Der Dichter-Komponist Richard Wagner ist Tannhäuser, aber ebenso der qualvoll nach Erlösung strebende Mensch aller Zeiten, dem tröstend als großartige Schlußapotheose vom Chor der „Gnade Heil” verkündet wird: Das ist das Resultat einer faszinierenden „Tannhäuser”-Neuinszenierung von Götz Friedrich an der Deutschen Oper Berlin. Musikalisch leidet der Abend unter dem erst im dritten Akt überzeugenden Dirigenten Jiri Kout, dem viel zu dramatischen Hakan Hagegard als Wolfram von Eschenbach und dem Titelhelden Rene Kollo, der trotz größter Bühnenpräsenz nur mehr rücksichtslos noch vorhandene Stimmreste verschleudert. Sonor Hans Sotin als Landgraf, fulminant in Gesang und Spiel Sabine Hass als Elisabeth, während Karan Armstrong nicht ganz die schillernde Sinnlichkeit der Venus musikalisch umzusetzen vermag.
Ein großer Abend für richtiges, packendes, modernes Musikregietheater!
Christian Persy | 12. März 1992