Götterdämmerung
| Simone Young | |||||
| Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele | ||||||
Date/Location
Recording Type
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| Siegfried | Klaus Florian Vogt |
| Brünnhilde | Catherine Foster |
| Gunther | Michael Kupfer-Radecky |
| Gutrune | Gabriela Scherer |
| Alberich | Ólafur Kjartan Sigurðarson |
| Hagen | Mika Kares |
| Waltraute | Christa Mayer |
| Woglinde | Katharina Konradi |
| Wellgunde | Natalia Skrycka |
| Floßhilde | Marie Henriette Reinhold |
| 1. Norn | Noa Beinart |
| 2. Norn | Alexandra Ionis |
| 3. Norn | Marie Henriette Reinhold |
Zu Beginn des dritten Aktes beginnt das Wunder
Zu Beginn des dritten Aktes um 21:10 Uhr beginnt das große Wunder. Die Musik wird zum Ereignis. Was zuvor verwabert und in vielen Momenten recht spannungsarm den Hörgenuss minderte, blüht endlich im gesamten Orchester nach Wagnermanier aus dem Orchestergraben. Hinreissend die Streicher, majestätisch das Blech. Diese schwelgerischen Töne werden zu einem Gesamtgenuss ausgeschmückt durch ein zauberhaftes Bühnenbild am Fusse des Rheins farblich wie ein Gemälde, an dem man sich nicht sattsehen möchte.
Zu dem beginnenden Wunder tragen die drei Rheintöchter bei, die so homogen und rein singen, dass es eine Wohltat für die Ohren ist. Auch Klaus Florian Vogt zieht das Publikum mit seiner innigst vorgetragenen Erzählung, die ihm leider den Tod bringt, in den Bann. Das ist ganz großartig, diese innigen Momente miterleben zu dürfen.
Der Sänger, der diese gesamte Götterdämmerung zu einem Erlebnis macht, ist Mika Kares als Hagen. Dieser Sänger verfügt über eine unglaublich kultivierte Stimme, die markig und trotzdem wie Samt klingt. Die Hoiho-Rufe lassen einen erschaudern. Mika Kares ist den ganzen Abend präsent und diese intensive Präsenz gepaart mit intensiver Textverständlichkeit über lange Phrasen macht ihn zum Sänger des Abends für mich.
Ein besonderer Genuss darf nicht unerwähnt bleiben: Der fast ausschließlich neu zusammengefundene Chor der Festspiele unter Leitung von Thomas Eitler de Lint überzeugt durch Spielfreude (auf der Party hätte man gern mitgetanzt), Textverständlichkeit und Wohlklang. Das macht neugierig auf die heutige Lohengrin-Aufführung.
Grossen Respekt verdient Catherine Foster für die gesangliche Leistung der mörderischen Partie der Brünnhilde. Sie vermag mich nicht restlos zu überzeugen, auch wenn sie am Ende alle Höhen zuverlässig gemeistert hat. Vielleicht verlangt die Regie von ihr zuviel an Hinsetzen, Herumlaufen, Kind zudecken, Kind umarmen etc. Die innere Spannung im Schlussgesang war für mich nicht fühlbar.
Überhaupt ist es als Zuschauer entsetzlich, anzusehen, wie dieses arme Kind auf der Bühne den ganzen Abend herumgeschleudert, gefesselt und zwischen den Menschen hin und hergeschoben wird und auch noch die angedeutete Vergewaltigung durch Gunther ansehen muss. Hätte man nicht eine Puppe dafür nehmen können?
Das Regieteam erntet am Ende einen Buh- und Bravosturm. Die einzelnen Bühnenbilder sind wunderschön anzusehen, allerdings braucht es eine Menge Fantasie, sie mit den bisherigen Seh-Gewohnheiten der Götterdämmerung zusammenzubringen.
Vielleicht hätte man die Texte auch umschreiben sollen, damit der Zuhörer das Geschehen auf der Bühne besser versteht. Dass das verführerische Frauenbild in dieser Produktion auf Hochziehen von Röcken und tief dekolletierte Ausschnitte, blondes Haar und besonders keck und sexy reduziert wurde, passt irgendwie nicht mehr in die heutige Zeit. Da das Produktionsteam aber ausschließlich aus Männern besteht, ist das vielleicht ein Irrtum.
Iris Röckrath | 1. August 2025
So geht es zu, wenn es schön ist. Der berühmte Satz, oder besser: der Absatzbeginn bezieht sich zwar auf ein anderes Werk – das Vorspiel zum dritten Aufzug der Meistersinger von Nürnberg, wie er es im Musikerroman Doktor Faustus beschreibt, aber Thomas Mann hätte sicher so auch einen Text über die Götterdämmerung einleiten können, wenn er denn die Gelegenheit gehabt hätte, im Bayreuth des Jahres 2025 im Festspielhaus sitzen zu können. Denn so geht es zu, wenn Simone Young den Taktstock zum Vorspiel, also der Nornenszene, hebt. Nicht allein die ersten Takte klingen da unendlich zart, doch konturiert. Wie sich da nach dem initialen Holzbläserakkord die Violoncelli und Bratschen mit den Violinen vereinigen und der Schlussstein der Tetralogie nachtsilbergrau verdichtet wird, bevor mit der Siegfried-Brünnhilde-Szene das Licht ersteht und mit den Gibichungen die Nachtschwärze der Hagenwelt ins Drama tritt: Es macht schon Freude, dem Orchesterdrama dieser Götterdämmerung zu lauschen, wenn diese Dirigentin am Pult steht; der Applaus, der am Ende dieses Abends über Young herabfällt, ist denn genauso groß wie der, den die Solistinnen und Solisten einfahren können. Plötzlich bedauert man es nicht mehr, dass, wie noch im Rheingold und manchen Stellen der Walküre, der Deckel über dem Graben für einen frequenzspitzenabschneidenden Mischklang sorgt, obwohl Wagner doch auch bei der Komposition der Götterdämmerung unmöglich wissen konnte, wie es später in Bayreuth klingen würde. Young aber setzt auf ein fließendes Dirigat, das dem Drama gibt, was des Dramas ist, ohne der Schönheit der Instrumentation und den melodischen Verläufen irgend etwas abzuschneiden; ob sie, wie in Pausengesprächen einmal zu hören ist, im ersten Akt „etwas verschenkt“ habe, ist reine Ansichtssache. Denn man hört auch am 31. Juli 2025 so viele Nuancen und Köstlichkeiten im Haus, dass der Applaus nur zu berechtigt ist. Schon die gegenüber den anderen Stimmen betonten Holzbläserlinien des 2. Akts, mit denen das Drama zwischen Siegfried und Brünnhilde an Spannung zunimmt und die Wagner als „sehrend“ bezeichnet hätte, sind ja ohrenöffnend – das Orchester der Bayreuther Festspiele agiert auch hier wieder auf Festspielniveau.
Es gilt auch für die Sänger. Eine Kollegin, wirkliche Wagner-Kennerin seit Olims Zeiten, schärfte mir ein, ja nicht zu vergessen, Folgendes festzuhalten: Catherine Foster singt die Brünnhilde ihres Lebens. Keine Einwände, Euer Ehren: Catherine Foster singt die Brünnhilde ihres Lebens, was nicht heißt, dass sie drei Akte lang herumschreit. Nach zwei relativ ruhigen Auftritten in Akt I läuft sie, sozusagen kontrastiv, im zweiten zu großer Form auf und gestaltet im Finale eine Brünnhilde, die mit ihrem Schlussgesang noch einmal die Hörer stimmschön, energetisch und heuer auch wesentlich wortverständlicher im Innersten packt. Neben ihr steht mit Klaus Florian Vogt ein helltönender und dramatisch-impulsiver, menschlich verständlicher, also gelegentlich inhuman auftretender Siegfried; die Entwürdigung Granes, damit die stellvertretende Abwertung der einstigen Geliebten und nunmehrigen Ehefrau, gehört nach wie vor zu den grausamen Passagen dieser expliziten Deutung, die nicht an Zaubertränke, sondern an den (Un)menschen glaubt. Mika Kares ist wieder Hagen, dessen balsamisch strömender, tiefdunkler Bass keinen dumpfen, sondern einen betörend singenden Psychokrüppel zeichnet, den die Regie doch verstehbar macht: Wenn Siegfried von seiner Begegnung mit Brünnhilde erzählt, wird jenes Trauma wieder wachgerufen, das er einst erlitt, als der kurzzeitige Kumpel ihn für eine Frau verließ – ein Trauma, das die Tötung Siegfrieds auf gespenstische Weise verstehbar macht.
Auch Olafur Sigurdarsons Alberich, Michael Kupfer-Radeckys Gunther und Gabriela Scherers optisch und akustisch scharf auftretende Gutrune sind gegenüber dem Besetzungszettel des Vorjahres gleich geblieben, auch gleich gut und, im Falle Sigurdarsons, sogar besser, denn wie schon in Rheingold und Siegfried hat seine Stimme bei der Götterdämmerung der Richard-Wagner-Herbstfestspiele 2025 an Knörzigkeit verloren; ein Alberich muss ja nicht automatisch knörzig singen, nur weil er wie ein Nachtgespenst auftritt. Man bleibt sozusagen Mensch – auch Gunther, der irre Kokser, auch Gutrune, die geschmacklose Sexbombe, auch Hagen, das psychopathische Vateropfer. Wieder ist Christa Mayer die gute alte Tante, die Irre von Walhall, wenn sie der Waltraute das wunderbare Profil einer aus der Bahn geworfenen Überlebenden einer Familienkatastrophe verleiht (und noch immer schüttet sie, das sind so bedeutende Gags, ein Achtelpfund Zucker in ihren Kaffee. „Ich wörde die ganze Zockerböchse nehmen“, wie Sesemil Weichbrodt in den Buddenbrooks sagen würde). Neu im Ensemble der Nornen: Dorothea Herbert, die dritte, die zusammen mit Noa Beinhart und Alexandra Ionis ein göttlich gut singendes Trio bildet. Katharina Konradi ist neben Natalia Skrycka und Marie Henriette Reinhold die „Neue“ unter den Rheintöchtern, die immer noch als altgewordene Ladies entzückend wackelig durch den dritten Akt staksen. Neu ist auch die Entschärfung einer kleinen, gemeinen Szene am Ende des 2. Akts: Siegfried und Gutrune – pardon – poppen jetzt nicht mehr im Doggystyle (der Scherenschnitt machte das deutlich genug), sondern küssen sich zärtllich auf einer Couch – was die Sache für Brünnhilde nicht besser macht, die nun zehn lange Sekunden Hagen küsst: aus Dank für den Mordplan und als improvisierte wie vergebliche Racheaktion gegen Siegfried. Herkömmlich blieb, beispielsweise, Traum-Alberichs angedeuteter Geschlechsakt mit einer Traum-Norn, womit sich seine Vision eines sexuellen Beisammenseins mit einer der Frauen aus einer der Triaden der Anderswelt wenigsten imaginär erfüllt. Und das Erdakind west einsam durch die Tiefe des entwässerten Swimmingpools, um uns daran zu erinnern, dass es immer noch um die fast schutzlosen „Welterben“ geht – ein musikalisches Motiv, das punktgenau mit Brünnhildes und Siegfrieds „Ring“-Kind verbunden wird.
Also alles schön. Alles schön? So geht es zu, wenn es hässlich ist: Grane, Brünnhildes Seelenvertrauter, der gute, alte Freund, wird immer noch gekillt und geköpft. Es hat schon seinen bösen Sinn: Weihnachten wurde zu Gunsten eines neuheidnischen Fests suspendiert, das im 2. Akt, in dem die alten Götter angerufen werden, mit jenen Göttermasken realisiert wird, die die Kinder seit dem Rheingold skizziert haben. Grane ist das Blutopfer, das aus mehreren Gründen gebracht wird: für den moralisch auf den Hund gekommenen Siegfried – und für die neureichen Protze, für die die Jagd an sich zur zweiten Natur geworden ist. Valentin Schwarz zeigt das alles denkbar kompromisslos, indem er die Motive, die Wagner noch in seiner pseudomythischen Welt ansiedeln konnte, in ein gegenwärtiges Gewand kleidet. Man sollte das nicht, wie einst Udo Bermbach, als „Verzwergung“ des Wagnerpersonals und der Geschichte, sondern einfach als Deutung „im Lichte unserer Erfahrung“ (Thomas Mann) annehmen. Dann käme man vielleicht auch dahinter, dass es widersinnig ist, sich einerseits bei den Sängern für einen oder besser: vier grandiose Abende zu bedanken und andererseits das Regieteam dafür abzustrafen, dass sie eben diese Sänger ins beste Licht gestellt haben (um einer Legende zu widersprechen: auch viele offizielle und private Kritiker des letzten Spieljahres sind in dieser Hinsicht weit davon entfernt, den Schwarz-Ring als „missglückt“ abzukanzeln). Dass es nicht allein in der Götterdämmerung das Licht der Nacht ist: Dafür ist nicht Valentin Schwarz, sondern Richard Wagner verantwortlich. Man sollte den Boten nicht für die Botschaft töten, denn Schwarz und seine Leute waren „nur“ die notwendigerweise individuellen Übersetzer für eine Opernfantasie, die so nah dran ist an der Realität, dass es nicht allein im Fall des versagenden Siegfried, der von Gunther vergewaltigten Brünnhilde und des zum Psychozombie gemachten Hagen schmerzt.
Schwarz hat, so betrachtet, nicht allein schon 2023 den Nebel aus der Auftrittsszene des Chors entfernt, der unter dem neuen Chorleiter Thomas Eitler de Lint wuchtvoll und streng in den Raum tönt. So betrieb die Inszenierung eine Aufklärung am alten Mythologen, von der man selbstverständlich nicht wissen kann, ob Wagner sie gutgeheißen hätte – aber kommt es darauf an? „Wird im Namen des menschlichen Gehalts das Übernatürliche von der Bühne verwiesen oder ins Gleichnis für Natürliches nivelliert, so tilgt der Anspruch von Allmenschlichkeit ebenso das Gegenteil des Zaubers, den sachlich-historischen Stoff“, wie Theodor W. Adorno am Beginn des Mythos-Kapitels im Versuch über Wagner schrieb. Für Adorno war diese Abkehr vom Politischen nichts als reaktionär, doch der Bayreuther Ring 2022-2025, der konsequent das Allmenschliche betont und Gleichnisse für Natürliches findet, kann gar nicht anders, als das Allmenschliche herauszuarbeiten: von der von Luis August Krawen brillant erstellten Animation des feindlichen Brüderpaars im Mutterbauch über den aufgehängten und schwer triefenden Wotan (das Ende einer bösen Geschichte) zur letzten Animation. Die zeigt die beiden Brüder, nun endlich und scheinbar friedlich im Vorgeburtsstadium miteinander vereint – doch wurde, das haben sie selbst verursacht, ihre Nabelschnur zerrissen: also keine schöne Utopie, sondern ein endgültiges, pessimistisches Bild. Man könnte auch sagen: ein realistisches, das seltsam gut zur Hoffnungsmusik der Schlusstakte passt. Die mythischen Bilder bleiben im Übrigen erhalten, die Nornen bleiben fantastische Wesen – und die Rheintöchter changieren am Ende tatsächlich wieder zu jenen übernatürlichen Figuren, die Wagner sich erdacht hat. Man muss nur genau hinschauen.
Wie gesagt: So geht es zu, wenn es schön – und traurig ist.
Frank Piontek | 1. August 2025
Am Ende, wenn in der finalen Katastrophe das Streben nach Macht und Unsterblichkeit alle vernichtet hat, erscheint als Projektion wieder ein Zwillingspärchen im Mutterleib, lächelnd, sich umarmend. Wie zu Beginn des Rheingolds, mit dem Unterschied, dass hier eine friedliche Zukunft aufscheint, kein Kampf mit Verletzungen. Tod und Vernichtung beenden diese Geschichte, damit die Zukunft nicht von der Vergangenheit belastet wird. Das Kind von Siegfried und Brünnhilde, das jüngste Mitglied in der Familie und somit Hoffnungsträger für alle, verlässt am Ende wütend das Geschehen, es sucht woanders sein Glück. Zu lange war es Spielball der Zwistigkeiten. Ein Opfer der Umstände wie alle anderen. Die Botschaft, dass wir das Leben und die Welt durch den Umgang mit unseren Kindern und dem, was wir vermitteln, gestalten, vermittelt Valentin Schwarz sehr deutlich in dieser, sicherlich nicht immer ganz verständlichen, aber packenden Deutung. Im Verlauf der Handlung wird hier immer wieder aufgezeigt, was passiert, wenn das eigene Streben und der Wille nach Durchsetzung der eigenen Ziele zur Instrumentalisierung der Nachfolgegenerationen führen. Das Scheitern ist dann vorprogrammiert.
Auch in der Götterdämmerung ist wieder die ganz aus der Musik entwickelte Personenführung und die schonungslose Offenlegung der Charaktere der handelnden Figuren absolut faszinierend.
Simone Young beschert dem begeisterten Publikum eine in der Spannung nie abreißende Interpretation. Zusammen mit der hervorragenden Leistung des Festspielorchesters erklingt die Musik in all ihren Facetten mitreißend und berührend. Wieder begleitet sie die Sänger mit nie nachlassender Aufmerksamkeit und sorgt für eine wunderbare Balance des Klangs zwischen Orchester und Bühne. Gleichzeitig nutzt sie, wie im Trauermarsch, die Möglichkeit, groß aufzutrumpfen und das Grandiose der Musik herauszustellen. Ein überragendes Erlebnis.
Unübertroffen der Siegfried von Klaus Florian Vogt, der mit nie nachlassender Kondition und idiomatisch timbrierter Stimme überzeugt. Seine in allen Lagen gleichmäßig ansprechende Stimme ermöglicht es ihm, sowohl das Heldische als auch die ganz verinnerlichte Sterbeszene wunderbar auszugestalten.
Die Tragödie von Brünnhilde wird von Catherine Foster mit höchster Intensität dargestellt. Sie durchlebt die Stationen, vom Verlassenwerden, der brutalen Eroberung durch den getarnten Siegfried bis zum Erkennen des Verrats und dem Entschluss zum Mord mit einer großen Glaubwürdigkeit. Gesanglich stehen ihr hier alle Mittel zur Verfügung, von den leisen innigen Tönen bis hin zur Raserei angesichts des Schicksals, das die Götter ihr beschert haben. Auch sie kennt keine Ermüdungserscheinungen und beindruckt mit nie nachlassender stimmlicher Qualität.
Wieder ein besonderes Ereignis ist die von Christa Mayer faszinierend gestaltete Waltrauten-Szene. Was diese Sängerin durch die kluge und genaue Interpretation des Textes mit ihrer wunderbar strömenden, intensiven Stimme erreicht, ist ein besonderer Höhepunkt an diesem großartigen Abend.
Mika Kares klang in der Höhe etwas angestrengt, konnte aber mit seinem sonoren Bass und seiner Darstellung als Hagen überzeugen. Zusammen mit dem von Thomas Eitler de Lint einstudierten Festspielchor, wie immer stimmgewaltig und klangschönen, entsteht eine mitreißende, bedrohlich gesungene Mannen-Szene. Mit Olafur Sigurdarsons stimmigem Alberich ergibt sich eine spannungsvolle, unheimliche erste Szene des zweiten Aktes.
Michael Kupfer-Radecky und Gabriela Scherer überzeugen stimmlich und darstellerisch sowohl als überkandidelte, ahnungslose Neureiche als auch als von Hagen ins Verderben geführte Geschwisterpaar Gunther und Gutrune.
Hervorragend in Homogenität und Klangschönheit, gepaart mit viel Spielfreude Noa Beinart, Alexandra Ionis und Dorothea Herbert als Nornen sowie Katharina Konradi, Natalia Skrycha und Marie Henriette Reinhold als Rheintöchter.
Ein großes Lob geht an das Kind aus der Kinderstatisterie der Bayreuther Festspiele, das glaubhaft die verzweifelte Situation vermittelt, in der es sich im Verlauf der Handlung immer mehr gefangen sieht. Chapeau! Ebenso überzeugte Igor Schwab als Brünnhildes Vertrauter sowie als von Hagen grausam malträtierter Grane.
Das Publikum spendete am Ende ohrenbetäubenden Beifall und Bravorufe. Natürlich blieben die Buhrufe für den Regisseur nicht aus, wurden aber von Applaus und Bravorufen lautstark gekontert. Es ist an dieser Stelle müßig, darüber zu spekulieren, warum sich Leute eine Karte für diesen Ring kaufen, wohl wissend, dass die Inszenierung, über die schon so viel geschrieben wurde, ihnen nicht zusagt. Es bleibt ein Rätsel.
Positiv ist noch anzumerken, dass diesmal während dieses ersten Zyklus nur ein einziges Mal ein Handy geklingelt hat. Wenn jetzt noch vermieden würde, dass zwischendurch Handys und andere Gegenstände störend runterfallen, hätte man endlich wieder die benötigte Stille, die es für das Erleben einer Opernaufführung, egal wo, benötigt.
Axel Wuttke | 31. Juli 2025
A production by Valentin Schwarz (2022)
This recording is part of a complete Ring cycle.



