.
So gesehen, war der “Fliegende Holländer” außergewöhnlich gut besetzt: Peter Rose sang einen wohlklingenden Daland, und Ricarda Merbeth beeindruckte durch sichere Höhen und schlanke Stimmführung. Norbert Ernst füllte zwar die lyrischen Seiten der Partie des Erik aus, doch mangelte es ihm an Kraft, um sich gegen die aufgepeitschten Wogen aus dem Orchestergraben behaupten zu können. Carole Wilson war eine sichere Mary, und Thomas Ebenstein bei seinem Staatsopern-Rollendebüt als Steuermann sichtlich nervös.
Der Staatsopernchor (samt Zusatzchor) hatte Gelegenheit, zu zeigen, was in ihm steckt. Die Mielitz weiß eben, wie man einen Chor wirkungsvoll inszeniert. Szenisch fehlte ihm gegenüber dem Jahr 2003 aber einiges: Aus der Desparado-Mannschaft des Holländer-Schiffes von einst ist ein ungefährliches Grüppchen geworden. Aber das ist eben der Fluch des Repertoire-Systems, dass das Rollen-Verständnis leicht unter die Räder kommt und sozusagen mechanisiert wird. Das merkt man bei selbstsicheren und erfahrenen Solisten weniger bis kaum, bei komplizierteren Chorszenen wird´s hingegen augenfällig.
Insgesamt: Auch wenn der “Holländer” vielleicht nicht die stärkste Mielitz-Produktion ist, diese Wiederbegegnung riss das Publikum zu Begeisterungs­stürmen hin. Wogegen der einsame, wenn auch kräftige Buhrufer protestierte, war nicht ganz klar.

Derek Weber

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