Parsifal

Yi-Chen Lin
Gumpoldskirchner Spatzen
Arnold Schoenberg Chor
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Date/Location
15 June 2026
Museumsquartier Halle E Wien
Recording Type
  live  studio
  live compilation  live and studio
Cast
AmfortasKartal Karagedik
TiturelKurt Rydl
GurnemanzAlbert Dohmen
ParsifalRussell Thomas
KlingsorWerner Van Mechelen
KundryDshamilja Kaiser
GralsritterDevin Eatmon
Smelo Mahlangu
Gallery
Reviews
deropernfreund.de

Gezeigt wurde ein Parsifal in einem digitalisierten Bühnenformat: Die Inszenierung bleibt im Kern schlicht, während die visuelle Ebene nahezu ununterbrochen dominiert. Eher kein Kitsch – vielmehr eine Produktion, die bewusst über das Maß hinausgeht. Bühnenbildner Markus Selg zeigt, unterstützt durch Videodesign und kreative Technologie, welche optischen Reize auf künftige Opernbesuchende zukommen könnten. Eine permanente Videofolge versucht, die langen Wagner-Stunden visuell zu beleben, bleibt dabei jedoch oft ohne erkennbare künstlerische Notwendigkeit. Zu sehen sind immer wieder ähnliche Motive: weite, öde Bergketten, verdorrte Landschaften, drohendes Gewölk, Vulkanausbrüche und andere Eruptionen, Dornenkrone, brennende Wälder, umherschwirrende Schicksalsvögel, verwesende Tote auf dem Schlachtfeld und schließlich verklärender Lichterglanz zur wagnerischen Erlösung. Diese unablässige Bilderflut zieht meist an der musikalischen Erzählung vorbei. Statt die Handlung zu vertiefen oder Assoziationen zu eröffnen, überlagert sie häufig das Bühnengeschehen und lässt die Verbindung zu Wagners Musik nur punktuell erkennen. Die Kostüme von Andra Dumitrascu fügen sich, stilisiert und losgelöst von konkret-historischer oder realistischer Verortung, in dieses Gesamtbild ein. Regisseurin Susanne Kennedy begibt sich auf eine spirituelle Reise, hilft sich dabei jedoch mit banaler Symbolik aus.

Wagners Ethos wird hier nicht befragt, sondern entzaubert — und gelegentlich auf bloße Symbolkulisse reduziert. In Wagners Bühnenweihfestspiel zehrt das Geschehen von der Kraft kirchlicher Rituale (Karfreitagszauber), weist dabei aber über das Christentum hinaus. Die Bühne wird in einen Ballungsraum der Religionen und Kulte verwandelt. Römische Standarten, Totempfähle prangen hier ebenso wie Mönchskutten, Mumientücher und Erleuchtungsposen. Plakativ darf auch ein Rehbock durch die Waldszenerie laufen. Russell Thomas in der Titelrolle verfügte über eine respektable, fallweise schneidende Höhe. Er saß die meiste Zeit wie ein Buddha auf dem Felsen der Erkenntnis. Dshamilja Kaiser war eine blasse statuenhafte Kundry, prägnant in Diktion und Timbre, die auch die Stimme aus der Höhe sang. Albert Dohmen verlieh dem Gurnemanz mit seinem dunklen Bass Präsenz. Kartal Karagedik zeichnete den Amfortas mit unverkennbaren Zügen von Christus als Schmerzensmann und prächtigem Bariton. Werner Van Mechelen setzte als Klingsor mit seinem markanten Bassbariton einprägsame Akzente. Kurt Rydl war als Titurel leider nur aus dem Lautsprecher zu hören, ebenso der von Erwin Ortner geleitete Arnold Schoenberg Chor sowie der Kinderchor der Gumpoldskirchner Spatzen. Alle singend Mitwirkenden stehen oder sitzen meist herum: klagend, starrend, wartend auf Erlösung. Das alles erinnert an die Simultanbühne der Mysterienspiele des Spätmittelalters. Musikalisch findet die in Wien aufgewachsene taiwanesische Dirigentin Yi-Chen Lin mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien immer wieder die passenden Stimmungen für die endlos langen Monologe.

Die Blumenmädchen, zu beiden Seiten der Bühne drapiert, die Wucht der kraftvollen Motive und das strahlende Finale der allgemeinen Erlösung verfehlten unter ihrer Stabsführung ihre Wirkung nicht. Der Schlussbeifall des verbleibenden Teils des Publikums war überwältigend. Die Frage „Weißt du, was du sahst?“, ein zentrales, vielschichtiges Zitat aus dem ersten Akt des Parsifal (wenn Gurnemanz den unschuldigen Parsifal befragt), bleibt für das Publikum völlig offen. Im Kontext dieser Inszenierung verweist es – wie in der aufsehenerregenden Bayreuther Inszenierung von Stefan Herheim aus dem Jahr 2008 – auf eine tiefgreifende, schwer zu durchschauende metaphysische Ebene.

Harald Lacina | 21. Juni 2026

operinwien.at

Ertrunken in der Bilderflut

Am Schluss breitet die computeranimierte weiße Taube ihre Schwingen aus – und der neugekrönte Gralskönig entschwebt in die Bühnenhöhe der Halle E des Museumsquartiers. Wer sein Gemüt gerne an Devotionalien labt, hat sich dieser bildkräftigen Deskriptivität schwer entziehen können: zwischen Kitsch und Gott passt manchmal nicht einmal das dünnste „Blatt“.

Aber ist es nicht tröstlich, wenn sich endlich wieder einmal diese Taube in ihrer ganzen Symbolkraft zeigen darf: der weiß gefiederte Heilige Geist der Parsifal wie einen neuen Christus mit göttlichem Wohlgefallen segnet? Die glaubensbegeisternde Naivität dieses Schlussbildes hat schließlich Richard Wagner selbst angewiesen: „Aus der Kuppel schwebt eine weiße Taube herab und verweilt über Parsifals Haupt.“ Als Zeuge dieses Wiener Festwochen „Parsifals“ schwankte man ob dieser werkgetreuen szenischen Offenbarung zwischen dem Gefühl unfreiwilliger Komik und dem Bekenntnis zu mutigem Glaubenswillen: Endlich wagt sich jemand wieder daran, die Taube aus dem „Heliggeistloch“ herabzulassen!

Aber das soll jetzt nicht ironisch klingen. Das Konzept, das Regisseurin Susanne Kennedy und der für Bühne und Video federführende Markus Selg entwickelt haben, zielt nämlich genau auf diese religiöse Komponente ab. Ich zitiere die letzten Satz aus dem schmalen (aber kostenlosen) Programmheft zur Aufführung: „Und wenn am Ende der Oper Wagners Musik alles hinter sich lässt, was sich mit Worten ausdrücken lässt, wenn das Gralsmotiv durch virtuelle Schleier und an KI-generierten Illusionen vorbei in einem vertikalen Strom aufsteigt, der in den Körpern aller Anwesenden nachhallt, wird klar, dass die wirklichen Kräfte des Theaters in seinen religiösen Wurzeln verborgen sind.“

Wie auch immer man jetzt dazu stehen mag, diese „Parsifal“-Produktion des Opera Ballet Vlaanderen hat nicht nur wegen des Stichworts „KI-generierter Illusionen“ die Reise von Gent nach Wien angetreten. Die Wiener Festwochen werden im Programm auch als Koproduzent genannt – und weil diese sich heuer dem Motto „Republic of Gods“ verschrieben haben, passte „Parsifal“ natürlich zu der konzeptuellen Vorgabe.

Doch der rein technische Aspekt ist in diesem Fall spannender als das Ergebnis. Von der bühnenpraktischen Umsetzung aus betrachtet waren die drei „Parsifal“-Aufzüge überfüllt (!) mit computergenerierten Animationen, die für die „Ausmalung“ der Szene sorgten. Noch dazu verströmten diese Animationen den aus heutiger Perspektive ziemlich „retro“ anmutenden Charme alter Computerspielgrafiken. Nicht nur waren sie auf die Gesamtlänge des Werkes berechnet viel zu redundant, sie waren auch qualitativ stark verbesserungswürdig. (Was zum Beispiel an den plump designten immer wieder vor Gebirgslandschaften herumdümpelnden Vögeln abzulesen war.)

In der Mitte der Bühne befand sich eine Art Zelle, deren Hintergrund ebenso eifrig mit Animationen bespielt wurde: ein in der Kontur sechseckiger Raum, eine Art von spirituellem Zentrum, in dem Parsifal den gesamten ersten Aufzug auf einem mit weißem Fell bedeckten Stein sitzend (!) zubrachte. Dort saß er auch im zweiten Aufzug, um von Kundry geküsst zu werden (was ihn so beunruhigte, dass er endlich vom Stein herunterrutschte). Parsifal „teilte“ sich diese Zelle ab dem zweiten Aufzug mit der Animation eines in Levitation befindlichen Yogis – vielleicht Symbol für das innere Selbst Parsifals, schließlich wird Parsifal von der Regie im Finale gleich mitsamt der Zelle levitiert.

Um diese „Parsifal-Zelle“ war eine Art Tempelinneres abgebildet, in einen Rahmen gestellt, der dem der beschriebenen Zelle glich, nur viel größer, in der Optik mit indischem Einschlag und mit allerhand Versatzstücken angereichert: Hinduismus, Buddhismus und ein bisschen Christentum, aufgefüllt mit einigen Statisten, die zum Beispiel langsam ausgeführte rituelle Bewegungen beisteuerten. Die Personenregie war ohnehin nur sehr rudimentär. So wie Parsifal bewegte sich auch Gurnemanz im ersten Aufzug kaum von der Stelle, die Blumenmädchen im zweiten nahmen gestaffelt Aufstellung wie für ein Konzert etc. Die Sängerinnen und Sänger wirkten wie festgefroren – und wenn sie sich bewegten, dann mehr zeremoniell, langsam, so als sollten sie nicht von den animieren Computergrafiken ablenken, die unablässig die Augen teils mit abstrakten Motiven, teils mit der Darstellung von Landschaften, angereichert mit Dornenhecken, Tieren und mittelalterlichen Schlachtrelikten marterten. Die Handlungshöhepunkte wurden auf diese Weise szenisch reihenweise verschenkt, wobei es im Laufe der drei Aufzüge etwas besser wurde. Hin und wieder wurden groß Schlagworte projiziert: etwa gleich im Vorspiel „Parsifal“, wie das Insert eines Filmtitels.

Der musikalische Teil hinterließ einen mehr abgespeckten, „funktionalen“ Eindruck, das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der Dirigentin Yi-Chen Lin sorgte für ein streicherschlankes Rückgrat. Im Laufe des zweiten Aufzugs und vor allem im dritten gelang es ihm sogar etwas Spannung zu vermitteln und im „Dahinschreiten“ von Wagners Musik Tritt zu fassen. (Die Spielzeit des ersten Aufzugs lag bei rund 1 Stunde 40 Minuten.)

Die Besetzung wurde von zwei langgedienten „Wagner-Veteranen“ angeführt: Kurt Rydl und Albert Dohmen, wobei sich in Kurt Rydls Titurel gleichsam „Raum und Zeit“ verschränkten, Rydl hat die Partie bereits 1979 (!) an der Wiener Staatsoper gesungen. Die jugendliche Bassfrische von damals hat er natürlich nicht mehr einbringen können (solche Wunder vermag nicht einmal der Gral zu leisten), aber seine Stimme tönte robust und nach wie vor unverkennbar – und wo das Alter deutlich durchdrang, rechnete man es zum Figurencharakter.

Albert Dohmen ist zwar nie der große Bühnencharismatiker gewesen, aber sein solider Gurnemanz war dieser Aufführung eine wichtige Stütze. Er sang wohldosiert, sparte allerdings hörbar in der Attacke, wo sein an vielen Karrierejahren gereifter Bassbariton schnell Gefahr lief, aus der „Fasson“ zu geraten. Werner Van Mechelen hat erst diese Ostern den Klingsor an der Staatsoper gesungen. Das dortige szenische Ambiente des zweiten Aufzugs (Zeitschriftenredaktion!) passte besser zu seinem doch mehr hellen, „leichtfüßigeren“ Bassbariton, von dem keine „schwarzmagische“ Bedrohung ausgeht. Hier im Museumsquartier war Klingsor so etwas wie ein böser Dämonenpriester, ein „Nekromant“, was auch auf der Bühne befindliche menschliche Totenschädel andeuteten.

Der Parsifal wurde vom amerikanischen Sänger Russell Thomas beigesteuert. Das Gralslicht hat durch seinen Tenor nicht in die Halle E hereingeschimmert. Die Stimme ist etwas geraut und baritonal unterlegt, wird wenig nuancenreich geführt. Die limitierte Höhe wird vor allem gestemmt, ohne dass sie sich strahlend öffnet. Für mehr „deklamatorische“ Passagen hat es einigermaßen gereicht, für das Finale nicht. (Eine nette Pointe ist, dass Russel Thomas vor ziemlich genau 20 Jahren als Soliman in einer Festwochen-„Zaide“ im Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe aufgetreten ist.) Wenig Eindruck hinterließ der vibratolastige Amfortas von Kartal Karagedik.

Dshamilja Kaiser gab eine lyrische, sympathische Kundry mit etwas flacher Tiefe versehen, die zwiespältige mythische Dimension des Bühnencharakters hat sie nicht erschlossen. Wenig Begeisterung erweckten die Blumenmädchen. Der Klang wurde elektronisch verstärkt, was in der Halle E wegen der schlechten Akustik wahrscheinlich die bessere Lösung ist. Die Chöre sowie Titurel wurden aus dem Bühnenhintergrund zugespielt.

Nach dem ersten Aufzug, als spärlicher Applaus einsetzte, gab es ein paar Zischer, und es gelang ihnen sogar, den Beifall weitgehend zu unterbinden. Die Aufführung dauerte (inklusive zweier Pausen) rund fünfeinviertel Stunden. Dann folgten noch sehr wohlwollende fünf Minuten Applaus. Die Halle war sehr gut besucht, nur vorne, in der teuren Kategorie, gab es eine kleine Agglomeration leerer Plätze (was bei Preisen bis zu 175 Euro pro Karte nicht überrascht). Abwanderungstendenz in den Pausen war vorhanden, aber nicht so stark wie befürchtet. Die Mehrheit des Publikums schien an diesem dritten Aufführungsabend (Premiere war am Montag) gewusst zu haben, worauf es sich einlässt.

Dominik Troger | Museumsquartier Halle E 19.6.2026

klassik-begeistert.de

Parsifal versinkt im KI-Sumpf

„Weißt du, was du sahst“ – diese vorwurfsvolle Frage Gurnemanz an Parsifal hätte man eigentlich dem Publikum stellen sollen. Wahrscheinlich würde da als Antwort ein klares Nein zu hören sein.

Was sich das Regieduo Kennedy/Selg ausgedacht haben, das wissen offenbar nur die beiden selbst. Es begann mit (zugegebenermaßen auf den ersten Blick beeindruckenden) Videoinstallationen, deren ertragbarer Effekt schon nach wenigen Minuten verpuffte. Das fing damit an, dass das Vorspiel mit Videoszenen unterlegt wurde, die stark an Harry Potter erinnerten. So die Szene mit den fliegenden Raben in einer tristen Einöde. Ständig wechselten Hintergrund und Perspektiven, ohne dass man je nur eine Sekunde einen Sinn darin erkennen konnte; schon gar nicht einen, der etwas mit diesem Bühnenweihefestspiel oder dem Gral zu tun hat.

Letztendlich war es das übliche „Stehtheater“, das man sehr oft zu sehen bekommt. Da hilft es auch nicht, wenn einige „Performer und Performerinnen“ sinnbefreite Pantomimen vorzeigten. Das hatte auch nichts mit der Geschichte und mit der Handlung zu tun; diese Leute störten nur den Ablauf der Oper. In Summe war das alles total frustrierend.

Warum im zweiten und dritten Akt Parsifal (sozusagen als projizierte Lichtgestalt) wie in einer Yoga-Meditation schwebte, können wahrscheinlich nicht einmal die Regisseure selbst erklären.

Man hatte das Gefühl, dass das Duo jede Religiosität negieren und dem Publikum unbedingt ihren Atheismus unterjubeln wollte. Übrig blieb nur eine völlig „herkömmliche“ Show.

Dass fast zufälligerweise der dritte Akt am besten gelang, verwunderte nur. Entweder absichtlich oder unabsichtlich – ab der Szene Parsifal, Gurnemanz und Kundry konnte man tatsächlich erkennen, wie Wagner die Oper konzipiert hatte. Und die Gralsenthüllung am Schluss war eine der ergreifendsten Szenen dieser Produktion. Sie war auch eine der besten selbst erlebten. Wenn nicht diese unappetitlichen und unschönen Kostüme gewesen wären, hätte man glauben können, in einer Weltklasseproduktion gewesen zu sein. Unverständlich, warum man Parsifal mit einem schmuddeligen sackartigen Überwurf (fast wie ein Spitalshemd) auf die Bühne schickte.

Und in eben dieser Gralsenthüllung wurde er in einer wunderschönen Soutane gekleidet und stieg dann langsam in den Himmel. Und wie der Vorhang schon unten war, sah man plötzlich als Projektion eine weiße Taube (Anm.: aus der Bibel der „Heilige Geist“).

Schade, dass die restliche Regie niemals diesen Eindruck erzeugen konnte.

Musikalisch war die Aufführung sehr achtbar und interessant. Das phantastische ORF-Orchester und die grandiosen Chöre wurden hervorragend von der Taiwanesin Yi-Chen Lin geleitet. Souverän führte die Dirigentin durch die drei Akte, da kann man schon das kleine „Durcheinander“ bei der Chören der Gralsritter im ersten Akt verschmerzen.

Gesanglich war der Abend erstrangig; vor allem wie gewohnt von Albert Dohmen als hervorragender und eindrucksvoller Gurnemanz und von der phantastisch präsenten und stimmlich hervorragenden Dshamilja Kaiser als Kundry. Der gebürtige Türke Kartal Karagedik als Amfortas war eine Klasse für sich. Mit einem hochgradig imposanten und einprägsamen Bariton machte er aus dieser Rolle ein gewaltiges Ereignis. Gänsehaut erzeugten seine „Erbarmen“-Schreie im ersten Akt. Und Frau Kaiser war offensichtlich kein Ton zu schwer. An ihren Auftritt wird man sich noch lange erinnern können.

So uneingeschränkt positiv war der Eindruck von Russell Thomas als Parsifal leider nicht. Der Sänger hat einen beeindruckenden Tenor und offenbar unendliche Reserven. Soll er aber Pianissimo singen, wird die Stimme plötzlich fahl und ist nicht schön anzuhören. Er versucht wahrscheinlich, die leisen Töne mit der Bruststimme anzusingen, was aber meistens nicht gelang. Dennoch störte das den (musikalischen) Gesamteindruck der Aufführung nicht.

Fazit ist, dass dies eine zwiespältige und teilweise beeindruckende Aufführung war. Fazit ist aber auch, dass offenbar die Intendanz nicht in der Lage ist, ein solches Regiedesaster von vornhinein zu vermeiden.

In einer solchen Positionen wäre auch eine Kenntnis und Verständnis für die musikalische Seite vonnöten. Milo Rau kann offenbar mit dem nicht aufwarten; warum er diese belgische Produktion eingekauft hat, sollte hinterfragt werden.

Und es scheint, dass der Wiener Opernintendant mit der musikalischen Seite der Kunstform Oper nicht viel anzufangen weiß. „Parsifal“ ist ein Werk, wo nicht sinnlos herumexperimentiert werden darf. Eine Oper soll nicht als therapeutisches Instrument verwendet werden.

Und Wagners Opern vor allem „Parsifal“ sind Gesamtkunstwerke.

Das bedeutet, dass es eine Symbiose von Wort, Musik und Bühne sein sollte. Das hat bis dato nur Herbert von Karajan in seinen Salzburger Produktionen 1980 und 1981 zusammengebracht.

„Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten.“ Ärgerlich ist der Umstand, dass man wieder eine Möglichkeit verstreichen ließ, um eine beeindruckende Aufführung dieses Werkes zu zeigen.

Kein Wunder, dass vielen Zuschauern angesichts solcher Interpretationen das berühmt-berüchtigte Wort „Regietheater“ über die Lippen rutscht.

Herbert Hiess | 21. Juni 2026

Rating
(5/10)
User Rating
(3/5)
Media Type/Label
Technical Specifications
320 kbit/s CBR, 48.0 kHz, 551 MiB (MP3)
Remarks
Broadcast (Ö1, 27 June 2026) from the Wiener Festwochen
A production by Susanne Kennedy (premiere [Gent 2025])