Götterdämmerung
| Hartmut Haenchen | |||||
| Koor van De Nederlandse Opera Nederlands Philharmonisch Orkest | ||||||
Date/Location
Recording Type
|
| Siegfried | Stephen Gould |
| Brünnhilde | Catherine Foster |
| Gunther | Alejandro Marco-Buhrmester |
| Gutrune | Astrid Weber |
| Alberich | Werner van Mechelen |
| Hagen | Kurt Rydl |
| Waltraute | Michaela Schuster |
| Woglinde | Machteld Baumans |
| Wellgunde | Barbara Senator |
| Floßhilde | Bettina Ranch |
| 1. Norn | Nicole Piccolomini |
| 2. Norn | Barbara Senator |
| 3. Norn | Astrid Weber |
Abstract and compelling: Audi’s Götterdämmerung in Amsterdam
As the year of Wagner’s bicentennial approaches its end, De Nederlandse Opera concludes its latest revival of Pierre Audi’s Ring cycle with his 1998 production of Götterdämmerung.
Visually, it is a very impressive production. The unique set, conceived by George Tsypin, is a colossal half-cylindrical construction of steel and wood, with a rectangular stone beam hanging in mid-air. The stage’s glass floor extends forward, at the front of the proscenium, into a half-circular wooden walkway that surrounds the orchestra, which sits on the stage, visible to the public. Throughout the performance, soloists take position at the edge of this walkway that brings them in front of the orchestra, and almost within reach of the audience of the front rows. They wear costumes designed by Eiko Ishioka, whose clean lines fit the minimalist staging.
The lighting by Wolfgang Göbbel and Cor van den Brink brings this atemporal and abstract set to life, transforming the stage to suggest, more than represent, various locations, scene after scene: Brünnhilde’s rock at dawn, the brightly lit hall of the Gibichungs, the deep waters of the Rhine, or Valhalla in flames. Whilst the staging is suggestive and leaves a lot up to the viewer’s own fantasy, the overall effect is always spectacular and the occasionally very close interaction of singers with the audience makes it an unusually intimate musical theatre experience.
Placed literally at the centre of the stage, the Netherlands Philharmonic Orchestra, conducted by Hartmut Haenchen (a part of this Ring since 1997), played beautifully, with sounds almost transparent even in the loudest outburst. They deservedly received loud applause from the audience at the end of the performance. Despite the famous length of the opera, I found the conductor sustained the dramatic tension throughout, so that time seemed to pass quickly.
Stephen Gould, as the hero Siegfried, compensated unsubtle acting and a somewhat clumsy stage presence with unflagging, powerful singing throughout the performance. And it isn’t difficult to understand why Catherine Foster has become a much sought-after Brünnhilde in opera houses around Europe. Her voice is well-projected with beautiful high notes that easily cut through the orchestra. I found that she was at her best in Act II, when Brünnhilde discovers her lover’s deceit, and in her final immolation scene. It is, however, Kurt Rydl’s vicious and menacing Hagen that made the biggest impression. The veteran bass seemed to totally inhabit his Machiavellian, dangerous character, and gave a truly compelling performance. His voice might sometimes uncover too slow a vibrato when pressured, but as he stood at the edge of the stage with his neurotic gaze fixed onto the audience, he truly made one’s blood run cold.
Alejandro Marco-Buhrmester (Gunther) and Astrid Weber (Gutrune) were dramatically strong as the interestingly incestuous pair of Gibichung siblings. Michaela Schuster’s rich mezzo-soprano brought both a moving and fiery dignity to the all-too-short role of Waltraute, Brünnhilde’s Valkyrie sister.
Producing Wagner’s Ring cycle is a tremendous undertaking for any opera company. Since it first opened to critical acclaim during the 1997–98 season, Pierre Audi and Harmut Haenchen’s Ring has become a kind of signature production for De Nederlandse Opera. It has noticeably been captured (with a different cast) both on CD and on DVD during previous revivals. Götterdämmerung is being performed until 30 November, and the company will stage this whole cycle again in January/February 2014 – for the very last time. I would urge any opera lover having the chance to attend a performance. The company will also change name in February to become Dutch National Opera, following a budget-driven merger with Dutch National Ballet and The Amsterdam Music Theatre. It is as if a page of this company’s history is turning.
Nicolas Nguyen | 19 November 2013
Mit der WA der „Götterdämmerung“ in Amsterdam aus dem Jahre 1998 bewies Regisseur Pierre Audi einmal mehr, welch fantasievolles und spannungsgeladenes Wagner-Musiktheater man mit technisch neuartigen Mitteln machen kann, wenn sie sich in den Dienst der Werkaussage stellen und kein Eigenleben entwickeln, wie beispielsweise bei Peter Hall in London oder der mittlerweile schon leidig gewordenen machine von Robert Lepage an der Met. Mit der Einbettung des Orchesters in das Geschehen auf einer riesigen Ring-Bühne aus Holz und einer monumentalen Ausgestaltung des Bühnenraumes bis in höchste Höhen und Weiten, sowie den stilvoll asiatisch angehauchten Kostümen erreicht diese Produktion eine optische Dimension und Wirkung, die auch heute noch ihresgleichen suchen. Das Regiekonzept von Audi und seinem Dramaturgen Klaus Bertisch, dem Bühnenbildner George Tsypin (der 2003 auch den gelungenen „ossetischen“ „Ring“ in St. Petersburg ausstattete), mit den Kostümen der (bereits verstorbenen) Kostümbildnerin Eiko Ishioka und ihres Kollegen Robby Duiveman, dem Lichtdesign von Wolfgang Goebbel und Cor van den Brink sowie den Videos von Maarten van der Put konnte das Amsterdamer Publikum auch nach so langer Zeit an diesem Abend wieder begeistern.
Dieser „Ring“ spielt auf einer riesigen Holzscheibe, die stark zum Parkett hin geneigt ist und nicht nur eine interessante Choreografie (Amir Hosseinpour) sondern auch effektvolle Auf- und Abgänge ermöglicht. Das Orchester und der Dirigent sind allzeit sichtbar und werden so zum integralen Bestandteil der Produktion. Sie stören in keiner Weise den dramaturgischen Ablauf um sie herum. Es wirkt optisch wie musikalisch in der Tat wie das vom Komponisten gewünschte Gesamtkunstwerk… Regiekonzept, Bühnenbild, Kostüme und Choreografie, sowie die immer wieder faszinierend Stimmungen und Situationen intensivierende Lichtregie würden aber nicht die schon allein theatralisch beeindruckende Wirkung erzielen, wenn das Regieteam nicht eine ausgezeichnete Personenregie entwickelt hätte. Wie schon in der „Walküre“ im vergangenen April wirkt sie auch in der „Götterdämmerung“ nach 15 Jahren noch völlig frisch. Audi zitiert bei allem zeitlosen und klar konturierten Design mit einem relativ hohen Abstraktionsgrad immer wieder den Wagnerschen Mythos, ohne den jeder „Ring“ eigentlich blass bleiben muss.
Schon der Prolog mit den Nornen hat mythische Dimensionen, die eben auch am besten zur hier erklingenden Musik passen. Sie tragen ein großes Auge auf dem Rücken, sehen also, wie Wagner es schreibt, in die Vergangenheit. Ein riesiger Balken schwebt über der Szene wie ein drohendes Damoklesschwert. Später wird er mit einigen anderen als Teil der Gibichungenhalle spektakulär Feuer fangen. Die Gibichungenszene findet durch die Bewegung der Figuren auf dem Bühnen-Ring bisweilen nahe am Parkettpublikum statt. Auch die Rheintöchter werden später hier – ebenso wie immer wieder Hagen mit seinem beängstigend wirkenden Speer aus Aluminium – direkt vor das Publikum treten. Das schafft dramaturgisch, aber auch vokal, große Direktheit im Erleben des Geschehens und damit – trotz einer gewissen Bombastik der Produktion – intime Nähe. Dieser „Ring“ ist gewissermaßen mitten unter uns und geht uns folgerichtig alle an. Mythisch verbrämt läuft auch die Nachtszene zwischen Hagen und Alberich im 2. Aufzug ab, der schließlich im Boden versinkt. Die Mannen wirken mit ihren Masken und irdenen Farben wie die große Terracotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers Qín Shǐhuángdì bei der alten Kaiserstadt Xi´an. Sogar ihre versteinerte Choreografie legte diese Assoziation nahe. Hinsichtlich ihrer Funktion in der „Götterdämmerung“ machte das durchaus Sinn und harmonierte bestens mit der asiatischen Ästhetik der Kostüme. Berührend gestalten Audi und sein Team Siegfrieds Sterbeszene, in der Brünnhilde in tiefem Schwarz zu ihm tritt und nach seinem Tod zum Trauermarsch selbst verzweifelt zusammenbricht. Nachdem sie in einem wallenden roten Tuch den symbolischen Feuertod erlitten hat, nehmen die Rheintöchter den Ring zurück und versenken Hagen im Bühnenboden. Oben zertrümmert eine riesige Lanze die Bühnendecke und lässt Walhall explodieren. Ein eindrucksvolles Untergangsspektakel läuft ab, an dessen Ende das Rheingold in seinen aus Maschinenelementen bestehenden Einzelteilen wieder am Bühnenhintergrund erscheint. Das Spiel kann von Neuem beginnen…
Auch vokal war diese Amsterdamer „Götterdämmerung“ ein wahres Erlebnis. Die neue Bayreuther Brünnhilde, Catherine Foster, präsentierte sich in Topform und war stimmlich wie darstellerisch ungemein präsent. Fast meinte man, sie sei vokal nach Bayreuth noch dramatischer geworden. Immer wieder berührte sie auch darstellerisch mit ihrer natürlichen, niemals übertriebenen Mimik. Stephen Gould als Siegfried befindet sich momentan ganz offenbar auf der Höhe seiner Wagnerschen Gesangskunst. Der Rezensent hat ihn noch nie in dieser Qualität gehört, und zwar in jeder Hinsicht: Heldentenoraler Glanz, Höhensicherheit, stimmlicher Ausdruck, Diktion und Phrasierung, aber auch feines Legato, wo erforderlich – und dazu noch ein enormes Maß an Emotionalität in der Darstellung, die stets das Menschliche in den Vordergrund stellt. Das war schlicht derzeitige Weltklasse. Offenbar arbeitet Gould seit einiger Zeit mit einem neuen Vocal Coach zusammen. Man kann sich nur freuen, diesen Siegfried momentan erleben zu können und auf seinen Tristan 2015 in Bayreuth gespannt sein.
Daneben war Alejandro Marco-Buhrmester wie gewohnt ein stimmlich exzellenter Gunther mit lyrischem und stets gesangsbetontem Timbre. Er spielte auch die ganze Tragik dieser undankbaren Rolle aus. Astrid Weber als Gutrune konnte hingegen nur mit ihrer klangvollen Mittellage überzeugen, in der Höhe neigte ihr Sopran zu einigen Schärfen. Kurt Rydl war ein immer noch imposanter Hagen, wenngleich man aus rein gesanglicher Perspektive mittlerweile doch erhebliche Abstriche machen muss. Aber Rydl liegt der Hagen, er ist ihm im wahrsten Sinne des Wortes auf den Bauch geschrieben, denn dessen Blöße war hier den ganzen Abend zu sehen… Und er spielte gekonnt seine ganze Routine bei dieser so lange Jahre gesungenen Partie aus. Auch wenn Rydls profunder Bass oft zur Deklamation tendiert, ist er mit seiner schieren vokalen Kraft nahezu omnipotent und Angst einflößend – der notwendige und passende Gegenpol zu einem an diesem Abend zu erlebenden starken Siegfried. Werner Van Mechelen sang einen eindrucksvollen Alberich mit bester Höhe, perfekter Wortdeutlichkeit und intensiver Darstellung. Michaela Schuster gab wieder einmal die Waltraute mit viel Engagement, aber nicht immer ganz sitzenden Spitzentönen. Das Nornen-Terzett aus Nicole Piccolomini (Erste Norn), Barbara Senator (Zweite Norn) und Astrid Weber (Dritte Norn) sang überzeugend. Die nicht nur durch ihre nixenhaft erotisch anziehenden Kostüme attraktiv wirkenden Rheintöchter wurden von Machteld Baumans (Wogkinde), Barbara Senator (Wellgunde) und Bettina Ranch (Flosshilde) mit klangvollen und kräftigen Stimmen gesungen. Der von Eberhard Friedrich (ja, dem Bayreuther Chordirektor!) einstudierte Chor der Niederländischen Oper agierte mit großer Intensität auf höchstem vokalen Nivau.
Hartmut Haenchen stellte mit dem Niederländischen Philharmonischen Orchester einmal mehr unter Beweis, dass er zu den profiliertesten Wagner-Dirigenten unserer Tage gehört. Er dokumentierte seine große Affinität für Wagners Musik und leitete das Orchester mit viel Verve und Impetus. Dies war eine musikalische Darbietung von Festspielniveau. Alles stimmte, die Dynamik, die Rücksicht auf die SängerInnen und die Harmonie zwischen Musik und dem Bühnengeschehen, was umso nachvollziehbar gelang, als beide gewissermaßen auf Augenhöhe nebeneinander agierten. Und die Blechbläser waren, nicht zuletzt mit perfekten Hornrufen im 3. Aufzug, in Topform – sicher auch Ausdruck des allgemein feststellbaren hohen Begeisterungsgrades aller Musiker dieses hervorragenden Klangkörpers. Es war ein Fest – ein Fest der Sinne…! Die Niederländische Oper hat mit diesem sehenswerten „Ring“ dem Bayreuther Meister in seinem Jubiläumsjahr standesgemäß die Ehre erwiesen.
Klaus Billand | 19 November 2013
Zurück vom Ring!
Pierre Audi hat mehrfach erklärt, dass es sich bei den beiden zyklischen Aufführungen in 2014 um die letzten Wiederaufnahmen seiner großartigen Ring-Inszenierung handelt, schon aus praktischen Gründen der Lagerung; dem Vernehmen nach ist aber geplant, wenigstens die Walküre aufzuheben und in einigen Jahren noch einmal zu spielen (warum nicht auch Gotterdämmerung, ich bin der Meinung, dass auch der Dritte Tag gut allein gespielt werden kann). Schade ist das, dieser Ring ist wirklich im besten Sinne zeitlos und würde auch in Zukunft sicher nicht an Faszination verlieren. Noch einmal ließ man sich verzaubern von den faszinierenden Bühnenbilder von George Tsypin, der nur vier natürliche Materialien verwendet hat (Holz, Stein, Glas und Metall), das tolle Licht von Wolfgang Göbbel und Cor van den Brink (besonders schön der Sonnenaufgang vor dem Prologduett), die suggestive Regie des Hausherrn. Was will man herausheben, was wird länger in Erinnerung bleiben? Der Einfall, die Gibichungen als elegant gewandete Geschwister zu zeigen, die sich vielleicht ein bisschen zu sehr zugetan sind – die Macht hat ohnehin Hagen, er lässt sogar das Licht angehen in der Halle und ist Herr über die Mannen, die hineinkriechen (Choreografie: Amir Hosseinpour), keine Individualität zugestanden bekommen und wie Holzpuppen wirken, er fasst Gutrune so an, dass man das Schlimmste befürchtet. All das erzählt Audi sehr genau und stets präzis, insgesamt wohl etwas gegenständlicher als an den vorausgegangenen Abenden, aber nicht weniger überzeugend. Zu nennen wären auch der surreale Hochzeitstanz der Protagonisten in unwirklichem Licht am Ende des zweiten Aufzugs, der Einfall, Brünnhilde schon bei Siegfrieds “Brünnhilde! Heilige Braut!” als Witwe auftauchen zu lassen, sie bricht nach dem Tod des geliebten Mannes zusammen, legt sich schließlich an seine Seite und steckt sich seinen Ring an (das “Mein Erbe nun nehm ich zu eigen” steht dann natürlich etwas im Raume, aber das ist verzeihlich). Weniger überzeugend geriet Brünnhildes eigentliches Opfer: Vier Mannen legen ihr ein riesiges rotes Tuch um den Hals, das schließlich die ganze Bühne bedeckt und zum “Lodern” gebracht wird. Ganz zum Schluss sehen wir erneut das Rheingold, fast als Mahnung an die Zuschauer, nicht auch auf den Gedanken zu kommen, nach ihm zu trachten.
Und ich liebe die besonderen Perspektiven, die die adventure seats bieten, man sieht die Darsteller die Bühne betreten und verlassen, man ist so nah dran, dass man Details der herrlichen Kostüme von Eiko Ishioka und Robby Duiveman bewundern und den Schweiß fließen sehen kann, dass man die komplexe Interaktion zwischen Bühne und Dirigent mitverfolgen kann.
Für Stephen Goulds Siegfried gilt exakt das, was ich bereits nach dem Zweiten Tag festgehalten habe: Der Amerikaner “bringt vieles mit für die kräftezehrende Titelpartie, etwa eine volle, baritonal grundierte, belastbare, kaum je an Grenzen kommende Tenorstimme, die er gleichwohl an den geforderten Stellen sehr sensibel einzusetzen versteht, und ein glaubwürdiger, erfahrener Darsteller ist er auch.” Es war nicht zuletzt erstaunlich, auf welchem Niveau er die Lyrismen des letzten Aufzugs bewältigte – kein leichtes Erbe für Stig Andersen, der ihn in den zyklischen Aufführungen ablösen wird. Alejandro Marco-Buhrmester war ein geschmackvoll phrasierender, um Schöngesang erfolgreich bemühter Gunther, Werner Van Mechelen fand als Alberich erneut einen guten Ausgleich zwischen starker deklamatorischer und seriöser gesanglicher Leistung. Kurt Rydl war mit freiem Oberkörper, großer Präsenz, darstellerischem Totaleinsatz und spürbarer Erfahrung die längste Zeit noch immer ein imposanter Hagen, die Stimme an sich klingt doch in manchen Passagen strapaziert und brüchig.
Catherine Foster war in der Walküre “eine hervorragende, klug disponierende, stets um eine schlanke Tongebung bemühte Sängerin mit einem trotz vieler Einsätze im schweren Fach noch immer sehr jugendlich klingenden Sopran, der nach wie vor zu schönen Pianotönen fähig ist”, “aber erst in den letzten Minuten des dritten Aufzugs … empfahl (sie) sich für die dramatischen Passagen der letzten Brünnhilde”. Tatsächlich kam sie mit der Partie besser zurecht als erwartet, die Stimme klang sehr ausgeruht und warm drei Tage nach der Premiere und hatte enorme Reserven bis zum Schluss. Einige wenige der mächtigen, runden Spitzentöne gerieten minimal zu tief, und mitten im Schlussgesang hatte sie einen mehrere Sekunden dauernden Blackout an einer vergleichsweise harmlosen Stelle (“dem Fluche, dem du verfielest”), aber ansonsten ist ihr Ruhm als eine der führenden Wagnerinterpretinnen vollkommen gerechtfertigt, auch wenn ich dabei bleibe, dass die Britin “keine wirklich faszinierende Darstellerin” ist und nach wie vor mehr aus dem Text machen könnte.
Eine gewisse nicht unangenehme Schärfe garantiert Astrid Webers schlankem, leuchtenden jugendlich-dramatischen Sopran einige Durchschlagskraft als Gutrune (und Dritte Norn), einige Töne fand ich etwas zu exaltiert, die Textverständlichkeit für eine Muttersprachlerin zu schwach. Die bewegendste, stärkste Leistung steuerte Michaela Schuster als vogelhaft agierende, den Text ungeheuer präzis ausdeutende und äußerst expressiv singende Waltraute. Nicole Piccolomini war mit kraftvollem Alt die interessanteste der Nornen, was nicht heißt, dass Barbara Senator als deren zweite keinen guten Job gemacht hat (auch nicht im Verbund mit Machteld Baumans und Bettina Ranch als Rheintochter, das hört man nicht immer so homogen gesungen, und hervorragend bewegen konnten die Damen sich auch). Gleiches gilt für den darstellerisch wie vokal nicht unerheblich geforderten Koor van De Nederlandse Opera in der Einstudierung von Eberhard Friedrich.
Hartmut Haenchen und das Nederlands Philharmonisch Orkest bewältigten problemlos und souverän nicht nur die immensen Schwierigkeiten besonders im zweiten Aufzug (über die der Deutsche in seiner Werkeinführung spricht, die ich hier noch einmal allen Geneigten sehr ans Herz lege), sondern glänzten auch beispielsweise mit einer ausgelassen und doch präzis musizierten Rheinfahrt und einem wirklich intensiv gestalteten, bewegten Trauermarsch der Extraklasse oder dem mitreißenden Finale.
FAZIT
Bitte, liebe Verantwortliche der Amsterdamer Oper, suchen Sie weiter nach Sponsoren, die die Lagerung dieser herausragenden Produktion finanzieren, und wagen Sie eine weitere Wiederaufnahme in ein paar Jahren. In diesem Sinne: “Zurück vom Ring!”
Thomas Tillmann | 17. November 2013
Een Wagner om nooit meer te vergeten
Gejuich in overtreffende trap vulde het Amsterdamse Muziektheater na afloop van Wagners Götterdämmerung. Dirigent Hartmut Haenchen werd bedoven onder applaus. Terecht want onder zijn leiding groeide het vierde deel uit Wagners Ring-cyclus uit tot een zeldzaam muzikaal hoogtepunt.
Deze prachtige Ring-enscenering van regisseur Pierre Audi uit 1998 is uitgegroeid tot het visitekaartje van De Nederlandse Opera. Het is even klassiek als tijdloos, even modern als traditioneel. Volgend jaar beleeft de gehele Ring nog een allerlaatste reprise. Een must voor elke operaliefhebber, want deze Ring (of in elk geval een deel ervan) moet je gezien en gehoord hebben!
Een waanzinnige constructie van staal en glas vormt het decor en het podium is met een cirkelvormige houten ring (de stam van de levensboom uit het Ring-verhaal) uitgebouwd. Die uitbouw was in 1998 al spectaculair en is dat nog steeds. Dichterbij het publiek kun je als zanger namelijk niet komen. Hagen, Brünnhilde en Siegfried: ze stonden bijna letterlijk op de neus van het publiek te zingen, wat de voorstelling een grote mate van directheid gaf. Maar Audi’s Götterdämmerung is ook heel intiem. Het is bijna een familiedrama waarin de karakters van de diverse personages met veel gevoel voor detail worden uitgelicht.
De apocalyptische ineenstorting van het godenrijk is bij menig regisseur goed voor een hoop spektakel. Niet bij Audi. Wotans speer klieft zich door een wand, een paar vuurbollen ontvlammen en achter op het podium wordt het Rijngoud zichtbaar. Een minimaler, maar tegelijkertijd sterker slot kun je je niet wensen.
Dankzij de perfecte regie, die soms behoorlijk abstracte proporties aanneemt, en de suggestieve kostumering valt alles perfect op zijn plek en zit je bijna vijf uur lang ademloos te genieten.
Stephen Gould was wederom een perfecte Siegfried, Catherine Foster schitterde als een Brünnhilde die zowel kwetsbaar als sterk kon zijn en Kurt Rydle maakte indruk met een soms wel zeer rauwe en dominante Hagen. Toch viel er op de vocale prestaties nog wel wat af te dingen. Bijna alle zangers hadden de neiging om continue hard te zingen. Daardoor ging op sommige momenten veel van de emotie verloren. En het trio Rijndochters wilde vocaal niet echt een eenheid worden.
Maar ach… wie zeurt daar nou nog over als je zo’n mooie meeslepende Wagner krijgt voorgeschoteld? Een Wagner met een perfect spelend Nederlands Philharmonisch Orkest en een al even indrukwekkend koor. Een Wagner om nooit meer te vergeten.
Oswin Schneeweisz | 15 november 2013



