Götterdämmerung
| Donald Runnicles | |||||
| Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin | ||||||
Date/Location
Recording Type
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| Siegfried | Clay Hilley |
| Brünnhilde | Catherine Foster |
| Gunther | Thomas Lehman |
| Gutrune | Felicia Moore |
| Alberich | Michael Sumuel |
| Hagen | Albert Pesendorfer |
| Waltraute | Annika Schlicht |
| Woglinde | Nina Solodovnikova |
| Wellgunde | Karis Tucker |
| Floßhilde | Stephanie Wake-Edwards |
| 1. Norn | Lauren Decker |
| 2. Norn | Karis Tucker |
| 3. Norn | Felicia Moore |
As in the “Ring’s” other three operas, this “Götterdämmerung” was of the highest musical standing thanks to the excellent cast, the ever dependable Donald Runnicles, and the Orchestra of the Deutsche Oper Berlin. Indeed, the anguish in Waltraute’s scene with Brünnhilde, the terror in Brünnhilde’s abduction and in Alberich’s visit to Hagen, Brünnhilde’s rage and finally the fury the “Vengeance trio” were all amplified thanks to the masterful conducting of Runnicles. Appropriately, Brünnhilde’s immolation scene was the orchestral pinnacle of the evening and possibly the entire “Ring,” thanks to Runnicles’ impeccable musicianship. Alternating between softness and vigor, Runnicles made excellent use of Wagner’s massive late‑Romantic orchestration, which includes full percussion, four harps and eight horns, in addition to strings and woodwinds. Collectively, the musicians expertly conjured ominously dark textures or ethereal sweetness, depending on the scene.
American dramatic tenor Clay Hilley impressed even more than in “Siegfried.” It was a delight to hear a fresh lyrical voice able to confront this dramatic tenor role so effortlessly, even at the end of the opera. Siegfried in “Götterdämmerung” is more complex than in “Siegfried.” Hilley was able to nuance his voice, showing different facets of the character. Most impressive was his vocal morphing into Gunther during the abduction of Brünnhilde, where he transformed his voice into a more baritonal one. As both were wearing identical masks, one could not tell who was singing.
Britain’s Catherine Foster is an appealing dramatic soprano endowed with a powerful and incisive voice. Heard last season as Barak’s wife (Die Färberin) in “Die Frau ohne Schatten” in Berlin, she met the vocal and dramatic demands of that challenging role, as she had two days earlier as Brünnhilde in “Siegfried.” Foster is endowed with a powerful and incisive voice. With extreme ease in her upper register, impeccable diction and a powerful stage presence, few Brünnhildes have been as imposing. Equally important, she knows how to express fury, passion and despair, all necessary emotions in this, the most demanding Brünnhilde portrayal of the Ring cycle.
The revelation of this performance was bass Albert Pesendorfer as Hagen. Few Hagens have conveyed the character’s rage and torment as Pesendorfer did. He was indeed one nasty Hagen, perfectly channeling the self‑loathing, resentful underling. His crystal clear diction and attention to wording were essential in personifying this complex character. Indeed, this is a phenomenal singer and actor. It is hard to conceive that this is the same man who portrayed the soft-hearted Fasolt in “Das Rheingold.”
American baritone Thomas Lehman was an outstanding Gunther. This role requires excellent acting, and Lehman perfectly portrayed the weak, wealthy man in over his head, easily manipulated by his conniving stepbrother. His pleasant, warm baritone contrasted well with Hagen’s bass.
Waltraute’s scene with Brünnhilde is one of this opera’s most beautiful and intense moments. Annika Schlicht, an exceptional Fricka in “Das Rheingold” and “Die Walküre,” astonished as Waltraute. Schlicht’s transformation from the imperious Fricka into the anguished Waltraute was indeed astounding, and her beseeching of Brünnhilde was extremely affecting.
Soprano Felicia Moore excelled both vocally and dramatically as Gutrune. Her beautifully youthful voice was a perfect fit here for the tragically insecure rich kid Gutrune; she exuded malaise from the moment she arrived onstage. In the finale, following Siegfried’s murder, she was devastatingly moving in her grief.
Thanks to the excellent singers, to Runnicles and even to Herheim’s less muddled staging, this was a truly satisfactory “Götterdämmerung.” Unfortunately, understanding the relevance of the refugees to the “Ring” was never demystified in the tetralogy’s last installment, as one had hoped. The suitcases and the refugees likely refer to being “on the move,” but what does this have to do with Norse gods? If Herheim’s take on the “Ring” is on a human level, and the gods mere metaphorical figures, it’s still confounding. If human destiny is to be on the move (what a revelation!), what does the symbolism of the “Ring” have to do with it?
All was as obscure by the end of “Götterdämmerung” as it was in the tantalizing beginning in “Das Rheingold,” which is a pity, as this long and musically glorious exercise could also have been intellectually gratifying had there been more attention granted to the clarity of ideas.
Ossama el Naggar | Jun 7, 2026
Beginnen wir heute mit dem Orchester und seinem Chefdirigenten. Mit der Aufführung der Götterdämmerung wurde Donald Runnicles offiziell als Generalmusikdirektor verabschiedet. Als er sein Amt 2009 antrat, befand sich das Orchester in einem desolaten Zustand. Es war finanziell gegenüber den anderen beiden Opernorchestern der Stadt benachteiligt. Die schlechtere Bezahlung spiegelte sich in der Frustration vieler Musikern wider. Hohe Krankenstände und schleppende Nachbesetzungen freier Stellen führten dazu, daß an manchem Abend bis zu einem Drittel der Musiker im Graben aus Aushilfen bestand. Man erinnert sich an eine Aufführung des Otello, bei der die wunderbare Anja Harteros die Desdemona sang und man sie beim „Lied von der Weide“ und dem „Ave Maria“ am Schluß schon dafür bewundern mußte, daß sie unbeirrt ihren Gesangspart bewältigte, obwohl aus dem Orchestergraben Vierteltoncluster der Streicher ertönten, die jedem Festival für experimentelle Musik gut angestanden hätten. Runnicles sollte hier für Stabilisierung sorgen. Er war und ist kein Stardirigent. Sein altmodisches Amtsverständnis ist das eines Kapellmeisters. Das bedeutet Präsenz im Probenprozeß, auch bei der szenischen Einstudierung, Detailarbeit mit den Sängern und insbesondere Kontinuität in der Arbeit mit dem Orchester. Seine handwerkliche Souveränität, seine Ausdauer und – wie man von Musikern, die mit ihm zusammengearbeitet haben, immer wieder hört – seine menschlichen Qualitäten zahlten sich aus. Das Orchester gehörte schon bald wieder zu den Aktivposten des Hauses an der Bismarckstraße. Neben dem Opernschaffen von Benjamin Britten lag der Schwerpunkt von Runnicles bei Wagner und Richard Strauss. Im gerade beendeten Ring-Zyklus fuhr er gleichsam die Ernte seiner langjährigen Arbeit mit dem Orchester ein. Zu hören war ein dichter, farbiger Mischklang mit vollmundigen Streichern, noblen Holzbläsern und präsentem Blech, den Runnicles im Rheingold noch durchweg dynamisch zurücknahm und sich damit sehr sängerfreundlich zeigte, in der Walküre bei den Vorspielen ordentlich aufrauschen ließ und mit dem er im Siegfried spürbare Freude an der auch auf der Bühne gezeigten farbigen Märchenerzählung hatte und den kraftvollen Clay Hilley in der Titelpartie anspornte. Das Dirigat der Götterdämmerung schließlich wirkte wie eine Zusammenfassung dieser unterschiedlichen Facetten. Klangsatt und auftrumpfend gerieten die großen symphonischen Passagen: die Rheinfahrt, der Trauermarsch, der bewegende Schluß. Das Publikum erwartet hier Rausch und Überwältigung, und es wurde darin gut bedient. Bei Konversationspassagen achtete der Dirigent wieder darauf, die Sänger nicht zuzudecken.
Das erlaubte es etwa Catherine Foster, die nun die Partie der Brünnhilde übernommen hatte, gerade im ersten Aufzug viele leise und zurückgenommene Töne, auch geradezu fahle Farben zu zeigen. Den Stahl ihrer Spitzentöne ließ sie dann als getäuschte und erniedrigte Frau im zweiten Aufzug blitzen (großartig: „Helle Wehr, heilige Waffe“). Den Abgesang teilte sie sich gut ein, hielt ihr Pulver lange trocken, um dann für die Schlußpassage („Grane, mein Roß“) noch einmal alles zu geben. Bei dem wieder munter drauflosstürmenden Clay Hilley, der erneut einen saft- und kraftvollen Siegfried ohne Ermüdungserscheinungen gab, schien Runnicles die Zügel mitunter lockerer zu lassen. Auch bei der übrigen Besetzung mußte der scheidende Generalmusikdirektor keine übergroßen Rücksichten nehmen. Mit hochdramatisch vollem Sound empfahlen sich zu Beginn die drei Nornen Lauren Decker, Karis Tucker und Felicia Moore für größere Aufgaben (immerhin letztere kam anschließend als selbstbewußte Gutrune zum Einsatz). Stark, scharf und schwarz gab Albert Pesendorfer einen abgrundtief bösartigen Hagen. Thomas Lehman war mit tadellos sitzendem Kavaliersbariton ein ausgezeichneter Gunther, den die Regie leider dazu anhielt, im ersten Aufzug immer wieder albern zu kichern. Michael Sumuel sang erneut mit gut fokussierter, kerniger Stimme den Alberich. Annika Schlicht, die in den ersten beiden Ring-Teilen eine beeindruckende Fricka war, trat nun als Waltraute auf, gefiel erneut mit einer klangvollen Mittellage und ungefährdeten Höhen und zeigte einen interessanten Registerwechsel bei tiefen Brusttönen. Der Chor der Gibichs-Mannen klang homogen und kraftvoll.
Musikalisch war dieser Abschluß des Ring-Zyklus eine mehr als runde Sache. Eine derartig stimmige Besetzung ohne Ausfälle bekommt man auch an anderen großen Häusern nicht alle Tage präsentiert.
Bei Stefan Herheims Inszenierung allerdings zeigte sich, daß das lockere szenische Gelingen bei Siegfried tatsächlich dem Stück geschuldet war, insbesondere der limitierten Anzahl der Protagonisten und der märchenhaften Überschaubarkeit der Handlung. In der Götterdämmerung kommt aber alles, was Wagner bis dahin in drei Teilen vorgeführt hat, zusammen, um sich mit häufigen Ortswechseln zum katastrophalen Ende immer stärker zu verdichten. Auch Herheim versucht, seine bisherigen Inszenierungselemente zusammenzuführen, was ihm nur bedingt gelingt. Das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil daran, daß gerade die „roten Fäden“ bereits in den vorangegangenen Teilen wenig überzeugend waren, so das zunehmend nervige Simulieren von Klavierspiel durch willkürlich ausgewählt erscheinende Protagonisten, das Anknipsen der Saalbeleuchtung an Stellen, die der Regisseur für bedeutsam hält, das Herumstehen oder Ein-, Aus- und Umkleiden stummer Statisten. Die unscharfe Grundidee, daß damit moderne, aber offenbar unbehauste Menschen gezeigt werden sollen, die sich einen Mythos erspielen, hat über die gesamten vier Abende keine Überzeugungskraft gewonnen. Nachdem man in der Walküre und in Siegfried zunehmend Gefallen an den aus Koffern zusammengesetzten Räumen und Landschaften gefunden hatte, wird nun eine völlig andere Bildidee eingeführt: Zu sehen ist das Foyer der Deutschen Oper mit Holzvertäfelung und Wolkenskulptur. Dieser Regieeinfall ist gerade an diesem Haus weder neu noch originell, wo man doch einen Rigoletto im Repertoire hat, bei dem die Ränge des Zuschauerraums einfach in die Bühne hinein verlängert werden, und eine Aida, die gleich ganz im Zuschauerraum spielt. Dieses „Ihr seid gemeint!“ hatten wir bereits durch das nervige Einschalten des Saallichts kapiert. Immerhin spielt Herheim mit dem neuen Bühnenbild, läßt es in der oberen Hälfte öffnen, wodurch dahinter wieder die aus den anderen Teilen bekannte Koffer-Felsenlandschaft auftaucht. Sie steht nun für Wallhall, in dem sich als Götter und Walküren verkleidete Statisten zu einem Tableau vivant versammeln. Tatsächlich spielt ja der letzte Teil des Rings vollständig unter Menschen. Mythische Figuren wie die Nornen, die Walküre Waltraute, der Zwerg Alberich und die Rheintöchter tauchen nur am Rande auf. Die Götter sind lediglich noch in Erzählungen und Anrufungen präsent. Herheim nun macht den Götterhimmel wieder plastisch. Zunächst wird damit die Waltrautenerzählung illustriert. Wallhall erscheint als ferner, von der realen Welt geschiedener Ort. Diese Trennung wird dann in der Schwurszene mit der Anrufung der Götter aufgegeben: Hagen erklimmt das Koffergebirge und nimmt Wotans zerbrochenen Speer an sich, auf dessen Spitze nun Siegfried und Brünnhilde ihren Schwur ableisten. Im großen Schlußmonolog, in welchem Brünnhilde ihren Vater Wotan ja in einer längeren Passage direkt anspricht, erscheint ein als Göttervater verkleideter Statist, setzt sich an den omnipräsenten Flügel und läßt sich von seiner Tochter in den Schlaf singen („Ruhe, du Gott“). Das ist ein nicht zwingender, aber hübscher Einfall.
Auch in der Götterdämmerung bewährt sich wieder Herheims Kunst der Personenregie, durch die es ihm gelingt, mit den durchweg darstellerisch fähigen und motivierten Sängern die Handlungsabläufe kurzweilig und in der jeweiligen szenischen Situation plausibel zu gestalten. Eine leider schwerwiegende Ausnahme bildet die Überwältigung Brünnhildes durch den mittels Tarnhelm in Gunthers Gestalt auftretenden Siegfried. Bei Herheim treten hier sowohl Gunther als auch Siegfried auf, und zwar in der Clownsmaske Alberichs. Siegfrieds Gesang, bei dem Wagner eine Stimmenimitation komponiert hat, wird jetzt abwechselnd von beiden gesungen, also von Imitiertem und Imitierendem. Schließlich bleibt entgegen dem Libretto Gunther selbst über Nacht bei Brünnhilde, während sich Siegfried davonstiehlt. Wenn dieser nachher Gutrune davon erzählt, er habe in Gestalt Gunthers neben Brünnhilde gelegen, diese aber nicht angerührt, und erst am nächsten Morgen wieder mit dem Blutsbruder die Rollen getauscht, dann ist das nun offenbar glatt gelogen. Dadurch ist es aber unplausibel, warum Gunther Zweifel an Siegfrieds sexueller Enthaltsamkeit in der fraglichen Nacht hegt. Damit wird jedenfalls Gunthers Motivation für das Mordkomplott mindestens abgeschwächt und die Dramaturgie einer Schlüsselszene gestört. Unnötig ist auch der Einfall, Hagen mit dem Schwert das Haupt des bereits toten Siegfried abschlagen zu lassen, das dann zunächst den entsetzten Mannen präsentiert wird, um schließlich von Gutrune mit einer völlig schiefen Parallele zu Salome in den Händen gehalten zu werden.
Die Schlüsse der ersten drei Ring-Teile zählten in ihrer läppischen Banalität zu den schwächsten Momenten der bisherigen Inszenierung: der lustlose Regenbogen zum ansonsten ausgefallenen „Einzug in Wallhall“ im Rheingold, die kraftlosen Flammenprojektionen auf hochgezogenen Tüchern zum „Feuerzauber“ in der Walküre, das Massen-Petting in weißer Unterwäsche am Schluß des Siegfried. Was nun aber zu der rauschenden Weltuntergangsmusik gezeigt wird, ist demonstrative Bildverweigerung: Protagonisten und Statisten versinken im Bühnenboden, die Kulissen werden abgeräumt, ein bißchen Bühnennebel steigt auf, wird farbig angeleuchtet, erst blau, schließlich rot, eine Batterie mit rot leuchtenden Scheinwerfern wird aus dem Schnürboden abgesenkt, fährt wieder hoch. Der notorische Flügel steht einsam auf der Bühne herum, eine Putzfrau erscheint, wischt über den Boden, schließlich kurz über das Instrument. Vorhang. Zunächst meint man, diese maximale Banalität könne mit dem Hinweis im Programmheft zu tun haben: „ Aufgrund kurzfristiger personeller Engpässe und zur Gewährung der Sicherheit aller auf der Bühne, [überflüssiges Komma im Original] ist der technische Ablauf der heutigen Vorstellung stellenweise geändert.“ Dann liest man aber die Premierenkritiken und muß feststellen: Das ist genau so gemeint. Man kann also getrost die Augen schließen, denn es gibt ohnehin nichts zu sehen. Damit hat dann die Musik das letzte Wort. Zumindest zum Abschied eines verdienten Generalmusikdirektors geht das in Ordnung.
Michael Demel | 1. Juni 2026
Warum man sich dieses 15-stündige, größenwahnsinnige Opernprojekt antut – trotz strahlendem Sonnenschein
Hinreißend selbstbesoffen von den Erfolgen aus dem vorigen Abend singt Clay Hilley von den Heldentaten Siegfrieds, aus Gier widersteht er den oberflächlichen Reizen der Rheintöchter (Nina Solodovnikova, Karis Tucker, Stephanie Wake-Edwards) und wandelt sich in seinem herzzereißenden Abschied zum bedingungslos liebenden Ehegatten.
Bei der Interpretation Catherine Fosters ist das schon schwer zu glauben. Denn im Gegensatz zum komplex angelegten Siegfried ist Fosters Brünnhilde ein Adern gefrierender Eisschrank. Außer sich vor Wut walzt sie über die leider etwas blasse Gutrune (Felicia Moore) und den jammervollen Gunther (Thomas Lehman) hinweg, mühelos füllen ihre hasserfüllten Verzweiflungsschreie den großen Opernsaal. Bei der ehrfurchtserbietenden Ausdauer und Brillanz bleibt allerdings die charakterliche Ambivalenz dieser Frauenfigur auf der Strecke. Ja, das ist Jammern auf hohem Niveau, andererseits wird die fehlende Differenzierung durch die von Annika Schlicht verkörperte Waltraute wirklich deutlich. In ihrem großen Monolog zeigt Schlicht alle Schattierungen der Rolle, sie fleht, brüllt die Schwester an, schleimt sich ein und resigniert angesichts der von Rache getriebenen Dickköpfigkeits Brünnhildes.
Es ist an diesem Abend eine besonders dunkle Tragödie, nicht nur wegen Fosters außerordentlich hasserfüllter Interpretation, sondern auch und vor allem wegen Albert Pesendorfer. Der glatzköpfige Hüne ist kein kluger Stratege, kein geschickter Manipulator, sondern schlicht und ergreifend ein Mörder. Die kleinste Provokation lässt ihn brüllend den Speer erheben. Sein größter Trumpf ist nicht Intelligenz, sondern völlige Moralfreiheit gepaart mit einer ordentlichen Menge Wahnsinn.
Donald Runnicles und sein Orchester helfen bei der düsteren Atmosphäre eifrig mit, mitfühlend finster und hart quillt es da aus dem Graben, allerdings leidet die bisher so hervorragende Dynamik des routinierten Wagner-Dirigenten an einigen Stellen. Der Hier-sitz’-ich-zur-Wacht-Monolog Hagens wird langsamer und kommt zum Schluss fast zum Stillstand, während über den ohnehin schon überforderten, weil asynchronen Chor in der großen Gibichungenszene geräubert wird. Im finalen Aufzug gelingt Runnicles dann plötzlich ein sensationeller Wagnerklang. Plastisch und transparent erzählt das Orchester die Taten Siegfrieds nach, lässt es im Trauermarsch markerschütternd krachen und dekonstruiert die unendlich vielen Leitmotive im großen Finale.
Eben dieser von Dirigent und Orchester so wunderbar gespielter Schluss erinnert wieder einmal daran, warum man sich dieses 15-stündige, größenwahnsinnige Opernprojekt antut – und es bei jeder Aufführung mehr verehrt.
Arthur Bertelsmann | 26. Mai 2026
A production by Stefan Herheim (2021)
This recording is part of a complete Ring cycle.



