Die Walküre
| Francesco Cristofoli | |||||
| Aarhus Symfoniorkester | ||||||
Date/Location
Recording Type
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| Siegmund | Sven Olof Eliasson |
| Hunding | Aage Haugland |
| Wotan | Leif Roar |
| Sieglinde | Lisbeth Balslev |
| Brünnhilde | Laila Andersson-Palme |
| Fricka | Minna Nyhus |
| Walküren | Gertrud Spliid |
| Dorthe Steengard | |
| Antje Jansen | |
| Margrethe Danielsen | |
| Annelise Rye | |
| Else Mogensen | |
| Annemarie Møller | |
| Else Paaske |
Wagner Wonnen aus Aarhus
Die vorliegende Live-Aufnahme der „Walküre“ aus dem August 1987, veröffentlicht unter dem Label Sterling, entführt den Hörer in eine faszinierende Ära der skandinavischen Operngeschichte. Die Aufnahme stammt aus der Inszenierung von Klaus Hoffmeyer im dänischen Aarhus, während der Zeit des später berühmten „Ring des Nibelungen“, der in den 1990er Jahren auch als Videomitschnitt festgehalten wurde. Dieser hier auf CD dokumentierte Abend beeindruckt durch seine hohe Qualität. Die Textverständlichkeit des Sänger-Ensembles ist vorbildlich. Der erste Aufzug dieser Aufführung gerät packend. Lisbeth Balslev als Sieglinde überzeugt mit viel Hingabe und stimmlichem Feuer, und ihre berührende Gestaltung dieser Rolle ist beeindruckend. An ihrer Seite ist der erfahrene Tenor Sven-Olof Eliasson als Siegmund zu erleben, der trotz des nahenden Endes seiner aktiven Sängerkarriere eine äußerst souveräne Leistung liefert. Sein eher helles, charakteristisches Stimmtimbre verleiht Siegmund eine leuchtende Farbe, und sein Auftritt zeigt einen gereiften Tenor, dessen Qualität heute kaum noch zu finden ist. Aage Haugland, der als Hagen zu Bayreuth Ehren gelangte, singt den Hunding mit ungemein hintergründiger Finsternis. Im Folgenden beeindruckt Laila Andersson-Palme als Brünnhilde mit einer jauchzenden, völlig mühelosen Darbietung. Ihre gesunde Stimme, die sich allmählich ins schwere Fach entwickelte, zeugt von einer ungewöhnlich differenzierten musikalischen Gestaltung. Andersson-Palme präsentiert sich nicht als hochdramatische Brünnhilde, sondern eher jugendlich hell, mit gelegentlichen Timbre-Erinnerungen an Anja Silja. Ihre „Hojotojos“ sind herrlich lässig und spielerisch, inklusive der geforderten Triller, die selten von Brünnhilde-Sängerinnen so präsentiert wurden. Dazu gesellt sich Empfindung und Anteilnahme in ihrem Gesang. Die Aufnahme besticht auch durch die Teilnahme des großen Heldenbaritons Leif Roar als Wotan. Trotz kleinerer Zugeständnisse an das Alter, wie aufgerissene Vokale in der Höhe, zeigt Roar mit seinem unverwechselbaren, herben Stimmtimbre einen charismatischen Wotan, der sofort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Seine wilden und schmerzvollen Ausbrüche sowie sein scharfes Profil machen den Entwicklungsprozess der Rolle für den Zuhörer zu einer berührenden Erfahrung. Traumwandlerisch sicher trifft er alle Gestaltungsmomente seiner komplexen Rolle. Minna Nyus als Fricka bietet Wotan stimmlich gut Paroli und überzeugt mit sonorer Tongebung sowie einer ausgewogenen Charakterisierung. Das Ensemble der Walküren präsentiert sich in dieser Aufführung homogen und hinreichend jauchzend. Besonderes Lob gebührt dem Dirigenten Francesco Christofoli am Pult des Aarhus Symphony Orchestra, das zu diesem Zeitpunkt wenig Erfahrung mit Wagners „Ring“ hatte. Christofolis Dirigat drängt vorwärts, kostet die lyrischen Passagen aus und erhebt sich zu monumentaler Größe, insbesondere im grandiosen Walkürenritt, der hier wirklich einmal völlig losgelöst, kriegerisch ertönt. Das Aarhus Symphony Orchestra gefällt durch seinen hohen Einsatz und seinem rhythmischen Drive. Hier spielt ein Orchester auf der Stuhlkante und zwingt den Zuhörer durch seinen mitreißenden Vortrag in hohe Aufmerksamkeit. Kleinere Zugeständnisse müssen an die Klangqualität gemacht werden, da es sich um eine Liveaufnahme handelt, bei der hin und wieder Bühnengeräusche und Huster aus dem Publikum zu hören sind. Dies mindert jedoch in keiner Weise den Wert dieser besonderen Aufnahme. Die beigefügten Informationen über die Solisten, vornehmlich ein Interview mit Laila Andersson-Palme, bieten zusätzlichen Einblick in die Hintergründe dieser beeindruckenden Aufführung und verstärken das Verständnis für die künstlerische Leistung dieser herausragenden Künstler.
Dirk Schauß | Februar 2024
PEITSCHENHIEBE AUF DEM FELSEN
Sie sang so gut wie alles. Von der Königin der Nacht in der Zauberflöte bis hin zur Elektra, Salome, Brünnhilde und Ortrud. Dazwischen Lulu, Marschallin im Rosenkavalier, Butterfly, Tosca, Lady Macbeth und die Maria in Wozzeck. Die Rede ist von der Schwedin Laila Andersson-Palme, Jahrgang 1941. Palme im Doppelnamen rührt von ihrer Ehe mit dem renommierten Schauspieler Ulf Palme (1920 bis 1993) her. In allen Sopranlagen unterwegs, gilt sie als eine der vielseitigsten Sängerinnen ihrer Generation. Sterling, das 1980 in Stockholm gegründete Label, zeichnet ihre erfolgreiche Karriere mit immer neuen Tondokumenten nach. Das ist außerordentlich verdienstvoll. Offizielle Aufnahmen sind nämlich rar. Es wird auf Mitschnitte aus verschiedenen Ländern zurückgegriffen. Sie vermitteln von dieser temperamentvollen und spontanen Künstlerin den vielleicht besseren Eindruck. Es fällt schwer, sie sich vor einem Studiomikrophon vorzustellen. Sie brauchte die Bühne, um ihre hochdramatisches Talent zur Geltung zu bringen.
Eine komplette Walküre aus dem Opernhaus der dänischen Stadt Aarhus von 1987 präsentiert die neuesten Box (CDA 1870, 1871, 1872). Am Klang in bestem Stereo ist nicht zu deuteln. Francesco Cristofoli entfesselt am Pult des Aarhus Symphony Orchestra Wagners Musikdrama in voller Pracht zwischen feinsten lyrischen Verästelungen und tosendem Sturm. Die Streicher sind sein Fundament. Es stellt sich die Frage, warum dieser dänische Dirigent, der bei Sergiu Celibidache studiert hatte und 2004 gestorben ist, außerhalb seines Heimatlandes weitgehend unbekannt blieb und so gut wie keine Platten einspielte. Er führt die Sänger sicher durch das anspruchsvolle Werk, lässt ihnen stets den Vortritt, deckt sie nie zu und dreht nur dann gehörig auf, wenn die Stimmen schweigen.
Laila Andersson-Palme ist die Brünnhilde, Lisbeth Balslev die Sieglinde. Seit sie 1978 in Bayreuth als Senta in der Harry-Kupfer-Inszenierung des Fliegenden Holländer auch international bekannt wurde, gehörte Wagner zu ihren zentralen Komponisten, den sie mit herber Stimme eindrucksvoll zu gestalten wusste. Bis auf die groß besetzte Ballade Elverskud von Niels Gade wurde sie für Studioaufnahmen nicht herangezogen. Nach Aarhus kehrte Lisbeth Balslev in den 1990er Jahren zurück, um im Ring diesmal die Brünnhilde zu singen, wovon sich ebenfalls ein Mitschnitt erhalten hat. Mit Sven-Olof Eliasson war ihr als Siegmund ein Tenor zur Seite, der vor allem durch seine Mitwirkung im Studio-Monteverdi-Zyklus von Nikolaus Harnoncourt (Ulisse und L’Humana fragilità) für Telefunken aus dem Jahr 1971 in Erinnerung geblieben ist. Vielseitigkeit war sein Markenzeichen. Er versieht Wagner mit leichten lyrischen Facetten und verkörpert so ehr das Gegenteil eines klassischen schweren Heldentenors. Was bei ihm auffällt, gilt so auch für alle Mitwirkenden – sie singen außerordentlich wortdeutlich. Und nicht nur das. Sie bringen auch das Wissen um die Rollen und die jeweiligen dramatischen Situationen des Handlungsverkaufs ein. In Arhus wird Wagner vom feinsten geboten.
Das Finale auf dem Walküren-Felsen mit Leif Roar als Wotan ist bereits aus einem anderen Sterling-Album (CDA 1837/1838-2) bekannt. Im Zusammenhang wiedergehört, bleibt es der Höhepunkt der spannungsgeladenen Aufführung, dem alles zuzustreben scheint. Laila Andersson-Palme gibt eine außerordentlich entschlossene Brünnhilde, die ihre stählerne Höhe heftig gegen den zornigen Göttervater einsetzt wie Peitschen. „Was hast Du erdacht, das ich erdulde?“ Atemlos und gehetzt wirft sie die Frage hin und kommt damit der Wahrheit des Moments allein durch Ausdruck nahe – und nicht durch Schöngesang.
Rüdiger Winter
The Sterling label continues to release recordings of live performances starring Laila Andersson-Palme. In March last year I reviewed her thrilling Elektra; previous reviews of recordings from this same source include Göran Forsling’s review in 2018 of Götterdämmerung in which he mentions the excerpts from this Die Walküre which are included in From Queen of the Night to Elektra, an anthology of her performances.
As far as I can divine this is uncut – unlike the Elektra I reviewed. That the sound is remarkably good is evident from the opening bars depicting Siegmund’s desperate escape. A bit of clumping and creaking and stage noises are inevitable but can actually be quite atmospheric – and of course indicative of this being live – but there is almost constant loud coughing here from a very inattentive audience, which at times becomes very irksome. The conducting and playing are first rate – an absolutely lovely cello solo precedes Siegmund’s “Kühlende Labung gab mir der Quell” and the famous Ride of the Valkyries is splendid, despite a couple of singers struggling. However, it also soon becomes apparent that the weakest link here is Sven-Olof Eliasson, whose tenor has an uncomfortable slow pulse – he croons and bleats somewhat in “Winterstürme” and his German is over-careful, contrasting strongly with Lisbeth Balslev’s full, vibrant soprano with its fast, flickering vibrato and her idiomatic delivery of the text. I have never been a great fan of Aage Haugland’s large, unwieldy bass; he tends to sing “straight” with a minimum of vibrato, often sounding unsteady, but he is an imposing, menacing presence. However, if the first act of Die Walküre – perhaps my favourite in all of the Ring – does not thrill, then the whole fails.
The opening of Act Two elicits a range of responses in me: from mild disappointment at some poor intonation and scrappy playing from the orchestra – from which, fortunately, they soon recover – and a similar reaction to Leif Roar’s competent but workaday Wotan, which does not quite have sufficient weight, to admiration for the skill with which Andersson-Palme negotiates Brünnhilde’s music, always singing within her considerable means and somehow managing to suggest that her shining soprano is actually a larger instrument than it actually is. This is especially noticeable in passages such as the Todesverkündigung . She even has a trill – which Wagner calls for but rarely gets. Admirable, too, is Minna Nyhus’s impassioned, passionate Fricka, frequently deploying her lower register tellingly and making the most of the text – whereas Roar tends to let key words and phrases such as “Heut’ hast du’s erlebt!” go for little. He is listed here as a bass-baritone but his greatest successes were in true Wagnerian baritone roles, hence the lack of heft and gravitas in his Wotan. I make claims above for the importance of the first act but Wotan’s role in the conclusion of Act III is vital, too. “Wo ist Brünnhild’?” is especially weak and from “Leb wohl” onwards I cannot dismiss from my mind the assumptions by singers such as Friedrich Schorr, Ferdinand Frantz, George London, Thomas Stewart and Hans Hotter in his prime; Roar pales by comparison in such company. Furthermore, he makes a complete hash of his crucial, final declamation, “Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchstreite das Feuer nie!” (Whoever fears the point of my spear shall never walk through the fire!”), taking too many breaths between phrases and reducing the text to gobbledygook by completely distorting every vowel in order to try to generate more volume, and both the brass and woodwind are audibly tiring here. Meanwhile, the audience continues to hack.
In the end, the deficiencies on the male side of the cast here disqualify this performance from an enthusiastic recommendation unless you want a souvenir of Andersson-Palme’s considerable achievement as Brünnhilde.
Ralph Moore | JANUARY 30, 2024

