Lohengrin
| Heinrich der Vogler | Kwangchul Youn |
| Lohengrin | Piotr Beczała |
| Elsa von Brabant | Rachel Willis-Sørensen |
| Friedrich von Telramund | Wolfgang Koch |
| Ortrud | Tanja Ariane Baumgartner |
| Der Heerrufer des Königs | Samuel Hasselhorn |
| Vier brabantische Edle | Jan Kožnar |
| Vladislav Agamuradov | |
| Filip Novotný | |
| Václav Jeřábek | |
| Stage director | Johannes Erath (premiere) |
| Set designer | Herbert Murauer |
| TV director | Nele Münchmeyer |
Endlich wieder Oper im Festspielhaus
Ein Osterwunder auf der Bühne des Festspielhauses: Piotr Beczała ist (!) Lohengrin und singt zum Niederknien – ein Tenor der Weltklasse. Endlich wieder Oper im Festspielhaus – wird es seinem Namen gerecht? Der neue Weg nach dem Exodus der Berliner Philharmoniker in ihre alte Heimat bringt neue Künstler an die Oos. Und der Schwan soll die Osterfestspiele zu neuen Ufern ziehen. Richard Wagners Lohengrin, die Oper der Opern, inszeniert von Johannes Erath, Joana Mallwitz dirigiert das Mahler Chamber Orchestra und eine beachtliche Sängerriege.
In guter Erinnerung ist der Baden-Badener Lohengrin von 2006, in hochrangigere Besetzung mit Kent Nagano, Nikolaus Lehnhoff, Waltraud Meier, Klaus Florian Vogt. (Opus Arte 3 DVDs).
Lohengrin, Romantische Oper in drei Akten. Uraufgeführt an Goethes Geburtstag am 28. August 1850 in Weimar unter Leitung von Franz Liszt und erst 1894 in Bayreuth gespielt. Wegen seiner Beteiligung an der Dresdner Mairevolution von 1849 musste Wagner fliehen, wurde steckbrieflich verfolgt und versäumte die Uraufführung, weil er im Zürcher Exil war. Wagner identifizierte sich mit Lohengrin. Er kommt sich als Gott vor, d.h. absoluter Künstler und erzählt so die Historie aus dem 10. Jahrhundert.
König Heinrich I. hält Gericht unter der großen Eiche und erhebt Klage gegen Elsa (Rachel Willis-Sørensen). Ihr Sopran sollte dramatisch sein, aber nicht scharf in der Höhe. Ihre Technik rettet sie, die ein Wagner-Sopran haben muss.), der Tochter des verstorbenen Herzogs von Brabant, die ihren Bruder Gottfried ermordet haben soll. Ihn gibt Kwangchul Youn, gekleidet im modernen blauen Straßenanzug – also zeitlos. Sein Baß ist recht hoch in der Tessitura, Schwärze geht ihm ab. Die Regie lässt die Sänger freundlich vorne und an der Rampe stehen, so dass es keine Schrei-Probleme gibt. Das Orchester und Dirigentin Joana Mallwitztragen die Sänger und rollen quasi den Teppich für die Stimmen aus. Es wird sehr textverständlich gesungen, so dass man die Übertitel kaum benötigt hätte. Elsa ist irgendwie die Hauptperson. Hatte Wagner erwogen, ihr den Titel der Oper zu widmen? Aber es geht ihm weniger um das Schicksal des weiblichen Wesens, sondern um die Tragik des Lohengrin, mit dem er sich identifiziert. Das ist nachzulesen in den Mitteilungen an seine Freunde. Wagners Idee vom Weib der Zukunft spitzt sich in der Gestalt der Elsa zu, bis hin zur totalen Fremdbestimmung der Frau. Zur Prämisse ihrer Erlösung wird, dass sie Lohengrin nicht nach seinem Namen fragen darf. „Es ist das Verhalten einer Prostituierten, das hier gefordert wird: mit dem unbekannten Mann ins Bett zu gehen“ (Mitteilung an seine Freunde). Ihr Vergehen, als sie das über sie verhängte Frageverbot bricht, besteht in der Verweigerung des absoluten Gehorsams. Die Prämisse der Welterlösung ist der Gehorsam bis zum Tode.
Der Erlösungsretter kommt mit dem Schwan, der ihn in einem Nachen auf die Bühne zieht. Wie löst der Regisseur das? Das Bühnenbild ist eine große runde Scheibe, eingerahmt von einer leuchtenden, rechteckigen Lichtröhre. Im Mittelpunkt erscheint eine Gestalt im großen Federmantel: Lohengrin. Er ist die Lichtgestalt, schon früh geadelt von Jürgen Kesting, der die drei wichtigsten Qualitäten eines Sängers mit Rossini beantwortet: „Stimme, Stimme und nochmals Stimme.“ Piotr Beczała besitzt diese Qualitäten gleich sechsfach. Seine Prachtstimme – von Samt ummanteltes Silber. Seine hohen c’s dürften ihm den Neid aller Tenöre sichern. Und wer trägt Sorge dafür, dass das alles erhalten bleibt? Im Zweifelsfall sicher seine Ehefrau, die ebenfalls Sängerin ist. Er hat es nicht nur erhalten, sondern fortgeführt um vom Lirico-spinto zum Heldentenor zu reifen. Und das alles dufte man im Festspielhaus erleben und riss das Publikum von den Sitzen. Seine Gralserzählung im III. Akt war ein Traum und ging mit den weichen Legatobögen zu Herzen. Es gibt sie also noch: die Tenöre, die die Stimme reifen lassen und dann einfach nicht zu übertreffen sind.
Zu danken ist dies auch Joana Mallwitz, die sich ihn für die Partie wünschte. Sie war das zweite Wunder des Abends. Eine Frau am Pult muss man nicht extra erwähnen, obwohl sie eine gute Figur in jeder Hinsicht machte. Sie hat Ausstrahlung und überträgt ihr Engagement auf das Mahler Chamber Orchestra. 1997 gegründet, arbeiten die Musiker frei, hier im Kollektiv aus 25 Nationen. Ihr Mentor und Partner war viele Jahre Claudio Abbado, was dem Orchester anzuhören ist.
Bereits das Vorspiel zum I. Akt ließ die Größe der Künstler erkennen. Über vier Takte erstreckt sich im hohen Flageolett der achtfach (!) geteilten Violinen mit sanften Flöten- und Oboen-Kolorit ein A-Dur Dreiklang. Das war hohe Kunst, das Flimmern eigentlich unglaublich überirdisch.
Diese Aufführung mit vielen Wundern ist dem Regisseur Johannes Erath zu verdanken. Er bleibt am Text und an den Noten, führt mit zeitlosen Kostümen (Gesine Völlm) in irgendeine Zeit und bleibt dabei dem Inhalt treu, was sicher nicht einfach ist. Er geht mit leichter Hand über die Nazi-Propaganda hinweg. Sie ist ja unwichtig. Herbert Murauer baute das Bühnenbild, sehr geschickt mit dem Umbau in die Handlung einbezogen. Eigentlich war es anfangs der Zauber der leeren Bühne (Peter Brookes). Das Licht wirklich ein Kunstwerk von Joachim Klein und kongenial die Videos von Bibi Abel. Sie übernahmen die Handlungsstränge, die mit dem Bühnengeschehen konform gingen. Die Chöre aus Brünn und Wien vervollkommneten das Geschehen. Die Bühne war eigentlich überfüllt durch die Chöre. Aber geschickt choreografiert waren sie Teil des Gesamtkunstwerks.
Die Sängerriege war entsprechend groß und auch schauspielerisch dabei. Wolfgang Koch war Telramund mit schwarzem Bariton. Tanja Ariane Baumgartner war Ortrud, seine böse Gefährtin. Leider ist ihr Mezzo sehr scharf in den Höhen, die beste Zeit wohl vorbei. Samuel Hasselhorn als Heerrufer erfüllte mit kernigem Bariton seine Rolle.
Über das Gesamtkunstwerk Lohengrin hat es Bühnenwitze, Anekdoten und Parodien gegeben. „Dass da ein Held in Silberrüstung vom wilden Schwan gezogen, in letzter Sekunde auf schwankendem Nachen erscheint, um eine verfolgte Unschuld zu retten, dass da eine liebende Frau unselig aufgestachelt wird, genau die Frage stellen muss, die der liebende Retter zu stellen verbot, dass da eine Hochzeitsnacht misslingt und eine Tragödie sich grausam logisch vollzieht in konkreter historischer Zeit.“ (J. Kaiser) Wenn alles auf der Bühne sich pathetisch, schwungvoll und tiefgründig mischt, dann ist die Parodie nah. Hier bei Nestroys Lohengrin, der den Schwan durch ein Schaf ersetzt:
„Nun sei bedankt mein gutes Schaf Kehr wieder heim zum Zauberschlaf Du warst geduldig, lieb und brav Wie ich fürwahr kein Schaf noch traf Leb wohl, leb wohl mein gutes Schaf!“‘„Es mag eine dramaturgische Schwäche sein, dass Lohengrin einfach vollkommen ist, der nur menschlich lieben und geliebt werden möchte. Trotzdem hätten wir viel verloren, wenn wir ein solches Bühnenmärchen nicht angemessen aufführen und verstehen würden.“ Man schließt sich gerne dem Urteil Joachim Kaisers an. So auch das Publikum mit großem Jubel, nach mehr als viereinhalb Stunden.
Inga Dönges | 29. März 2026
Das Überirdische steht im Zentrum
Thomas Mann bezeichnete Richard Wagners „Lohengrin“ als seine „echte, bleibende, bei jedem Kontakt sich erneuernde Jugendliebe“. Das kann man bei der Inszenierung von Johannes Erath gut nachvollziehen, der selbst Geiger im Orchester der Wiener Volksoper war und als Regisseur international gefragt ist. Diese Inszenierung ist aus der Musik geboren worden. Lohengrin erscheint als Gralsritter in Schwanenfedern, die sogar von der Decke des Festspielhauses regnen. Bei der Hochzeit mit Elsa im zweiten Akt gibt es über der großen Treppe ein riesiges Feuerwerk, Nebel und Rauch vermischen sich in geheimnisvoller Weise. Ein großer Kreis markiert magische Momente, im Hintergrund sieht man Planeten. Und bei der dämonischen Szene zwischen Ortrud und Telramund im zweiten Akt dominiert ein riesiger Mond, während unheimliche schwarze Figuren das schwarz-weiße Ambiente untermalen. Obwohl die Szenen mit den Fernsehgeräten manchmal nicht so recht zu passen scheinen, stört dies den dramaturgischen Gesamtablauf nicht.
Trotz dieser szenischen Schwäche können das fantasievolle Bühnenbild von Johannes Murauer und das fulminante Kostümbild von Gesine Völlm das Publikum fesseln. Im dritten Akt sitzen Elsa und Lohengrin am Esstisch auf der Treppe, sie können nach der Hochzeit gar nicht mehr richtig zusammenkommen. Elsa bedrängt Lohengrin immer drängender und stürmischer mit ihren Fragen, obwohl er sie dringend gebeten hatte, dies nicht zu tun. Schließlich muss er doch seine Identität preisgeben. Ortrud hat als lachende und triumphierende Hexe zuletzt noch einmal einen gewaltigen Video-Auftritt, während Lohengrin in der Seitentür entschwindet. Elsa sinkt entseelt zu Boden, als ihr kleiner Bruder zum Herzog von Brabant ausgerufen wird. Man sieht im dritten Akt viele Schwäne, die das Bühnenbild zu beherrschen scheinen. Erath möchte das Wunder szenisch herbeizaubern. Dies ist ihm vor allem im ersten Akt gelungen, der einen großen Eindruck hinterlässt. Johannes Erath sagt selbst, dass er bei dieser Arbeit an ein Wunder glaubt. Für ihn ist die leere Bühne ein heiliger Ort. Dieser Abend lebt auch von der Verzauberung, aber nicht von der oberflächlichen Trennung von Schwarz und Weiß. Das Theater soll auf das Publikum hier ganz unmittelbar wirken. Das ist in jedem Fall sehr gut gelungen. Man kann wirklich sagen, dass hier das Überirdische im Zentrum steht. Trotz seines kammermusikalischen Zuschnitts kann das Mahler Chamber Orchestra unter der inspirierenden Leitung von Joana Mallwitz den Hörer sofort überzeugen. Dies beginnt schon bei den irisierenden Streicherklängen beim überirdischen Vorspiel mit seinen Flageolett-Tönen und setzt sich dann bei der prägnanten thematischen Verarbeitung der Motive und harmonischen Verbindungen fort. Das motivische und melodische Material wird bei Joana Mallwitz sehr präzis herausgearbeitet. Doch das Kammermusikalische dominiert keinesfalls, es gibt auch monumentale dynamische Steigerungen, die nie aufgesetzt wirken. Piotr Beczala ist als Lohengrin nach wir vor eine Idealbesetzung, seine A-Dur-Welt wirkt sphärenhaft und besitzt doch eine ungeheure vokale Strahlkraft. Vor dem Erscheinen Lohengrins erklingt das As-Dur fast gespenstisch, bei seinem Abschied in schmerzlichem a-Moll. Das wirkt auf jeden Fall unheimlich und unwirklich, wird aber in seiner melodischen Tiefe voll ausgekostet. Hervorragend ist auch Rachel Willis-Sorensen als Elsa, deren strahlende Spitzentöne alles überragen und ihr Wesen in B-Dur einfühlsam unterstreichen. Die dämonische fis-Moll-Welt von Ortrud und Telramund wird von Joana Mallwitz mit dem Mahler Chamber Orchestra ebenfalls höchst sensibel beschworen.
Dadurch erreichen die dramatischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Paaren eine enorme dramatische Kraft. Wolfgang Koch liefert als Telramund ein ausgezeichnetes und geradezu explosives Charakterporträt, während Tanja Ariane Baumgartner als Ortrud ihre stimmlichen Reserven bei den Spitzentönen bis zum Zerreissen anspannt. Ihre Triumphlust gipfelt mit übermäßiger Quart und kleiner Sext in einer „Zigeuner-Tonleiter“. Und ihr gellendes Hohngelächter wurde noch in keiner Inszenierung so intensiv gezeigt! Sie erscheint als überragende Figur – auch angesichts ihrer Trauer um den von Lohengrin getöteten Telramund. Langweilig wird es hier nie. Exzellent agieren der Tschechische Philharmonische Chor Brünn sowie der Philharmonia Chor Wien. Kwangchul Youn als König Heinrich beeindruckt das Publikum mit fulminant-sonorer Bass-Kraft in C-Dur. Und auch die Stille in der Musik spielt bei Joana Mallwitz eine große Rolle. Der „Märchenkönig“ Ludwig II. verließ eine „Lohengrin“-Aufführung übrigens tränenüberströmt – und diese starke seelische Bewegung kann man auch bei Johannes Eraths Inszenierung nachvollziehen. Der zauberische Glanz der Liebesnacht verläuft nämlich bei seiner Werkdeutung besonders erschütternd. Der e-Moll-Akkord der Posaunen geht durch Mark und Bein. Und auch die scheinbar schmetternde „Hochzeitsmusik“ zu Beginn des dritten Aktes verläuft keineswegs oberflächlich. Alles geht in eine geradezu philosophische Tiefe. Besonders markant ist dies bei jener Sequenz, wo das Rachemotiv plötzlich im lichten und zarten Tonreich seine Schatten wirft. Bei den verhallenden Klängen des Brautchors nähert sich Lohengrin der Geliebten in bewegender Weise. Da trägt diese Interpretation eine unverkennbar weibliche Handschrift. Die Zartheit der Partitur wird trotz aller monumentalen Klangblöcke immer wieder berührend herausgestellt. Das sind Momente, die man nicht vergisst. Samuel Hasselhorn gefällt als Heerführer des Königs. Vier brabantische Edle und vier Edeldamen werden von Solisten des Tschechischen Philharmonischen Chors Brünn und von Solistinnen des Philharmonia Chors Wien sehr gut gesungen. Zu nennen sind hier Jan Koznar, Vladislav Agamuradov, Filip Novotny, Vaclav Jerabek, Lisa Barletta, Orsolya Gheorghita, Rotraut Geringer und Barbara Egger. Anton Forcher und Christian Beer spielen neben den Statisten abwechselnd Herzog Gottfried.
Lautstarker Jubel!
Alexander Walther | 06.04.2026
„Lohengrin“ eröffnet die neuen Osterfestspiele
Die Berliner Philharmoniker spielen nun zu Ostern wieder in Salzburg. Im Festspielhaus Baden-Baden spielt nun das Mahler Chamber Orchester Oper – und beginnt mit Wagner.
Neuanfang an der Oos an Ostern oder um Ostern herum. Nachdem die Berliner Philharmoniker wieder zu den Osterfestspielen nach Salzburg zurückgekehrt sind, war im Festspielhaus Baden-Baden ein Neuanfang angesagt. Das Programmkonzept bleibt weitgehend gleich. Es gibt eine große szenische Oper und zahlreiche Konzerte, große Sinfoniekonzerte im Festspielhaus und Kammerkonzerte in der ganzen Stadt. Neu ist, dass nun nicht mehr ein Orchester in Residenz kommt, sondern zwei: das Mahler Chamber Orchestra und das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam.
Das Mahler Chamber Orchestra, eigentlich kein etatmäßiges Opernorchester, hat etwa unter Claudio Abbado schon mehrfach im Festspielhaus bei Opernproduktionen gespielt. Neu ist nun die Zusammenarbeit mit der Dirigentin Joana Mallwitz – und im ersten Jahr der Auftritt mit einer Oper von Wagner. Doch das Ensemble spielt ja immer wieder auch in größerer Besetzung als für ein Kammerorchester üblich. Beim „Lohengrin“ gab es bei der Orchesterstärke jedenfalls keine Einschränkungen. Die von diesem Ensemble zu erwartende außerordentliche Qualität war bei Wagners Romantischer Oper bei der Premiere ebenfalls zu erleben, so dass in dieser Hinsicht gewiss nicht von einem qualitativen Rückschritt bei den Baden-Badener Osterfestspiele die Rede sein kann.
Im Gegenteil: Musikalisch war dieser „Lohengrin“ eine grandiose Sache und allemal festspielwürdig. Schließlich war die Titelpartie mit dem polnischen Tenor Piotr Beczała besetzt, der zuletzt 2025 in Bayreuth bei den Festspielen in dieser Rolle das Publikum in Ekstase versetzte und auch jetzt in Baden-Baden belegte, dass er derzeit der erste Sänger für diese Rolle ist, ja überhaupt hier einen Meilenstein in Sachen Wagnergesang setzt. Seine Gestaltung ist von sagenhafter Präsenz und Ausstrahlung, vor allem aber singt er mit einer Fülle und Schönheit des Tons sowie einer wie selbstverständlichen Gesanglichkeit, die Takt für Takt Staunen machen.
Auch die Dirigentin Joana Mallwitz hat ihre Geschichte mit der Oper, die sie 2019 mit Erfolg in Nürnberg einstudiert hatte. Mit dem in allen Registern exzellent besetzten und ungemein flexibel reagierenden Mahler Chamber Orchestra bietet sie nun in Baden-Baden eine ungewöhnlich wandlungsfähige und spannungsvolle Wiedergabe der „Lohengrin“-Partitur. Da ist nichts von altdeutscher Wagner-Konvention und schwerem Klang zu spüren. Ganz genau und nuanciert, dazu dynamisch außerordentlich breit zwischen zartestem Pianissimo und hellem Fortissimo folgt die Dirigentin den Stimmungen und Emotionen der Musik. Ätherisch und himmlisch ruhig beginnt sie das Vorspiel. Es gibt viel zu entdecken bei ihrem „Lohengrin“, der – wie gesagt – nichts Konventionelles an sich hat.
Phänomenal singen die Chöre, der Tschechische Philharmonische Chor Brünn und der Philharmonische Chor Wien. Sie machen dem Bayreuther Festspielchor in dieser Choroper Konkurrenz – und das will etwas heißen.
Vom Lohengrin des Piotr Beczała war schon die Rede. Als Elsa von Brabant überzeugt Rachel Willis-Sørensen durch ihre gelungene Verbindung von feinen lyrischen Linien und zarten Tönen mit leidenschaftlicher Empfindung. Sie gibt der Partie Tiefe und Glaubwürdigkeit. Als Friedrich von Telramund fasziniert Wolfgang Koch durch seine hochdramatische, wortgenaue und Extreme nicht scheuende Diktion. Als Ortrud entfaltet Tanja Ariane Baumgartner gewaltigen und zwingenden vokalen Furor und wirkt doch verblüffend menschlich in der Rolle. Als Heinrich der Vogler setzt Kwangchul Youn seinen fulminanten Bass sehr effektiv und mit Wohllaut ein, auch der Heerrufer des Samuel Hasselhorn zeichnet sich durch große Stimmkultur aus.
Regie bei diesem „Lohengrin“ führte Johannes Erath im Bühnenbild von Herbert Murauer und den Kostümen von Gesine Völlm. Für das Licht ist Joachim Klein zuständig, für die Videos Bibi Abel. Es ist kein naturalistischer „Lohengrin“, natürlich keiner in der Optik des Mittelalters, aber auch keiner in einer konkreten Zeit. Es ist eine Mischung aus Märchenwelt, 19. Jahrhundert und Jetztzeit. Der Chor stellt eine vergnügungssüchtige Gesellschaft dar, die feiern will und dann irgendwie in die Geschichte um Elsa und den Schwanenritter gerät. Mit Medien wird einiges gemacht, zum Beispiel tauchen historische TV-Geräte auf – und manchmal gibt es eine Verdopplung des Spiels quasi live und gleichzeitig im Fernsehen.
Johannes Erath stülpt der Oper im Grunde keine andere Geschichte über, aber er setzt gewaltig viele eigene Assoziationen zum „Lohengrin“ ins Bild, deren Sinn sich nicht immer erschließt. Es gibt starke Bilder und sehr interessante Lösungen, aber dann auch wieder merkwürdige Arrangements. Das Theaterspiel als solches wird immer wieder selbst thematisiert. Apart ist der Einfall, zu Lohengrins Erscheinen von der Decke Schwanenfedern ins Publikum schneien zu lassen. Am Ende singt Lohengrin seinen letzten Satz von der Empore, Elsa sinkt entseelt zu Boden und Ortrud nimmt sich des Gottfried an. Ein spezielles Schlussbild.
Das Publikum war von dem ersten Abend der „neuen“ Osterfestspiele in Baden-Baden begeistert.
Karl Georg Berg | 29. März 2026
Entre chien et loup
C’est une nouvelle ère qui s’ouvre à Baden-Baden pour le Festival de Pâques après le départ de Kirill Petrenko et du Berliner Philharmoniker, qui nous avaient fait vivre une inoubliable Butterfly lors de la précédente édition. On se souvient que le prestigieux orchestre s’est produit dans la ville badoise pendant plus de dix ans avant de retourner à Salzbourg. Il laisse la place, pour cette nouvelle production de Lohengrin, au Mahler Chamber Orchestra, dont le travail sur la musique de Wagner est passionnant, même si l’on reste parfois sur sa faim : l’ampleur est bien là, l’homogénéité également, mais l’on aurait aimé entendre ici et là des nuances plus expressives, voire plus ciselées et surtout, plus enveloppantes, dans cette immense salle qu’est le Festspielhaus. Ces quelques réserves énoncées, on ne peut que s’incliner devant l’impeccable direction de celle qui avait été élue cheffe de l’année par Opernwelt en 2019, Joana Mallwitz.
La complexité de la déferlante wagnérienne est maîtrisée et la jeune femme réussit à tirer de la formation équilibre, continuité et excellente qualité d’ensemble ; de son côté, le metteur en scène Johannes Erath a manifestement cherché à ne pas être en reste. Le musicien, assistant entre autres de Willy Decker, qui a par ailleurs grandi dans sa Forêt Noire natale, à la fois enchanteresse et sombre, a choisi de plonger le plateau dans une semi-obscurité, entre chien et loup, dans une ambiance mi féerique, mi naturaliste. Dans la pénombre, nous précise-t-il, difficile de savoir si, en apercevant un animal, il est habité d’intentions pacifiques ou hostiles. Les personnages principaux sont ainsi vêtus de blanc ou de noir, les autres portant des couleurs oscillant entre le bleu nuit, céleste, ciel ou azur, les teintes scintillantes rehaussées de strass étoilés ou de nébuleuses floues selon les éclairages, privilégiant les teintes froides. Entre onirisme et réalité crue, la mise en scène laisse la part belle au texte et à la logique visuelle qui en résulte. Les costumes et accessoires nous installent dans une temporalité élastique, mais on ne peut s’empêcher de penser aux années Trente, même si un écran de télévision nous renvoie une génération plus loin. Les images projetées en fond de scène tout comme celles du téléviseur sont en décalage et nous forcent à choisir ou à louvoyer. Une scène est tout particulièrement frappante et souligne cet écart temporel, cette sensation de flou, de fausseté, voire d’absurdité qui s’en échappe : le chœur trinque et mime le geste de boire, alors que les projections à l’arrière nous le montre, en noir et blanc, bel et bien en train de boire de la bière. Si Lohengrin et Elsa sont blancs comme neige quand Ortrud et Telramund sont en noir corbeau, difficile d’en faire une dichotomie manichéenne : les zones d’ombre subsistent, comme dans cette scène de retrouvailles entre les deux femmes dont les lits sont placés dos à dos, comme en miroir. Chacun y trouvera des clefs de lecture et d’interprétation (ou pas), comme de se demander si les deux héroïnes ne seraient pas les moitiés d’une même entité. Tout est suggestion et références plus ou moins biaisées. On pense souvent à l’Excalibur de Boorman (une épée fichée dans les gradins qu’on vient déloger) ou Melancholia de Lars von Trier (les planètes géantes qui se rapprochent dangereusement), voire à d’autres correspondances cinématographiques, comme Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (Le Diabolique Docteur Mabuse) de Fritz Lang ou encore M le Maudit. Mais aucune référence n’est insistante, comme si Johannes Erath se contentait d’instiller le doute et les interprétations possibles en nous laissant construire notre propre exégèse. C’est tout à son honneur. Le résultat est magnifique, notamment pour la beauté des costumes, l’élégance sophistiquée des coiffures et l’ambiance onirique générale. Le décor ressemble par endroits à un œil et son iris, pupille dilatée, véritable ouverture à l’iris sur rétine ultrasensible ou fragilisée jusqu’au décollement.
Si la débauche d’effets techniques peut impressionner favorablement ou non, la qualité du plateau vocal, elle, met tout le monde d’accord. Nous avons affaire avec des interprètes de très haut niveau qui passent très aisément la rampe. En premier lieu, Piotr Beczala, rompu (notamment à Bayreuth), au rôle de Lohengrin dont il semble avoir intégré le moindre frémissement : de la pureté la plus éthérée au désespoir le plus expansif (mémorable « Weh »), la performance est uniforme et exemplaire : émission constante, prononciation impeccable, beauté ineffable du timbre et de la ligne vocale, le ténor est au sommet de ses moyens. Face à lui, Rachel Willis-Sørensen est une Elsa de haute tenue : la voix est large, puissante, mordorée et déborde de nuances subtiles et envoûtantes. Lumineuse et intense, la soprano excelle à laisser percevoir toutes les failles et fragilités de son personnage. Tanja Ariane Baumgartner campe une Ortrud complexe et démoniaque à souhait. Le timbre est riche, la voix ample, les qualités dramatiques évidentes, pour l’une des prestations les plus passionnantes de la soirée. N’oublions pas Wolfgang Koch, remarquable en Friedrich von Telramund, félon bravache et héros blessé, aigri et revenu de tout, dont chaque saillie est riche d’harmoniques qui en magnifient le contenu. Chaque mot tonne, rugit ou implore avec une intelligence scénique et un sens du phrasé impressionnants. Kwangchul Youn donne beaucoup d’humanité et de noblesse au roi quoique la voix souffre d’un vibrato bien envahissant par endroits. Enfin, Samuel Hasselhorn attire l’attention à chacune des interventions du Hérault, qu’il transcende avec aisance et brio d’une voix impeccablement timbrée.
L’année prochaine, le Festival de Pâques permettra de retrouver Joana Mallwitz à la tête du Mahler Chamber Orchestra pour une production de Fidelio mise en scène par Krzysztof Warlikowski. On peut d’ores et déjà acheter ses places sur le site du Festspielhaus.
Alexander Walther | 06.04.2026
French subtitles
Also available as broadcast


