Auf der Bühne, im Hintergrund des Geschehens, ist das Orchester positioniert. Der Orchestergraben des Hauses ist klein, und so ist diese Positionierung für das Bühnenfestspiel Wagners das Mittel der Wahl, abgetrennt von der Bühne durch Aluminium-Lamellen. Annegret Ritzel, deren Inszenierung der Walküre eine der letzten ihrer Intendantinnenzeit ist, verleiht dem Geschehen Aktualität: Am Rande der Weltwirtschaftskrise genießen die Götter in New York die letzten Züge des Luxus, den sie an Alberich zu verlieren drohen. Alle Bühnenteile sind aus anderen Inszenierungen genommen, und in dieser Funktion soll wohl auch die Einblendung aus Coppolas Film Apokalypse Now zum Walkürenritt verstanden werden – für den Zuschauer ist dies allerdings kaum verständlich; die Bilder zum Vietnamkrieg passen nicht in die Szene. Ein Detail, das dann auch schnell wieder vergessen ist.
Insgesamt passiert auf der Bühne meist wenig, alles ist sehr statisch. Zu Beginn des dritten Aktes bringen die Walküren, die in schicken Kleidern und mit hoch aufgetürmten Frisuren wie Models über einen Laufsteg stolzieren, etwas Bewegung ins Spiel.
Sänger und Orchester
Musikalisch ist die Koblenzer Inszenierung allemal eine Empfehlung wert. Sigrun Schell (Sieglinde) vom Freiburger Theater ist kurzfristig für die erkrankte Monica Mascus eingesprungen. Sie glänzt mit schillerndem Klang, singt luftig und brillant in den Höhen – wirklich meisterhaft. John Charles Pierce (Siegmund) tönt frisch und kräftig. Auch Andreas Macco (Wotan) überzeugt mit beständiger Stimme. Sabine Paßow (Brünnhilde) glänzt mit kräftiger Stimme und toller Dynamik, sowie auch schauspielerisch. Rita Kampfhammer (Fricka, Waltraute) bewältigt ihren Part mit guter Intonation und Energie, Michael Burt (Hunding) singt mit satter Stimme, intoniert allerdings nicht perfekt.
Das Orchester unter Leitung von Anton Marik meistert das Werk von der Ouvertüre an mit Spannung und präziser Dynamik. Marik gelingt es, bald einen monotonen Klangteppich aus den Streichern, bald einen ruhigen Lauf aus den Holzbläsern, bald einen energiegeladenen Ausbruch aus den Blechbläsern herauszukitzeln.
Fazit
Musikalisch ein empfehlenswerter Abend mit beeindruckender Besetzung und einem Orchester, das auf ganzer Linie begeistert. Das Premierenpublikum belohnt diese herausragende Leistung mit andauernden Bravorufen. Auch die Inszenierung der Intendantin kommt an, wenngleich die Verlegung in die heutige Zeit nach New York etwas fragwürdig ist – immerhin stört sie nicht großartig.
Julia Korst | 3. März 2009