Der fliegende Holländer

Patrick Lange
Philharmonia Chor Wien
Piedra Festivalorchester
Date/Location
9 August 2025
Römersteinbruch St. Margarethen
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
DalandJens-Erik Aasbø
SentaElisabeth Teige
ErikAJ Glueckert
MaryLora Grigorieva
Der Steuermann DalandsJinxu Xiahou
Der HolländerJames Rutherford
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Reviews
Kleine Zeitung

“Der fliegende Holländer” mit Punktlandung im Römersteinbruch

Bei den Opernfestspielen im Römersteinbruch St. Margarethen hat man zur Premiere der neuen Ausgabe am Mittwoch auf ein ganzheitliches Erlebnis gesetzt. Während sich in der gewaltigen Kulisse des Römersteinbruches Wagners Drama um den “Fliegenden Holländer” in norwegischen Gefilden abspielte, lieferte der Wettergott die passenden skandinavischen Temperaturen. Gejubelt wurde am Ende von der versammelten Menge dennoch – und beileibe nicht nur, um sich warm zu klatschen.

“Wie saust der Wind”
Wie auf Befehl passend zu Sentas Zeile “Hui! – Wie saust der Wind!” taten die Lüfte des Burgenlandes genau dieses. Die Sturzfluten, die sich im Laufe des Abends als Videoprojektionen auf der Bühne ergossen, blieben dem Premierenpublikum allerdings realiter erspart. Und so kann das Debüt für ein Richard Wagner-Werk im gewaltigen Rund des Römersteinbruchs zweifelsohne als Erfolg gefeiert werden.

Schließlich weiß das Leadingteam rund um Regisseur Philipp M. Krenn und Bühnenbildner Momme Hinrichs mit dem Areal umzugehen. Die Kante des Steinbruchs wird als Potemkinsches Dorf zu einer norwegischen Fischersiedlung, Leuchtturm inklusive. Das sich letztlich öffnende Haus von Senta thront indes in der Mitte der Szenerie. Hier träumt die junge Protagonistin von der Sagengestalt des Fliegenden Holländers, der verdammt ist, ewig über die Meere zu segeln und der nur alle sieben Jahre einmal an Land darf, um in der Liebe die Erlösung zu suchen.

Begrenzt wird die Bühne von gewaltigen Wellenbergen, die sich auftürmen und im Verlauf für Lichtspektakel und projizierte Fluten oder Sternenhimmel dienen. Dazwischen haben die Protagonisten teils markante Auftritte. So entert etwa das Holländer-Schiff spektakulär in bester “Fluch der Karibik”-Manier die Bühne.

Schatten an der Wand
Spektakel kann man in St. Margarethen eben. Zugleich gelingen dem Videoexperten Hinrichs intime Momente, wenn er einzelne Akzente mit dem Licht setzt und so auf das Geschehen fokussiert. Auch werden mittels Liveprojektionen innige Momente der Figuren in Sepia an die Wand des Steinbruchs geworfen.

In dieser für die gewaltigen Dimensionen des Margarethener Freilufttheaters ungewohnten Nähe überzeugt vor allem die bayreuth-erfahrene Elisabeth Teige als Senta. Mit eleganter Höhe und einer satten Tiefe hält sie der Männerriege problemlos stand, gibt der eigentlich jugendlichen Figur dank ihres Timbres eine überraschende Reife und Abgeklärtheit.

Als ihr Love Interest überzeugt über weite Strecken der georgische Bariton George Gagnidze, auch wenn diesem Holländer am Ende ein wenig die stimmlichen Kräfte verlassen, um den Flug sicher nach Hause zu bringen. Und nicht zuletzt der chinesische Bass Liang Li gewann an diesem Abend als Sentas Vater Daland mittels Wortdeutlichkeit und Contenance die Herzen des Publikums.

Im flotten Ruderschlag geht es dahin
Dass man im Römersteinbruch dabei die frühe Fassung des Wagner-Werks mit in sich abgeschlossenen Arien und Nummern spielt, eröffnet Dirigent Patrick Lange die Möglichkeit von Mikropausen und dem wagner-ungeschulten Publikum einen abgefederten Einstieg in die Welt des Komponisten. Ansonsten rauscht Lange als musikalischer Leiter des Piedra Festivalorchesters mit flottem Ruderschlag durch die Partitur dem Ende zu. Hier springt Senta nicht einfach aufopferungsvoll von der Klippe ins Meer, um ihrem Idol die Erlösung zu schenken – in St. Margarethen wird das Ganze zur brenzligen Angelegenheit. Eine Bauchlandung legt die Oper im Steinbruch mit diesem “Holländer” aber keinesfalls hin.

10. Juli 2025

news.at

Piraten entern den Steinbruch

Großes Spektakel und Qualität sind kein Widerspruch. Das demonstriert Intendant Daniel Serafin bei den Opernfestspielen im Römersteinbruch von St. Margarethen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals zeigt er eine Oper von Richard Wagner. Dass er sich für das kurze Frühwerk „Der fliegende Holländer“ entschied, machte die Sache nicht leichter. Denn das verlangt großes Spektakel und feinsinniges Kammerschauspiel.

Um beides auf diese gigantische Naturbühne zu bringen, braucht man Könner wie den Regisseur Philipp M. Krenn. Der zeigt die Geschichte des verfluchten Seefahrers, der mit seiner Zombie-Crew so lange um die Welt segeln muss, bis ihm eine Frau ihre Treue verspricht und damit erlöst, als packenden Märchen-Thriller. Alle sieben Jahre darf er sein Glück versuchen. In Sandwike trifft er auf Senta, die seine Geschichte kennt und davon träumt, ihn zu erlösen.

Jack Sparrow im Prunkgewand
Momme Hinrichs hat ein faszinierendes Szenario geschaffen. Auf den Klippen der Felsen ist im echt norwegischen Stil ein kleines Dorf, samt Kirche und Leuchtturm aufgebaut. Vom Boden ragen gigantische Tsunami-Wellen empor, die man von den Bildern des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai kennt. Die braven Seeleute kommen mit ihren Booten an. Das Schiff des Holländers dringt mit roten zerfetzten Segeln ein. Der richtet sich wie ein Aquarius an Deck auf. Wenn er seinen Seetang-Umhang ablegt, wandelt er sich in Jack Sparrow im Prunkgewand. Das erinnert an den Hollywood-Blockbuster „Pirates of the Caribbean“.

Für die intimen, kammerspielartigen Szenen wird Dalands Haus im Zentrum geöffnet. Das liegt etwas weit oben, man muss schon sehr gut sehen, um das Geschehen verfolgen zu können. Abhilfe schafft eine dezente Übertragung per Live-Kamera wie aus den ersten Tagen der Stummfilmzeit. Das Beste aber, Krenn inszeniert direkt aus der Partitur. Seine Personenführung stimmt vollends mit der Musik überein. Er lässt keinen Effekt aus. Wie er seiner Phantasie freien Lauf lässt und nahezu das gesamte Wagner’sche Werk abbildet, sieht man gern. So entfacht er mit fulminanten Videoprojektionen am Ende einen veritablen Feuer- und Wasserzauber. Senta springt am Ende von der Klippe in die Flammen wie Brünnhilde am Ende der „Götterdämmerung“. Unwesentliche Kürzungen in den Chorpassagen nimmt man da in Kauf.

Guter Gesang
Gesungen wird sehr gut. Elisabeth Teige ist eine erstklassige Senta mit Bayreuth-Erfahrung. Mit Ausdruck intoniert sie ihre Ballade und prunkt mit ihren Spitzentönen. George Gagnidze ist ein wortdeutlicher Holländer. Man kann darüber mutmaßen, ob ihm die Kälte im Verlauf des Abends die Kraft geraubt hat. AJ Glueckert, der bereits vor Jahren an der Metropolitan Opera in New York den Erik gesungen hat, überstrahlt mit seinem schillernden Timbre die Herren in der Besetzung.

Liang Li ist ein solider Daland. Jinxu Xiahou ein guter Steuermann. Roxana Constantinescu komplettiert mit Ausdruck als Mary. Patrick Lange führt das Orchester mit einer Überdosis an Understatement. Das Wogen in Wagners Musik erinnert in weiten Passagen an das Plätschern des Neusiedler Sees bei Schönwetter. Die Tonanlage wirkt so als wäre sie zu leise eingestellt. Aber das kann sich bei dieser sehenswerten Produktion noch ändern.

Susanne Zobl | 10.07.2025

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Media Type/Label
Technical Specifications
717 kbit/s VBR, 48.0 kHz, 673 MiB (flac)
Remarks
In-house recording of an open air production
A production by Philipp M. Krenn (2025)
Also available as video with a slightly different cast