Götterdämmerung

Patrick Hahn
Opernchor der Wuppertaler Bühnen
Kartäuserkantorei Köln
Sinfonieorchester Wuppertal
Date/Location
22 March 2026
Historische Stadthalle Wuppertal
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
SiegfriedBenjamin Bruns
BrünnhildeCatherine Foster
GuntherJoachim Goltz
GutruneSofia Fomina
AlberichJoachim Goltz
HagenAin Anger
WaltrauteKaren Cargill
WoglindeJuliana Zara
WellgundeEdith Grossman
FloßhildeMarta Herman
1. NornDeniz Uzun
2. NornEdith Grossman
3. NornSofia Fomina
Gallery
Reviews
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Ring für den scheidenden GMD

Was vor fünf Monaten mit dem Rheingold in der Historischen Stadthalle in Wuppertal begann, kommt nun mit dem letzten Ring-Teil, der Götterdämmerung, zu einem krönenden Abschluss. Man fragt sich, wer hier wem eigentlich das größere Geschenk gemacht hat, der zum Ende der Spielzeit scheidende Generalmusikdirektor Patrick Hahn mit einem Mammut-Projekt, das man fast 40 Jahre in seiner Gänze an der Wupper nicht mehr erlebt hat, oder das Publikum, das Hahn wie einen Superstar mit tosendem Applaus feiert. Symbolisch überreicht Catherine Foster beim Schlussapplaus Hahn den Ring, der natürlich nach dem Weltenbrand vom Fluch gereinigt sein dürfte. Aber nicht nur diese Geste geht über einen rein konzertanten Zyklus hinaus. Hahn hat mit dem Sinfonieorchester Wuppertal und einem großartigen Ensemble im Rahmen der Sinfoniekonzerte in der Historischen Stadthalle ein Mammut-Projekt entstehen lassen, das andernorts sicherlich bereits als halbszenisch bezeichnet würde. Dafür hat Hahn gemeinsam mit dem Dramaturgen und Produktionsleiter Fabio Rickenmann und dem Lichtdesigner Pascal Schüller ein Konzept entwickelt, das weit über eine rein konzertante Präsentation hinausgeht. Es wird nicht nur größtenteils auswendig gesungen, sondern auch der ganze Saal in der Stadthalle wird quasi bespielt.

Hinzu kommt ein ausgeklügeltes Lichtdesign in großartigen Farben, das mal die pittoreske bemalte Decke des Saals durchflutet, mal in den Farben Blau, Rot oder Grün Reminiszenzen an die vorherigen Ring-Teile liefert und wie diverse Leitthemen in der Musik funktioniert. Das wird direkt im Prolog in der Nornenszene deutlich. Wenn musikalisch Themen aus dem Rheingold aufgenommen werden, schimmert alles in Blau, während der von Feuer umgebene Walküre-Felsen in Rot leuchtet. Während sich die erste Norn umherblickend ihren Weg durch den Saal zur Rampe bahnt, treten die anderen beiden Nornen auf der linken und rechten Galerie auf, bevor sie sich alle schließlich zum Weitergeben des Seils an der Rampe vor dem Orchester zusammenfinden. Dabei tragen sie rote Tücher, die wie ein Seil benutzt werden und schließlich fallen gelassen werden, wenn das Seil reißt. Deniz Uzun, die bereits als Erda im Siegfried mit dunkel gefärbtem Mezzosopran, der fast schon in die Altlage reicht, begeisterte, glänzt auch als erste Norn mit sauberer Diktion. Edith Grossman und Sofia Fomina lassen gemeinsam mit Uzun diese Erzählung zum ersten musikalischen Höhepunkt der Vorstellung avancieren.

Doch es geht direkt auf Spitzenniveau weiter im Prolog. Was man von Catherine Foster als Brünnhilde erwarten darf, hat man schon in zahlreichen Ring-Produktionen erleben dürfen. Benjamin Bruns hingegen debütiert in der Partie des Siegfried, und schon direkt von Anfang an wird klar, dass dies nicht das letzte Mal sein wird, dass er sich dieser Partie widmen wird. Immerhin steht bereits fest, dass er im Ring an der Bayerischen Staatsoper in der kommenden Spielzeit den Siegfried übernehmen wird. Sein Heldentenor klingt absolut frisch und strahlend und zeichnet sich durch eine wunderbar deutliche Diktion aus. Da wird nicht forciert, sondern in sauberen Höhen zelebriert. Es stört auch nicht weiter, dass Bruns als einziger in der Produktion permanent mit Textbuch auftritt. Er bleibt trotzdem ein Held, wie ihn Wagner sich stimmlich vorgestellt haben dürfte. Zu Beginn treten er und Foster auf der Chorempore auf und nehmen feierlich dort Platz, wo Siegfried im vorherigen Teil Brünnhilde erweckt hat. Doch es drängt ihn nach neuen Abenteuern. Also schreitet er durch das Orchester zur Rampe, um von Brünnhilde leidenschaftlich Abschied zu nehmen. Foster glänzt mit strahlenden Höhen, die in dieser Passage beinahe lyrisch anmuten. Schließlich ist sie hier noch ganz die sanft liebende Frau, was sich im weiteren Verlauf ändern wird.

Joachim Goltz übernimmt dieses Mal nicht nur wie in den vorherigen Teilen die Partie des Alberich, sondern begeistert auch als Gunther mit kraftvollem Bariton und großartiger Textverständlichkeit. Dabei spielt er den zunächst recht selbstverliebten Charakter der Figur glaubhaft aus. Ain Anger wirkt mit seinem schwarzen Bass als Gunthers Halbbruder Hagen von Anfang an undurchschaubar und zwielichtig. Großartig manipuliert er Gunther und dessen leicht naive Schwester Gutrune, die von Sofia Fomina mit warmem, lieblichem Sopran interpretiert wird. Auch wenn es dramaturgisch absolut undurchsichtig bleibt, wieso Gunther und Gutrune nicht mitbekommen sollen, dass Siegfried von Brünnhilde kommt, die er durch Gutrunes Trank vollkommen vergisst, wird auch diese Szene musikalisch großartig umgesetzt. Wenn Siegfried dann in Gestalt Gunthers Brünnhilde erobert, tritt Gunther auf der Chorempore auf, während Bruns von der Galerie singt. Dabei legt er seinen Tenor in diesem Teil deutlich dunkler an, so dass er fast schon baritonal klingt, was die Täuschung auch musikalisch nachvollziehbarer macht.

Zuvor hat Foster allerdings noch eine großartige Szene mit Karen Cargill als Waltraute. Cargill schleicht durch den Saal zu ihrer Schwester, und zunächst gibt es ein freudiges Wiedersehen zwischen den beiden, was Foster und Cargill sehr glaubhaft zelebrieren. Mit absolut klarer Diktion präsentiert Cargill dann die Erzählung der Waltraute, die Brünnhilde dazu bewegen soll, den Ring an die Rheintöchter zu geben. Doch noch will Brünnhilde nichts davon wissen, und so kommt es zum Streit zwischen den beiden, so dass Waltraute schließlich unverrichteter Dinge von dannen ziehen muss.

Zu Beginn des zweiten Aufzugs hat Goltz dann einen großartigen Auftritt als Alberich, der seinem Sohn Hagen im Traum erscheint. Anger sitzt als Hagen schlafend auf einem Stuhl an der Rampe, während sich Alberich auf der Chorempore heranschleicht, aber in einer gewissen Entfernung bleibt, um die Traumerscheinung deutlich zu machen. Anger scheint im Gespräch mit seinem Vater gegen seine eigenen Dämonen zu kämpfen, während Goltz seinen Sohn nur für seine eigenen Zwecke benutzen will. Musikalisch und darstellerisch geht die Szene zwischen Goltz und Anger unter die Haut, bis Anger sich schließlich befreit und seinem Vater klar macht, dass er seine eigenen Ziele verfolgen wird. Da helfen auch Alberichs letzte Worte “Sei treu!” nichts mehr. Der Herrenchor der Wuppertaler Bühnen wird in der folgenden Szene von der Kartäuserkantorei Köln unterstützt und begeistert wie auch später im dritten Aufzug durch fulminanten Klang und große Textverständlichkeit. Foster vollzieht dann im zweiten Aufzug einen Wandel zu einer rasenden Furie. Hat es zunächst noch komische Züge, wenn sie Gunther in seine Schranken weist, lässt das Terzett zwischen Foster, Anger und Goltz, in dem Brünnhilde, Hagen und Gunther Siegfrieds Tod beschließen, einen regelrechten Schauer über den Rücken laufen. Foster durchlebt als Brünnhilde die Szene mit jeder Faser ihres Körpers und glänzt durch harte Höhen. Anger hat mit schwarzem Bass noch das Gefühl, als Hagen die Zügel in der Hand zu halten, während Goltz als Gunther allmählich unsicher wird, ob wirklich für sein Recht gestritten wird.

Juliana Zara, Edith Grossman und Marta Herman kennt man als Rheintöchter schon aus dem Rheingold. Auch in der Götterdämmerung überzeugen sie durch homogenen Klang und nahezu einlullenden Gesang. Doch ihr Charme verfängt nicht bei Siegfried. In der folgenden Waldvogelerzählung glänzt Bruns durch helle Höhen, die absolut unangestrengt klingen, bis die Erinnerung dann zurückkommt und Hagen Siegfried hinterrücks ersticht. “Siegfrieds Tod” ist dann ein absolutes Glanzstück des Sinfonieorchesters Wuppertal, das Hahn mit dramatischer Wucht durch die Passage führt. Es kommt zum anschließenden Showdown, bei dem Hagen Gunther tötet und Gutrune am Leichnam ihres Gatten zusammenbricht, bevor Brünnhilde erscheint und dem Treiben Einhalt gebietet. Mit großer Variation präsentiert Foster den Schlussgesang Brünnhildes und changiert zwischen zarten Tönen und dramatischen Höhen. Beim Weltenbrand zieht Hahn mit dem Orchester noch einmal alle Register, was durch zahlreiche Lichteffekte im Saal und an der Decke unterstützt wird. Hagen versucht von der Galerie noch den in den Fluten untergehenden Ring zu erhaschen, doch die Rheintöchter ziehen ihn von der Galerie. So mündet alles in der Hoffnung auf eine bessere Welt, die mit den emotionalen Klängen des Orchesters zu Tränen rührt. Die Begeisterung des Publikums entlädt sich in tosendem Applaus.

FAZIT
Patrick Hahn und dieses Ring-Projekt wird an der Wupper wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Es ist nur schade, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis gehandelt hat.

Claudia Stockmann | Stadthalle Wuppertal am 22. März 2026

deropernfreund.de

Strahlende Sonne, blauer Himmel, festlich gekleidetes Publikum am frühen Sonntagnachmittag vor der Stadthalle: das hatte Festspielcharakter. Der 3. und letzte Tag, die Götterdämmerung steht bevor und bricht in der Halle los mit drei erhabenen Akkorden des sehr großen Orchesters. Die Celli wogten und die drei Nornen (Deniz Uzun, Edith Grossmann Sofia Fomina) nordische Schicksalsgöttinnen mit prächtigen Stimmen spinnen die Schicksalfäden, singen sauber und klangschön, warum Wotan einäugig ist, wie er mit dem von Siegfried zerbrochenen Speer seine Macht verlor, und vor dem Scheiterhaufen aus dem Holz der verdorrten Weltesche das Ende erwartet – ja das Schicksal ist weiblich. Da reißt der 3. Norn das Seil. Der Mensch wird sein Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Die Nornen haben in der Welt nichts mehr zu melden und verschwinden „hinab zur Mutter, hinab“ in die Tiefe der Erde. Das passiert im Vorspiel.

Der Tag beginnt. Brünhilde und Siegfried, sind aufgewacht. Die Regieanweisung lautete dazu: „Siegfried ist in vollen Waffen, Brünhilde führt ihr Ross am Zaume“. Hier waren heute beide aber in Zivil. Nach herrlicher Cellokantilene begrüßen sie, über das Chorpodium von der Orgel heruntersteigend, mit ihren charakteristischen Leitmotiven, (Siegfrieds in herrlichem Blechfortissimo) die im Crescendo aufgehende Sonne, gedenken ihrer Eide und Liebe. Catherine Foster (Brünhilde) bestach mit klarem, temperamentvollem, kräftigem Sopran bis in höchste Höhen ebenso wie Benjamin Bruns (Siegfried) mit seinem strahlenden beweglichen Tenor, der aber gelegentlich im ff des Orchesters unterging. Jedenfalls gab er ihr den Ring als Wonnegruß und verschwand ab durch die Mitte des Großen Saals zu neuen Taten. Das ausgeklügelte Lichtdesign (Patrick Hahn, Fabio Rickenmann, Pascal Schüller), bei dramatischen Momenten im Verlauf gelegentlich eindrucksvoll, kommentierte ansonsten nicht immer nachvollziehbar und schien verzichtbar.

Bei Siegfrieds Rheinfahrt folgt ein Leitmotiv dem anderen: Brünhilde, Loge, Wellen, Rheingold und Ring waren musikalisch alle mit im Boot. Nach diesem wunderbaren Zwischenspiel erreicht Siegfried die Residenz der Gibichungen, wo Hagen (Ain Anger), seinem weniger begabten König Gunter (Joachim Goltz) von der attraktiven Brünhilde erzählt hat, für die Gunther sofort in Feuer und Flamme entbrennt, sie aber wegen seiner Angst vor realem Feuer nicht aufsuchen kann. Siegfried, mit Hagens Vergessens Trunk von Gutrune (Sofia Fomina) begrüßt und aller Erinnerungen an die geliebte Brünhilde beraubt, verspricht Gunther, sie für ihn aus dem Feuer zu holen, verlangt im Gegenzug dessen Schwester, die in weißem Kleide, rechts schulterfrei, attraktive Gutrune, zur Frau. Siegfried, in seiner Vergessenheit, stürzt sich in dieses Abenteuer wie ein moderner Mann, der dazu keinen Vergessens Trunk braucht. Dank der Tarnkappe raubt er, als Gunther verkleidet, die entsetzte Brünhilde. Während des Raubzuges wacht Hagen in der Gibichungenhalle, kämpft schlecht gelaunt mit mit seinem Selbstwertgefühl. Musikalisch ist diese Szene ein Höhepunkt, wenn bei leisem Paukenwirbel im Pianissimo, bei immer wieder abfallendem Tritonus aus dem Nichts heraus sich schwebend formierende Streicherklänge das Publikum in Bann schlugen.

Szenenwechsel: aus den Vorhängen tritt von rechts Waltraute (Karen Cargill) auf. Nach mächtigen Paukenschlägen erzählt sie Brünhilde vom Ende des armen Wotans, dringt in sie, den verfluchten Ring den Rheintöchtern zurückzugeben. Brünhilde winkt ab. „Von Siegfrieds Liebe lasse ich nie“. Das Zwiegespräch der Schwestern, ein Höhepunkt, ist gekennzeichnet von der Dramatik der beiden großen Stimmen, die vom Orchester unter dem stets aufmerksamen Patrick Hahn subtil und mitfühlend begleitet wurden. Nach dem Abgang Waltrauds kommt Siegfried in Gunthers Gestalt und wirbt um die entsetzte Brunhilde, raubt ihr den Ring vom Finger, treibt sie ins Schlafzimmer, bleibt aber durch Nothung, das Schwert, von ihr getrennt, singt er. Die dramatische Szene zeigt, Gewalt gegen Frauen ist kein neues Thema.

Der 2. Akt beginnt mit dem nächtlichen Zwiegespräch zwischen Alberich und Hagen, seinem Sohn. „Schläfst Du Hagen mein Sohn“ raunt, singt flüsterte der „schlimme Alberich“ hoch oben von der Chorempore herab – ein weiterer Höhepunkt. Hagen sitzt schlecht gelaunt auf der Bühne und fasst zusammen: “Den Ring will ich haben“.

Die Ankunft von Brünhilde in der Residenz ist musikalisch große Oper mit klanggewaltigem Opernchor Wuppertal (Ulrich Zippelius), Kartäuser Kantorei Köln (Paul Krämer) unter mächtiger Pauke. Brünhilde, beleidigt und verletzt durch die Intrigen, durch den Meineid Siegfrieds, plant mit Hagen seinen Mord. Das B-A-C-H Thema in den Orchesterbässen, wenn Hagen mit seinem starken, sonoren, schwarzen Bass bei „tosenden Hörnern“ dann die Mannen zusammenruft, wirft Fragen auf. Das Orchester machte insgesamt einen vorzüglichen Eindruck mit wunderbaren Streicherkantilenen, makellosen Holzbläsern, herrlichem Blech (mit nur ganz wenigen leichten Unsauberheiten des Ansatzes) und sehr selten leicht heikler Koordination, der eigentlich ständig sehr schnellen Streicher.

Im 3. Akt trifft Siegfried auf die Rheintöchter(Juliana Zara Woglinde, Edith Grossmann Wellgunde, Marta Herman Floßhilde), die anmutig zunächst von der Empore oben rechts vom in der Sonne strahlenden Rheingold singen, als Siegfried mit seinem Leitmotiv angekündigt wird. Sie möchten von ihm den Ring habe, iihn in die Tiefe des Rheines werfen, um die Welt von seinem Fluch zu befreien. Siegfried, wieder moderner Mann, schlägt aber vor ihn gegen „Gunst“ einzutauschen. Die Rheintöchter sind keine Prostituierten, bedauern, dass er so geizig ist und verschwinden. Die Jagdgesellschaft trifft sich wieder und Hagen stößt seinen Speer in die verletzliche Stelle von Siegfrieds Rücken, die vom schützenden Drachenblut nicht bedeckt worden ist. Siegfried bricht zusammen, besingt sterbend, wie in Opern üblich, noch über etliche Takte seine Geliebte. Der ernsten Trauermusik bei seinem Abtransport -musikalisch kein Marsch- – lauschte das Publikum ergriffen wie erregt. Der emotionale Stimulus dieser Musik kann süchtig machen. Zuletzt geht es nicht mehr um Politik, Revolution, Macht und Betrug wie im Rheingold sondern nur noch um private Liebe und Eifersucht, also doch um typischen Opernstoff. Nach 20jähriger Bearbeitung des Stoffes hat sich Richard Wagners Interesse geändert. Zuletzt singt Catherine Foster „Starke Scheite schichtet mir dort“, organisiert rund 25 Minuten lang, stimmlich grandios mit ungebrochener Kraft, vom Orchester exzellent begleitet, die Leichenverbrennung ihres Geliebten Siegfrieds, zieht ihm den Ring vom Finger, grüßt Grane ihr Ross und reitet in den Scheiterhaufen hinein, den Liebestod suchend. Die Rheintöchter schwimmen in steigenden Rheinhochwasser heran, ziehen Brünhilde den Ring ab und den darum kämpfenden Hagen („Zurück vom Ring“) hinab in den Rhein. Mit dieser ausgedehnten, auch ohne Bühnenbild ungemein ergreifenden, effektvollen und pathetischen Schlussszene ging der Ring in Wuppertal zu Ende und und es begann für alle Sängerinnen Sänger vor allem natürlich für Brünhilde und Siegfried nicht enden wollender frenetischer Applaus mit stehenden Ovationen, Pfiffen und Bravi für alle, vor allem natürlich für Brünhilde und Siegfried. Der Konzertmeister (Hartmut Schill aus Chemniz), kannte die Sängerinnen und Sänger. Er spielt seit Jahren als stellvertretender Konzertmeister in Bayreuth beim Orchester der Festspiele. Patrick Hahn hat die Sänger mit dem riesigen Orchester vorzüglich begleitet und unterstützt, hatte stets souveräne Kontrolle über die 93 Musiker:innen, acht Hörner, darunter vier Wagnertuben, vier Harfen, auch über fernes Blech aus dem rückwärtigen Foyer, über Rheintöchter und Nornen von den Emporen, großen Chor auf dem Chorpodium. Er hatte einfach alles im Griff bekam begeisterten Applaus extra und von Catherine Foster den Ring des Nibelungen zugesteckt.

Fazit: Der konzertante „Ring des Nibelungen“ endete unter dem scheidenden Generalmusikdirektor bei hochkarätigen internationalen Gesangssolisten und dem vorzüglichen Wuppertaler Sinfonieorchester mit einer sensationellen „Götterdämmerung“ und wird seinen Lebenslauf zieren. Die hiesigen Musikfreunde können jetzt Thomas Mann bestätigen, „dass Wagner in der Kunst des dramatischen Welttheaters eine ähnliche Stellung einnimmt wie Shakespeare im Schauspiel“ und „ als Geist, als Charakter suspekt, als Künstler unwiderstehlich ist.“ In Wuppertal wurde „Der Ring“ zum letzten Mal 1986 aufgeführt.

Johannes Vesper | 23. März 2026

Westdeutsche Zeitung

Monumental: Sechs Stunden Wagner in der Historische Stadthalle Wuppertal

Mit einer exzellenten „Götterdämmerung“ erlebte die konzertante Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ jetzt ihr großes Finale in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Unter der Leitung von Patrick Hahn machte das Sinfonieorchester Wuppertal (SOW) den letzten Teil von Wagners „Bühnenfestspiel“ zu einem musikalisch und atmosphärisch überwältigend schönen Konzerterlebnis. Großartige Solisten mit Wagner-Erfahrung wie Ain Anger, Joachim Goltz, Karen Cargill und Sofia Fomina agierten vor dem Orchester auf der Bühne. In der Rolle der Brünnhilde konnte man die wunderbare „Wagner-Ikone“ Catherine Foster erleben.

In „Siegfried“ – aufgeführt vier Wochen zuvor – hatten Siegfried und Brünnhilde jubelnd ihre Liebe besungen. In der besonders handlungsdichten „Götterdämmerung“ werden sie zum Opfer einer perfiden Intrige. Zu Beginn hört man das fließende Rheinmotiv, das Erda-Motiv klingt an. Dann erzählen drei Schicksalsgöttinnen – die Nornen – was bisher geschah. Bekannte Motive lassen die Handlung Revue passieren.

Zur Frage „Weißt du wie das wird?“ dämmert das Ende der Götter hörbar herauf. Das Schicksalsseil der Nornen reißt, das Motiv der Todesverkündigung erklingt. Selten wurde das so packend erzählt wie in dieser konzertanten Aufführung. Mit Deniz Uzun (Alt), Edith Grossman (Mezzo) und Sofia Fomina (Sopran) sind die Nornen stimmlich exzellent besetzt, das SOW begleitet sie behutsam, die Lichtregie verstärkt die hohe dramaturgische Dichte.

Brünnhilde erwacht neben Siegfried. Bevor er zu neuen Heldentaten aufbricht, gibt er der Geliebten den Ring des Nibelungen. Das Ring-Motiv erklingt, ein Zwischenspiel des SOW verkündet Unheil. Hagen, der Sohn des Nibelung Alberich, will den Ring für seinen Vater zurückgewinnen.

Am Königshof der Gibichungen erklärt er seinen Halbgeschwistern Gunther und Gutrune seinen Plan. Wagner hat in seiner Musik Gefühle, Charaktere, Orte und sogar Gegenstände eng verwoben. So kann man hören, wie zwielichtig die Gibichungen sind, welche Ziele Hagen verfolgt und dass Gunther und Gutrune es als Schmach empfinden, unvermählt zu sein. Mit tiefer, klangschöner und sehr beweglicher Stimme singt Ain Anger den Hagen, als mache er nie etwas anderes.

Wagner hat die Rolle vielschichtig gestaltet
Er ist bestimmend, lässig, berechnend, aber auch nachdenklich. Stimmlich und darstellerisch ist der Bass Ain Anger zurzeit wahrscheinlich der beste „Hagen“ weltweit. Wagner hat diese Rolle in seiner Musik vielschichtig gestaltet: Hagen kann Menschen manipulieren. Er ist gefährlich und böse, doch in der Musik, die ihn charakterisiert, klingt auch Einsamkeit an. Mit Joachim Goltz und Sofia Fomina sind die Geschwister Gunther und Gutrune stimmlich ebenfalls hervorragend besetzt und sie agieren mit großer Spielfreude.

Sie geben Siegfried einen Trank, durch den er Brünnhilde vergisst und sich in Gutrune verliebt. Gunther soll die im Feuerkreis schlafende Brünnhilde für sich gewinnen. Siegfried naht – immer erkennbar am Hornruf, Hagen lockt ihn herbei. Der naive Held vertraut den Gibichungen und wird ihr Opfer. Benjamin Bruns als Siegfried ist eine Entdeckung. Sein Rollen-Debüt singt er am Notenpult, agiert dennoch immer glaubhaft. Sein klangschöner, heller Tenor wirkt klar, voller Leichtigkeit und bleibt doch über die lange Strecke kräftig.

Auf dem Walkürenfelsen erscheint Waltraute. Sie berichtet vom desolaten Zustand der Götter und drängt ihre Schwester Brünnhilde zur Rückgabe des Rings an die Rheintöchter, um den Fluch zu beenden. Die Mezzosopranistin Karen Cargill und Catherine Foster brillieren mit exzellenten Stimmen im hochdramatischen Dialog der Walküren-Schwestern. Brünnhilde gibt Siegfrieds Liebespfand nicht her. Langsam und intensiv erklingen aus dem Orchester bekannte Motive. Vier Hörner lassen von der Empore Siegfrieds Ruf erschallen, zu Brünnhildes Entsetzen durchdringt aber ein Fremder das Feuer. In Gunthers Gestalt entreißt Siegfried Brünnhilde den Ring. Catherine Foster ist eine großartige Brünnhilde. Mit ihrem Sopran verfügt sie über eine ungeheuer starke Ausdruckskraft. Voller Entsetzen muss sie dem vermeintlich Fremden folgen.

Das Vorspiel zum 2. Aufzug ist ein flirrendes Nachtstück – zart und doch akzentuiert. Machtvoll, von Hass und Gier getrieben, fordert Alberich seinen Sohn Hagen auf, den Ring zurückzugewinnen. Auch in der Rolle des Alberich singt und agiert Bariton Joachim Goltz fabelhaft. Schlafend entzieht sich Hagen den Forderungen seines Vaters.

Später ruft er alle Gibichsmannen zur Doppelhochzeit zusammen. Der gut 70-köpfige Chor aus Opernchor der Wuppertaler Bühnen und Kartäuserkantorei Köln präsentiert sich klangstark und gut vorbereitet. Brünnhilde sieht Siegfried als Gutrunes Bräutigam, wutentbrannt entdeckt sie den Ring an seinem Finger. Sie wähnt sich betrogen und bestohlen. Hagen fordert sie zur Rache auf und Brünnhilde verrät ihm die einzige Stelle, an der Siegfried verletzbar ist. Hagen motiviert auch Gunther zur Rache. Die Hörner rufen zur Jagd – hier bietet sich die Gelegenheit, den Helden hinterrücks mit dem Speer zu ermorden. Brünnhilde und Gunther stimmen dem zu.

Siegfried trifft auf die Rheintöchter
Das Vorspiel zum 3. Aufzug bringt das Rheingold in Erinnerung. Siegfried trifft auf die Rheintöchter, die ihm den Tod vorhersagen, falls er den Ring nicht abgibt. Edith Grossman, Mezzosopranistin vom Ensemble der Oper Wuppertal, sowie Marta Herman (Alt) und Juliana Zara (Sopran) singen die Rheintöchter verführerisch und ausdrucksstark mit exzellenten Stimmen. Siegfried weigert sich, den Ring zurückzugeben.

So führt sein Tod schließlich zum Untergang der Alten Welt – der Fluch des Rings zeigt Wirkung. Das letzte Wort hat Brünnhilde mit einer atemberaubend schönen Schlussarie. Sie gibt den Rheintöchtern den Ring zurück und wählt für sich den Tod. Zu großem Orchesterklang gehen Götter und Welt unter. Die Natur holt sich zurück, was ihr gehört. Schon seit dem Rheingold sagt die Musik, dass die Sache nicht gut ausgehen kann, doch Streicher und Harfen lassen Hoffnung durchschimmern.

Unter der hochkonzentrierten, fein abgewogenen Leitung von Generalmusikdirektor Patrick Hahn präsentiert das Sinfonieorchester Wuppertal die unendlich vielen musikalischen Farben und Facetten der „Götterdämmerung“ erstklassig und brillant. Zarteste piano pianissimo Phasen und große Tuttiklänge, Tempi und Übergänge – alles stimmt bei diesem Konzert.

Den 3. Aufzug dirigiert Patrick Hahn deutlich entspannter, lockerer, bewegter und noch zugewandter – so als sei der Druck des großen Ring-Projektes von ihm abgefallen.

Sein gigantisches Vorhaben ist eindeutig gelungen. Die genialen szenischen Ideen von Fabio Rickenmann, deren Umsetzung durch Sängerinnen und Sänger sowie stets perfekt passende Lichtstimmungen lassen Wagners Musik, die handelnden Personen und ihre Charaktere sowie die Handlung besser verstehen als manche Ring-Aufführung auf der Opernbühne.

Nach mehr als sechs Stunden gibt es für diesen Hochgenuss äußerst langandauernden Applaus, großen Jubel und viele Bravorufe vom begeisterten Publikum.

Lilo Ingenlath-Gegic | 24.03.2026

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Technical Specifications
643 kbit/s VBR, 48.0 kHz, 1.1 GiB (flac)
Remarks
In-house recording
Concert performance