Der Ring des Nibelungen

Kirill Garrievich Petrenko
Chor des Theaters Meiningen
Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl (S, G)
Orchester des Theaters Meiningen (R, W, G)
Date/Location
13 April 2001 (R), 14 April 2001 (W)
15 April 2001 (S), 16 April 2001 (G)
Theater Meiningen
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast

Das Rheingold

Die Walküre

Siegfried

Götterdämmerung
Gallery
Reviews
Die Welt

Südthüringen im Wagner-Rausch

Bündelweise Tausender schwenkend steht der Mann da. “Ich fahre für Wagner um die ganze Welt”, tönt er. “Das heute, das muss ich sehen!” Pech gehabt. “Der Ring des Nibelungen”, Wagners pessimistische Welttetralogie, an vier aufeinander folgenden Tagen auf die Bühne des südthüringischen Staatstheaters Meiningen gehievt, war hoffnungslos überbucht. Als Tetrapack ohne Ruhetag, das gab es selbst im unfernen Bayreuth nicht. Eine Weltneuheit.

Und noch dazu hatte die Regisseurin Christine Mielitz als Bühnenbildner den Bildhauer Alfred Hrdlicka verpflichtet. Der Erwartungsdruck war enorm, die Reihe der Sponsoren und Honoratioren endlos. Der Jubel bewies: Diese Aufführungen wurden als eine gesamtthüringische Leistung, ja als ein Zeichen des Ostens an die Welt interpretiert. Seht her, so was habt ihr nie gesehen! Wenn auch die Inszenierung den spröden Charme eines künstlerischen Joint Ventures verströmte, wenn auch die zwei Orchester mit den Farbschauern in Wagners Partitur durchaus Mühe hatten, so muss zugestanden werden: Christine Mielitz hat nicht allein Hrdlicka gelockt und die Presse mobilisiert. Ihr Inszenierungskraftakt wartete bei aller inhaltlichen Überraschungslosigkeit mit einer Sensation auf: Mit einem Sängertheater erster Klasse. Solistenentdeckungen und Rollendebüts waren es, die diesen Vier-Tage-Schlauch im Gedächtnis halten werden.

Ein Sängerfest unweit der Wartburg. Aber, ach, die Inszenierung! Dass Mielitz, Hrdlicka und Jan Schneider (als Ausführungs- und wohl auch Ausbesserungsorgan für das Bühnenbild) einander spielerisch zugearbeitet hätten, lässt sich nicht behaupten. Hrdlicka/Schneider hatten Bilder und Plastiken entworfen, für welche der Berühmtere von beiden selten das Atelier zu verlassen brauchte. Bemalte Prospekte, monströse Plastiken, fragwürdige Konzepte. Christine Mielitz musste zufrieden mit dem sein, was man ihr schickte. Die Grundlinie von Hrdlickas Interpretation: Wagner ist Protagonist seines “Rings”. Für die Riesen wurden Puppen von Ludwig II. (als Fasolt) und Richard Wagner (als Fafner) gebaut, welche vom Schnürboden hängen, zwischen den Beinen unsichtbare Sänger. Wagner habe Ludwig ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, erläutert dazu Hrdlicka. Auch die Rheintöchter baumeln zunächst als Weib-Nuggets von der Decke, und Alberich giert vergeblich nach den Bronzepoularden. Weil sich Wagner vor lauter Geld offenbar in einen Drachen verwandelte, trägt Fafner später die Züge des Komponisten. Und Wotan sowieso. Dann hatte Hrdlicka noch eine Marsyas-Figur geschaffen, der an der Weltesche klebt, und eine Hunding-Plastik für die “Walküre”. Das ist schon sein Beitrag.

Warum macht Mielitz den “Ring”? Nach Tagen bloßer Personenregie riss sie in “Götterdämmerung” das Ruder rum. Der ermordete Siegfried verlässt aufrecht das Theater – durch den Zuschauerraum. Dazu spielt das Orchester unter Kirill Petrenko den Trauermarsch als schwerfälligen Radetzky-Foxtrott: vorwärtsweisend, optimistisch. Es wird klar: Mielitz interpretiert Wagners Untergangsszene als Gründungsmythos, ein Opfer, das in die Zukunft weist. Das leider hatte mit Hrdlickas Ansatz nicht das Geringste zu tun. Ja, es stand diesem Ansatz, wie Hrdlicka einräumte, diametral entgegen.

Dennoch verschenkten die vier Tage atemberaubende Stunden. Der Sänger wegen. Mit Franz Hawlata stand ein junger, sonorisierender Wotan-Debütant an der Spitze, eloquenter und perfider Erdenmensch als Vorschein Nürnberger Jovialitäten. Alberich, nicht bloß rollengerecht nickernd, war mit Nanco de Vries so jung besetzt, dass man den Triebverzicht als Opfer begriff. Und die Walküren erst: Ursula Prem als erstaunliche “Walküren”- und “Siegfried”-Brünnhilde mischte empfindsam schrille Kindertöne mit bei. Die von der grandiosen Lisa Gasteen in “Götterdämmerung” nervenzerfetzend geerdet wurden. Ihren Schlussgesang freilich, hat man selten zarter gehört. Sie allein schon lohnt den Thüringen-Trip.

Der Coup aber: gleich zwei Helden-Tenöre. Bereits Frank van Aken als Siegmund demonstrierte mit nicht enden wollenden “Wälse”-Rufen, wo vokal der Wagner-Hammer hängt. Jürgen Müller brachte das Wunder fertig, an seinem Jung-Siegfried mit stimmlichen Mitteln sogar Entwicklung aufzuzeigen. Der Saal staunte. Das Heil des Wagner-Gesangs lauert in der Provinz. Auch wenn man mit Stephen Ibbotson als “Götterdämmerung”-Siegfried hart auf den Boden der Tenor-Wirklichkeit aufkam. Vortreffliche Ensemblesänger hoben über schwächere Leistungen von bekannteren Gästen wie Günter Neumann (Loge) und Bodo Brinkmann (Wanderer) hinweg.

Und das Orchester? Kirill Petrenko übernimmt ab 2002 die musikalische Leitung an Berlins Komischer Oper. Jedoch: Stimmten die Musiker noch ihre Instrumente, oder war das schon der Anfang?! Das Rheingrummen, ehern-virtuoses Weialawogen, knarzte im Graben wie die Soldatenschaft in einer Gefechtspause. Da gab es viel zu steigern. Und das tat Petrenko, mit weichen, ausladend genauen Gebärden. In “Siegfried” und im ersten Akt “Götterdämmerung” wurde das Meininger Orchester durch die Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl ausgetauscht. Was die Meininger an Dramatik voraushatten, gaben ihre Kollegen an Klangschönheit wieder drauf. Dass Petrenko ein uncharismatischer Dirigent ist, damit wird man in Berlin leben müssen.

Das von Anfang an auf Spektakuläres zielende Vier-Tage-Wagner-Rennen schien um mehr als 24 Stunden kürzer zu sein als die Bayreuther Parallelaktion. Man konnte in kein Geschäft gehen, ohne über Wagner und Hrdlicka räsonnieren zu hören. Und jeder Taxifahrer kannte die Abendbesetzung: Wagner-Eingemeindung der guten Art. Auch allgemein interessierende Fragen wie “Wo isst denn Walter Jens zu Mittag?” verkürzten den Aufenthalt.

Ob ein Parallel-Bayreuth daraus werden wird? Nein, nein! Nicht nur die Finanzierung der Zyklen über die laufende Spielzeit hinaus ist unsicher. Auch Christine Mielitz wird Meiningen womöglich nicht erhalten bleiben. War es am Ende eine Bewerbungsaktion de luxe für die Karriere einer hoch preisigen Regisseurin? Das wäre ein fragwürdiger Effekt.

Und der Mann mit den Tausendmarkscheinen? Der ist vor Vorstellungsbeginn weitergereist.

Kai Luehrs-Kaiser | 18.04.2001

Der Spiegel

Volle Dröhnung

Was für ein Theater! Ganz Meiningen spielt verrückt. In den Auslagen des örtlichen Einzelhandels sind zur Feier der Tage Kittelschürzen und Miederwaren mit Wagner-Noten dekoriert. An den Straßenecken lauert auf Plakaten ein Lindwurm mit dem schnauzbärtigen Schädel des linken Bildhauers Alfred Hrdlicka, der sich vor Ort gleich in drei Ausstellungen breit macht.

Im Beiprogramm laufen: Wagners Riesen-»Ring« als kurzweiliges Puppenspiel, eine Ausstellung zu den »Epischen Quellen des ,Ring”« und eine zur »Nibelungentreue«, »Mein Wagner« als Ein-Mann-Drama für Stimme und Klavier, dazu seminaristische Solos und neunmalkluge Auftritte akademischer Schöngeister. »Wagnis Wagner« heißt das offizielle Leitmotiv, Wahnsinn Wagner wäre treffender.

Der Juwelier Tim Autenrieth hat eigens einen 732 Mark teuren Nibelungenring geschmiedet, der Karikaturist Matthias Ose im »Sächsischen Hof« 50 Zeichnungen unter dem Motto »Riccardo grandissimo« ausgestellt, der Hotelier Peter Henzel bei einem Thüringer Weingut extra 1200 Flaschen Riesling abfüllen lassen. Auf dem Etikett der Festgabe hebt Richard Wagner vor jenem Haus das Glas, das ihm nun huldigt wie noch keine Bühne zuvor – dem Meininger Theater. Komisch nur: Von dem Mann, unter dem die Musik spielt und dessen Taktstock zum Maßstab der großen Sause wird, nimmt kaum einer Notiz. Keiner klatscht, wenn er kommt. Unbemerkt sucht sich der kleinwüchsige Twen mit dem Krauskopf und dem dunklen Stoppelbart einen Weg durch den vollen Orchestergraben, steigt still aufs Podium und wartet geduldig, bis sich das Theater eingedunkelt und das Publikum beruhigt hat. Dann gibt er den Einsatz – zum größten Werk Wagners und zum größten Wagnis seiner eigenen Karriere.

In fast altersweiser Seelenruhe setzt der junge Spund die tönenden Dauerwellen eines sagenhaften Stroms in Bewegung; mit dem berühmtesten Es-Dur-Akkord der Musikgeschichte beginnt er den Krimi um das Rheingold und damit die unendliche Geschichte vom »Ring des Nibelungen«. Und wenn erst das Gold geraubt und der erste Mord über die Bühne gegangen ist, dann nimmt die lange Saga ihren blutigen Lauf, und wonniglich labt sich die Wagner-Gemeinde am magischsten Krimi des Musiktheaters.

Rund 16 Stunden, Abend für Abend von Karfreitag bis Ostermontag, hat der Kapellmeister Kirill Petrenko, 28, hier, im kleinen Meininger Schmuckkasten, Götter, Nornen und Schurken in die Apokalypse begleitet, und dann, als Walhall endlich in Schutt und Asche lag, stand der schmächtige Stabführer da als der mächtige Anführer eines tollkühnen Großunternehmens. »Weltklasse«, urteilte die »Frankfurter Rundschau« über den Mann, der bis dato, nicht zu glauben, noch keine einzige Wagner-Oper dirigiert hatte.

Ein »Ring« also mit einem Novizen am Pult; in mehrjähriger Kleinarbeit einstudiert; von zwei verschiedenen Orchestern in 150 Proben eingepaukt und dann im Job-Sharing gespielt; auf der Bühne lauter Rollendebütanten, die unter 80 Kandidaten aus vier Kontinenten ausgewählt worden waren; das Ganze im lückenlosen Viererpack ohne Verschnaufpause geboten und bis Juli auch noch dreimal in derselben geballten Ladung wiederholt – für ein solches Himmelfahrtskommando hat sich noch kein Institut der Welt stark gemacht, nicht mal die selbstgefällige Wagner-Kapitale Bayreuth.

Und nun das: Ausgerechnet beim Nibelungen-»Ring«, diesem Jumbo unter den Musikdramen, hat der David den Goliath glatt deklassiert – eine Schlappe, die das Bayreuth der Wagners in Zeiten familiärer Kabale und politischer Ranküne doppelt peinlich trifft.

Während der italienische Dirigent Giuseppe Sinopoli**, der seltsamerweise an der Börse der Maestros immer noch als Blue Chip gehandelt wird, letzten Sommer beim neuen Bayreuther »Ring« wie im Tran über den Grünen Hügel geschwankt war und dabei gleichermaßen Pep, Pathos und Poesie der großen Machtmusik verpasst hatte, erwies sich Petrenko, Exot aus dem westsibirischen Omsk und fast noch No-Name, selbst im Gekröse der verschlungenen Wagner-Klänge als kundiger Pfadfinder. Falsche, fette Feierlichkeit speckte er ab, volle Dröhnung kostete er aus, den Pomp im Blech ließ er prangen wie Wotan sein Walhall, Modulationen in der Musik setzte er um in Seelendramatik, und wenn er schwelgte, dann mit einem Händchen für schlanke Lyrik und feinem Ohr für Stil und Schliff.

Mochten dem hellhörigen Dirigenten dabei die zwei – unterbesetzten – Klangkörper (das Meininger Hausorchester und die Philharmonie Gotha-Suhl) mit dünnlichen Streichern und wackligen Einsätzen auch mehrmals die Gefolgschaft verweigern – die Patzer ließen sich leicht verschmerzen. Denn auf der Bühne wurde gleichzeitig eine alte Tugend wiederbelebt: die Haute Culture des Wagner-Belkanto.

Welche Wohltat: kaum schrille Schärfen bei hochdramatischen Eruptionen, kein dumpfes Nöhlen in nachtschwarzen Bässen; über weite Strecken einfach Gesang statt Geschrei und saubere Diktion statt geknödeltem Kauderwelsch.

Und bei alledem noch ein Wotan (Franz Hawlata), der sich souverän als Gottheit und Zuchtmeister aufspielte, oder die Wälsungengeschwister Sieglinde und Siegmund (Brigitte Wohlfahrt und Frank van Aken), die sich mit lustbetontem Jubel unter dem Wonnemond paarten – ein Inzest auf betörender Ohrenweide.

Ach, und schließlich Wotans »Wunschmaid«, diese prachtvoll barocke Australierin Lisa Gasteen als Brünnhilde, deren Sopran in keuscher Sanftmut niederknien und im nächsten Augenblick auch wieder in heiligem Zorn erbeben konnte. Ihr gebührt das blaue Stimmband. Alles hatte sie drauf: Güte, Glut, Galle, und alles in einem. »Sie allein«, frohlockte »Die Welt«, »lohnt den Thüringen-Trip.«

Und was lohnt da noch den Bayreuth-Trip? Etwa der dortige »Ring«, der noch nie richtig in Form war und jetzt gänzlich aus der Fassung zu geraten droht? Schließlich müssen, laut »Süddeutscher Zeitung«, bis zum Sommer »mehr als zehn neue Sänger« als Ersatz für flüchtige oder gefeuerte Stars engagiert werden, und Regisseur Jürgen Flimm weiß weder ein noch aus. Dabei war Flimm im letzten Jahr Bayreuths Hoffnungsträger gewesen, hatte einen politischen »Ring« mit aktueller Schlagkraft verheißen, nahm eigens bei Akademikern Nachhilfeunterricht und – war beraten und verkauft. Die Inszenierung missriet, der »Ring 2000« erwies sich als Verlegenheitslösung ohne Biss und Pfiff.

Nun ist ja auch die zungenfertige Meininger Intendantin und Regisseurin Christine Mielitz, 51, mit heiligen Eiden in ihren »Ring« gestiegen, ist stolz und kampfeslustig wie Brünnhilde in »Wagners Ideenschlacht« gezogen, die »Potenz der Revolution« vor Augen, aber auch das bescheidene Budget ihres Hauses. »Groß« sollte ihre Tetralogie dennoch werden, möglichst sogar »überwältigend«. Aber sie wusste, dass es ein Walkürenritt über die Werra würde.

Sie hat es geschafft – nicht rundweg, aber durchweg. Im Bund mit dem Wiener Eigenbrötler Hrdlicka, der bei der Oper, zumal der Wagners, am liebsten in Hassliebe wegguckt, glückte ihr zumindest die Transplantation der Tetralogie aus einer mythisch umnebelten Grauzone in die schwarz-rot-goldene Zeitgeschichte und aus Niemandsland nach Deutschland.

In deutsche Trikolore sind ihre Rheintöchter gewandet, die viermal abendfüllend durch die Szene geistern, auf schwarz-rot-goldenem Laken räkelt sich die Urmutter Erda, und auf demselben farbigen Fahnentuch ruhen auch Siegmund und Sieglinde nach sündigem Liebesspiel.

Die weiß getünchte Barrikade – originalgetreues Remake jenes Bollwerks, auf dem der Revolutionär Wagner 1848 in Dresden seine aufständische Gesinnung demonstrierte – erweist sich in »Rheingold« als imposanter, virtuos genutzter Spielplatz; glänzend auch die Idee, den dritten Akt der »Götterdämmerung« nicht wieder, wie im Libretto vorgeschrieben, auf den Grund des Rheins, sondern in einen Festsaal zu verlegen, wo alles prachtvoll schimmert: die Welt in Falschgold, die Menschheit in trügerischem Glamour; Apokalypse folgt.

Der Meininger »Ring« hat, keine Frage, große Momente, rührende und packende und komische, etwa wenn sich der verzweifelte Siegmund in Wotans Speerspitze stürzt, wenn Jung-Siegfried seinen psychothrillernden Kleinkrieg mit dem Ziehvater Mime sogar noch im Kinderbett führt, wenn Wotan und Brünnhilde den toten Siegmund in ihren Totentanz einreihen oder die Walküren wie im Schlachthof ihre gehäuteten Helden bestaunen.

Aber längst nicht alles glückt oder überzeugt. Mielitz, die gelehrige Schülerin des notorischen Unruhestifters Harry Kupfer, setzt gern möglichst alles und jeden in Bewegung: die Fahne hoch, die Fahne runter; alle Mann links, alle Mann rechts, das Ganze kehrt; ständig wird zugestochen, geprügelt, mit Schwertern und Speeren herumgefuchtelt; Flaschen fliegen, Gläser splittern, und Hagens Raubeine müssen sogar Fußball spielen.

Anfang Mai geht Meiningen mit seinem »Ring« in die zweite Runde, dazu erwartet Mielitz auch einen prominenten Kollegen aus der Nachbarschaft, den Greis vom Grünen Hügel. Und Wolfgang Wagner wird dann nicht nur mitansehen müssen, dass die thüringische Konkurrenz seinem altfränkischen Tempel im »Ring« den Rang abgelaufen hat, sondern er wird im Schlund des wilden Drachens auch seine Mutter wiedersehen – ein Gag, der den Gästen des Premieren-Zyklus versagt blieb: Die Statisten hatten bei der Aufführung am Ostersonntag das Stichwort und so ihren Auftritt verpasst.

Ganz kurz nur, doch lang genug für einen vorwitzigen Seitenhieb auf Bayreuths Pappkameraden reißen Mielitz und Hrdlicka ihrem Wurm mit dem Richard-Wagner-Schädel nämlich das Maul auf, und dann taucht darin, genau vor der (gemalten) Kulisse des Festspielhauses, Winifred Wagner neben Rudolf Heß auf, auch Göring und Goebbels sind zu Gast, Helmut Kohl lässt sich blicken, selbst der Waffenhändler Schreiber guckt mal vorbei. Bayreuth, so die Meininger Pointe, ist stolz auf eine rechte Gesellschaft. Ob das den Alten wohl wurmt?

Klaus Umbach | 22.04.2001

Rating
(6/10)
User Rating
(3.5/5)
Media Type/Label
Technical Specifications
256 kbit/s CBR, 44.1 kHz, 1.5 GiB (MP3)
Remarks
In-house recording
A production by Christine Mielitz (premiere)