Der fliegende Holländer
| Asher Fisch | |||||
| Chor und Orchester der Tiroler Festspiele Erl | ||||||
Date/Location
Recording Type
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| Daland | Gábor Bretz |
| Senta | Nina Bezu |
| Erik | Jamez McCorkle |
| Mary | Shannon Keegan |
| Der Steuermann Dalands | Matthew Newlin |
| Der Holländer | Christopher Maltman |
Der Mann ihrer Träume
Alles da. Das gischtende Meer, geschätzt bei Windstärke zehn, das Geisterschiff mit blutroten Segeln, der Kapitän mit der Kelly-Family-Gedächtnisperücke – und wir mitten drin. Dieser „Fliegende Holländer“ ankert im Passionsspielhaus: Während der Ouvertüre fährt ein Segelmast aus der rudimentären Obermaschinerie herunter, ins Herz von Richard Wagners Oper, ins Orchester. Sogar ein zweites Schiff gibt es, ganz vorn am Bühnenrand – ein Modell, mit dem sich Senta davonträumt und den Mann imaginiert, der nach der Pause durchs Parkett und durchs Publikum schreitet, um die Bühne und das Leben dieser Frau zu entern.
Pause? Die gibt es normalerweise nicht in Wagners einaktigem Sturmstück. Ein Zugeständnis offenbar an die Gastronomie der Tiroler Festspiele, die Würstl und Aperols möchten schließlich an den Fan gebracht werden. Mit der Werkwahl ist Erl zur eigenen Musik-DNA zurückgekehrt. Seit dem Gründungsjahr 1998 gehört Wagner zum Sommerprogramm, das ausverkaufte Haus ist der beste Beleg dafür. Für die Regie bediente man sich dieses Mal quasi in der Nachbarschaft: Josef E. Köpplinger, Intendant des Gärtnerplatztheaters, ist auch hier Garant für handwerklich Hochwertiges.
Passionsspielhaus mit neu gestalteter Bühne
Seine Inszenierung ist eine Geisterbeschwörung im Doppelsinn: Eine Senta, die stumm anwesend ist, die Begegnung ihres Vaters Daland mit dem ersehnten Holländer als Vision erlebt, das hat einst Harry Kupfer in seinem legendären Bayreuther „Holländer“ zum Thriller verdichtet. Irgendwann verliert Köpplinger diesen Konzeptfaden und bebildert sich am Stück entlang. Doch dies, das muss man dem Regisseur lassen, macht er gut.
Vor allem gibt es ein verändertes Setting im Passionsspielhaus. Früher saß das Orchester auf der Hinterbühne, durch einen Gaze-Vorhang vom Geschehen getrennt, jetzt ist es ein gutes Stück nach vorn gerückt. Bühnenbildner Rainer Sinell hat dafür Spielflächen rund um den Klangkörper gebaut. Hinten ist nun genug Platz für die Videos von Meike Ebert, Christian Gasteiger und Raphael Kurig. Die sind – ob Meereswellen, Geisterschiff oder Dalands Haus – von exzellenter Qualität. Atmosphärisch ist dieser „Holländer“, das muss man Köpplinger & Co. lassen, top.
Szenische Balance, Timing, Chorführung, überhaupt das Bespielen der kniffligen Riesenbühne – da zeigt sich der Regie-Könner. Dass der Gärtnerplatz-Chef das (Spinn-)Rad neu erfindet, hat keiner erwartet. Die Kostüme von Birte Wallbaum sind wie aus dem Historien-Bilderbuch oder aus dem Fundus von „Piraten der Karibik“. Alles ist glaubhaft bis hin zu kleinen Randgeschichten, wenn sich Seemänner-Machos an die Damen heranmachen. Köpplinger spielt da seine Routine als Figurenbeschäftiger aus. Einzig die Auseinandersetzung zwischen Dalands Mannschaft und Holländer-Truppe wirkt etwas verschenkt, eine diffuse Aufgeregtheit, in der das Video vom nebelumwölkten Geisterschiff noch das Beste ist. Ein versiert hingelegter Abend also. Man bleibt dran, gerade weil einem die Figuren im Wortsinn (agiert wird fast auf Tuchfühlung mit dem Publikum) sehr nah sind.
Zwischen Dämonie und Erotik: Christopher Maltman als Holländer
Routine im weniger guten Sinne herrscht am Pult. Da steht Asher Fisch und muss den Laden im weit ausgreifenden Geschehen zusammenhalten. Das glückt ihm bis in die Massenszenen (der Festspielchor ist äußerst präzise unterwegs). Doch von der Energie, von der überschäumenden Verve der Partitur hört man nur selten. Das Festspielorchester klingt zwar gewohnt warmblütig und edel, doch hier auch (ein akustisches Problem?) kontur- und kantenlos. Statt das Geschehen voranzutreiben, bleibt Fisch oft beim Verbuchen. Die Tempi sind klebrig, der zweite Akt tritt fast auf der Stelle. Gern wartet Fisch auf die Sänger, bis sie mit ihren (eitlen) Verbremsungen und Singpausen fertig sind.
James McCorkle gestattet sich solche Extras, die Stimme ist nicht ganz ausgeglichen geführt, dafür ist er als Erik ein guter Typ. Die Mary von Shannon Keegan wird deutlich aufgewertet, doch wirkt es, als habe Köpplinger hier etwas nicht zu Ende entwickelt. Gábor Bretz ist ein juveniler Daland, dem die Bass-Erdung etwas abgeht. Nina Bezu gibt eine Senta mit raumfüllender Ausstrahlung. Das Eigentümliche, fast Somnambule dieser Figur zeigt sie, wirkt dabei nie überdreht. Ihr abgedunkelter Sopran tönt eher nach Mezzo, umso erstaunter ist man über die Höhenraketen, die sie abfeuert.
Sie alle werden überstrahlt von Christopher Maltman in der Titelrolle. Ein immens kluger Gestalter, ein Heldenbariton zwischen Dämonie und Erotik. Nie ist da effektvolle Entäußerung oder gefährlicher Überdruck, immer singt Maltman auf Zinsen. Und er führt vor, dass sich Wagner’sche Dramatik und Belcanto-Linie nicht ausschließen müssen. Jedes Wort ist zu verstehen, selbst Muttersprachler singen oft mulmiger. Erwartungsgemäßer Premierenjubel. Für Verstörendes oder Neubewertungen hätte man einen anderen Regisseur verpflichten müssen. Am Ende lässt Köpplinger Untote durchs Parkett geistern und Senta von der Hinterbühne in den Tod stürzen. Ein Moment wie eine Bewerbung: Vielleicht liebäugelt der Gärtnerplatz-Chef ja mit einer „Tosca“ für Erl.
Markus Thiel | 12.07.2026
„Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer“
In der Inszenierung von Josef E. Köpplinger, der auch für das Licht verantwortlich zeichnete, befand sich das Orchester in der Mitte der Bühne und die Protagonisten agierten um das Orchester herum. Für den Zuschauer erweckte dieses Regiekonzept den Eindruck als wäre die ganze Bühne der Innenraum eines Schiffes (Bühne: Rainer Sinell; Kostüme: Birte Wallbaum). Mit beeindruckenden Video-Projektionen (Video: Meike Ebert, Christian Gasteiger, Raphael Kurig) wurde die stürmische See auf die Wände des Erler Passionsspielhauses projeziert.
Eine weitere Besonderheit dieser Inszenierung stellte die Präsenz von Senta ab dem Anfang der Oper dar. Sie durchlebte mimisch und körperlich die musikalischen Emotionsphasen von Anfang an intensiv mit, sodass ihre Rolle noch zentrierter wurde, als sie ohnehin schon von Wagner erdacht war.
Das exzellente Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter der phänomenalen musikalischen Leitung von Chefdirigent Asher Fisch präsentierte einen aufwühlenden, klangintensiven, emotionsgeladenen, mächtigen Holländer von überragender Exzellenz! Das Wagner‘sche Oeuvre wurde minutiös differenziert und transparent mit feinsinnig sensitiver Attitüde exzellent erfüllt!
Ein hervorragendes Sängerensemble komplettierte den brillanten Eindruck dieser Erler Holländer-Premiere.
Gábor Bretz überzeugte in der Rolle des Daland mit großer stimmlicher und darstellerischer Präsenz, klarer Diktion und Ausdruckskraft.
Nina Bezu durchlebte die Senta mit emotionaler und musikalischer Intelligenz. Ihr gut geführter, durchschlagskräftiger Sopran meisterte die Anforderungen der anspruchsvollen Rolle bravourös.
Jamez McCorkle beeindruckte in der Rolle des Erik mit glänzendem, ausdrucksstarkem Tenor. Die schwierige Tessitura dieser Partie wußte er technisch gekonnt zu meistern.
Shannon Keegan gab eine, der Rolle entsprechend, resolute und gestrenge Mary, sowohl stimmlich als auch darstellerisch.
Matthew Newlin verlieh dem Steuermann klares, tenorales Profil und Präsenz.
Christopher Maltman interpretierte die Rolle des Holländer qualitätsvoll mit ausgeglichener, wohldosierter Stimme, pointierter Diktion und authentischem, intensivem Impetus.
Klangmächtig und von großer darstellerischer Lebendigkeit der Chor der Tiroler Festspiele Erl (Leitung: Olga Yanum).
Eine grandiose, mitreißende Premiere von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ in Erl, die zu Recht mit stehenden Ovationen bejubelt wurde!
Marisa Altmann-Althausen | 12.07.2026
Une tempête sous un crâne
Erl, souvent appelé « le Bayreuth autrichien » du temps où les œuvres de Wagner y occupaient principalement le programme du festival, a présenté plusieurs Vaisseau fantôme, dont celui de 2010 dont nous avions rendu compte. L’œuvre retrouve ce soir le théâtre de la Passion, un lieu difficile théâtralement parlant. Construit en 1959 pour accueillir tous les six ans les représentations des Mystères de la Passion, ce théâtre a la particularité de ne comporter aucun espace d’accueil, ni hall ni foyer. La salle de 1 500 places et la scène, tout en béton mais bénéficiant d’une bonne acoustique, cependant un peu sèche, ne disposent que d’une installation minimaliste : pas de fosse, ce qui oblige le plus souvent à positionner l’orchestre derrière la scène, un plateau de 25 mètres d’ouverture mais se rétrécissant vers le fond, et sur les côtés, au lieu des pendrillons, deux murs en béton percés d’une petite porte… Bref il faut vraiment une excellente équipe pour tirer le meilleur parti de ces conditions très particulières. Or les artistes réunis pour assurer la présentation d’aujourd’hui sont certainement parmi les meilleurs dont on puisse rêver. Et ils ont déjà réalisé deux changements importants : placer l’orchestre dans une fosse au centre de la scène, ménageant tout autour plusieurs espaces de jeu ; et recouvrir les murs en béton de lattes de bois qui améliorent encore l’acoustique.
Le metteur en scène Josef E. Köpplinger, directeur artistique du Gärtnerplatztheater de Munich, sans pour autant abandonner ses idées personnelles, ne cherche pas à révolutionner la scénographie de l’œuvre, mais affiche une totale fidélité aux souhaits exprimés par Wagner tout en transposant l’histoire au début des années 1840, au moment de la composition de l’opéra, et privilégie donc la rédemption au drame psychologique. Et tout d’abord en mettant Senta au cœur de l’intrigue, en la présentant comme la source et la conductrice de l’histoire. C’est ainsi que la malheureuse se retrouve à l’avant-scène pendant tout le premier acte, à jouer avec un projecteur de cinéma et une maquette de navire aux voiles rouges…
Bien sûr, il peut sembler étrange dans ces conditions que Senta passe son temps à projeter sans cesse un film où revient le Hollandais, puisque le cinéma n’existait pas en 1840… (pas plus que les machines à coudre sur châssis en fonte). Mais cela aussi doit faire partie du rêve permanent dans lequel elle se réfugie. Car l’image animée, plutôt que de représenter un véritable film selon nos critères d’aujourd’hui, concrétise les tempêtes qui soufflent dans sa tête, et essentiellement ses idées d’évasion d’un monde dans lequel elle ne trouve pas sa place, et n’est pas reconnue. De l’image projetée à l’arrivée du Hollandais en chair et en os, le transfert se fait sans heurts. Mais son arrivée ne détournera pas l’héroïne de ses hallucinations, ni de sa folie qui culmine dans son suicide lorsqu’elle se jette à la fin du haut d’une falaise.
On est évidemment marqués par la violence des vidéos de tempête qui, sur presque 50 mètres de large, entraînent les spectateurs dans un flot impétueux répondant à celui de l’orchestre. Rien que de très classique, Erl ne semble pas vouloir bousculer la tradition, mais c’est très bien fait et tout à fait spectaculaire. Le décor de Rainer Sinell, où l’orchestre se retrouve sur le pont supérieur d’un navire battu par la tempête, participe de la mise en place de l’univers onirique de Senta, tandis que les costumes réalistes et évocateurs de Birte Wallbaum concrétisent le monde réel qui l’entoure.
La distribution, sans faille et solidement encadrée, se coule avec naturel dans le moule ainsi préparé. À commencer par la Senta de Nina Bezu, qui correspond parfaitement à la description qu’en fait Wagner : « Le caractère rêveur de Senta ne doit pas être interprété comme une forme de sentimentalisme (…). Au contraire, Senta est une jeune fille nordique au caractère bien trempé ». Habituée au rôle de Salomé, Nina Bezu n’a aucun mal à donner au personnage un caractère violent et vindicatif. Tiraillée entre les images artificielles et la réalité, sa Senta s’évade dans des rêves infinis exprimés d’une voix de grande étendue, allant d’un mezzo sombre à des aigus resplendissants. Sa ballade du deuxième acte constitue bien le moment central de l’opéra : Wagner a toujours indiqué, dans ses écrits, que c’est le premier élément qu’il a composé (« c’était l’image condensée de tout le drame »), à partir duquel toute l’œuvre a été déclinée (« il m’a suffi de développer les différents germes thématiques contenus dans la ballade »). Nina Bezu y déploie une infinité de postures et d’intonations, et rend particulièrement impressionnant ce morceau de bravoure.
A ses côtés, le Hollandais de Christopher Maltman est d’un niveau véritablement exceptionnel. Le baryton héroïque anglais, déjà admiré notamment pour ses Don Giovanni, Iago, Wotan et Hans Sachs, aborde ce nouveau rôle. Il y est tout à fait remarquable, tant au niveau du style, de la prononciation de l’allemand claire et précise que de la stature du personnage et de sa construction dramatique mêlant la virilité de sa voix puissante et enjôleuse à la fois à de nombreuses touches de raffinement, sans pour autant occulter la charge démoniaque et érotique du personnage.
Gábor Bretz, baryton basse hongrois dont on avait apprécié notamment ses Don quichotte à Paris et à Bregenz, est un Daland englué dans ses certitudes de père de famille voulant le bonheur de sa fille, qu’il vend quand même à un inconnu de passage… Mais sa voix charmeuse et un jeu très théâtral rendent quand même le personnage sinon sympathique, du moins attachant. Ce que rend bien le baiser que lui donne Senta avant de se suicider.
Jamez McCorkle, ténor américain chantant notamment Parsifal et Siegmund, est tout aussi éblouissant, certainement l’un des meilleurs Erik du moment. Sa voix claire, son style parfait, son personnage d’une grande lisibilité en font un partenaire de choix pour Senta.
Dans le rôle de Mary, Shannon Keegan, mezzo-soprano américaine, a été formée notamment à l’opéra studio de Stuttgart où elle a abordé ses premiers grands rôles. Avec une belle couleur de voix et des nuances soignées, elle mène à la baguette ses fileuses/couseuses quelque peu indisciplinées. Enfin, Matthew Newlin, ténor lyrique américain qui a longtemps fait partie de la troupe du Deutsche Oper de Berlin, où il a tenu un grand nombre de premiers rôles de son emploi, nous offre un pilote de haute volée.
La direction du chef Asher Fisch est pour beaucoup dans la réussite de l’ensemble. Directeur musical du Festival du Tyrol à Erl depuis la saison 2024/25, il est aussi un des spécialistes de Wagner, dont il a enregistré deux cycles complets du « Ring » ainsi que « Tristan et Isolde ». Sa direction est puissante et nuancée à la fois, avec d’excellents tempi. Les chœurs, quant à eux, ont offert une fort belle prestation, aussi bien musicale que scénique, domaine où ils sont accompagnés par d’excellents figurants tout aussi impliqués.
Jean-Marcel Humbert | 19 juillet 2026



