Siegfried

Péter Halász
Hungarian State Opera Orchestra
Date/Location
19 March 2017
Hungarian State Opera Budapest
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegfriedIstván Kovácsházi
MimeJürgen Sacher
WotanEgils Siliņš
AlberichMarcus Jupither
FafnerIstván Rácz
ErdaErika Gál
BrünnhildeEszter Sümegi
WaldvogelZita Szemere
Stage directorGéza M. Tóth (2017)
Set designerGergely Zöldy Z
TV director
Gallery
bachtrack.com

Musical performances stand out in new Siegfried at the Hungarian State Opera

The Hungarian State Opera’s new Ring has reached its third year and with it, the tale of the hero who knows no fear. While Géza M. Tóth’s production still leaves a lot to be desired, the performances on the opening night were generally strong, Egils Silins and Eszter Sümegi standing out in particular.

The première saw the debut of István Kovácsházi in the role of Siegfried, and while he was a wonderful Siegmund last year, this role did not feel like such a good fit for him. For most of Act 1, he struggled to be heard above the orchestra which made the forging scene underwhelming and his portrayal of the exuberant young hero unconvincing. He fared better in Act 2, delivering a touching and lyrical rendition of Siegfried’s monologue, and he could hold his own against Sümegi’s Brünnhilde in Act 3, but on the whole, he couldn’t quite live up to the admittedly strenuous demands of the role, though his performance was well received by the audience.

The Wanderer was sung by a veteran of the role, Egils Silins ruling the stage, his smooth, sonorous bass-baritone unfaltering throughout, delivering the best performance of the night. His portrayal was fascinating, showing off confidence and almost mischievous glee when dealing with Alberich and Mime, but quickly turning to confusion and despair in Act 3, his loss of power acutely felt.

Eszter Sümegi, last year’s Sieglinde, was outstanding as Brünnhilde, utterly arresting from the very first note she sang. She had no problems with volume, riding over the orchestra with ease, her gleaming soprano strong and thrilling, but easily reined in for softer passages.

Marcus Jupither’s Alberich was equally well-sung, his ink-black baritone suitably malicious and contrasting well with Silins’ brighter tone. Jürgen Sacher’s Mime was vividly characterized and well delivered for the most, though at times his voice was quite rough and he had problems projecting. István Rácz was an outstanding Fafner, his stentorian bass conveying all the menace of the dragon even though he only got to appear in the form of the giant. Erika Gál made for a compelling Erda, and pearly-voiced Zita Szemere was delightful as the Forest Bird.

Just as in last year’s Walküre, Péter Halász conducted with verve and energy, drawing a full, luxuriously colored sound from the orchestra, producing a marvellously clear musical texture. It’s a shame that he is not currently scheduled to conduct Götterdämmerung next season.

As for the staging, there are some considerable improvements from last season’s Walküre: the stage machinery is a lot less intrusive and the set is easier to navigate, but M. Tóth’s production remains overly focused on arresting visuals at the expense of engaging storytelling and clearly drawn characterizations. It’s all the more annoying, then, that his visual presentation is jarringly inconsistent. The projected animations (desgined by KEDD Animation Studio) include everything from geometrical forms, molecules and images of nature to German Expressionist designs, rarely with any sense as to why they are chosen to accompany the given scenes, and while the projections in Act 1 serve well in creating contrasting atmospheres, they proved to be superfluous in the following acts. The dancers introduced in the last scene of Act 3 were also completely unnecessary, distracting rather than enriching the scene.

There is a lack of consistency in the overarching concept as well: the critique of consumerism and materialism prominent in Walküre, is entirely absent from this Siegfried, rather strangely, given how much of the action in the opera is focused on the possession of the Nibelung treasure. It also makes it all the more incongruous when images of oil fields and factories suddenly appear during the prelude of Act 3, the only passing reference to this concept.

Gergely Zöldy Z’s set designs are eclectic, using a mixture of fantasy and post-apocalyptic landscape for Mime’s hearth, which served well, while the sets of Acts 2 and 3 were kept minimalistic, the almost bare stage ruled by the projections.

Overall, however, I was glad to see the the improvements made on the previous installments of the Ring, and I hope next season’s Götterdämmerung will see even more focused direction to match the quality of the musicianship the HSO’s Ring has showcased thus far.

Orsolya Gyárfás | 21 März 2017

deropernfreund.de

Fantasy-Siegfried in positivistischer Endzeitstimmung

Ähnlich dem Satyrspiel in der antiken attischen Tetralogie fungiert Siegfried als Bindeglied zwischen der Walküre und der Götterdämmerung. Und obwohl auch im Siegfried gemordet wird, überwiegen doch die komischen Elemente bei weitem. Und so entfaltet sich vor den Augen und Ohren des Publikums – bei aller Tragik – jene fesselnde Mischung an menschlicher wie göttlicher Tragikomödie. Melpomene und Thaleia um die Gunst des Publikums buhlend. Unter diesem Motto schien für mich auch das Konzept des ungarischen Zeichentrickfilmregisseurs Géza M. Tóth in seiner Version des Siegfrieds zu stehen. Das Animations Studio Kedd Kreativ Mühely lieferte ihm dafür auch die vielfachen Einblendungen, mit denen bereits während des Orchestervorspiels der dunkle Wald, in welchem sich Mimes Felsenhöhle befindet, angedeutet wird.

Auch hier waren für mich wieder starke Reminiszenzen an die von Günther Schneider-Siemssen (1926-2015) entwickelten holographischen Bühnenbilder, die dieser seit 1985 in seinen Bühnenbildern zum Einsatz brachte, gegeben. Der Regisseur hat sich offenbar an seiner Technik orientiert, diese verfeinert und auf den neuesten Stand gebracht. Gemeinsam mit seiner Dramaturgin Eszter Orbán verfolgte der Regisseur auch im Siegfried konsequent den einmal eingeschlagenen Weg einer an Computer-Animationsfilmen angelehnten visuellen Ästhetik. Bei der baulichen Gestaltung der Bühne stand ihm wiederum Gergely Z. Zöldy zur Seite. Aus dem Dickicht des Waldes löst sich langsam die Felsenhöhle heraus, in der Mime, gekleidet wie ein holländischer Kaufmann mit Wams und typischer Kappe, wie man sie in manchen Selbstbildnissen von Rembrandt Harmenszoon van Rijn antrifft, vergeblich versucht, ein starkes Schwert für Siegfried zu schmieden. Dieser tritt dann auch konsequent mit einem Bären an der Leine auf und hetzt diesen in sadistischer Lust auf Mime. Siegfried trägt natürlich seine robuste Krachlederne und obendrein auch lange Haare (wer sollte ihm diese auch im Wald schneiden?).

Auftritt Gottvater Wotan, der inkognito als Wanderer die Welt durchschreitet. Interessantes Detail am Rande, was wohl von der Kostümbildnerin Ibolya Bárdosi nicht intendiert war, ist der weiße lange Mantel des Wanderers, den dieser rechts über links, also wie es bei Frauen üblich ist, geschlossen hält. Als studierter Theologe weist das für mich auf den ersten Schöpfungsbericht in Gen 1,27 hin, wo Gott den Menschen gleichzeitig als Mann und Frau nach seinem Abbild schuf, dieser also gleichsam „androgyn“ konzipiert wird. Aber dieser Wanderer durschaut als einäugiger und somit „wissender“, aber nicht „allwissender“ alttestamentarischer Gott Mimes Ränke und fordert ihn zur Wissenswette. Widerwillig lässt sich Mime darauf ein und spannt gleich einmal Wotans Unterarm in einen Schraubstock, den er nach jeder Frage um eine Drehung enger zieht. Einen Gott kann das jedoch nicht festhalten. Nach der dritten Frage steht er unbekümmert auf, wer, wenn nicht Enkel Siegfried, könnte schon einen Gott aufhalten? Im zweiten Akt sehen wird dann in der Bühne einen kosmischen Krater, in den man über eine Leiter hinabsteigen kann. Er ähnelt entfernt einer Detektorenstelle eines Teilchenbeschleunigers. In ihm aber befindet sich Fafners Neidhöhle, in der er den Nibelungenschatz hütet. Hier soll Siegfried endlich das Fürchten lernen. Dieser aber klettert behände in Fafners unterirdischen Bunker und tötet diesen. Der Genuss von Fafners berauschendem Blut, lässt den infantilen Rüpel Siegfried mit einem Mal die Sprache des Waldvogels verstehen und ihn darüber hinaus bereit zum Ziehvatermord werden, da er nun die wahren Absichten von Mime erahnt. Und der Waldvogel in Person geleitet Siegfried dann auch zum Walkürenfelsen, wo dieser noch schnell Opas Verträgespeer zerspellt, um endlich seine Tante Brünnhilde aus dem komatösen „Dornröschen“-Schlaf wach zu küssen. Im Feuerschein tanzen angeblich Gnome, die wie flügellose Vögel erscheinen und eigentlich zu vernachlässigendes Element in dieser Inszenierung bilden. Brünnhilde liegt auf einem Tisch in ihrer blauen Brünne. Eine eingezogene Ebene über ihr ist Siegfried und blickt auf sie hinab. Pantomimisch löst er dann mit seinem Schwert die Rüstung und der bloß eingeblendete blaue Panzer Brünnhildes weicht nun einem weißen Kostüm, Symbol der Jungfräulichkeit der Walküre. Das Happy End ist allgemein bekannt…

Für die Premiere des Siegfried hat die Ungarische Staatsoper gleich drei international renommierte Sänger verpflichten können. Als Wotan trat der lettische Bassbariton Egils Siliņš würdevoll und stimmlich ausdrucksstark bei klarer Diktion auf. So hatte ich ihn bereits im Juni 2013 in Riga erleben und in bester Erinnerung behalten können. Der aus Augsburg gebürtige deutsche Tenor Jürgen Sacher hat die Rolle des Mime bereits in der Hamburger Neuinszenierung des Ring des Nibelungen 2008/09 gesungen. Er lieferte ein Kabinettstück an Wortwitz und ausdrucksstarken Gesten, etwa, wenn er den unliebsamen Wotan am liebsten hinterrücks mit einer riesigen Kneifzange am Hals packen möchte oder später dessen Unterarm während der Wissenswette in einen Schraubstock genüsslich sperrt. Sein Charaktertenor ist in dieser Rolle ideal, er singt nicht nur textverständlich, sondern geht in der tragisch-komischen Rolle des Zwerges völlig auf. Den schwedischen Bariton Marcus Jupither konnte ich ebenfalls schon in Riga 2013 in der Rolle des Alberichs bewundern. In seiner Auseinandersetzung mit Wotan konnte er diesem Paroli bieten, zu ähnlich sind sich ja da der Schwarz- und der Weißalbe, zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Und haushochüberlegen ist er natürlich seinem Bruder Mime, dem es einfach an forschem Geist mangelt und der stets nur in seinem Kleinkrämertum verharrt.

Für die Rollen von Siegfried, Brünnhilde, Fafner, Erda und Waldvogel konnten für die Premiere die besten Kräfte Ungarns gewonnen werden. Nach seinem beeindruckenden Siegmund im Vorjahr wagte sich István Kovácsházi, Mitglied des Nationaltheaters Mannheim, nun an die Rolle des jungen Siegfried heran. Er hat im deutschen Heldentenorfach bereits den Lohengrin, Tannhäuser, Parsifal, Bacchus und Kaiser gesungen. Mit Spannung erwartete ich daher sein Rollendebüt als Jung-Siegfried. Und man muss es als gelungen bezeichnen, wenngleich er nicht sofort den exakten sprachlichen Rhythmus fand. Aber schon nach wenigen Minuten hatte sich dieser Mangel, der der Premierennervosität geschuldet sein mag, gelegt. Und der Sänger bot, was ich von ihm erwartet hatte. Einen höhensicheren Siegfried, der auch sämtliche Spitzentöne beim Schwertschmieden einwandfrei traf und auch im finalen, sich steigernden Gesang um die Gunst Brünnhildes stimmlich nicht erlahmte und Ausdauer bewies. Eszter Sümegi fügte nach der Sieglinde im Vorjahr ihrem Repertoire nun ihre erste Brünnhilde hinzu. Die Siegfried-Brünnhilde ist ja bekanntlich am höchsten geschrieben und so bange ich stets um die vier hohen Töne am Ende, die ich so oft schon bei anderen Interpretinnen völlig verpatzt hören musste. Nicht so bei dieser Ausnahmekünstlerin. Sie konnte jeden dieser gefürchteten Töne nicht bloß ansingen, sondern auch halten, wodurch sie sich eigentlich an die großen Bühnen von Wien bis New York empfehlen würde. Und auch darstellerisch ließ sie keine Wünsche offen und machte den Wandel von der scheuen Jungfrau zum lodernden liebestollen Weib nachvollziehbar. Armer Siegfried, jetzt wird sie dich das Fürchten erst so richtig lehren… István Rácz dröhnte furchterregend mit seinem eindringlichen Bass als Fafner aus der Tiefe seines endzeitlichen Bunkers. Bewegen musste er sich kaum, denn Siegfried tötete den Sitzenden rücklings mit dem Schwert. Erika Gál verlieh Urmutter Erda wohlige Tiefe, durfte allerdings in ihrem blauen Kostüm nur bis zur Taille an der Erdoberfläche erscheinen, bevor sie Wotan in den ewigen Schlaf entließ. Zita Szemere zwitscherte nicht nur optisch als beherzter Waldvogel mit glockenhellem Sopran durch die Szene.

Dem jungen Generalmusikdirektor der Ungarischen Staatsoper Péter Halász gelangen am Pult des Orchesters der Ungarischen Staatsoper viele wunderschöne Momente. Etwa das „Waldweben“ mit seiner lyrischen Ruhe und hypnotischen Wirkung im zweiten Akt, aber auch das Vorspiel zum dritten Akt und die Verwandlungsmusik zum Brünnhildefelsen, die er mit lebhafter Dynamik zu unterlegen verstand. Die Streicher musizierten insgesamt auf höchstem musikalischen Niveau, hervorzuheben waren auch die Celli und die Viola da braccio, die mit ein Garant für die formvollendete Umsetzung der Partitur an diesem bildeten.

Der Applaus am Ende fiel großzügig aus. Die Gäste wurden mit Bravorufen bedacht, aber auch die heimischen Künstler wurden davon nicht ausgespart und Eszter Sümegi erhielt sogar einen Strauß roter Rosen auf offener Bühne ausgehändigt. Auch das Regieteam konnte sich durch den wohlwollenden Applaus des Publikums in seiner Arbeit bestätigt erachten. Man kann also gespannt auf die Götterdämmerung im nächsten Jahr warten.

Harald Lacina | 21.3.2017

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