Die Walküre
| Siegmund | Stanislas de Barbeyrac |
| Hunding | René Pape |
| Wotan | Tomasz Konieczny |
| Sieglinde | Izabela Matuła |
| Brünnhilde | Stéphanie Müther |
| Fricka | Małgorzata Walewska |
| Helmwige | Annika Egert |
| Gerhilde | Katarzyna Wietrzny |
| Ortlinde | Natalia Rubiś |
| Waltraute | Magdalena Pluta |
| Siegrune | Iwona Wall |
| Grimgerde | Anna Bernacka |
| Schwertleite | Joanna Motulewicz |
| Roßweiße | Barbara Bagińska |
In Zeiten des Abnehmenden Lichtes
Einerseits birgt eine solche Solo-Walküre einen konzeptionellen Vorteil für sich selbst, denn die Inszenierung muss nicht im Ideenkonstrukt eines ganzen Zyklus funktionieren. Andererseits betraut die historische Spielstätte der Waldoper Sopot die Vorstellungen mit den klassischen Open-Air-Herausforderungen: die Abwesenheit eines Vorhanges, kaum Möglichkeiten für Beleuchtung und Lichteffekte, gar keine Verdunkelung und erst recht keine Seitenbühne. Für die Inszenierung ist also etwas Köpfchen gefragt, wie man unter diesen Bedingungen eine Hütte im Wald, etliche Felsenlandschaften und ein Götterwohnzimmer unter einen Hut bekommt. John Fulljames löst das mit einem Architektenbüro, in welchem Göttervati Wotan sich die Welt, wie er sie wünscht, in kleinen Entwürfen und Holzmodellen plant. Die Walküren (im ersten Akt bereits stumm dabei) und etliche Bühnentechniker übernehmen von Anfang an die Assistenz in diesem Büro; gekleidet im selben Naturton-Farbschema wie die singende Besetzung bauen die Techniker mit Seelenruhe auf stummen Wink der Sängerinnen und des Chefs die Hundingshütte um, wie Mensch sie gerade braucht: Möbel weg, Tür auf, Auftritt Hunding. Die eleganten Stoffe der Kostüme in edel-unaufdringlichen Sandfarben, ebenso die langen Haare der Walküren mit blondierten Highlights liest sich wie eine kleine Parodie auf die scheinperfekten Wohnsituationen, die in den sozialen Medien millionenfach Klicks generieren: schaut mal, wie einfach es ist, gut auszusehen; schaut mal, wie gut wir aussehen, eine ganz normale steinreiche Familie. Wir protzen nicht, wir haben bloß Stil; man sieht halt, dass wir Geld haben, was seid ihr denn so neidisch? War doch schon immer so. Alteingesessenes Geld und mindestens so lang eingesessene Macht verleitet den Göttervater dazu, die Hundingshütte in einer Holzminiatur geplant zu haben und das Geschehen mit seinen anderen neun Töchtern haargenau und mit dem unanfechtbaren Gefühl vollständiger Berechtigung zu beobachten und nach Gutdünken zu manipulieren. Sieglinde serviert ihrem um Wasser flehenden Gast Becher um Becher aus einem schmutzigen Kanister und schließlich ein wenig grausig schmeckenden Met, den der Gast zu ihrem größeren Entsetzen begeistert trinkt. Währenddessen öffnet eine von der Seite hineinblickende Walküre entspannt eine zischende Coladose: was regt ihr euch denn so auf, sind doch nur Menschen da unten. Die kann man schon bisschen rumschieben. Wir haben das schließlich sehr gut geplant, und es läuft, wie wir wollen. Wir dürfen alles, was wir wollen. Weil wir es wollen.
Angesichts Siegmunds Verzweiflungsausbrüchen von „Wälse! Wälse! Wo ist dein Schwert?“ räkelt sich Wotan also von seinem Schreibtischstuhl, um das Ganze näher zu beäugen, nickt zu sich selbst, ganz der stolze Papi. Macht sich doch gut, der Junge. Okay, er kann kaum sitzen vor Schmerzen, sein Hemd ist blutig eingesaut, jemand muss ihn auf der Flucht ganz schön rangenommen haben, und zum Psychiater müsste er auch mal. Stanislas de Barbeyracs Tenorstimme erzählt von einer Grundtraurigkeit in der Seele des Charakters, die ihn von innen aushöhlt, von allem, was im Kopf noch lange flimmert und schließlich unsichtbar vernarbt, wenn man schon Unterschlupf für die Nacht gefunden hat. Mag seinen Wälse-Rufen der Einschlag eines Heldentenors fehlen, die Stimmfarben für eine solche Interpretation wie die genannte bringt der französische Tenor zuhauf und steht in der klaren Richtung seiner Deutung unter Kollegen gewissermaßen für sich. Um die Zustände der Schwester Sieglinde ist es nicht gerade besser bestellt; Izabela Matułas durchaus kraftvoller Sopran mit einem fast charakteristischen Schliff im mittleren und unteren Register (im oberen leider nicht ganz so präsent, aber dennoch stimmlich insgesamt sehr stabil) kontrastiert mit ihren verschreckt-runden Augen, die sie besonders im zweiten Akt zur Geltung bringt. Während ihrer ohnehin leicht hellseherisch anmutenden Zeilen scheint sie nämlich in die Götterwelt hineinblicken zu können – als Erste erblickt sie und nicht ihr Bruder die tituläre Walküre – was ihr psychisch gar nicht guttut und sie glatt zum Versteinern bringt. René Pape als Hunding war (zumindest für Sieglinde) da vorher keine Hilfe, da es sich bei dem Gatten nicht gerade um einen Wohlfühlfaktor handelt. Kostümiert in der Standard-Aufmachung eines bayerischen DB-Regio-Passagiers plus Jagdgewehr vermeidet Pape die Verrenkungen zur Grobheit, für die er ohnehin nicht gemacht wäre, wählt stattdessen stimmlich wie darstellerisch eine spöttisch-drohende Ader und beschnipst den ausgehungerten Gast mit Brotbröseln von seinem Campingstuhl aus. Unter diesen Umständen ist Inzest wohl oder übel einfach die bessere Option. Pünktlich zum musikalischen Höhepunkt des ersten Aktes knallen im Architektenbüro die Champagnerkorken wie bei einer Mondlandung – das haben wir aber toll geschafft!, während sich im Vordergrund zwei angeknackste Geschwister aus Verzweiflung ineinander verlieben. Das ist in höchstem Maße böse inszeniert und im Sinne des Werkes treffsicher gezeichnet.
Zum Streit mit Fricka thront Wotan auf seinem Leder-Bürostuhl am Schreibtisch (Farbe: Kamel, Modell: sauteuer, Dekofell: verdächtig wolfsförmig), die Gattin bekommt ganz liebreizend einen fix abgestaubten Drehhocker und ein Käffchen serviert, eine Besucherin in der eigenen Familie. Der Umgang mit einer Kaffeetasse wird zum Fokalpunkt der Passiv-Aggressivität. In den folgenden Szenen wird die unsichtbare Teilung der Bühne offenbar, denn die Treppe, deren Stufen auch die Decke der Hundingshütte im ersten Akt darstellten, scheint die Welt der Menschen zu begründen, alles flacher Boden drumherum hingegen die Welt der Götter. Dazwischen schwebt sozusagen ein Einwegspiegel, der den Göttern das Beobachten der Menschen erlaubt, doch ausgenommen eben Sieglinde nie andersherum. Wie durch einen Traum schleichend beäugt Siegmund in der Todesverkündigung diese fremde Welt, die seine Halbschwester ihm schmackhaft machen möchte. Stéphanie Müther als Titelfigur tönt hier mit schlankem Sopran, ein konzentrierter Stimmfluss und ein destillierter Klang, der glaubhaft ein Mädchen ganz knapp an der Grenze zum Erwachsenwerden zeichnet. Die „Hojotoho!“-Rufe spitzbübisch, gar gewitzt gesungen mit einem strahlenden hohen C, erstklassige Crescendi im letzten Dialog mit ihrem Vater – so macht diese Rolle viel Freude. Auch Małgorzata Walewska lässt sich als Fricka ihre Phrasen schmecken, ruhevoll, bis sie sich zu einem herrlich gezischten „Sieh mir ins Auge!“ hinreißen lässt, wenn der Gatte sie einmal wieder trickreich abbügeln will.
Dass alles ein wenig vor die Hunde geht, davon zeugt auch eine kontinuierliche Aschesymbolik auf der Treppe: die angekokelte Esche des ersten Aktes wird von aufgeschütteten Aschehügeln mit stabartigen Grabmarkierungen im zweiten Akt abgelöst und diese wiederum von nichts anderem als einem schwärzlichen Schutthaufen im letzten. Asche als Symbol von Ende und Neuanfang, was man ist und was man wird: Brünnhilde spielt gedankenverloren damit, Wotan bröselt sie zwischen den Fingern, Brünnhilde legt sich in dem schwarzen Schutt der Esche schließlich zum Schlaf nieder. Am Ende bleibt fast nichts übrig als dieser schwarze Staub in der Menschenwelt, eine Tochter und ihr Vater. In diesem kargen Ende kommt die künstlerische Leitung der Festspiele einmal ausgedehnt zu Wort – nämlich Tomasz Konieczny, der neben seiner leitenden Funktion musikalisch unter Beweis stellt, was seinen Wotan zu einem Unikat macht. Das ist hauptsächlich die Stimmfarbe, ein unglaublich sattes, fiesliches Tiefschwarz, das sich mit säureartiger Schärfe in alle Vokale frisst und mit einer enormen Durchschlagskraft daherkommt. Diese äußerst prägnante Timbre ist eine streitbare Qualität, mag es nicht jedem gefallen, doch es verhilft zu einer ganz bestimmten Einzigartigkeit, wenn dieser Klang, bombensicher phrasiert in allen Szenen, sich zu einer völlig unerwarteten, fast unmöglich geglaubten Weichheit moduliert. Die Lautstärke ist beeindruckend, doch das Leise ist ein Zauber, der hinter dem schwarzen Vorhang eine andere Farbenwelt eröffnet. „Nie send ich dich mehr aus Walhall“ sticht direkt ins Herz, völlig blank und versehrt im Klang singt Wotan mehr zu sich selbst als zu seiner Tochter in der grauenvollen Erkenntnis, was er gleich verlieren wird, erlaubt sich mit „Und das ich ihm in Stücken schlug!“ ein einziges kurzes Schuldzugeständnis, das ihn selbst fast bricht. Bittersüß die Töne, in denen er alleingelassen mit seiner Tochter über ihre Liebe sinniert und ihren Hals streichelt, bis seine Hand sich zusammenzieht, ihre Beine verzweifelt strampeln, der Klang der Bitterkeit erstarrt kalt und hart. Nein, bei einem solchen Vater kann man nicht bleiben. Längst ist die Sonne untergegangen. Die Walküre ist eine Oper des abnehmenden Lichtes. Gern dürfte man an den langen baltischen Tagen noch später anfangen mit der Vorstellung, damit der sterbende Tag früher bemerkbar wird und die Grundstimmung der Tragödie im Hintergrund verstärkt. In der lichtlosen Schwärze lehnen sich Äste zur Bühne, rauschen leicht, während im Zentrum des Geschehens nur noch über die Trümmer einer Familie diskutiert werden kann.
Axel Kober hat es im Graben mit dem Orchester der Baltischen Oper in Gdańsk (in Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester der Nationalen Philharmoniker Lviv) nicht ganz leicht unter diesen Bedingungen. Das stimmungsvolle Grün rauscht nämlich auch stetig und bietet stetig akustische Hintergrundgeräusche, die der Standard-Opernbesucher nicht gewohnt ist. Auch ist der Graben recht offen; keine Gebäudemauern kesseln den Orchesterklang ein, weshalb er zunächst flacher erscheint, an entscheidenden Stellen nicht so sticht, wie man es erwartet. Pluspunkt für Kober, dass er diese Akustik nicht überspielen will, sondern lieber mit ihr geht – Klangflut ist hier nicht, eher Kammermusik, ein leichtfüßiger Walkürenritt und gelegentlich ein willkommenes Dräuen der Streicher. Durch lange Bögen, aber möglichst kurzgehaltene Pausen erreicht man beim Zuhören eine Art Flow State; dass das Dirigat manchmal doch weniger artig sein dürfte, darüber sieht man hinweg, auch über ein paar ärgerliche Patzer im Orchester in den ersten zwei Dritteln. Am Ende spielt das Orchester sogar eine kleine Zugabe: nämlich ein polnisches Geburtstagslied für Małgorzata Walewska, die hier ihre Fricka debütierte und am zweiten Vorstellungstag Geburtstag hat, und ein spontanes „Hojotoho“. Fünftausend Kehlen im Publikum, mit und ohne Polnischkenntnisse, singen mit.
Das rundet den Abend mit einem liebevollen Charme ab, der ein wenig emblematisch für das Festival wirkt – hier sind Sommerfestspiele, denen Arroganz fremd ist, die um ein Publikum und einen Namen sowohl trotz als auch wegen ihrer historischen Spielstätte eifern und dafür auch ein besonderes Ambiente und bemerkenswerte Qualität bieten. Niemand führt sich als Stammpublikum auf; Garderobe variiert, zumindest bis zum Einbruch der Nacht, wenn alles unter Anorak und Decken verschwindet. Eine höfliche kleine Waldspinne schafft es über zwei Kapuzen, bevor sie es sich in einem ihr völlig fremden Ambiente gemütlich macht: weißem Damenhaar. Kann man ihr nicht verübeln. Man könnte glatt noch etwas bleiben.
Lynn-Sophie Guldin | 12. Juli 2026
Eine grandiose „Walküre“ im faszinierenden „Bayreuth des Nordens“!!!
Zum 150. Jubiläum der Uraufführung des Ring des Nibelungen präsentierte das Baltic Opera Festival, dessen Initiator und künstlerische Leiter, der aus Polen stammende Star-Bassbariton KS Tomasz Konieczny ist, in seiner vierten Ausgabe „Die Walküre“ in der Waldoper in Sopot.
In Kooperation mit der Königlich Dänischen Oper und der Griechischen Nationaloper wurde Richard Wagners Monumentalwerk in der eindrucksvollen Kulisse des überdachten, 5000 Plätze umfassenden, Freiluft-Amphitheaters fulminant umgesetzt.
Weltstar und Intendant Tomasz Konieczny übernahm höchstpersönlich die Rolle des Wotan und war in seiner unvergleichlichen Interpretation seiner Paraderolle sensationell zu erleben!!!
In der Inszenierung von John Fulljames (Wiederaufnahme-Regie: Johanne Holten) befand sich Wotan von Anfang an auf der Bühne und lenkte sowie beobachtete das Geschehen. Wotan repräsentierte den Chef eines Planungsbüros mit unzähligen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die an ihren Computern arbeiteten und auf Wotans Befehl agierten. Auch er bediente seinen Computer, um jede Situation auch virtuell zu beherrschen.
Das Wälsungenpaar und Hunding fristeten ihr Dasein in einer holzverschlagenen Hütte, das von Wotan und seinem Planungsbüro sozusagen von „oben“ gelenkt wurde. Für den zweiten und dritten Akt wurde eine große Bühnentreppe hereingefahren, auf der bis zum Ende dieses Wagner‘schen Meisterwerks beeindruckend agiert wurde. Für das Licht zeichnete D.M. Wood verantwortlich und für die Bühne sowie die Kostüme Tom Scutt. Auf Grund der Open-Air Situation wurde mit Mikrofon gesungen.
Das Orchester der Baltischen Oper in Gdańsk in Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester der Lemberger Nationalen Philharmonie, benannt nach Myroslaw Skoryk, präsentierte unter der souveränen und einfühlsamen, musikalischen Leitung von Axel Kober das Wagner‘sche Oeuvre feinfühlig, differenziert mit rundem, wohligem, mächtigem Klang und gebührender, hochmusikalischer Attacke.
Tomasz Konieczny durchlebte seinen sensationellen Wotan mit enormer, wohldosierter Stimm- und Ausdruckskraft, hinreißender Intensität, exemplarischer Wortdeutlichkeit, akribischer, wohldurchdachter Emotionalität und überragender Präsenz. Sein unvergleichliches, männliches Stimmtimbre, seine unverwechselbare, enorm ausgereifte Interpretation sowie seine attraktive, charismatische Bühnenerscheinung machten seinen Wotan zu einem einzigartigen Ereignis!!!
Stanislas de Barbeyrac bewies in der Rolle des Siegmund seine Eignung für das profunde Wagner-Tenorfach. Sein baritonal klingender Tenor wies die erforderliche Fülle, Durchhaltekraft und Präsenz für eine überaus überzeugende Rollenidenfikation auf.
Izabela Matula verlieh der Sieglinde mit ihrem schönen, voluminösen, durchschlagskräftigen Sopran ihr ganz persönliches, präsentes Profil und überzeugte ebenso mit ihrer authentischen Darstellung. Stéphanie Müther erfüllte die Rolle der Brünnhilde mit hingebungsvoller, lyrischer Attitüde, sicheren Spitzentönen, Feinheit und authentischer Emotionalität.
René Pape beeindruckte als Hunding mit seiner bewährten Authentizität, profundem Bass, Wortdeutlichkeit und Präsenz. Malgorzata Walewska gelang ein beachtliches Rollendebüt als Fricka. Bravourös meisterte sie die Herausforderungen der anspruchsvollen Rolle sowohl stimmlich als auch darstellerisch.
Homogen, eindrucksvoll und durchschlagskräftig das Walküren-Oktett:
Katarzyna Wietrzny (Gerhilde), Natalia Rubiś (Ortlinde), Magdalena Pluta (Waltraute), Joanna Motulewicz (Schwertleite), Annika Egert (Helmwige), Iwona Wall (Siegrune), Anna Bernacka (Grimgerde), Barbara Bagińska (Rossweisse).
Eine grandiose, mit stehenden Ovationen, umjubelte Premiere der „Walküre“ in der Waldoper in Sopot, die in bester Erinnerung bleiben wird!
Marisa Altmann-Althausen | 27. Mai 2026
Baltic Opera Festival 2026 begeistert und beeindruckt und läßt Vorfreude auf 2027 aufkommen
Zum vierten Mal fand in diesem Sommer das Baltic Opera Festival statt, das außer der Waldoper auch das Baltische Opernhaus in Gdansk mit einer Produktion einbezieht. Erwies sich die Waldbühne einmal mehr als ideale Spielstätte für Wagner-Opern, und knüpfte mit einer Produktion der „Walküre“ an die alte Tradition an, so wartete das Opernhaus in Gdansk mit einer Rarität auf. Die Operette „Polnische Hochzeit“ des galizisch- jüdischen Komponisten Joseph Beer erlebte in Anwesenheit der Töchter des Komponisten ihre polnische Erstaufführung.
Für die „Walküre“ hatte man eine Inszenierung der Königlichen Dänischen Oper von John Fulljames übernommen, die sich als sehr geeignet für die Freiluftbühne erwies. Eine drehbare Holzkonstruktion diente erst als Hundings Hütte, später als perfekte „Showtreppe“ für die Akte zwei und drei. Der finale Kampf zwischen Siegmund und Hunding, aber auch der Walkürenritt wirkten auf der steilen Schräge besonders intensiv. Weniger überzeugend, ja teilweise sogar störend wirkte die Rahmenhandlung: eine Gruppe von Mädchen, die späteren Walküren, sind an Arbeitstischen zugange, programmieren wohl die handelnden Figuren unter der Anleitung Wotans.
Mit dem französischen Tenor Stanislas de Barbeyrac war der Siegmund hervorragend besetzt. Der Tenor, der auch in Mozart-Partien erfolgreich ist, verfügt über eine gute Technik, ein angenehmes Timbre und ist auch als Darsteller glaubwürdig. Als Sieglinde konnte die polnische Sopranistin Izabela Matula überzeugen. Ihre dunkel timbrierte Stimme harmonierte ausgezeichnet mit der ihres Partners und ihr gelang stimmlich wie darstellerisch ein stimmiges Rollenporträt.
Der Bass René Pape ist nach wie vor eine sichere Bank als knorriger, gefährlicher Hunding. Ein wenig enttäuschend die Brünnhilde von Stéphanie Müther, deren Höhe doch sehr eng klang, und dadurch mit den Hojotoho-Rufen Schwierigkeiten hatte. Im Lauf des Abends gewann sie aber an Sicherheit, und war in der Schluss-Szene dem Wotan eine adäquate Partnerin. Eindrucksvoll der volle Mezzosopran von Małgorzata Walewska als Fricka, die ihren kurzen Auftritt optimal nutzte.
Dominiert wurde die Aufführung jedoch eindeutig von Tomasz Konieczny als Wotan, dessen Interpretation des Göttervaters inzwischen zu den weltweit besten und berührendsten zählt.
Sein runder, voller Bassbariton verleiht der Rolle die gewünschte Wucht und Durchschlagskraft, gleichzeitig stehen ihm aber auch weichere, differenziertere stimmliche Mittel zur Verfügung, mit denen er die Gebrochenheit des Charakters abbilden kann.
Bemerkenswert war die stimmliche Qualität der acht Walküren, komplett mit polnischen Sängerinnen besetzt, die eine Ahnung vom künstlerischen Potential der Gesangskultur des Landes lieferten.
Dem Dirigenten Axel Kober gelang ein temperamentvolles, ausgewogenes und gut strukturiertes Dirigat, das ausgesprochen sängerfreundlich ausfiel. Als Orchester wirkte eine Kooperation aus dem Orchester der Baltischen Oper Gdánsk mit der Lemberger nationalen Philharmonie, denen ein authentischer Wagner-Klang glückte.
Der riesige, eindrucksvolle Zuschauerraum, mitten im Wald gelegen, verfügt über etwa 5000 Plätze, und war weitgehend mit einem enthusiastischen Publikum gefüllt. Kräftige Regenschauer während des zweiten und dritten Aktes blieben dank des schützenden Daches ohne Einfluss auf die Aufführung.
Peter Sommeregger | 7. Juli 2026
El Baltic Opera Festival se consolida, en su cuarta edición con esta Die Walküre, como el festival Internacional de ópera más importante de Polonia. Bajo la dirección artística del renombrado bajo-barítono polaco Tomasz Konieczny, quien además protagonizó la ópera con un Wotan de dorada madurez, para un cantante que ha transformado la realidad internacional de un país, poblado de grandes cantantes y una joven cantera, a la que el Festival también quiere descubrir.
En el histórico Forest Opera, una ladera de un bosque, rodeado de árboles en la población de Sopot, vecina de Gdansk que junto a la otra vecina población de Gdynia, forman parte de la llamada triciudad, en la que Gdansk encabeza como ciudad capital de Pomerania, una de las dieciséis provincias de la República de Polonia.
La historia de la Forest Opera, llamada Opera Leśna en polaco, se remonta a su inauguración en 1909, con la ópera romántica del compositor Konradin Kreutzer, Das Nachtlager in Granada (El campamento nocturno en Granada), estrenada en Viena en 1834. Con lo que se da el curioso dato que este anfiteatro natural en medio del bosque se inauguró con una ópera de temática española. En 1924 se representó la primera ópera de Wagner completa: Die Walküre, que le siguieron casi todos los títulos de las grandes óperas wagnerianas en los años 20, 30 y 40, con gran resultado artístico hasta el punto de que se llamó al Festival el Bayreuth del norte de Europa.
Con el estallido de la 2ª Guerra Mundial y el rechazo a la música wagneriana, el Festival prácticamente desapareció y se fue manteniendo con puntuales representaciones de ópera. Entonces se transformó en el Festival de la canción de Sopot y ha tenido a nombres legendarios de la música como Gloria Gaynor, Paul Anka, Boney M., José Feliciano, Bonnie Tayler o Johnny Cash, entre sus artistas invitados. Un Festival de canción ligera que con su reforma y gran carpa añadida a su espacio para más de cinco mil personas, lo transforman en un escenario único en el mundo. Con esta cuarta edición, el Baltic Opera Festival consolida la Forest Opera como su emblema-escenario estrella.
La representación, con una ligera amplificación de las voces, debido a ajustes acústicos derivados de las peculiaridades del escenario y su carpa, no tuvo por eso la orquesta amplificada, con lo que el sonido natural sinfónico se acopló al de las voces en un alarde técnico de notable resultado.
Hay que alabar el equipo de voces, la mayoría polacas, pues es un lema del director artístico, Tomasz Konieczny, el de contratar a grandes voces nacionales de Polonia para cantar Wagner, pues el nivel vocal está a la altura del reto. Así se pudo descubrir a dos artistas que debutaron el rol, como fueron la Sieglinde de la soprano Izabela Matula y la Fricka de la mezzo Malgorzata Walewska, ambas de las voces más destacadas de la representación.
Izabela Matula brindó un instrumento de notables medios, con un registro lírico potente y homogéneo que coronó con agudos pulidos y gran seguridad técnica. A ello hay que sumar su notable expresión canora y una dulzura tímbrica muy adecuada al rol, un nombre que valdrá la pena seguir.
En el caso de la soprano dramática suiza, Stéphanie Müther, una reconocida wagneriana que ya ha sido una reclamada Brünnhilde, demostró el dominio del rol, un registro agudo sonoro, aún con ciertas tiranteces y algún momento de afinación dudosa. Tanto el fraseo, articulación como los acentos alemanes de la dicción fueron de gran eficacia para una voz importante que dio la réplica a gran nivel al Wotan de Konieczny.
El bajo-barítono polaco, último Wotan protagonista de la última producción del Ring en Bayreuth, ha refinado su caracterización hasta conseguir una madurez actoral y vocal de consumado wagneriano. El color y la emisión se han suavizado de su rudeza original, el fraseo y la expresión tuvieron los colores y matices que exige el rol y regaló un Adiós de Wotan digno de los mejores intérpretes del rol de los últimos años. Agudos poderosos, medias voces, extensión y homogeneidad. Fue sin duda el puntal de la función con el mérito de llevar la dirección artística de una Festival que crece exponencialmente año tras año, llevando el nombre de Polonia a primer nivel internacional.
Gran prestación la de Stanislas de Barberyac como Siegmund. Recién debutado el rol en el Ring parisino del tándem Heras-Casado & Calixto Bietio, el tenor francés demostró una evolución de gran calidad en su recreación del Welsungo. Con un registro agudo más pulido y recio, una gran expresión lírica y la elegancia de su fraseo, fue un Siegmund de categoría para un rol que le va a dar muchas satisfacciones en el futuro y lo confirma como un nuevo perfil de Heldentenor a tener muy en cuenta.
El Hunding del alemán René Pape fue una especie de homenaje a una leyenda Wagneriana que ya se encuentra en la memoria colectiva del público. La severidad del timbre, todavía con un centro granítico y azabache de sonoros graves, un registro agudo que ha perdido brillantez pero no nobleza, su interpretación canónica del personaje rubricó un cuadro protagonista masculino digno de Bayreuth.
Por último generosidad interpretativa, robustez sonora y gran actriz la Fricka de la mezzo polaca Malgorzata Walewska, quien dio una lección de gestualidad y dominio del escenario para demostrar su calidad como gran dama del escenario. De brillante nivel también las ocho valquirias, para una Cabalgata nítida, punzante y heroica como debe ser. Sin voces que desentonaran y con un equilibrio de colores y potencia admirable.
Sorprendió por la flexibilidad de las secciones, el fraseo lírico y control de los matices de la orquesta la dirección de auténtico Kapellmeister de Axel Kober. Administró la narrativa wagneriana sin caer en la espectacularidad de aparador, con la fineza de un director de voces atento a los acentos y con un sonido potente, épico y también de gran elegancia en los tempi, con unas dinámicas cinematográficas muy adecuadas para el entorno natural para una producción que se adecuó con gran estética orgánica a un escenario abierto icónico.
La producción de John Fulljames, estrenada como producción independiente en la Stockholm Opera, se ha reajustado para el escenario de la Opera Leśna, y el resultado fue meritório. Alejada de la manida regieteather, Fulljames apela a las maderas en una escenografía sencilla, formada por una especie de taller artístico, donde Wotan es el jefe del mismo, con sus trabajadoras, las Valquírias, como resolutivas diseñadoras bajo el patronaje del creador. Una especie de demiurgo que construye la historia de los welsungos, en busca de un ideal estético y humano alejado de los divismos de la moda. El vestuario se basa en esa estética de taller, jugando con una naturalidad y sencillez que funciona en la dramaturgia con orgánico resultado. Como obra independiente quedó algo difusa, a la espera de que el Festival se proponga a escenificar Das Rheingold, y acabe un nuevo Ring bajo el concepto de Fulljames.
Un deseo confeso de Konieczny quien quiere devolver al Festival sus años dorados como Bayreuth del Norte. Una iniciativa que parece cada vez más cercana pues el resultado artístico de primer nivel conseguido con esta Die Walküre bien merece una continuación a años vista.
Jordi Maddaleno | 06 Julio 2026



